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Unfallserie: Wie sicher sind Österreichs Tunnel?

29.07.2012 | 18:32 |  von Köksal Baltaci (Die Presse)

In heimischen Autobahn- und Schnellstraßentunneln gab es zuletzt mehrere teils schwere Karambolagen. Zur Erhöhung der Sicherheit arbeitet man nun unter anderem mit Mikrofonen und Wärmebildkameras.

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Wien. Am Sonntag ist ein 25-Jähriger mit seinem Pkw auf der Tauernautobahn in Fahrtrichtung Salzburg vor dem Nordportal gegen die Tunnelwand gekracht und getötet worden. Es ist nur ein Fall in einer Serie von Unfällen, die sich in den vergangenen Wochen ereignet haben. Allein in der neuen Röhre des Pfändertunnels auf der Rheintalautobahn (A14) bei Bregenz gab es seit dem 25.Juni fünf Unfälle, zuletzt geriet eine Frau in den Gegenverkehr und kam ums Leben. Samstag vor einer Woche musste auch der Karawankentunnel (A11) in Kärnten nach einem Unfall mit vier beteiligten Fahrzeugen zeitweise gesperrt werden. Verletzt wurde niemand.

Im Pfändertunnel hat die Straßenbaugesellschaft Asfinag nun reagiert und als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme auf die Sperrlinie Markierungen angebracht, die Autofahrer beim Überfahren spüren. Aber auch wenn die Unglücksfälle der jüngsten Vergangenheit etwas anderes vermuten lassen – heimische Straßentunnel gehören zu den sichersten der Welt. Und werden immer sicherer. Gab es 2010 noch 117 Unfälle, wurden 2011 nur 82 registriert. Tendenz fallend.

 

20 Prozent „Kunstbauten“

„Die Unfallrate in Tunneln ist nicht größer als im Freiland, aber die Auswirkungen eines Unfalls sind natürlich ganz andere, da die Zufahrtsmöglichkeiten sowie der Einsatzradius der Rettungskräfte eingeschränkt und die Folgen von Bränden schwieriger zu bekämpfen sind“, sagt Rainer Kienreich, technischer Geschäftsführer der Asfinag. „Daher erfordern die Sicherheitsmaßnahmen besondere Sorgfalt – insbesondere im Hinblick darauf, dass Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen zu 20 Prozent aus ,Kunstbauten‘, also aus Brücken und Tunneln, bestehen. Das ist ein europaweit überdurchschnittlich hoher Wert.“

Laut Kienreich werden zwischen 2012 und 2018 insgesamt 1,4Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit investiert. Eine EU-Direktive aus dem Jahr 2008 schreibt vor, dass alle Tunnel, in denen in den nächsten 15 Jahren mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 10.000 Fahrzeugen pro Fahrbahn zu rechnen ist, bis 2019 mit einer zweiten Röhre ausgestattet werden.

„Die Tunnel auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen werden 24 Stunden am Tag von mindestens zwei Mitarbeitern videoüberwacht“, sagt Kienreich. Diese könnten im Notfall sofort Maßnahmen einleiten.

Die häufigsten Ursachen für Unfälle in Tunneln sind zu dichtes Auffahren und Geschwindigkeitsübertretungen. Kienreich: „Mein Appell an alle Verkehrsteilnehmer: Halten Sie Abstand, beachten Sie die Tempobeschränkungen und fahren Sie nur in ausgeruhtem Zustand. Denn nur ein ausgeruhter Fahrer ist ein sicherer Fahrer.“

Um Tunnel mittel- und langfristig noch sicherer zu machen, testet die Asfinag derzeit zwei innovative Techniken. Im Kirchdorftunnel auf der Brucker Schnellstraße (S35) in der Steiermark ist das sogenannte Akutsystem in Betrieb, das Unfallgeräusche erkennt und in Folge Alarm auslöst. Das Prinzip dieses akustischen Tunnelmonitorings ist simpel: Im 2,7 Kilometer langen Tunnel wurden – unmittelbar neben den in den Röhren befindlichen Videokameras – 49 Mikrofone montiert. Der Abstand zwischen den „Ohren“ beträgt maximal 125 Meter. Eine Analyse-Software dahinter erkennt typische Unfallgeräusche – wie jene von Vollbremsungen, Reifenplatzern oder Fahrzeugkollisionen – und löst im Ernstfall Alarm aus, sodass die damit verbundene Überwachungszentrale sofort reagieren kann.

„Der Zeitvorteil gegenüber Brandmeldeanlagen beträgt den bisherigen Erfahrungen zufolge bis zu zwei Minuten“, sagt Kienreich. Der Preis für diese Sicherheitseinrichtung ist hoch. Er beträgt pro Tunnelkilometer rund 100.000 Euro, im Fall des Kirchdorftunnels wurden 600.000 Euro investiert. Sukzessive sollen weitere Tunnel mit „Ohren“ ausgestattet werden.

 

Wärmebildkameras vor Einfahrt

Ein zweites System wird seit 10.März im Karawankentunnel getestet. Dabei messen weit vor der Tunneleinfahrt angebrachte Wärmebildkameras die Temperatur von Fahrzeugen. Überhitzte Autos und LKW, die aufgrund einer möglichen Entzündungsgefahr ein Sicherheitsrisiko darstellen, müssen auf einem Parkplatz abkühlen und dürfen erst nach einer weiteren Kontrolle in den Tunnel einfahren. „Auch mit dieser Methode konnten wir bisher sehr gute Erfahrungen erzielen“, sagt Kienreich.

Generell ereignen sich auf Autobahnen und Schnellstraßen weniger Unfälle als auf anderen Straßen – sie machen nur zwei Prozent aller Straßen in Österreich aus, bewältigen aber 40Prozent des gesamten Verkehrs. Der Anteil an den Unfällen insgesamt macht dennoch nur fünf Prozent aus. Dabei kamen 2010 noch 78 Personen ums Leben, 2011 waren es 59. Und im ersten Halbjahr 2012 gab es insgesamt zehn Verkehrstote weniger als im Vergleichszeitraum 2011.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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18 Kommentare
Gast: Ha Tse
30.07.2012 17:25
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Und was tun die Politiker?

Sie fordern Kennzeichen für Fahrräder...

Kosten Nutzen Analyse

1 Mrd. Euro mehr in Sicherheit investieren bringt statistisch was, 5 vielleicht 10 weniger Verkehrstote?

Auch wenns politisch unkorrekt ist: Da nehm ich die paar Toten mehr in kauf.

Antworten Gast: Ha Tse
30.07.2012 17:23
0 0

Re: Kosten Nutzen Analyse

Tempo 80 auf Landstraßen wäre wesentlich wirksamer und billger, aber der Pannenhilfeverein wehrt sich dagegen.

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Re: Re: Kosten Nutzen Analyse

Tempo 80 auf Landstraßen ist auch nicht sinnvoll, der 100er ist angemessen. An gefährlichen Stellen wo das nicht so ist, gibt es eh niedrigere Tempolimits bzw. ist es immer noch am besten wenn die Autofahrer einfach ihr Hirn einschalten würden, anstatt blindhörig nach von Taferln verordneten Geschwindigkeiten zu fahren.

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Eigenartig

Von 1960 bis 2000 wo die Tunnels teilweise noch sehr dürftig ausgeführt waren sogar ohne Beleuchtung ,wußte jeder Autofahrer wie er sich verhalten muß .
Nur jetzt sind plötzlich die Tunnels Schuld eventuell liegt es daran ,dass eben viele einen Führerschein haben welche schlicht unfähig sind sich im Verkehr entsprechend zu bewegen.

Gast: Walter Gerhold
30.07.2012 11:18
1 1

Tunnels

Beleuchtung scheint mir ein bedeutender Faktor zu sein. Einfahrten sind generell gut beleuchtet,
aber dann wird es dunkel und besonders wenn die Sonne scheint ist der Kontrast zu groß. Dies trifft auch auf die italienischen Tunnels zu. Beispielgebend wären die zahlreichen Tunnels um New York City.

Gast: Grieg, Liszt & Händel
30.07.2012 09:28
9 0

Die Schuld liegt also an den Tunneln

und nicht an den Autofahrern/innen.

Das ist genauso wie mit den Badehosen, die schuld daran sind, wenn der Bauer/die Bäuerin nicht schwimmen kann.


Re: Die Schuld liegt also an den Tunneln

"Die häufigsten Ursachen für Unfälle in Tunneln sind zu dichtes Auffahren und Geschwindigkeitsübertretungen."

Steht genau so im Artikel. Was ist daran missverständlich?

6 0

Unfallgefahr in Tunnel

Die Tunnel sind nur so sicher wie die Autofahrer wollen.
Eine zusätzliche Absicherung führt Sicherheitstechnisch zu gar nichts.
Es bringt uns nur wieder eine Kostenerhöhung - sei es durch die Asfinag oder durch eine indirekte Steuererhöhung.
Es ist doch wirklich nichts dabei vorausschauend zu fahren?

Gast: Hemingway
30.07.2012 07:31
2 0

Nicht die Tunnel sind unsicher - es sind die Kraftfahrzeuglenker !

Hoffentlich wachen das BMfI und das teure KfV bald auf.

Beide Organisationen möchten der Bevölkerung weismachen, dass wir mit ca 523 tödl Verkehrsunfällen - tgl ca 1,5 Verkehrstote durchschnittlich im Jahre 2011 - eine 'sehr gute' Unfallstatistik hätten.

Die Wirklichkeit sieht aber anders aus, wenn man sich die tägl österreichweiten Aussendungen der neun Sicherheitsdirektionen und der (Print)Medien durch liest und -síeht, wonach täglich in Öst durchschnittlich ca 3 Menschen im Strassenverkehr getötet werden, was ca 1100 Verkehrstote jährlich ergibt - somit ca 100 % mehr, was eine schreckliche Unfallstatistik ergibt.

In Deutschland haben sich die tödl. Verkehrsunfälle seit 2011 um 10 % erhöht - und bei uns sollen sie sich verringert haben ?

Wenn man sich das Fahrverhalten der geschätzten Lenker(innen) auf unseren Strassen
ansieht, wünscht man sich mehr und sichtbare Polizei(kontrollen) - man muss sich fürchten , aber nicht vor der Polizei....

Re: Nicht die Tunnel sind unsicher - es sind die Kraftfahrzeuglenker !

wenn einer vom Autofahren Angst hat aber trotzdem fährt dann bringt die Polizeikontrolle auch nicht viel. und glauben sie mir, es gibt sehr viele Menschen die Angst vom fahren haben.

Wahrnehmung

In den,bzw schon vor den Tunnels herrscht Geschwindigkeitsbeschränkung.

Beim Einfahren in den Tunnel, bzw. dem Halten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit im Tunnel, wird man nur angeblinkt, es wird kein Abstand gehalten, gedrängelt.
besonders junge Männer, SUV Fahrer und Berufsfahrer mit kleinen Lieferwägen leiden unter scheinbar unerträglichem Hormonstau.

Vorschlag: drastische Strafen nicht unter 1000.- euro, plus 4 wöchiges Fahrverbot.

Eine andere Sprache verstehen sie leider nicht.


Re: Wahrnehmung

So ist es.


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die Tunnelbeleuchtung ist noch immer miserabel

es gibt noch immer diese gefährlichen hell-dunkel Wechsel, die Leuchtkörper sind noch immer genau über der Fahrbahn, anstatt das Licht seitlich einfallen zu lassen, dann gäbe es auch weniger Spiegeleffekte in den Heckscheiben,
die Beleucthtungsadaption ist meist nicht in Betrieb, wenn überhaupt vorhanden

jaja, die Tunnel könnten schon sicherer sein, aber da braucht es vorerst einmal besseres Licht und keine Hörgeräte, die ja nur das Versagen feststellen.

Nicht der Tunnel, sondern die langweiligen Beschränkungen sind der Grund!

Bei dieser Geschwindigkeit muss man einfach einschlafen :)

Re: Nicht der Tunnel, sondern die langweiligen Beschränkungen sind der Grund!

genau diese Sorte Fahrer meint eich mit meiner Kritik.

genau diese Sorte Fahrer morden fröhlich weiter, da es ja eh nur eine geringe Strafegibt, wenn dann wer ermordet wurde

Re: Nicht der Tunnel, sondern die langweiligen Beschränkungen sind der Grund!

sie sind fahruntauglich, geben sie sofort ihren führerschein ab.

Re: Nicht der Tunnel, sondern die langweiligen Beschränkungen sind der Grund!

sie sind wohl ein möchtegern rennfahrer! bitte befriedigen sie ihre lust auf einer abgesperrten rennstrecke bevor sie durch ihren leichtsinn noch jemanden verletzen oder gar töten!!!