Die deutsche Extremschwimmerin Kirsten Seidel hat ihr Vorhaben, den Bodensee ohne Neoprenanzug zu durchqueren, in der Nacht auf Montag aufgegeben. Nach rund 36 Stunden war die 47 Jahre alte Dresdnerin um 2.40 Uhr in Bregenz an Land gegangen. Ursprünglich hätte sie das erste Etappenziel bereits am Sonntagmittag erreichen wollen. Doch wegen der unerwartet starken Strömung sei dies unmöglich gewesen.
Die Extremschwimmerin war am Samstag um 14 Uhr in Bodman (D) am nordwestlichen Zipfel des Bodensees gestartet, um für einen guten Zweck den Bodensee zu durchqueren - genauer gesagt, zu umrunden. Ohne Schlaf und nur mit zwei ganz kleinen Pausen wollte Seidel den kompletten Bodensee durchschwimmen. Stationen auf der 136 Kilometer langen Strecke sind Bregenz (Österreich), Konstanz (Deutschland) und Stein am Rhein (Schweiz) Nach 64 Kilometer hatte sie in Bregenz wenden wollen, um in westlicher Richtung am Montag dann über Konstanz nach Stein am Rhein zu schwimmen. Bereits in der Nacht auf Sonntag war die Extremschwimmerin immer wieder wegen der Strömung vom Kurs abgekommen. Am Sonntag verschärfte sich das Problem mit der Strömung: Lag ihre Bestleistung zwischendurch bei 3,5 Kilometer, schaffte Seidel zeitweilig nur noch 300 Meter pro Stunde.
Der nächste Schwimmer
Schon morgen, Dienstag, startet der nächste Extremschwimmer den Versuch, den Bodensee zu durchqueren. Der 22-jährige Wirtschaftsrechtstudent Maximilian Melyarki aus Altötting (Bayern) wird um 9.00 Uhr früh in Bodman (Baden-Württemberg) ebenfalls ohne Neoprenanzug in den Bodensee steigen und das Wasser - wenn alles gut geht - erst im 64 Kilometer entfernten Bregenz wieder verlassen.
"Maxi" Melyarki wird von einem Boot aus von seinem Team betreut. Dieses versorgt ihn mit Getränken und Nahrung, so Oliver Halder von bodenseequerung.de. Das Team werde laufend seinen Zustand überwachen. Einige Sorge bereiten Melyarki die Strömungsverhältnisse, die bereits den Zeitplan von Kirsten Seidel durcheinanderbrachten. Die derzeit hohen Temperaturen seien sowohl Vor- als auch Nachteil. Zwar sei das Wasser warm, die Sicht werde aber möglicherweise durch Schwebeteilchen eingeschränkt und die Gefahr von Gewittern steige.
Zudem wird Melyarki der Sonne komplett ausgesetzt sein, ein schmerzhafter Sonnenbrand oder ein Hitzestau unter der Badekappe könnten einen Abbruch erzwingen. Verläuft aber alles plangemäß, wird Melyarki 24 Stunden nach seinem Start, also am Mittwoch gegen 9.00 Uhr, in Bregenz erwartet. Für jeden geschwommenen Kilometer hofft Melyarki auf Geldspenden für ein Projekt zur Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern.
Zwei Mal gescheitert
Bereits Mitte Juli scheiterte der Extremschwimmer Bruno Dobelmann zwei Mal beim Versuch den Bodensee in Längsrichtung zu durchqueren. Sein Ziel war es, die 64 Kilometer in 28 bis 30 Stunden zurückzulegen. Er scheiterte einmal am schlechten Wetter und bei seinem ersten Versuch an massiven Blasenproblemen. Dobelmann schloss mit dem extremen Langstreckenschwimmen mittlerweile ab.
(APA)
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