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Anwalt ermordet: Prozess in Russland

17.08.2012 | 18:28 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Ein DNA-Vergleich brachte traurige Gewissheit: Die Leiche, die am Donnerstag in einem Wald in Niederösterreich gefunden wurde, ist jene des Anwalts Erich Rebasso.

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Wien/Moskau. Entweder der Wiener Wirtschaftsanwalt Erich Rebasso ist mit bloßen Händen erwürgt worden. Oder er wurde erdrosselt. Dies sind die sehr wahrscheinlichen Todesursachen – laut der Obduktion. Wie berichtet, war der Leichnam des 48-Jährigen am Donnerstag von einem Jäger in einem Wald bei Königstetten in Niederösterreich nahe Wien gefunden worden. Und damit nahe dem Wohnort des Opfers.

Ein DNA-Test lieferte am Freitag das befürchtete Ergebnis: Die schon im Verwesungszustand befindliche Leiche ist jene des seit drei Wochen abgängigen Advokaten. Der Todeszeitpunkt sei laut Polizei nicht mehr genau zu eruieren. Man könne aber annehmen, dass Rebasso gleich nach der Entführung aus der Tiefgarage am Georg-Coch-Platz in der Wiener Innenstadt am 27. Juli oder möglicherweise sogar noch in der Garage getötet wurde. Der Jurist ging gerade zu seinem Auto, als er von zwei Männern attackiert wurde. Einige Tage nach dem Angriff wurde Rebassos Mercedes auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums gefunden, danach auch ein Leihwagen, der offenbar eigens für die Entführung gemietet worden war. In beiden Fahrzeugen fanden sich Blutspuren von Rebasso.

Die beiden Tatverdächtigen, ein 31-jähriger und ein 35-jähriger Mann, laut Polizei beide aus einem Dorf „weit außerhalb von Moskau“, dürften bereits vor der Entführung gewusst haben, wo Rebasso wohnte. „Im Haus des Anwaltes waren sie aber nicht“, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger. Auch ein Auftragsmord sei auszuschließen.

 

U-Haft für das verdächtige Duo

Die beiden in Moskau inhaftierten Verdächtigen (Rebasso hatte etliche Klienten aus Russland) wurden am Freitag ins gerichtliche Gefangenenhaus der Stadt überstellt. U-Haft wurde verhängt. Das Duo dürfte vor Jahren bei einem Pyramidenspiel mitgemacht haben. Beide Männer dürften jeweils Summen zwischen 50.000 und 60.000 Euro verloren – und dafür Rebasso verantwortlich gemacht haben. Der Anwalt hatte immer beteuert, mit den Betrügereien nichts zu tun zu haben. Er erstattete sogar Selbstanzeige. Das daraufhin begonnene Verfahren wurde eingestellt. Möglicherweise hatten die Männer vor, das verlorene Geld bei Rebasso zu stehlen, ehe sie den Juristen töteten; möglicherweise vergruben sie den Leichnam nur deshalb in dem Wald bei Königstetten, weil sie die Gegend kannten und schon auf dem Weg zu Rebassos Haus waren, um dort irgendwie an Geld zu kommen.

Wie geht es mit den beiden dringend Tatverdächtigen nun weiter? „Eine Auslieferung russischer Staatsangehöriger aus Russland ist ausgeschlossen.“ Dies teilte am Freitag die Sprecherin des Justizministeriums, Dagmar Albegger, auf „Presse“-Anfrage mit. Artikel 6 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens vom 13.Dezember 1957 sieht vor, dass jeder Vertragsstaat die Auslieferung eigener Staatsbürger ablehnen kann. Russland hat zudem die Erklärung abgegeben, dass Artikel 61 (Teil I) der russischen Verfassung eine Auslieferung eigener Staatsangehöriger verbietet.

Wird gegen die Verdächtigen, so sich die Vorwürfe erhärten, in Russland – gegebenenfalls in Moskau – ein Strafverfahren geführt? Kurze Antwort: Ja. Geht es nach dem Auslieferungsübereinkommen, hat Russland bei einem Nein zu einem allfälligen Auslieferungsersuchen Österreichs „auf Begehren des ersuchenden Staates die Angelegenheit den zuständigen Behörden zu unterbreiten, damit gegebenenfalls eine gerichtliche Verfolgung durchgeführt werden kann.“ Weiter: „Dem ersuchenden Staat ist mitzuteilen, inwieweit seinem Begehren Folge gegeben worden ist.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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6 Kommentare
Gast: Wasserlaeufer
18.08.2012 11:01
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In den Himmel will ich kommen, fest hab ich mirs vorgenommen.

Kommt ein Anwalt vor die Himmelstuer.
Fragt ihn der Heilige Petrus welche gute
Werke er denn in seiner Lebenszeit vollbracht hat.

Nach einigem Ueberlegen sagt er,
dass er einmal 20 Euro fuer einen
Polizeiball gespendet habe.

Darauf wendet sich der Petrus an den Erzengel
Michael und befiehlt:

"Michael!" "gib ihm seine 20 Euro zurueck
und dann schick ihn direkt zur Holle"

Ob die Mörder auch...

...zwei Jahre kriegen wie die "Rocksängerinnen"? Oder ist Mord in Russland ein Kavaliersdelikt?

Re: Ob die Mörder auch...

Sofern sie nicht auf Putin sondern gegen die korrupten Ausländer schimpfen, werden sie mit Bewährung davonkommen.

Ich dachte immer Kriminalfälle werden in dem Land verhandelt, in dem sie begangen wurden. Würd' mich interessieren welcher "Spitzenbeamte" in welchen Ministerium hier wieder eingeknickt ist. Und dann wundern wenn keiner mehr der Justiz vertraut und die Sache lieber selbst in die Hand nähme...

Naja

Die Russen haben es ja scheinbar selbst in die Hand genommen. Warum erfahren wir nicht mehr darüber, wie Herr Rebasso in das Pramidenspiel verwickelt war?

Re: Ob die Mörder auch...

naja in Russland gehen die Uhren der Justiz Gott sei dank ein bisserl anders!

Antworten Antworten Gast: Tanzmeister
18.08.2012 13:23
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Re: Re: Ob die Mörder auch...

daß die Uhren der Justiz dort ein bisserl anders gehen, wird ermöglichen daß die beiden (Kriminelle aus der Provinz mit mehreren Vorstrafen) wenig zu befürchten haben, bezahlt von anderen in andre causen Rebassos Verwickelte, die auch bei Gericht zahlen können.
Die gedungenen Mörder sind unserer Rechtssprechung entzogen. Aber was ist mit den anderen Spuren in den beiden Autos die aus der Tiefgarage fuhren ?
Und warum, glauben Sie wohl verehrte Ballerina, wird bei uns so heftig für einen Fall des Visumszwanges für Russen lobbyiert?? Belebt den Tourismus, glauben diejenigen die gern russische Klienten und Kunden haben, und macht die Reisen ganz spezieller Dienstleister die bei uns halt doch etwas schwerer zu finden sind, viel einfacher, wünschen jene die zahlen.