Salzburg. Kein Stau, zügiger Verkehr, freie Parkplätze in den Altstadtgaragen, pünktliche Busse: Die seit einer Woche geltende mittägliche Sperre eines Teils der Salzburger Altstadt für Autos funktioniert – zumindest was den Verkehr betrifft. Denn während die Touristen offenbar mit der Regelung kein Problem zu haben scheinen und auch ohne die zwangsweise Ableitung an Schlechtwettertagen verstärkt die Park-and-ride-Plätze am Stadtrand nützen, bleiben die Einheimischen als Besucher der Stadt aus.
Geschäfte klagen über starke Umsatzrückgänge, in den Lokalen bleiben viele Tische leer. Und das nicht nur wochentags, wenn die Sperre gilt, sondern auch am Wochenende. Glaubt man einer vom Altstadtverband in Auftrag gegebenen Studie, entgehen den Kaufleuten in den fünf Wochen, während die Regelung gilt, rund sechs Millionen Euro an Umsätzen. „Die Vertreibungsaktion hat voll gegriffen. Es gibt Umsatzrückgänge in allen Bereichen“, wetterte Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) und forderte eine sofortige Beendigung der Sperre: „Die Innenstadtkaufleute dürfen nicht länger die Leidtragenden dieses missglückten Feldversuchs sein.“ Ganz anders der für die Sperre ressortverantwortliche Stadtrat, Johann Padutsch (Bürgerliste): Er denkt sogar über eine Ausweitung der Maßnahme nach.
Bald ganztägige Sperre?
Padutsch kann sich vorstellen, dass man den Bereich zwischen Müllner Hügel, Neutor und Staatsbrücke, der noch bis 16. August von zehn bis 14 Uhr nur von Anrainern, Taxis und Einsatzfahrzeugen befahren werden darf, in Zukunft ganztägig und ganzjährig sperrt und so eine Art erweiterte eingeschränkte Fußgängerzone schafft. Eine solche Lösung müsse aber mit der Altstadt und den Bewohnern abgeklärt werden In italienischen Städten seien drei bis vier Quadratkilometer verkehrsbeschränkt, „da ist die Welt auch nicht untergegangen“.
Die Klagen über Umsatzrückgänge sind aber auch für Padutsch bitter. Die Einheimischen seien verunsichert, gesteht er ein. Doch das liege vor allem an der Kommunikation durch die Geschäfte und den Altstadtverband, meinte der Stadtrat. Die Botschaft an die Kunden müsse lauten: „Die Altstadt ist 24 Stunden erreichbar, die Regelung funktioniert.“ Die Stadt gewinne durch die Reduzierung des Verkehrs stark an Lebensqualität, es gebe günstige Bus- und Bahntickets, um in die Stadt zu gelangen.
Bei einem Gespräch zwischen Vertretern des Altstadtverbands und Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) wurden am Dienstag begleitende Maßnahmen vereinbart. Unter anderem soll die Kommunikation über die Mittagsregelung verstärkt werden, um auch die Salzburger Bevölkerung wieder in die Stadt zu locken. Immerhin gehen rund zwei Drittel der Umsätze in der Salzburger Altstadt auf das Konto der Einheimischen.
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