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Testamentsfälscher: „Es hat ein System Dornbirn gegeben“

31.07.2012 | 18:06 |  Von Claudia Lagler (Die Presse)

Bis zu sieben Jahre müssen die Angeklagten im Vorarlberger Testamentsfälscher-Prozess ins Gefängnis. 18 Verlassenschaften und Schenkungen wurden aufgearbeitet. 80 Erben wurden um zehn Millionen Euro geprellt.

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Salzburg. „Das Gericht hat sich rasch von der Alleintätertheorie verabschiedet. Es war keine One-Man-Show, sondern ein System Dornbirn.“ So begründete der Salzburger Richter Andreas Posch am Dienstag seine Schuldsprüche für alle Angeklagten in der Vorarlberger Testamentsfälscher-Affäre.

Mit gesenktem Kopf hörten die sechs noch verbliebenen Beschuldigten – fünf Mitarbeiter der Justiz, darunter die suspendierte Vizepräsidentin des Landesgerichts Feldkirch, Kornelia Ratz – den Urteilsspruch. Für vier Personen, sie waren als Scheinerben aufgetreten, hat es schon in den vergangenen Wochen Schuldsprüche gegeben.

Für das Gericht war der geständige ehemalige Geschäftsstellenleiter des Bezirksgerichts Dornbirn, Jürgen H., zwar das „Mastermind“ der Fälschungen. Doch auch die anderen Mitarbeiter in der Außerstreitabteilung hätten mitgewirkt. „Es hat eine enorme Zahl an Auffälligkeiten gegeben. Viele einzelne Fakten sind von den Angeklagten entkräftet worden“, sagte Posch. Wenn solche Auffälligkeiten zwei- oder dreimal vorkommen, könne man diese Verantwortungen glauben. „Aber man muss das wie ein Mosaik sehen. Wenn 40, 50 Auffälligkeiten auftreten, kann das kein Zufall mehr sein“, begründete der Richter.

Jürgen H. muss wegen Amtsmissbrauchs, gewerbsmäßigen Betrugs und Fälschung von Urkunden unter Ausnutzung einer Amtsstellung sieben Jahre in Haft. Peter H., ein Freund des Hauptbeschuldigten, der das erschlichene Vermögen verwaltete, erhielt fünf Jahre unbedingte Gefängnisstrafe. Die drei Kollegen von Jürgen H. in der Außerstreitabteilung in Dornbirn wurden wegen Amtsmissbrauchs und Urkundenfälschung zu zwei bzw. drei Jahren teilbedingt verurteilt. Kornelia Ratz erhielt wegen Missbrauchs der Amtsgewalt als Beitragstäterin eine teilbedingte Strafe von 2,5 Jahren.

„Horribles Unrechtsbewusstsein“

Der Richterin wurde vorgeworfen, dass sie bei den Kollegen in Dornbirn ein Testament zugunsten ihrer eigenen Familie in Auftrag gegeben habe. Sie bestritt alle Vorwürfe vehement. Auch die Kollegen von Jürgen H. am Bezirksgericht waren nicht geständig. Aus der Urteilsbegründung ging hervor, dass das Gericht überzeugt ist, dass neben Jürgen H. ein vor einigen Jahren verstorbener Vorarlberger Rechtsanwalt zu den Drahtziehern der Erbschaftsmanipulationen gehörte. Posch kritisierte wiederholt die Arbeitseinstellung der Justiz in Dornbirn. Er sprach von „horriblem, mangelndem Unrechtsbewusstsein“. Was sich die Dornbirner Testamentsfälscher ausgedacht haben, könnte aus der Feder eines fantasiebegabten Krimiautors stammen.

Es gab wehrlose, meist demente Senioren, viel Bar- und Immobilienvermögen, auf alt getrimmte Papiere, abgepauste Unterschriften und aus dem Nichts aufgetauchte Testamente mit Erben, die sich im Zuge der Ermittlungen als Verwandte oder Freunde von Jürgen H. herausgestellt hatten. In Registern wurden falsche Testamente in frei gelassenen Zeilen nachträglich eingetragen, um sie in das Verfahren zu schmuggeln.

Um zehn Millionen Euro geprellt

Im Prozess wurden 18 Verlassenschaften und Schenkungen zwischen 2001 und 2008 aufgearbeitet. 80 Erben wurden um ein Gesamtvermögen von zehn Millionen Euro geprellt. „Die Spitze des Eisbergs“, wie Posch sagte. Der Richter prangerte die personelle und materielle Ausstattung der Justiz an. In dem Verfahren hätten anfangs nur zwei Polizisten und ein Staatsanwalt ermittelt. „Ich wage gar nicht zu denken, wie viele Fälle unaufgeklärt bleiben, weil es der Justiz an Personal fehlt“, so der Richter. Ausdrücklich lobte er Menschen mit Zivilcourage: Ohne die Richterin, der die Malversationen 2008 aufgefallen waren und die Anzeige erstattete, wäre der Justizskandal nicht ins Rollen gekommen. Eine Affäre, die am Dienstag mit zehn Schuldsprüchen endete – die aber noch nicht rechtskräftig sind.

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51 Kommentare
 
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Gast: A.B.C.
01.08.2012 14:50
0 0

Einsperren bringt niemand was

Nicht nur, dass ich insgesamt denke, bei uns werden die Straftaten gegen Leib und Leben wesentlich großzügiger als die behandelt, wenn es um schnöden Mammon geht, glaube ich zusätzlich, wozu sperrt man die Leute ein. Das kostet der Allgemeinheit nur Geld.

Ich wäre je nach Delikt dafür, dass anstelle der Haftstrafe Arbeit zu Mindestkonditionen für die Allgemeinheit durchgeführt werden sollte. Damit wäre der Gesellschaft gedient.

Natürlich sollte auch das Eigentum dieser Personen angeknabbert werden, wenn es um Schadenswiedergutmachung geht.

Gast: Wiener Ente
01.08.2012 11:32
3 0

Zu harmloser Schluß

Es gibt keine SYSTEM DORNBIRN, es gibt ein SYSTEM ÖSTERREICH !
Unsere Justiz ist schwer krank, und wie der Richter wahrheitsgemäß sagte( und das bezieht sich nicht nur auf Dornbirn): Das ist nur die Spitze eines Eisberges !
Da wird es für alle involvierte Beteiligten bald ein böses Erwachen geben, wenn dieser Eisberg zu schmelzen beginnt. Denn das Volk beginnt sich gegen diese Korruptionisten zu wehren. Wir werden sie dann beim Anstellen im AMS wiedersehen.

Gast: Konservativer
01.08.2012 08:27
3 1

Derart scham- und ehrlose Verbrecher sollte man lebenslänglich in den Steinbruch sperrren: Bei Wasser, Baumrinde und Stockhieben.


Antworten Gast: Affffe
01.08.2012 14:51
0 2

Re: Derart scham- und ehrlose Verbrecher sollte man lebenslänglich in den Steinbruch sperrren: Bei Wasser, Baumrinde und Stockhieben.

In Mali werden die Menschen gesteinigt. Wenn Sie dieses Schauspiel erleben wollen, siedeln Sie sich dort an.

Hoffe, Sie sind dann selbst mal nicht auf der anderen Seite.

Gast: Traurig, aber wahr:
01.08.2012 08:24
2 2

Es fehlt den Betroffenen JEDE Möglichkeit zur Gegenwehr!!!

Entmündigt ist man in Ö schnell.

Ab dann hilft einem niemand mehr.

Abgesehen davon ist man bei jeder simplen Verkehrskontrolle auf das Wohlwollen der Polizisten angewiesen.

Da sind schon Fragen gestellt worden, die gezielt provozieren sollen. Normal wird irgendwas kritisiert und beanstandet, was zwischen 20-30 EUR kostet.

Schönes Körberlgelt, da freut sich die BH!

Gast: Na und?
01.08.2012 07:34
1 0

Werden die Urteile der letzten Jahre jetzt revidiert?

Und wer würde das tun?

Die Kollegen, die da die Gelegenheit haben, auch gleich etwas abzubiegen?

Es wäre auch interessant zu wissen, welche Mittel einem Menschen zustehen, um sich gegen solche Korruption zu wehren.

Noch dazu gegen einen Apparat, der alle Vorteile auf seiner Seite hat.

Ist ja bei der Polizei genauso: Wenn man als Autofahrer dem Kieberer nicht zu Gesicht steht, zahlt man. Irgend einen Grund finden die immer, und wenn ein Licht etwas schwächer leuchtet...

Von daher sind die Urteile viel zu gering, eigentlich ein Freispruch.

Re: viel zu gering, eigentlich ein Freispruch.

"Mehrjährige" sind doch nicht eher gering?

Dass hier aber mit voller Härte auch auf den Vollzug der ausgesprochenen Strafen zu achten ist, wird ein wichtiger Bestandteil der Verurteilungen!

Es kann doch nicht sein, dass Urteile die wohlerworbenen Pensionsansprüche dieser kurrupten Bande beinflussen:

Eher wird hinter der Journaille revidiert werden und Schwamm drüber!

Gast: Gabriele Bitterlich
01.08.2012 05:48
4 0

Wo gehen wir eigentlich hin?

PFUI TEUFEL......

Gut vorstellbar, was diese Personen. in einem totalitären System, mit anderen Menschen machen.
Das Strafausmaß ist ein Hohn,
damit pisst man jedem noch verbliebenen Anstand in die Nasenlöcher.
Allein der Gedanke solchen geldgierigen, dem Staat und der Gerechtigkeit dienenden Dreckspersonen ausgeliefert zu sein, ist unerträglich.

Gast: Reinigungsdienst Strasser
31.07.2012 22:52
3 2

Testamentsfälscher: „Es hat ein System Dornbirn gegeben“???.....

....mir gefällt bei dieser Headline, die Reduzierung auf Dornbirn alleine, NICHT!......Man könnte auch schreiben, die in Dornbirn hat man erwischt!
be.es: ich glaube NICHT, dass, wenn man ein Stübchen sauber macht, auch das Stübchen nebenan sauber ist, NEIN, das glaube ich NICHT!

Gast: So aus Interesse
31.07.2012 22:12
3 0

Werden die...

... manipulierten Erbschaften jetzt rückabgewickelt???

Re: Werden die...

Na was glaubst?

In welchem Land leben wir wirklich?


Dürfen wir nicht einmal mehr den Gerichten vertrauen?

Bananenrepublik ist fast Schönfärberei!

sachwalterschaften

wär mal interessant, sachwalterInnen zu überprüfen .. also all jene juristInnen und notarInnen, welche die betuchteren (dementen, ...) menschen ohne angehörige besachwaltern. wohin deren vermögen vor und nach dem ableben hinversickert und wie das gericht ihren überprüfungspflichten nachkommt/nachkommen kann.

Re: sachwalterschaften ... wohin deren vermögen vor und nach dem ableben hinversickert?

Einfach den Vermögenszuwachs der Verwalter zu durchleuchten?

Antworten Gast: PARLAMENT;BMJ-Pr7000/0089-Pr.1/2011
01.08.2012 07:16
0 1

Re: sachwalterschaften

Kontrollen:
Der OGH hat sich zu 1 Ob7/94 klar
ausgedrückt und aus den Folgeentscheidungen muss festgestellt
werden, dass sich kein Pflegschaftsrichter
daran hält;

Wenn noch vor Jahren von 83000
Sachwalterschaften gesprochen wurde,
laut Auskunft der BMJ Dr.Karl sind es nurmehr 54885, also war die Anzahl demJustizministerium überhaupt nicht
bekannt, wievielen Personen der
Vermögensschutz zusteht, wer privaten
Richteragenden unterlegen ist ???

Dazu kommt, welcher Fall schon durch
Unterlassung der Gerichtsinventur nach §222 ABGB und Nichterstellung
der gesetzlichen Rechnungen mit
Vermögensverlust untergeht ?

Selbst der OGH vermeint,dass
fachunkundige Pflegschaftsrichter
keine Fachkentnisse eines Buchhalters haben müssen,deren
Rechnungsbewilligung oder Ablehnung,
Nichtzulassung eines Buchsachverständigen aber von den
Finanzbehörden zur Kenntnis genommen werden muß ????
Der übliche Vorgang ist so:
Wenn Sie die Schlussrechnung verlangen,protokolliert der Richter
" UNKLARE ANGABEN" eines
Geisteskranken--und schon ist für ihn der Fall wiederum erledigt.
Sowas nennt man nach Art.6 EMRK
Waffengleichheit...Schutzgesetze .....

Antworten Gast: Wr,Neustadt<<<<<<<<1Nc67/01b
01.08.2012 06:50
0 0

Re: sachwalterschaften



http://www.wikilegia.com/wiki/index.php/
Knabl-Loub

Antworten Gast: Mag.Dr.Karl, Parlament
31.07.2012 22:24
0 0

Re: sachwalterschaften

Laut der Anfragebeantwortung 8077/AB,
XIV GP an die Abgeordneten ist bei der
Justiz alles in bester Ordnung.

GOOGLE: 8077/AB BMJ Karl

8 1

Unglaublich was da abgelaufen ist.

Nach der Haftstrafe sollte auch ein jeder Pensionsanspruch erlischen.

Antworten Gast: UKW
31.07.2012 21:13
5 2

Re: Unglaublich was da abgelaufen ist.

Ich fürchte man muss schon froh sein, wenn die ehrenwerten Beamten nicht während dem Einsitzen bei vollen Bezügen freigestellt werden und später wieder an einem anderen beamteten Arbeitsplatz Dienst versehen oder bei vollen Ansprüchen kerngesund frühpensioniert werden. In der Beamtenrepublik Österreich ist alles möglich.

Gast: Gasti
31.07.2012 19:22
13 2

Laecherliche Strafen!

Bei diesen 'beamteten Fachleuten' ist wohl ein anderer Massstab anzulegen.

2.5 Jahre fuer die Vizepraesidentin des Landesgerichts ist ja fast schon wie ein Freispruch. Wer in so einem Rang steht und solche Gaunereien betreibt, hat eigentlich lebenslaenglich verdient.

Ich bin empoert. Die Justiz macht hier einen sehr schaebigen Eindruck.

1 2

Re: Unsinn

Die Vizepräsidentin hat 2 1/2 Jahre für ein Telefonat bekommen. Das ist nicht wenig. Die Gaunereien (Mehrzahl) mit Millionenschaden haben die anderen erfunden und begangen, ganz ohne sie.

Antworten Antworten Gast: Gasti
01.08.2012 07:28
2 1

Re: Re: Unsinn

Sie war ganz offensichtlich Teil des Verbrechens.

Da man aber von einer Richterin uneingeschraenkte Loyalitaet dem Gesetze gegenueber erwartet und auch erwarten darf, muss der Fehltritt mit aller Haerte bestraft werden.

Eine Justiz, die dies verabsaeumt, verspielt viel Vertrauen. Ein Rechtsstaat kann sich das aber nicht leisten.

1 0

Re: Re: Re: Unsinn

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: das IST Härte (vom Ruin der beruflichen und sozialen Existenz gar nicht zu reden). Die Verwandten des Haupttäters, die sich Erbschaften unter den Nagel gerissen haben, und die anonym wieder in der Menge untertauchen können, sind mit vollbedingt nach Hause gegangen.

Re: Re: Unsinn

Komm uns hier nicht mit Sachargumenten! Es geht darum den Pöbel ruhig zu stellen. Da müssen ordentlich Köpfe rollen.

Gast: joseph
31.07.2012 18:47
13 1

milde

fuer diese verbrechen durch amtspersonen sind die strafen zu gering !

Gast: Solzburga Wüllferhigkeitsregn
31.07.2012 18:09
10 2

is eh kloar, die Richterin geht mit a por Monat ham......

....oba damits net so offensichtli ausschaut, haums ihr a bissi unbedingt dazua gebn, de wirds NIE ausitzn, do kuman daun a por Krompfadern und a Psüchose usw..natrüli vun an GUTOCHTER bestetigt und ferti is di Wüllfehrigkeit....lusti geht di Wölt zugrunde, hot mei Opa imma gsogt, recht hot er ghobt!

be.es: missns zumindest dös dagaunerte Göld on di RECHTMÄßIGEN ERBEN zruckzohln, oda is dös inbegriffn???

 
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