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Eingemeindung von Umland: Bürgermeister proben Aufstand

19.08.2012 | 18:22 |  MARTINA LEINGRUBER (Die Presse)

Die steirische Landesregierung will acht Gemeinden der Hauptstadt Graz einverleiben. Die betroffenen Ortschefs wehren sich - und befürchten "Vorort-Steppen".

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Graz. Graz hat aktuell 265.318 Einwohner. Geht es nach Landeshauptmann Franz Voves und seinem „Reformpartner“ und Stellvertreter Hermann Schützenhöfer, soll die steirische Landeshauptstadt spätestens 2018 zumindest 296.166 Bewohner zählen. Graz plus Stattegg im Norden, Hart bei Graz, Raaba sowie Grambach im Osten, weiters Gössendorf, Feldkirchen, Seiersberg und Pirka: Die „Kleine Zeitung“ hat das Konstrukt inzwischen „Neu-Graz“ getauft. Der Titel „Groß-Graz“ ist historisch negativ belegt. 1938, nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland, wurden zwangsweise schon einmal einige Gemeinden Graz zugeführt.

Zwang – ein Wort, das den betroffenen Bürgermeistern im Umland von Graz derzeit leicht über die Lippen geht. Unter der Führung des Seiersberger Gemeindechefs Werner Baumann leistet eine „Bürgermeisterinitiative“ heftigen Widerstand. Begonnen hat es mit der Bürgerbefragung zur Umweltzone und den Reininghausgründen, welche der Grazer Stadtchef Siegfried Nagl vor wenigen Wochen durchführen ließ. Die geplante Umweltzone hätte massive Auswirkungen auf die Umlandgemeinden und ihre Pendler gehabt. Abstimmen über die Feinstaubmaßnahme durften sie allerdings nicht, und machten aus diesem Grund gegen die Befragung mobil. Dass die Grazer gegen die Umweltzone gestimmt haben, heftet sich die Bürgermeisterinitiative zu einem Gutteil auf ihre Fahnen.

 

Graz schielt auf Kommunalsteuer

Nun möchten die im Kampf vereinten Bürgermeister in Sachen Gemeindereform einen möglichen „Zwang abwehren und so die Bürgerinnen und Bürger vor einer drohenden Schlechterstellung bewahren“, heißt es in gemeinsamen einer Presseaussendung. „Im Widerstand gegen Zwangsfusionen werden wir noch entschlossener auftreten“, lässt ebendort Seiersbergs Bürgermeister Werner Baumann (SPÖ) ausrichten. „Wir werden nicht zulassen, dass unsere blühenden Gemeinden zu Vorort-Steppen verkommen“, sagt Raabas Bürgermeister Sepp Gangl (SPÖ). Ein Gespräch wollte der Vorsitzende der Bürgermeisterinitiative mit der „Presse“ nicht führen. Nach der letzten Presseaussendung wolle man „Emotionen rausnehmen“, sagte Bernd Höflechner, im Gemeindeamt Seiersberg ist er für Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und EDV zuständig. Man wolle vorerst einmal das Treffen mit Landeshauptmann Franz Voves am 17. September in der Grazer Burg abwarten, zuvor nicht „unnötig Öl ins Feuer gießen“. Wenige Tage zuvor wurde diese Fusionsverhandlung in besagter Presseaussendung noch als „High-Noon-Gespräch“ tituliert.

Wie so oft geht es um Macht und Geld. Wer will schon – im Fall der Bürgermeister – seinen eigenen Job wegrationalisiert sehen. Sind die Umlandgemeinden in Zukunft nicht mehr selbstständig, werden die Posten der Ortschefs obsolet. Zusätzlich geht es um Geld. Ebenfalls, wie so oft. Raaba gehört dank der angesiedelten Firmen und Unternehmen zu den reichsten Gemeinden Österreichs. Ebenso Seiersberg, der Gemeinde werden seit Eröffnung der Shoppingcity Unsummen an Kommunalsteuer in die Gemeindekassen gespült.

Von diesem Geld möchte die Stadt Graz etwas abhaben. Das Argument: Der „Speckgürtel“ profitiert von der Nähe zur Landeshauptstadt. Doch bis zu dem Termin am 17. September halten sich auch die handelnden Personen an der Spitze von Land und Landeshauptstadt zurück. Die Gemeindestrukturreform ist Teil des Reformplans für die Steiermark von Voves und Schützenhöfer.

Gespräche werden mit zahlreichen Gemeinden geführt, Bruck an der Mur und Kapfenberg wollen sich zudem freiwillig zusammenschließen. Enden die Gespräche ohne Ergebnis, sind auch Zwangsfusionen möglich. Das bestätigte Hermann Schützenhöfer in der Landtagssitzung am 3. Juli: „Wir werden mit allen Mitteln zu überzeugen versuchen, es soll keinen Zwang geben, aber es wäre unredlich zu sagen, es wird ihn nicht geben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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16 Kommentare
Gast: Klaus
20.08.2012 20:29
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hmmm

und was will das Volk? Nicht dass das irgendeinen Politiker je interessiert hätte ... aber man fragt halt ...

Gast: Steirermadl
20.08.2012 19:08
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Tut, was ihr wollt

Nur lasst bitte Judendorf-Strassengel, Gratkorn, Gratwein und Rein in Ruhe.

Gast: Grazer
20.08.2012 15:25
1 1

Die letzten Bürgermeister haben Graz ruiniert.

Jetzt suchen sie erfolgreiche Gemeinden um ihre Verluste abzudecken - das ist das Einzige das dahintersteckt.

Na zum Glück haben die Wiener das nicht vor!

Dann müsste ich nämlich wieder umziehen. Keinesfalls will ich Wiener sein, wo ich doch extra von dort weggezogen bin!

Antworten Gast: Der Egoist!
20.08.2012 10:19
0 0

Re: Na zum Glück haben die Wiener das nicht vor!

Aber arbeiten tut man in Wien gerne, Einkaufen detto, Kinobesuch sowieso, Theater und andere Veranstaltungen sind selbstverständlich, und klar fährt Mensch gerne mit der U-Bahn es geht schneller.

Danke das wir Wiener ihnen ihr Luxusleben finanzieren dürfen, schließlich wandern alle ihre geleisteten Abgaben nach St. Pölten. Ironie des Schicksaals ist, das Niederösterreich eine bei weitem höhere Haushaltsverschuldung pro Kopf hat als Niederösterreich!

Natürlich brüllt man aus erster wenn in Wien Dinge reagiert werden die viel kosten, wie kommt den der Niederösterreichische Steuerzahler dazu Dinge in Wien finanzieren zu müssen.

Sehr egoistisch alles, diese Einstellung!

Re: Re: Na zum Glück haben die Wiener das nicht vor!

Nein, wirklich nicht. Ich fahre nur nach Wien, wenn ich unbedingt muss. Sonst meide ich Wien wie der Teufel das Weihwasser.

Für die U-Bahn zahle ich ja auch, folglich darf ich sie auch benützen.

Wer sagt, dass ich ein Luxusleben führe? Materiell betrachtet tue ich das nicht. Ich habe nicht einmal ein Auto. Mein Luxus besteht darin, dass ich es hier ruhig habe und von meinem Fenster aus Wiesen und Wald sehe.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich entstand Groß-Graz mit der Eingemeindung von Liebenau, St. Peter, Waltendorf, Ries, Maria Trost, Andritz, Gösting, Eggenberg, Wetzelsdorf und Straßgang. Damit hatte Graz 16 Bezirke, diese Einteilung ist heute im Wesentlichen noch aufrecht, nur Puntigam als heutiger 17. Bezirk war damals noch ein Teil von Straßgang.

hmmm, die haben das damals also nicht groß verhandelt sondern es einfach durchgezogen.

Stört es heute irgendwen in besagten Bezirken, daß sie seit dem "Grazer" sind? Wohl kaum

Antworten Gast: speckgürteleinwohner
20.08.2012 18:44
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Re: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich entstand Groß-Graz mit der Eingemeindung von Liebenau, St. Peter, Waltendorf, Ries, Maria Trost, Andritz, Gösting, Eggenberg, Wetzelsdorf und Straßgang. Damit hatte Graz 16 Bezirke, diese Einteilung ist heute im Wesentlichen noch aufrecht, nur Puntigam als heutiger 17. Bezirk war damals noch ein Teil von Straßgang.

um die Ehre der Grazer zu retten ;-)
Nein es stört niemanden. In St. Peter gabs z.B. damals eine Schotterstraße und das wars. Die genannten Umlandgemeinden gehören schon längst eingemeindet.
Übrigens wohne ich selber in einer der betroffenen Gemeinden. Der Bevölkerung ists wurscht, ob sie grazer werden, oder nicht. Nur die dann arbeitslosen Dorfkaiser haben ein Problem damit.

Antworten Gast: Grazer
20.08.2012 15:27
0 0

Re: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich entstand Groß-Graz mit der Eingemeindung von Liebenau, St. Peter, Waltendorf, Ries, Maria Trost, Andritz, Gösting, Eggenberg, Wetzelsdorf und Straßgang. Damit hatte Graz 16 Bezirke, diese Einteilung ist heute im Wesentlichen noch aufrecht, nur Puntigam als heutiger 17. Bezirk war damals noch ein Teil von Straßgang.

Ja die haben das "durchgezogen" und wurden nachher "entfernt".
Neuauflage gefällig?

Sie haben meine Frage nicht verstanden, aber ok, nehm ich zur Kenntnis. PISA?


Zentralisierung über alles. Eigeninitiative nicht gefragt.


Wien bleibt Wien ...

Wundert mich, dass Häupl und Vassilakou noch nicht auf die Idee gekommen sind z.B. Vösendorf einzugemeinden, da gäbe es ziemlich viel zu holen ...

Oder ist mir da etwas entgangen ;-)

Re: Wien bleibt Wien ...

Wäre aber bei Vösendorf (eigentlich bei Wr. Neudorf) sinnvoll. Dann müsste man endlich nicht mehr für die eine Station die in NÖ liegt wenn man in die SCS fährt extra zahlen, obwohl man eine Jahreskarte für Wien hat.

Re: Re: Wien bleibt Wien ...

Dazu braucht man aber nicht einzugemeinden, sondern nur die Zone 100 zu erweitern.

Antworten Gast: Spielt sich nicht!
19.08.2012 22:32
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Re: Wien bleibt Wien ...

Derartige Konstruktionen wären zwar Ideal für die Infrastruktur und die Systemerhaltung, alle anderen Argumente sprechen eine deutliche Sprache in der weder für Wien noch für das Umland etwas positives sich findet.

Der Großraum Wien hat etwas 2,5 Millionen Einwohner NÖ würde auf einen Schlag 700.000 EW verlieren, damit wäre Wien in einer Größenordnung in der es bereits genügend Argumente gibt, einen eigenen Staatsstadt zu gründen,

Auch würde NÖ verdammt viel verlieren, so wären unter den Gebieten Schwechat, samt Flughafen und Raffinerie darunter, neben dem oben gekannten Vösendorf,

Für Wien hat momentan die weitere Urbanisierung infrastrukturstarke Gebiete den Vorzug, ein U-Bahn Station kostet sehr viel Geld, und es macht einen gewaltigen Unterschied aus, ob im Radius von 350 Meter 100 Menschen wohnen oder mehr las 10.000!

Antworten Gast: gäst
19.08.2012 22:04
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Re: Wien bleibt Wien ...

Leider nein.
Wenngleich so etwas absolut sinnvoll und auch gerecht (oder warum sollen die kleinen Gemeinden da alleine abkassieren dürfen während diverse Nebenkosten bei der Stadt bleiben?) wäre, wäre eine Stadterweiterung Wiens (inkl. BN) wohl gleichbedeutend mit der Pleite Niederösterreichs.