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St. Lorenzen: "Die erste Depression ist vorbei"

28.07.2012 | 18:44 |  von Christine Imlinger (Die Presse)

Am Tag acht nach der Mure sind die Betroffenen im steirischen St. Lorenzen zuversichtlich. Sie sprechen von einem Zusammenrücken im Dorf und danken ihren Helfern. Ein Lokalaugenschein.

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Von der Katastrophe ist zunächst wenig übrig. Dreckige Straßen, Schutthaufen, stapelweise Sandsäcke. Nur langsam lässt sich die Gewalt der Mure erahnen. Biegt man im Feuerwehrauto – die Zufahrt ist gesperrt – in die Straße nach St.Lorenzen, stehen acht verbeulte, völlig verschlammte Autos neben der Straße. „Die hat es hunderte Meter, die ganze Straße entlang, heruntergespült“, erzählt Feuerwehrmann Anton Brugger.

Im Kern des Örtchens werden die Ausmaße sichtbar. Spuren zeigen, dass der Schlamm bis zu den Fenstern im ersten Stock stand, vom Schlamm völlig planierte Flächen, wo früher Gebäude standen. Unzählige Helfer sind am Werk, waschen mit Feuerwehrschläuchen Fassaden, verbauen das Flussbett neu. „Morgen ist Sonntag, da soll es wieder wohnlich sein“, sagt Walter Danklmeier, der Kommandant der Feuerwehr St. Lorenzen. Viel früher als gedacht, gegen 18 Uhr, werde der Ort so weit sauber sein. Es ist Sommerwetter, die Stimmung der Einsatzkräfte locker, fröhlich. „Ein Ruck ist durch den Ort gegangen. Die erste Depression ist vorbei, jetzt schaut jeder nach vorn.“

St. Lorenzen: Vorbereitung auf neue Gefahren

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„Der Raum war voll“. Acht Tage ist es her, dass ungeheure Massen aus Schlamm, Schutt, Holz, Wasser und Geröll durch das beschauliche Dorf geschwemmt sind, Erdgeschoße und Keller gefüllt, Ställe, eine Straße und acht Brücken mitgerissen haben. Gegen fünf Uhr früh, innerhalb von zwei, vielleicht drei Minuten. Aufgewacht? „Ich bin senkrecht im Bett gestanden!“, erzählt Siegfried Schaffer. Was bei ihm passiert sei? „Na ja“, sagt er, zuckt mit den Schultern. „Der Raum war voll. Sauna, TV, Böden, alles kaputt“, Türe, Fenster selbst eine Betonwand wurden eingedrückt. Die Fassade haben Feuerwehrmänner am Morgen abgespritzt, zu Mittag sitzen sie im improvisiert aufgebauten Carport bei einer Jause.

„Mit denen müssen Sie reden, das sind die Helden“, sagt ein anderer, dessen Haus verwüstet wurde, und deutet zu den Einsatzkräften. Nicht das einzige Mal fallen solche Worte. „Der Schaden? Etwa 250.000 Euro“, sagt Rüdiger Schasching, der Seniorwirt im Dorfgasthaus. Die Versicherung deckt das nicht ab, wie bei den meisten. „Das Wichtigste ist – das müssen Sie schreiben! –, Gott sei Dank sind die Einsatzkräfte da.“ Schasching steht wieder in der Küche, die Böden werden gewischt, in 14 Tagen soll wieder aufgesperrt werden.

Eine Nachbarin heirate, zuerst wollte sie absagen, aber der ganze Ort, erzählt man, habe sie ermutigt, jetzt erst recht zu feiern. „Wir werden uns halt Sessel ausborgen“, sagt Schasching. Sein Mobiliar liegt schon auf einer Deponie. Neben 48 Tonnen Sperrmüll, 40 Tonnen Eisen, 1500 Tonnen Schlamm und Geröll, 2500 Festmeter Holz: So beziffert Bezirkshauptmann Josef Dick die abtransportierten Massen. „Es gab eine Phase des Schocks, dann Verzweiflung, dann haben die Leute gesehen, mit welcher Infrastruktur wir in die Schadenslagen hineinfahren“, erzählt Dick. Er sitzt am Samstagmittag am Lehrertisch eines Klassenzimmers der Hauptschule Trieben, der Kommandozentrale, und koordiniert mit einem Stab aus 100 Leuten die Arbeit.

Jederzeit alarmbereit. 450 Einsatzkräfte sind vor Ort. Die Feuerwehr ist seit sechs Wochen täglich im Einsatz, auch das Bundesheer kämpft schon seit mehr als einem Monat gegen Überschwemmungen im Paltental. Aktuell mit 323 Mann, die sich entlang des Bachbetts nach oben kämpfen, um es zu sichern, erklärt Vizeleutnant Josef Pfeifer, der Einsatzleiter vor Ort. Die Gefahr ist nicht gebannt, die Vorlaufzeit, wenn wieder eine Mure kommt, ist kurz. „Wir haben 70 Sekunden“, erzählt eine Anrainerin, „um auf den Hügel dort zu laufen.“ Einen Tag zuvor war es so weit, wieder wurde Alarm ausgelöst.

Aktuell lauert die größte Gefahr aber anderswo. Schwarzenbach, auch eine Katastralgemeinde von Trieben, wird evakuiert. 109 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen, erklärt Bürgermeister Helmut Schöttl. Die Stimmung beschreibt er als „gefasst“, trotz Ungewissheit. Die Evakuierung könne laut Bezirkshauptmann Dick Tage oder Wochen dauern. Schließlich ist das Areal, das in dieses Dorf abrutschen könnte, riesig, und die Hänge sind sehr labil.

In Zahlen
47

der 125 Häuser in St.Lorenzen waren von der Mure betroffen, 15 davon „extrem“, so der Feuerwehrkommandant.

450

Einsatzkräfte von 96Feuerwehren, dem Bundesheer, der Wildbach- und Lawinenverbauung und Kriseninterventionsteams waren und sind in St.Lorenzen im Einsatz.

2 Mio.

Euro Soforthilfe hat Umweltminister Niki Berlakovich aus Mitteln des Bundes für die Steiermark mittlerweile zugesagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

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2 Kommentare
Gast: SE42
28.07.2012 23:41
0 0

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Die Behörden sind leider wirklich total unfähig.

Gast: Blankensteiner Husar
28.07.2012 18:27
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Was man den Menschen eben nicht erzählt: sie zahlen den ganzen Trara alle selber!

Die "heldenhaften" Taten der Bezirkshauptmannschaft werden vom Steuerzahler selbst bezahlt. Und dafür muss er auch noch schön Danke sagen.
Und mit allem, was sie neu kaufen müssen, zahlen sie wieder fleissig in den Steuertopf ein.
Und vom Hochwasser in Gaushorn und Tregelwang vor einem Monat liegen jetzt noch tausende Kubikmeter Dreck direkt neben der Palten und letztes Wochenende wurden von diesem Dreck Holzstämme, Wurzelstöcke, Schotter etc. wieder in den Bach gespült. Die BH Liezen hat die Bagger abgezogen lange bevor St.Lorenzen unterging.
So unfähig wie die Behörden beim Schutz der Menschen sind, so inkompetent sind sie beim Aufräumen.