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Ein bisschen Cambridge am Donaukanal

03.08.2012 | 18:49 |  von Mirjam Marits (Die Presse)

Ruderboote dominieren an diesem Wochenende den Donaukanal. Demnächst könnte Wiens Sand- und Liegestuhlmeile einen eigenen Markt bekommen. An weiteren Ideen wird – wieder einmal – gefeilt.

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Wien. Der erste Gedanke: Oxford. Der zweite: Cambridge. An diesem Wochenende darf der dritte Gedanke durchaus dem Donaukanal gelten. Denn der bekommt ab heute, Samstag, Nachmittag ein bisschen britisches Flair und Rudertradition ab: Mitten in der Stadt finden Ruder- und andere Wassersportbewerbe auf etwa sechs Kilometern zwischen Nussdorf (Start) und dem Central Garden unweit der Urania (Ziel) statt.

„Metropool“ nennt sich dieser Wassersportevent – angeblich sogar Österreichs größter –, der die große Sand- und Liegestuhlmeile am Donaukanal kurzzeitig sportlicher erscheinen lässt. In Österreich, gerade in Wien, mögen Ruderboote etwas Exotisches sein, „in Deutschland etwa locken Ruderregatten auf Flüssen zehntausende Zuschauer an“, sagt „Metropool“-Erfinder Daniel Dobril. „Ein Wassersportevent in einem derart urbanen Umfeld wie am Donaukanal ist aber etwas ganz Besonderes.“

Organisiert wird die Veranstaltung vom Wiener Ruderclub WRC Pirat, der im Vorjahr – deutlich kleiner dimensioniert als heuer – zum ersten Mal rudern ließ: Zum „wienereiner“ kommen heuer etwa der „wienerachter“ („die Königsklasse des Rudersports“) und ein Kanu-Parallelslalom bei der Urania.

Die eindrucksvollste Stimmung wird aber vermutlich der „Jedermann-Wettkampf“ liefern, bei dem am Sonntag (11 Uhr) alle Wiener, die ein Kanu oder Kajak besitzen und damit umgehen können, an einer Massenregatta teilnehmen können. Zuschauen ist entlang der Ufer des Kanals von überall (und kostenlos) möglich, die Sicht durchwegs gut. Gestört werden die Ruderer auch nicht: Die DDSG macht für den Event eine Ausnahme und sagt ihre üblichen Touristentouren ab bzw. leitet sie um.

Ab Montag herrscht dann wieder (träger) Normalbetrieb entlang der Kanalufer. Ideen für neue Projekte gab und gibt es viele, getan hat sich zuletzt nicht viel. Immerhin dürfte das lange angedachte Bootstaxi demnächst in den Testbetrieb gehen (siehe Artikel rechts).

 

Ein Markt unter der Brücke?

Vorerst nicht realisiert werden die Minilofts. Das ambitionierte Hotelprojekt von Gerold Ecker, Betreiber von Badeschiff und Adria Wien, musste erneut verschoben werden. Er sei immer noch „wild entschlossen“, die strikten Behördenauflagen wurden noch nicht erfüllt, die Sicherheitsfrage – Wie schützt man die Hotelgäste in den kleinen Lofts? Zäune? Security? – nicht gelöst. Die Lofts, mal neben der Adria, mal beim Badeschiff aufgestellt, wurden inzwischen abgebaut – Obdachlose hatten sie in der Nacht okkupiert. Nächstes Jahr soll es aber für die Minilofts so weit sein, bis dahin hat Ecker schon wieder neue Ideen für den Donaukanal.

Konkret geht es um das frühere Partyschiff „Buho Verde“ auf Höhe Salztorbrücke (siehe Grafik), das im Jänner ausgebrannt ist und als eher unschöner Eyecatcher immer noch am Ufer steht. Weil es nach wie vor als schwimmfähig gilt, kann es die Stadt nicht entfernen lassen. Das „Buho Verde“ ist zudem Teil einer Konkursmasse, immer noch ist nicht geklärt, wer es als Nachnutzer übernimmt oder entfernen lässt.

Am Standort seien aber mehrere Bewerber interessiert, sagt Andreas Gerlinger, Mitarbeiter des städtischen Donaukanal-Koordinators. Einer der Interessenten ist Badeschiff-Chef Ecker, der hier „sicher kein weiteres Lokal“ eröffnen würde. Vielmehr könnte er sich vorstellen, einen „Markt mit einem breiten Angebot“ aufzuziehen. Anfang der 1970er habe es hier schon einmal einen Markt gegeben, „also sollte das wohl auch jetzt möglich sein“, sagt Ecker. Sein Testlauf im Vorjahr – ein sehr kleiner Fischmarkt beim Badeschiff – habe gezeigt, „dass das Interesse da ist, dass das Angebot aber breiter sein müsste“. Auch im Büro des Donaukanal-Koordinators hält man einen Markt für eine „ganz tolle Idee. Wir wollen etwas Neues und sicher nicht die 15. Strandbar.“

Überhaupt sei der Donaukanal, darüber herrscht Einigkeit, mit Lokalen ausreichend versorgt. Derzeit geht es darum, wie die freien Flächen entlang des Kanals besser genutzt werden können. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung der MA 19 (Stadtgestaltung) arbeitet derzeit an einem „vernünftigen Gesamtwerk“, wie es Gerlinger nennt, das Ende des Jahres publik werden soll. Ganz gut sieht es für eine Hundezone auf Höhe Friedensbrücke aus.

Fix dürften zudem Sitzmöbel sein, die zum Verweilen einladen. Derzeit wird zwischen den Lokalen ja eher gegangen, Rad gefahren, gejoggt. Oder gerudert. Wenn auch nur zwei Tage lang. Aber auch Oxford und Cambridge haben irgendwann klein begonnen.

Veranstaltung

„Metropool“ am Samstag u.a. um 14 Uhr „wienereiner“ (Nussdorf) und Kanu-Challenge (Urania)
So: 9 Uhr „wienerachter“, 11 Uhr Massenstart Kanu (beide Nussdorf) Sa und So Party im Central Garden. Mehr Infos: www.metropool.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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2 Kommentare

wiesen?

mal ne neue idee, anstatt zwischen den lokalen riesige muellhalden der lokalbetreiber zuzulassen, koennte man ja den lokalen vorschreiben ihren dreck wegzuraeumen und wieder wiesen anzulegen.
Hotelzelte braucht man dort ebenfalls sicher nicht. gruenflachen sollten als gruenflaechen dienen und sollten nicht zur gewinnmaximierung von investoren und als schmiergeldgeneratoren fuer beamte benutzt werden.

Gast: Zorn Gottes...
03.08.2012 23:44
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Es geht darum wie die freien Flächen am besten Kapitalisiert werden können!

Ob die Bevölkerung an diesem Kapitalisierungswahnsinn und der endgültigen Zerstörung dieses Juwels das schon längst unter Denkmal gestellt hätte werden sollen überhaupt Interesse hat, interessiert eh niemanden, wohnen eh nur ein paar 100.000 Leute dort denen der einzige wirklich vernünftige Ruhepool genommen wird.

Den ganzen Ramsch der seit 1970 entstanden ist, am besten mit einem Bagger weg damit, von mir aus soll's die Südosttangente kapitalisieren, das stört sicher niemanden in der Lebensqualität!

Und nein, ich brauche keine Liegestühle, keine Bäderbote, keine Freßblechhütten, keine Hundezonen, keine Katamaran Anlegestelle, und schon gar keine derartigen Veranstaltungen, keine Lofts und was weis ich alles, das einzige über das man reden kann am Rand, sind Kinderspielplätze!

Und sonnst will ich ganz einfach eines, das Recht auf Ruhe im herzen einer pulsirdnen Stadt, viel Verlangt für eine Stadt die sich als Lebenswerteste der Welt nennt, denke nicht!