Salzburg. Das Aufregerthema des Salzburger Sommers, die mittägliche Sperre eines Teils des Zentrums für den Autoverkehr, nähert sich dem Ende. Am Freitag werden zum vorerst letzten Mal von zehn bis 14 Uhr die Sperrgitter beim Neutor, beim Müllner Hügel und auf der Staatsbrücke aufgestellt, um nicht berechtigten Lenkern die Durchfahrt durch das Zentrum zu verwehren.
Die Bilanz der erstmals ausprobierten sommerlichen Verkehrslösung ist durchaus durchwachsen. Das Ziel, den Stau in der Innenstadt zu verhindern, wurde erreicht. Man kam zügig voran, fand freie Stellplätze, die Busse verkehrten pünktlich, Radfahrer und Fußgänger hatten mehr Platz.
Doch viele Kunden blieben der Innenstadt fern. „Die Lösung hat uns sehr geschadet. Was bleibt, ist ein Umsatzloch in der wichtigsten Zeit des Jahres“, zieht Inga Horny, Geschäftsführerin des Altstadtverbandes, im Gespräch mit der „Presse“ eine bittere Bilanz: „Die ersten eineinhalb Wochen waren furchtbar, dann hat es sich etwas normalisiert.“ In den ersten Tagen mieden die Salzburger die Innenstadt. Nachhaltig verärgert worden seien vor allem die Kunden aus dem angrenzenden Bayern, ärgert sich Horny: „Das sind treue, aber autoaffine Kunden.“
Einzelne Branchen wie etwa die Trachtenanbieter würden den Wegfall der bayerischen Kunden sehr schmerzhaft spüren. Nach dem Ende der Mittagsregelung will der Altstadtverband die Auswirkungen auf Kunden und Umsätze genau untersuchen.
Eine Umfrage in den ersten Tagen nach dem Inkrafttreten der Regelung ging von Umsatzeinbußen von bis zu sechs Millionen Euro für die Innenstadtkaufleute aus. Die Evaluierung soll den Altstadtkaufleuten Munition gegen eine allfällige Neuauflage der Regelung im nächsten Sommer geben.
Veto gegen City-Maut
Kein Verständnis hat Horny jedenfalls für Überlegungen von Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste), die Mittagsregelung zur Dauereinrichtung zu machen. „Dann sperren wir ganzjährig zu“, sagt die Managerin. Dass die Mittagsregelung ganzjährig kommen wird, schließt Salzburgs Bürgermeister, Heinz Schaden (SP), so gut wie aus. Gemeinsames Ziel von Stadtpolitik und Altstadtverband ist es, den Durchzugsverkehr im Stadtzentrum zu reduzieren.
„Das kann auch über eine Einbahnregelung gelingen“, sagte Schaden zur „Presse“. Eine Lösung, die auch Horny für überlegenswert hält. Der Stadtchef denkt auch über die Schaffung einer Umweltzone wie in München, wo nur schadstoffarme Pkw ins Zentrum dürfen, nach.
Eine City-Maut, wie sie Padutsch überlegt, kann sich Schaden hingegen nicht als Lösung vorstellen. „Das wäre ein feindseliger Akt gegenüber Pendlern“, sagte der Stadtchef. Wenig bis gar keine Realisierungschancen hat auch die Stadtregionalbahn, die von einigen Bürgermeistern im Flachgau als Lösung für die Verkehrsprobleme im Zentralraum favorisiert wird. „Dafür gibt es derzeit kein Geld“, erklärt Schaden.
Ab Herbst wird jedenfalls in einer Arbeitsgruppe über neue Verkehrslösungen für Salzburg nachgedacht. Kommt es zu keiner Einigung, dann könnte 2013 wieder die Mittagsregelung samt Schlechtwettersperre in Kraft treten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)
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