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Bad Ischl: Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut

18.08.2012 | 17:57 |  von Norbert Rief (Die Presse)

Am 18. August versammeln sich alljährlich tausende Menschen in Bad Ischl, um den Geburtstag von Kaiser Franz Joseph zu feiern: Mit einer Messe, einem Aufmarsch und ein wenig auch mit Überzeugung.

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Alles hier ist Kaiser. Es gibt eine Kaisernacht, ein Kaiserfest, einen Kaiserzug. Die Menschen spielen Kaisergolf, trinken Kaiserwein, feiern eine Kaisermesse, die Konditorei Zauner macht ein Kaiserdessert und sogar die neu gepflanzten Linden unten an der Promenade sind Kaiserlinden (Zufall, heißt es, die Sorte wachse einfach besser).

Was wäre Bad Ischl, wenn Franz Joseph auf Sommerfrische nach Mürzzuschlag gefahren wäre und sich die Hirsche in Lienz ebenso leicht vor die kaiserliche Büchse treiben hätten lassen, wie im Salzkammergut? Man hätte ein Heilbad und die schöne Gegend – die Hälfte davon hat das Burgenland auch.

Ja, ohne Kaiser würde sich der Fremdenverkehrsverband schwertun, Bad Ischl den Touristen zu verkaufen. So aber kann man auf den verblichenen Prunk und die kinematografische Idylle aus Sisi-Filmen setzen, und die wirken wie ein Magnet. Und was für einer.

Das sah man gestern an dem Tag, an dem Kaiser Franz Joseph I. seinen 182. Geburtstag gefeiert hätte. 25.000 bis 35.000 Menschen kamen nach Schätzung des Tourismusbüros deshalb nach Bad Ischl, besuchten die Messe für den Kaiser (und sprechen in der Kirche lautstark Haydns Kaiserhymne mit) und bewunderten den Aufmarsch der etwa 30 Kaiserregimenter mit 500 Soldaten aus vielen Teilen der einstigen Donaumonarchie (die wieder einmal bestätigten, dass diese Armee einfach zu schön war zum Kriegführen).

Anfangs, als vor einigen Jahrzehnten die ersten Monarchisten in den Ort kamen, um des Kaisers an dessen Geburtstag zu gedenken, sah man das in Ischl noch skeptisch. Was wollen denn die alten Deppen, das ist doch alles längst vorbei. Im besten Fall ignorierte man die Uniformträger und die adelig Gekleideten, manche distanzierten sich offen von dem möglicherweise gefährlichen Gedenken. Schließlich sah auch der Nationalrat die Republik erst 2011 als gefestigt genug, um den Passus aus der Verfassung zu streichen, der es „Mitgliedern solcher Familien, die ehemals regiert haben“, verbot, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.

2003 kam der Tourismusverband auf die Idee, die Nostalgie einiger zu nutzen, um die Zahlungsfähigkeit vieler anzulocken. Also bewarb man den Kaiser und vor allem den Kaisergeburtstag, organisierte Feste und Umzüge, eine Galanacht und holte sich einen neuen Kaiser.

„I bin koa Majestät, i bin der Franz“, sagt der Kaiser, und der ältere deutsche Tourist in der Pfarrgasse in Ischl lacht laut über diesen vermeintlich subtilen Witz, dass ihm nämlich der Kaiser in unserer republikanischen Zeit das Du anbietet. Es ist kein Witz: Der Kaiser heißt wirklich Franz, Soukop halt, ein agiler 83-Jähriger, der seit mehr als 20 Jahren in Bad Ischl wohnt und mit Franz Joseph nicht nur den Vornamen teilt, sondern auch viel von seinem Äußeren.


Ein echter Bart. „Die Uniform ist nachgemacht, aber der Bart ist echt“, sagt Soukop. Das hat vor allem praktische Gründe: „Früher hab i oan aufklebt, aber wenn's heiß ist, schwitzt so, da geht der Kleber ab.“ Und damit der Bart. Also hat sich Soukop einen Bart wachsen lassen, „der is recht ordentlich wordn“. Darunter schwitzt er jetzt noch mehr, weil er ihn überhaupt nicht mehr abnehmen kann. Aber was tut man nicht alles für Kaiser und Heimatstadt.

An diesem Tag spaziert Kaiser Franz auf einem 2,5 Kilometer langen roten Teppich durch die Innenstadt von Ischl, als „Kaiserbummel“ hat es der Tourismusverband angekündigt, und die Gäste sind hellauf begeistert. Viele wollen sich einmal mit dem Kaiser fotografieren lassen, etliche applaudieren, wenn der Kaiser mit Sisi und Hofdamen vorbeiflaniert. Andere in bunten Uniformen, die genauso echt sind wie der Kaiser, salutieren vor dem Oberbefehlshaber, einige verneigen sich sogar. Hans Assel etwa aus Köln: „Das war halt noch eine schöne Zeit“, meint er.

Mit der Meinung ist er nicht allein. Direkt neben der Kirche werben die „Monarchisten: Schwarz-gelbe-Allianz“ für ihre Idee, in Österreich wieder eine erbliche, konstitutionelle Monarchie einzuführen. „Einen Monarchen, der ähnlich wie in Liechtenstein viele Rechte hat, in der Politik mitbestimmen kann, notfalls aber auch vom Nationalrat mit Zweidrittelmehrheit abgewählt werden kann“, erklärt Alexander Simec, der mit einer Kollegin schwarz-gelbe Krawatten, Doppeladler-Aufkleber und einen Sticker „Monarchie: Die Krönung der Demokratie“ verkauft.

Dem deutschen Assel gefällt das. Er habe so was von genug von den vielen Skandalen. Da wäre doch jemand, der über allem schwebt, nicht populistisch sein muss, der nur das Wohl des Volkes im Sinn habe und es nicht notwendig hat, Geld zu nehmen, eine ideale Lösung. Dass es auch gewählte Politiker gibt, die diese Anforderungen erfüllen, scheint Assel in unserer Zeit nicht mehr für möglich zu halten – und dabei ist er nicht einmal aus Kärnten.

Den Aufmarsch der Tausenden darf man freilich nicht mit einer Kundgebung für den Kaiser verwechseln. Den Menschen, die die Regimenter beklatschen, geht es in erster Linie um die Folklore. Man sieht es an den Abfallkörben auf dem Weg zurück zum Parkplatz, in denen die Folder der Monarchisten liegen. In Bad Ischl gilt die Unverbindlichkeit des Kaisers: Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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36 Kommentare
 
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Gast: Alexander Simec
19.08.2012 14:36
0 0

Korrupublik abwählen

Nach Veranstaltungen anderer Parteien kugeln auch deren Papiernl auf dem Boden oder sonstwo herum. Wenn man daraus den Schluß ziehen wollte, dass das etwas über den Zuspruch in der Bevölkerung aussagt, dann dürfte niemand regieren. Ausserdem können halt die meisten Touristen mit österreichischer Innenpolitik nicht viel anfangen, und von denen wimmelt es in Ischl am 18. August.

Übrigens: Die Monarchisten werden an der kommenden Nationalratswahl wieder teilnehmen. Das wurde gestern beschlossen.

Antworten Gast: Johann S
19.08.2012 15:37
0 0

Re: Korrupublik abwählen

Korrekterweise wieder versuchen,die Unterstützungserklärungen zu erlangen um bei der Wahl antreten zu können.

Antworten Antworten Gast: Alexander Simec
19.08.2012 19:13
0 0

Re: Re: Korrupublik abwählen

Stimmt: die republikanischen Parlamentsparteien brauchen nicht sammeln gehen: Denen reichen ihre eigenen Abgeordneten.

Und müssten sie sammeln gehen, dann wär' das auch nur ein Klacks: Denn dafür können sie auf unsere Steuerzahlerkosten bezahlte Hilfskräfte losschicken, denn die egenen Funktionäre tun ihnen um Gottes Lohn schon längst nicht mehr Türklinken putzen.

Hoch die "demokratische" Republik, in der alle gleich sind!

Antworten Antworten Antworten Gast: Johann S
19.08.2012 20:07
0 0

Re: Re: Re: Korrupublik abwählen

PS. Spreche Euch Idealismus nicht ab.

Antworten Antworten Antworten Gast: Johann S
19.08.2012 20:05
0 0

Re: Re: Re: Korrupublik abwählen

Der Begriff Korrupublik ist nicht sehr elegant,wirkt irgendwie hölzern.
Aber sie erlaubt ja die Beschimpfungen.speziell im alten Forum,ohne daran zu denken daß es ein postmortales Persönlichkeitsrecht gibt.
Meinungsfreiheit eben.
Ja das Dilemma Vorrecht der Geburt.des Standes,der Herkunft und Religion,welches nicht mehr zeitgemäß ist kann man nicht wegschreiben.
Morgen redet keiner mehr darüber.,bis nächstes Jahr.Fr Gr

Gast: Der Käser
19.08.2012 14:21
0 0

Wir leben in einem Paradies! Das sieht man besonders gut aus'm Hubschrauber.


österreich 2012

wir leben nach wir vor prächtig von der handvoll kostümierten persönlichkeiten, die zufällig in österreich geboren wurden: von der mozartkugel bis zu schönbrunn.

spannend, wie lange sich der käse für zahlendes publikum warmhalten lässt.

Gast: VoiceOfAustralia
19.08.2012 08:45
0 1

das schönste ...

... in der monarchie waren die uniformen, never mind we lost all wars.

Gast: Zyni
19.08.2012 07:46
2 1

Da fällt mir ein Spruch zu Faymann+Co ein

Kaiser Franz Joseph zur Ernennung eines neuen Ministerpräsidenten: Ist er reich? Sonst muss er uns bestehlen!

Antworten Gast: Wumpus3
19.08.2012 11:56
3 1

Re: Da fällt mir ein Spruch zu Faymann+Co ein

Faymann ist nicht reich!

Re: Re: Da fällt mir ein Spruch zu Faymann Co ein

In jeder Hinsicht, insb intellektueller Natur!

Gast: M. Wolf
19.08.2012 06:32
0 0

Unverbindlichkeit des Kaisers: Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

Haha, der Unverbindliche hätte diese
Folkloristen nachm Spielberg geschickt,
und danach noch ein bissl geschrattet.

Gast: Ludwig P.
18.08.2012 23:27
2 2

Das Ende des Artikels könnten Sie sich sparen!

Ich muss mich schon wundern - haben Sie, liebe Damen und Herren der Presse-Redaktion, irgendwie Angst, dass es vielleicht mehr Interessenten für eine monarchistische Bewegung gibt? Ich war dabei und ich habe in den Abfalleimern gar nicht so viele dieser SGA-Folder gesehen, dafür habe ich miterleben dürfen, wie groß das Interesse der Menschen an der Schwarz-Gelben Allianz war!

Also, keine Angst vor einer Monarchie, auch die kann nämlich demokratisch sein, vielleicht sogar demokratischer als eine Republik!

Viribus Unitis

L.P.

0 0

Bitte nicht stolpern..in ihrem Alter!


Antworten Gast: Johann S
19.08.2012 11:27
0 1

Re: Das Ende des Artikels könnten Sie sich sparen!

Ganz lieb.
Neues Unrecht schaffen,wieder Gleichere(Erbmonarch und Klüngel)schaffen,
ist ein groteskes Vorhaben.
Anachronismus pur.
Die SGA dümpelt unter der Wahrnehmungsgrenze herum,ebenso ihr Partner die Coruna ceska n Tschechien.

Man sollte im 21. Jhdt ankommen.

Antworten Antworten Gast: Ludwig P.
19.08.2012 15:29
2 0

Re: Re: Das Ende des Artikels könnten Sie sich sparen!

Mag sein, dass die SGA derzeit nicht richtig wahrgenommen wird, aber laut einer Umfrage, die vor einem oder zwei jahren gemacht wurde, könnten sich bis zu 40% der menschen in Österreich mit einer Monarchie anfreunden. Also das ist ein gutes Potential!

Und bevor Sie Blödsinn reden, informieren Sie sich, denn niemand, schon gar nicht die SGA, möchte Unrecht schaffen, im Gegenteil, schauen Sie sich Norwegen, England, Schweden etc. an - alles wesentlich stärkere demokratien als es Österreich jemals war! Unrecht und Recht hat mit einer Erbmonarchie nichts zu tun, wenn es so praktiziert wird, wie es sich die SGA vorstellt - nämlich mit einem starken Parlament! Und bitte - erklären Sie mir, was an dem heutigen Präsidenten besser sein soll, als an einem Monarchen, der zumindest nicht an eine Partei gebunden ist, während unsere Präsidenten IMMER eine Partei hinter sich haben!

Antworten Antworten Antworten Gast: Johann S
19.08.2012 16:24
0 1

Re: Re: Re: Das Ende des Artikels könnten Sie sich sparen!

IhrenBegriff Blödsinn,will ich nicht kommentierenForumsregeln)

Nur soviel.
Die Menschenrechtserklärung der UNO
1948 lesen.
Diese würde einer Restauration entgegenstehen.
Einen Monarchen braucht unsere Republik wirklich nicht.
Es werden da immer pseudoideelle Werte genannt(Steht darüber....)

Die zweifellos vorhandenen Probleme
lassen sich inder Republik locker lösen.

Von den vielen anständigen Politikern

die es gibt,schreibt ja niemand.

Noch einmal,es wären "Gleichere",die niemand mehr braucht
Und das seit fast 100 Jahren.

who cares!

yes... that's it!

Gast: schreker
18.08.2012 21:18
2 6

Geschichtsklitterung

Eigentlich sollten wir froh sein, dieses Habsburger-Gesindel endlich losgeworden zu sein, schließlich verdanken wir ihnen einen Weltkrieg (und der zweite war ja auch nur die Folge des ersten). Stattdessen bricht in Ischl alljährlich die Heiligenverehrung aus...man darf gespannt sein, ob man mit Hitler in 50 Jahren auch so nostalgisch umgehen wird; obwohl, wenn man sich das deutsche Fernsehprogramm so anschaut (mindestens 5 Hitler-Dokus pro Woche), dann betreiben die dort jetzt schon Heldenverehrung, schlimmer als wir mit den Habsburgern.

Re: Geschichtsklitterung

Im Vergleich zur SP-geführten GroKo ..... haben sie vollkommen unrecht!!

Antworten Gast: Gast4711
19.08.2012 14:32
0 2

Re: Geschichtsklitterung

Danke. Sie sind hier anscheinend einer der wenigen der die Hintergründe richtig verstanden hat.

Gast: Gast4711
18.08.2012 21:03
2 11

Ewiggestrige

die sich so etwas ansehen und dem huldigen.

Re: Ewiggestrige

Diese Ewiggestrigen sind mir lieber, als die Ewiggestrigen der Jahre 38-45.

Re: Re: Ewiggestrige

LASSENS die Sozialisten in Ruh!!

Antworten Gast: Ludwig P.
18.08.2012 23:28
3 1

Re: Ewiggestrige

Lieber ein ewiggestriger Mensch als ein korrupter Politiker!

Antworten Gast: Christoph
18.08.2012 23:27
2 2

Re: Ewiggestrige

Bildung hilft manchen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Monarchie

Denn es soll ja auch noch Leute geben, die wider besseres Wissen Monarchien udn Diktaturen verwechseln.

Monarchie und Demokratie sind KEINE Gegensätze. Sonst wäre die EU voll mit tatsächlichen Diktaturen...

 
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