Wien/G.b. Sie entwirft spektakuläre Architektur in China, in Abu Dhabi, Australien, Amerika, Ägypten und vielen Ländern Europas: Zaha Hadid, die aus dem Irak stammende mittlerweile britische Architektin, ist in den letzten 20 Jahren sicher zur meistbeschäftigten Architektin der Welt geworden. Fast 1000 Projekte in 44 Nationen kann die 62-jährige Spitzenarchitektin, die sich gut selbst vermarkten kann und zugleich auch durch ihre undiplomatische, gebieterische Art oft aneckt, für sich verbuchen – natürlich nur mithilfe ihres 350 Mitarbeiter umfassenden Teams,
Vier Zaha-Hadid-Projekte gibt es auch in Österreich, obwohl sie selbst gern betont, dass es nirgends so schwierig sei zu bauen wie hier. In Innsbruck hat sie 2003 die Bergisel-Schanze gestaltet und zwei Jahre später die Bergstation der Hungerburg-Bahn.
In Wien entsteht gerade auf dem Campus der neuen Wiener Wirtschafts-Uni ein zentrales Bibliotheksgebäude aus ihrer Feder. Über ein anderes Projekt in Wien, das sogenannte Zaha-Hadid-Haus am Donaukanal im neunten Bezirk, redet sie dagegen nicht so gern bzw. distanziert sich sogar davon. Der Bau sei zu stark verändert worden und ihre Ideen verwässert, führt sie als Grund an.
Neugestaltung des Donaukanals
Die Geschichte dieses Hauses startete in den Neunzigerjahren, als unter anderem Zaha Hadid eingeladen wurde, bei der Neugestaltung des Donaukanals mitzumachen. Die Stadt wollte diesen Teil des Kanalufers mit einem Hadid-Projekt attraktiver machen. Ursprünglich waren fünf Baukörper vorgesehen, die vor allem für Wohnungen, aber auch Geschäfte und Lokale gedacht waren. Schließlich wurde es auf drei Baukörper reduziert, mit einem zentralen, schiffsähnlichen Hauptteil. Geplant waren Mietapartments für junge Leute. 2005 war das Haus fertig. Doch Erfolg wurde es keiner. Leben zog in dieses Gebiet am Donaukanal nicht ein, die Mieter dagegen bald wieder aus. Und als ein Jahr später der Bauträger in Konkurs ging, erlosch das Interesse, das Hadid-Projekt wurde zum Geisterhaus.
Nach dem Zwangsausgleich setzte die SEG auf ein neues Konzept: Umwandlung in ein Boarding-House mit kurzfristigen Mietverträgen – sechs Monate bis zwei Jahre. Ende 2008 wurde bei der SEG gejubelt: Das Haus sei voll, das Konzept funktioniere, hieß es.
Mittlerweile ist das auch wieder Geschichte: Jetzt wohnen normale Mieter, von Berufseinsteigern bis Familien, mit Langfristverträgen dort, die beiden letzten Kurzverträge sind im Auslaufen. Aus dem architektonischen Jubelprojekt wurde durchschnittlicher gehobener Wohnbau.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)
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