Die österreichische Polizei hat aktuell kein Nachwuchsproblem. "Derzeit gibt es so viele Polizisten in Ausbildung wie nie zuvor", sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) bei einem Hintergrundgespräch am Montag. Mehr als 6000 Bewerber gibt es jährlich für etwa 1000 verfügbare Stellen. Wobei sich zeige, dass der Andrang in den westlichen Bundesländern größer ist als in Wien, so Mikl-Leitner. Mit der 2009 gestarteten Ausbildungsoffensive habe man das Nachwuchsproblem gelöst.
Von den Bewerbern sind etwa 70 Prozent Maturanten. Auch die Zahl der Akademiker steigt seit einigen Jahren immer mehr. "Akademiker wissen, dass man bei der Polizei gute Aussichten und Karrieremöglichkeiten hat", sagte der Direktor der Sicherheitsakademie (SIAK), Norbert Leitner. Besonders für Juristen sei der Job attraktiv. Aber: "Wir wollen keine Elitepolizei", betonte Leitner.
"Es gibt europäische Länder, die nur die Elite wollen", so der SIAK-Leiter und führte Norwegen als Beispiel an. Ein gewisser Bildungsstandard (Bachelor) sei dort Voraussetzung für den Polizeiberuf. In Österreich wolle man das definitiv nicht. "Der Idealfall wäre eine Diversität aus allen Schichten. Wir wollen ein Abbild der Gesellschaft sein und den Bevölkerungsquerschnitt repräsentieren", erklärte Leitner.
Dort "wo wir nicht so gut vertreten sind", versuche man gezielt Nachwuchs anzusprechen. Konkret betrifft das Migranten. Rund sechs bis sieben Prozent der Polizeischüler haben Migrationshintergrund, vor drei Jahren war der Anteil nur halb so groß, sagte Thomas Schlesinger, Leiter des Zentrums für Grundausbildung. Die Polizei wünscht sich auch einen höheren Anteil an Berufsabgängern. "Menschen, die bereits einen Beruf ausgeübt haben, haben eine andere Lebenserfahrung, soziale Aspekte spielen da eine Rolle", meinte Leitner. Mit der Frauenquote sei man mittlerweile zufrieden.
Michael Akgül ist gebürtiger Wiener, seine familiären Wurzeln liegen in der Türkei. Er hat sich für den Polizeidienst nach seiner Matura entschieden, weil "ich einen Job mit Verantwortung wollte, wo es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt und Abwechslung geboten wird". Die Entscheidung dafür sei aber schon in seiner Schulzeit gefallen, erzählte er im APA-Gespräch. "Freunde fragen mich viel über meinen Job und interessieren sich dafür. Es kommen immer mehr deswegen auf mich zu", meinte er. Wie kann man Migranten am besten für den Polizeiberuf anwerben? "Indem man Polizisten mit Migrationshintergrund auf Plakaten sieht" - oder im besten Fall auf der Straße.
(APA)
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