18.05.2013 11:03 Merkliste 0

Wiens „Problem-Tschetschene“ beschäftigt wieder die Behörden

27.07.2012 | 18:24 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Der (Ex-)Statthalter des der Folter und des Mordes verdächtigten Präsidenten Kadyrow hat – trotz Aufenthaltsverbots – erneut um Asyl angesucht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Nach außen hin ist es ein Fall wie jeder andere. Blickt man jedoch hinter die Mauern des Innenministeriums, zeigt sich ein anderes Bild: Tschetschene F., der in den Akten des Verfassungsschutzes auch unter zwei anderen (Alias-)Namen geführt wird, ist wieder da. „Das ist schon mehr als unangenehm“, sagt ein Insider.

Recherchen ergaben, dass F. in Österreich nämlich einmal mehr einen Antrag auf Asyl gestellt hat. Und das, obwohl er eigentlich gar nicht hier sein dürfte. Trotzdem sind den Sicherheitsbehörden die Hände gebunden. Der Fall des Mannes, der einst angab, hierzulande eine Art Botschafter des der Folter und des Mordes verdächtigten Tschetschenen-Präsidenten Ramsan Kadyrow zu sein, beschäftigt die Republik seit acht Jahren. Und er zeigt, wie unkoordiniert Österreichs Asylbehörden manchmal nebeneinander arbeiten.

Anfang 2012 wurde F. per Bescheid sein Status als Konventionsflüchtling aberkannt. Er musste das Land verlassen. Im April reiste er – dieses Mal illegal – über Polen und Tschechien ein. Durch einen Zufall (Autopanne) erwischte ihn die Polizei. Er kam in Schubhaft, sollte nach Polen überstellt werden, denn: Laut dem sogenannten Dublin-Übereinkommen müssen Asylwerber in jenem Land ihren Antrag auf Schutz stellen, über das sie in die EU einreisen.

Aus der Abschiebung wurde nichts. F. stellte beim Asylgerichtshof im Bundeskanzleramt einen Antrag auf Abschiebeschutz. Der Beschluss des AsylGH vom 8. Mai 2012 gab ihm Recht. Verfassungsschützer und Asylbehörden schütteln seither die Köpfe.

 

Unentdeckt im Flüchtlingsstrom

Bei den verantwortlichen Stellen im Innenministerium gilt der Mann als eine Art Präzedenzfall in der Tschetschenen-Frage. Erst nachdem man über 20.000 Schutzsuchenden vor den Gräueln des Krieges in ihrer Heimat Schutz gewährt hatte, verdichteten sich beim Staatsschutz die Hinweise, dass mit dem Strom der Asylwerber auch regimetreue Personen angespült wurden, die hierzulande darauf achteten, dass sich niemand allzu kritisch über den Putin-treuen Tschetschenen-Präsidenten Ramsan Kadyrow äußerte.

Umar I. tat es trotzdem – beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Konsequenz war seine Ermordung auf offener Straße in Wien-Floridsdorf. Die Täter sind (nicht rechtskräftig) verurteilt. Als Auftraggeber vermutete der Staatsanwalt Ramsan Kadyrow selbst.

Gegenüber der „Presse“ bestritt F. in anwaltlichen Schreiben, als Agent für Kadyrow tätig gewesen zu sein. In einem „Presse“-Interview stellte er sich gleichzeitig als dessen inoffizieller Vertreter in Österreich dar. Mehrfach ermittelten Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz gegen ihn. Der Verdacht: Er soll asylberechtigte Landsleute unter Druck gesetzt haben. Allerdings stand stets Aussage gegen Aussage. F. war nichts nachzuweisen.

Zumindest bis man bemerkte, dass F. zu einem von Kadyrow organisierten Kongress nach Tschetschenien reiste und einen russischen Pass beantragte. Der Glaube der Behörde, dass F. ausgerechnet von diesem Regime verfolgt wurde, war dahin, er musste ausreisen.

Und trotzdem darf er hier sein. Im Beschluss des AsylGH steht nämlich sinngemäß, dass der vor einem halben Jahr vom Innenministerium nachgewiesene Missbrauch des Asylrechts nicht zwingend bedeute, dass F. heute in seiner Heimat nicht doch verfolgt werden könnte. Dies zu überprüfen, hätten die Behörden unterlassen.

Das Innenministerium kommentiert den Fall auf Anfrage offiziell so: „Unserer Auffassung nach sind die Gründe für die Aberkennung von F.'s Asylstatus nach wie vor gültig“, so ein Sprecher. Warum es Österreichs Behörden nicht schaffen, in wichtigen Asylfragen zu kooperieren? „Der Asylgerichtshof im Bundeskanzleramt ist die Rechtsmittelinstanz. Wir müssen das Urteil zur Kenntnis nehmen und kommentieren es nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

38 Kommentare
 
12
Gast: Grieg, Liszt & Händel
29.07.2012 13:32
5 0

Es ist imponierend

und zugleich frustrierend, wie sich solche Leute in unseren untauglichen Gesetzen auskennen und diese ausnützen.
Unsere Gesetzgeber sind allesamt für die "Würscht", die (fast) keine hieb, -stich- und wasserfeste Gesetze zusammenbringen.

Das hat im Wesentlichen mit der Zusammensetzung des Nationalrates zu tun.

Antworten Gast: Pips
03.08.2012 19:13
0 0

Re: Es ist imponierend

Österreich ist ein"freies" kommunistisch orientierter Staat. Das ist sein Kreisky so. Daher werden Gesetze immer so formuliert, daß sie biegsam wie Gummi sind. Ein klares einem Rechtsstaat würdiges Gesetz muß man mit der Lupe suchen. Das ist Kreiskys und Brodas Erbe.

Gast: joseph
28.07.2012 18:56
9 0

asyl

wie lange wird sich oesterreich und europa in asylfragen noch missbrauchen lassen ?

Gast: zuwi
28.07.2012 18:37
1 7

Da Uwe Scheuch wird ihm schon helfen,

der ist ja ein Spezialist ...

Gast: ROTFRONT
28.07.2012 17:47
1 7

"Problem-Tschetschene" - welcher FPÖler soll das sein?

Welche nicht -er-Endung haben die?
Hmmm?

österreich

man kann die wörter "asyl" und "flüchtlinge" schon nicht mehr hören.

Gast: innländer
28.07.2012 15:26
15 1

Für erfolgreiches Asyl in Österreich gibt es 3 Strategien:

1. Die Arigona Methode.
Ist zwar langwierig und nervt alle extrem, ist dafür aber sehr erfolgreich.

2. Die Bezahl Methode.
Man sucht sich einen Politiker nach Gusto und beginnt in 25000,- Euro Schritten diesen zu "unterstützen". Je nach Höhe der "Unterstützung" ist auch eine Ö Staatsbürgerschaft drin. Geht sehr einfach, sehr schnell und funktioniert immer.

3. Die Antrags-Wiederholungs Methode.
Man stellt einfach in frei definierbaren Monatsrhythmen Asylanträge und kann sich sicher sein, dass irgend wann einmal ein Antrag durchgeht. Die schwierigste Methode und auch mit einem geringen Restrisiko verbunden, aber machbar.

Für alle Methoden gilt während der ganzen Asylprozedur, wird generell alles vom Ö Staat bezahlt. Also viel Lesestoff und Videos einplanen um die fade Zeit (mehrere Jahre, je nach Methode) zu überbrücken.

Es spielt generell keine Rolle, ob man Massenmörder, Krieger, Räuber oder sonst was eher nicht so nettes bisher gemacht hat. In Ö sind alle Menschen gerne gesehen und stets willkommen.

Re: Für erfolgreiches Asyl in Österreich gibt es 3 Strategien:

Hätten Sie das freilaufende Deppenleerzeichen im Griff, hätte ich Ihnen ein dickes Plus spendiert.

Beim Import

zwiellichtiger Gestalten hatten unsere Roten und Grünen schon immer ein "gutes Händchen". Jetzt stellt sich der AsylGH auch noch auf ihre Seite, Herz was willst du mehr. Dass aber dadurch die Probleme bezüglich Asyl nicht kleiner sondern größer werden, das kümmert sie nicht im geringsten. Warum auch? Haben doch ihre Anwälte wieder Freude an mehr Prozessen, die Geld bringen. Und wenn's bis zum EUGH geht, auch gut, zahlt ja der Steuerzahler.

5 10

.....

ich würd mal sehen was ihr machts wenn in österreich krieg gibts.....sobald in tschetschenien alles normal ist kehr ich zurück..... wer will schon nicht in sein Heimatland leben? schon traurig wie ihr euch aufführt :-/

Antworten Gast: Rückführer
28.07.2012 13:39
13 3

Re: .....

Tschetschenien grenzt nicht an Österreich. Sie hatten zig Auswahlmöglichkeiten in eiem der umgebenden Länder Zuflucht zu suchen. Warum gerade Österreich? Des Weiteren bin ich davon überzeugt, dass Sie fest daran GLAUBEN, nach dem Ende des "Krieges" wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Ob Sie es von sich aus dann wirklich TUN werden, sei dahin gestellt. Was wir ganz sicher tun werden ist, dafür zu sorgen, dass Sie in Ihr Heimatland zurückzukehren, sobald der "Krieg" dort vorbei ist. Wir machen das gerne und ganz umsonst. Und Sie haben uns nicht zu sagen, wie wir uns in unserem Land aufzuführen haben.

Re: Re: .....

ich hab nicht gesagt wie ihr euch aufzuführen habts, hab nur gesagt das ist traurig wie ihr euch aufführt. zu erst genau lesen und dan erst schreiben bevor du irgendein blödsinn redest. und ihr glaubsts das wir uns freuen hier zu sein??? wir bekommen knapp 500 euro pro monat wohnung kostet 800 euro aber dank einer guten freundin von meine mutter dürfen wir in einer von ihren wohnungen billiger bleiben.... meine mutter hatte matura, studium abgeschlossen was glaubts ihr würde sie in tschetschenien bekommen??? hier wird sie gerade noch in einer islamische Kindergarten Betreuer aufgenommen!wo es extrem anstrengend ist und ziemlich scheiße zu arbeiten ist

Re: Re: .....

naja gut das nicht meine österreichische freunde sie sind... weren alle österreicher wie sie dan gebe es kein zukunft für die ausländer

Antworten Antworten Gast: asu
28.07.2012 15:08
4 7

Re: Re: .....

nunja, mit einer kleinen parteispende wäre ja die staatsbürgerschaft drinnen. das ist ja part of the game, nicht wahr?
und da hat der kleine durchschnittsbürger wie herr Rückführer nicht viel zu melden.

Re: Re: .....

ganz hart

Antworten Antworten Antworten Gast: Hunter
28.07.2012 14:29
5 3

Re: Re: Re: .....

Wir können auch noch ganz anders - historisch belegt.

Gast: Bauer P
28.07.2012 10:36
14 0

Aber auf Gudenus von der FPÖ haben sich die Medien eingeschossen

Als er sich in Tschetschenien für die Rücknahme ihrer Flüchtlinge eingesetzt hat!

Gast: Houston, wir haben ein Problem
28.07.2012 09:32
16 0

Wenn

Problem Tschetschenen mit unseren Problem Gesetzen die von unseren Problem Politikern gemacht wurden zusammen kommen. Haben wir eben die Probleme, die wir deswegen andauernd haben. Das perfekte Asylanten perpetum mobile.

14 0

Vielleicht kann man ihn während seines Verfahrens ...

bei der Vasilakou unterbringen. die Grünen sind ja eh für die Aufnahme aller Ausländer.

man kann der Juridikatur nur schwer einen Vorwurf machen, wenn unfähige Politiker impraktikable Gesetze machen und beschließen, welche derartige Parallelstrukturen schaffen. und wenn den linken rot-grünen Genossinen die Urteile nicht gefallen, wird einfach gegen das mit eigener Stimme beschlossene Gesetz demonstriert.

Fazit: es kann einem nur schlecht werden!

Re: Vielleicht kann man ihn während seines Verfahrens ...

Die Grünen sind für die bedingungslose Aufnahme aller Flüchtlinge. Das schon, natürlich. Aber um Himmels Willen doch nicht bei sich selber. Da haben Sie das Gleichheitsverständnis der GrünInnen und GrünAußen (oder wie die Pfosten das halt formulieren) noch nicht ganz intus.

Gast: Hunter
28.07.2012 08:11
23 0

Für Tschetschenen braucht man die Russenmethode um sie los zu werden.

Sonst gar nichts.

Re: Für Tschetschenen braucht man die Russenmethode um sie los zu werden.

Volltreffer!

was für ein dictum...

"Erst nachdem man über 20.000 Schutzsuchenden vor den Gräueln des Krieges in ihrer Heimat Schutz gewährt hatte, verdichteten sich beim Staatsschutz die Hinweise, dass mit dem Strom der Asylwerber auch regimetreue Personen angespült..."

als wären die menschen treibholz und die ursachen ihrer flucht nicht selbstverständlich...

Was sind wir?


Wem ist das eingefallen?

Welchem Literaten ist "Problem-Tschetschene" eingefallen?
Soll etwa wie mit dem Problembären verfahren werden?

Geht's noch???

Antworten Gast: Defender
28.07.2012 09:46
15 0

Re: Wem ist das eingefallen?

Wenn Sie das so stört, können Sie dem feinen Herrn ja Quartier bei sich geben, bis man eine ordenltiche Lösung zurechtgezimmert hat.

 
12