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ÖBB stellen im Osten auf Rechtsverkehr um

03.08.2012 | 15:36 |  von Klemens Patek (DiePresse.com)

Die Eröffnung des Wiener Hauptbahnhofs wirft ihren Schatten voraus: Heute stellen Süd-, Nord- und S-Bahn auf Rechtsverkehr um. Die Züge kommen dann auf anderen Bahnsteigen an als bisher.

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Wer ab 6. August den üblichen Zug der Nord-, Süd- und S-Bahn am üblichen Bahnsteig erwartet, wird ihn verpassen. Denn an diesem Montag werden die genannten Bahnstrecken von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt. Die Züge fahren damit von einem anderen Gleis ab, meist vom bisher anderen Richtungsgleis.

Anlass für die Umstellung ist der neue Wiener Hauptbahnhof, bzw. Lainzer Tunnel. Denn durch diese Verbindung von rechtsgeführter West- und Ostbahn und linksgeführter Süd- und Nordbahn wären Gleiskapazitäten abhanden gekommen. Züge müssten vor der Bahnhofseinfahrt Gleise kreuzen, was die Abwicklung der Züge erschweren würde. Fährt alles rechts, können die ÖBB praktische Umsteigemöglichkeiten am selben Bahnsteig schaffen und Gleiskapazitäten sparen. Würden die Züge wie bisher nur teilweise im Rechtsverkehr fahren, würde der Hauptbahnhof rund 30 Prozent seiner Kapazität verlieren, betonen die ÖBB.

Diese Gleiskapazitäten werden ab 9. Dezember bereits schlagend, wenn der Hauptbahnhof erstmals Züge beherbergen wird - vorerst als Regionalbahnhof der Ostbahn. Vier Gleise mit Bahnsteigen und ein Durchfahrtsgleis gehen dann im Hauptbahnhof in Betrieb. Die Schnellbahnen S60 und die S80 werden dann von der Ostbahn kommend via Hauptbahnhof nach Hütteldorf bzw. Wiener Neustadt fahren. Dadurch versprechen sich die Bundesbahnen einen wesentlichen Komfortgewinn, speziell für Pendler.

Längerer Umsteige-Weg am Handelskai

Dafür müssen Pendler aus dem Norden, die in der S-Bahn-Station Handelskai in die Wiener U-Bahnlinie U6 Richtung Süden umsteigen, in den sauren Apfel beißen. Waren bisher aufgrund des Doppelbahnsteigs mit der U-Bahn nur ein paar Schritte nötig um zur U6 zu gelangen, muss man jetzt hinunter in die Halle, um das S-Bahngleis zu queren und so zur U6 zu kommen. "Die Station Handelskai ist die einzige von rund 80 Stationen, wo es für die Kunden ein weiterer Weg ist", betont ÖBB-Sprecher Herbert Ofner gegenüber DiePresse.com. "Es wäre eine Option, vielleicht schon in Floridsdorf umzusteigen", so Ofner. Dort könnte der Weg zur U-Bahn ein wenig kürzer sein. Hier müssen die Fahrgäste vom hoch geführten S-Bahn-Bahnsteig durch die Bahnhofshalle zur unterirdischen U6-Station.

Konkret werden folgende Strecken auf Rechtsverkehr umgestellt:

  • Nordbahn von Wien Floridsdorf bis Bernhardsthal
  • S7 (Flughafenschnellbahn) von Wien Rennweg bis Flughafen Wien Schwechat
  • Pottendorfer Linie vom Wampersdorf bis Wr. Neustadt Civitas Nova
  • Südbahn von Hauptbahnhof Wien bis Payerbach Reichenau
  • Verbindungsbahn von Wien Hütteldorf bis Wien Meidling
  • S-Bahn-Stammstrecke von Wien Meidling bis Wien Floridsdorf
  • Nordwestbahn von Wien Floridsdorf bis Stockerau
  • Laaer Ostbahn von Wien Süßenbrunn bis Wolkersdorf

16 Millionen Euro teurer Gleiswechsel

Die Kosten für die Umstellung betragen laut ÖBB insgesamt rund 16 Millionen Euro. Davon entfallen 13,2 Millionen Euro auf das Legen neuer Gleise ("Überholgleise") in den Bahnhöfen Brunn-Maria Enzersdorf und Baden. Eine Maßnahme, "die aber auf jeden Fall gekommen wäre", erklärt Ofner. 2,7 Millionen Euro kosten noch die unmittelbaren Umbauten an Bahnsteigen wie neue Wartekojen und die Beschilderung.

Kritik an der Umstellung weist Ofner zurück: "Es hätte weitaus mehr gekostet, wenn wir nicht umgestellt hätten." Eine dreistellige Millionen-Summe wäre bei Umbauten für Überwerfungsbauwerke fällig gewesen. Mit diesen wäre ein Spurwechsel durch Brücken  oder Unterführungen möglich, ohne dass Züge dabei ein Gleis kreuzen müssen.

Studie "nicht für die Zukunft gemacht"

Kritiker berufen sich gerne auf ein von den ÖBB in Auftrag gegebenes Gutachten des Beratungsungernehmens Basler+Partner. Die Studie ist im Dezember 2008 zu dem Schluss gekommen, dass die negativen Auswirkungen bei einer Beibehaltung der derzeitigen Fahrordnung „in Umfang und Anzahl geringer als bei einem einheitlichen Rechtsverkehr“ wären, wie die Gutachter schreiben (Die Presse berichtete). Die Gutachter empfahlen daher eine „Beibehaltung der Fahrordnung wie heute“.

Diese Studie werde jedoch falsch interpretiert, sagt ÖBB-Sprecher Ofner, sie sei "nicht für die Zukunft gemacht worden". Die Planungen gehen davon aus, dass weitaus mehr Züge die Strecke beim Hauptbahnhof in Zukunft befahren würden, als damals miteinberechnet wurde, verweist Ofner auf mögliche Trassenkonflikte beim Wiener Hauptbahnhof.

Umstellung bisher peu à peu

In Österreich wurde ursprünglich links gefahren, weil die ersten Bahnstrecken im Gebiet der Monarchie von Eisenbahningenieure aus England geplant wurden, erklären die ÖBB. Von dort brachten sie den Linksverkehr mit. Die Lokführer hätten jedoch ihre Probleme damit gehabt, weil der Heizer samt Kessel links auf Lok waren. Somit war die Sicht auf Signale links von den Gleisen erschwert. Bereits 1909 begann man daher schrittweise mit der Umstellung auf Rechtsverkehr.

Größtenteils wurde bisher im Rahmen von ohnehin notwendigen Modernisierungsarbeiten auf Rechtsverkehr umgestellt, wie Umbauten oder Neubauprojekte. Zuletzt war das im Jahr 1991 der Fall, als der Abschnitt zwischen Wien Westbahnhof und Amstetten auf Rechtsfahren umgestellt wurde. Drei Abschnitte werden auch nach dem 6. August im Linksverkehr geführt:

  • Wien Hauptbahnhof - Stadlau - Süßenbrunn (Umstellung auf Rechtsverkehr ist für 2015 geplant)
  • Franz-Josefs-Bahn (eine Umstellung ist zum derzeitigen Stand laut ÖBB noch ungewiss)
  • Südbahn ab Payerbach-Reichenau über Bruck an der Mur und Graz nach Maribor. In Payerbach-Reichenau müssen die Züge der Südbahn also weiterhin das Gleis wechseln.

Durchsagen und Info-Personal

Die Bahnfahrer werden schon seit geraumer Zeit durch Plakate und Hinweise auf den Zuganzeige-Monitoren auf die Änderungen vorbereitet. Die Ansagen in den Zügen sollen laut Ofner in nächster Zeit verdichtet werden. Vor den Aufgängen wurden am Boden Hinweise aufgeklebt, die anzeigen, in welche Richtung die Züge dieses Bahnsteigs fahren. Zwischen 2. und 8. August soll auch Infopersonal an den meist frequentierten Bahnhöfen dafür sorgen, dass niemand seinen Zug am Umstellungstag verpasst, weil er gewohnheitsgemäß am falschen Bahnsteig wartet.

Auf einen Blick
Am 6. August werden Nord- und Südbahn, inklusive S-Bahn, auf Rechtsverkehr umgestellt. Das ist nötig, da am Hauptbahnhof zukünftig links- und rechtsgeführte Bahnlinien zusammenstoßen würden. Durch die Vereinheitlichung wollen die ÖBB den Bahnkunden bessere Umsteigeverbindungen bieten und Gleiskapazitäten besser ausnützen. So soll der Zugverkehr am Hauptbahnhof und in Meidling effizienter abgewickelt werden können. Für Fahrgäste ändert sich ab diesem Tag der Bahnsteig ihrer gewohnten Züge.

 

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61 Kommentare
 
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Gast: Halloooo
06.08.2012 13:43
0 0

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Nur den "Alten"bekannt:
Bis Hitler in Österreich einmaschierte wurde in Österreich auf der Straße LINKS gefahren.

Antworten Gast: rzmpf
06.08.2012 15:05
0 0

Re: ---

In Vorarlberg, Kärnten, Tirol und Salzburg gab es schon vor dem Anschluss Rechtsverkehr.

Gast: schüsselfekter
04.08.2012 21:24
1 4

das ist aber lustig

von wien nach stockerau wurde vor langer zeit rechts gefahren. dann wurde auf linksverkehr umgestellt. hurra! jetzt wieder kommando zurück. alles rechts, marsch!

Die großen Ankündigungen, dass die ÖBB nunmehr rechts fährt,

lassen vermuten, dass die Welt sich auch ab sofort in die andere Richtung dreht!
Weniger wäre auch gut gewesen!

Ich sehe ziellos herumirrende ÖBBler und Pensionisten...

... vielleicht sogar auch ÖBB-Frühpensionisten darunter.

Wenn die dann nicht mehr nach Hause kommen, müssen wir dann die Gehälter und Pensionen weiter zahlen?

Karl Lueger rät: Meiden Sie die Österreichischen Bundesbahnen um den 6. August herum - noch konnten nicht alle Mitarbeiter informiert werden.


Heh, so nehmt doch, bitte, die Angelegenheit ein wenig lockerer!

Und fragt: "Was sagen die Grünen zu diesem "Rechtsruck"? Senfen doch sonst immer! ;o)))

Antworten Gast: Der Ahnungslose
04.08.2012 13:32
5 1

Re: Heh, so nehmt doch, bitte, die Angelegenheit ein wenig lockerer!

...stimmt...! ein skandal!

das schreit förmlich nach wiederbetätigung! ich fordere einen Waisenrath und sofortige Sanktionen!

Re: Re: Heh, so nehmt doch, bitte, die Angelegenheit ein wenig lockerer!

Bitte was ist ein "Waisenrath"?

Re: Re: Re: Heh, so nehmt doch, bitte, die Angelegenheit ein wenig lockerer!/Pilatus

1. Bitte, "Nick" beachten!

2. Vielleicht "schöpft(e) man(n) Sprache"??

3. :o)))

in oberösterreich baut die öbb

vorsicht... da werden wieder millionen versenkt...
der selbe dreck... eben nur neu und teuer....
statt begradigung, kurven, kurven kurven

die öbb ist und bleibt ein verschwenderbetrieb und managerfreundlich bei bezahlung

25km hin und retour (also 50km) mit der bahn kosten 170 schillinge...da komm mir du noch mal mit der sparschine...

apropos sparschine ....hast du schon mal probiert ein ticket zu buchen ?????

Re: in oberösterreich baut die öbb

Ich glaube nicht, dass die Bahn irgendwo Schillinge als Zahlung akzeptiert.

Re: in oberösterreich baut die öbb

sparschiene buchen - für web-resistente kunden, die noch dazu in schillingen bezahlen wollen, sicher ein riesenproblem ;)

Antworten Antworten Gast: nestbeschmutzer
05.08.2012 10:35
3 1

Re: Re: in oberösterreich baut die öbb

nein, der baut schon auf die jetzt kommende Zukunft: wenn sich unsere Nationalisten durchsetzen, aus der EudSSR austreten und den Schilling wieder zur Nationalwährung machen:-)- also Hochaktuell und keinesfalls antik. Hinterwäldlersich!

Antworten Gast: tutep
03.08.2012 16:40
8 0

Re: in oberösterreich baut die öbb

was ma da alles hineininterpretieren kann... dieses artikel dient einzig und allein dem zweck, folgende information mitzuteilen: "ÖBB stellt auf Rechtsverkehr um"

APA (ab)geschrieben:

seit der Erfindung der Eisenbahn ... der Linksverkehr auf der Bahn ist aber auf die englischen Urheber der Dampfmaschinen zurückzuführen. Der Hinweis auf 1909, wo man "begönne" auf rechts umzustellen - ist schlichtweg eine Fehlmeldung: die Internationalität (am Kontinent französisch geführt) der Eisenbahnordnungen oder der -gesetze, ließ dem Kaiser keine Wahl und auch nachfolgende Verkehrsminister haben, im wahrsten Sinn des Wortes, nichts bewegt.

Das war in Beton gegossen und nicht zu verrücken, wie es die Privilegien der Eisenbahner noch heute sind: "unverrückbar"!

Re: 03.08.2012 | 15:36 | von Klemens Patek (DiePresse.com)

Wie das - ich habe am 29.07.2012 09:27 "kommentiert"?
.
Sommerwiederholungen, ... Wiederholungen und die ganze Welt spricht von den Sommerlöchern!

Re: Re: 03.08.2012 | 15:36 | von Klemens Patek (DiePresse.com)

Haben Sie doch Mitleid mit den PRESSE-Leuten. Die müssen auch während des Sommers ganze Seiten füllen und das ist nicht so einfach. Nicht einmal der Boulevard kann da aushelfen.

Das wird für die Pendler in Heiligenstadt lustig werden

die dürfen dann aus NÖ kommend die Stiegen runter und danach wieder hochlaufen, um in die S45 umsteigen zu können....

Antworten Gast: m9m
03.08.2012 18:11
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Wieso?

Die S45 fährt dann auch auf dem anderen Bahnsteig los.

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Re: Wieso?

Die S45 fährt ja schon rechts. Deshalb funktionierte ja der bequeme Umstieg. Das ändert sich jetzt, genauso wie am Handelskai von der Schnellbahn in die U6 stadteinwärts!

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Re: Das wird für die Pendler in Heiligenstadt lustig werden

FJB ist nicht betroffen ;)

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FJB ist nicht betroffen

Ein bißchen scherzen?!
Der Franz Josef Bahnhof ist ja ein Kopfbahnhof, daß der nicht betroffen ist, ist doch klar!

Die Umstellung

kommt sehr spät. Vielleicht hätte man früher damit beginnen sollen. In Deutschland herrscht seit langem "Rechtsverkehr" und in der Schweiz nach wie vor "Linksverkehr", alles einheitlich im ganzen Land. Nur in Österreich geht alles "zizerlweis" voran und das kostet dann halt eine Menge Geld. Man muss eben planen und agieren, siehe DB und SBB, und nicht warten und dann verspätet reagieren wie die ÖBB.

Re: Die Umstellung

Es verursacht auch enorme Kosten - weil alle Signalanlagen in beiden Richtungen funktionieren müssen. Also extra Kosten wegen fehlender/schlechter Planung.

Re: Re: Die Umstellung

Irrtum...die zweigleisigen Strecken werden seit
langem für. gleiswechelbetrieb eingerichtet, das heißt, alle Gleise sind in beiden Fahrtrichtungen signaltechnisch befahrbar...also keine neuen Signale nötig.

Was ich aber als ÖBB Jubelprogaganda sehe: Durchgangsbahnhof (Wien Hbf) als uneingeschränkten Vorteil für Fahrgäste darzustellen.Ich finde es viel angenehmer, wenn man im Kopfbahnhof schon, sagen wir 15 Minuten, vor Abfahrt des Zuges in bereitgestellte Garnitur einsteigen zu können als am zugigen Bahnsteig warten zu müssen!

Der neue Hbf wird für manche Fahrgäste sicher Vorteile bringen, für nicht wenige aber Nachteile (schlechtere Erreichbarkeit). Man sollte nicht gegessen, daß wesentlicher Grund für Neubau freiwerdende Baugründe im Interesse der Gemeinde Wien waren, die hptsl durch Megainvestitionen der ÖBB bzw des Steuerzahlers ermöglicht wurden. generell möchte ich das Vorhaben gar nicht schlechtreden, aber ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis in vernünftiger Relation stehen?

 
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