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Kinderlachen beim Küssel-Prozess

20.08.2012 | 18:25 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Wieder gab es im Verfahren gegen Neonazi-Frontmann Küssel Probleme mit Geschworenen. Diesmal brachte eine Laienrichterin ihre Kinder mit. „Die Verhandlung steht unter keinem guten Stern“, seufzt die Richterin.

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Wien. Da wird im überhitzten Verhandlungssaal 303 des Wiener Straflandesgerichts das Strafverfahren gegen Neonazi-Leitfigur Gottfried Küssel („Ich bin Nationalsozialist“) fortgesetzt – und ausgelassenes Kinderlachen unterlegt die Szenerie. Zu dieser Diskrepanz zwischen „Bild“ und „Ton“ kam es am Montag – als erörtert werden sollte, ob Küssel und Co. für eine Homepage mit nationalsozialistischer Hetze verantwortlich sind.

Grund für die Anwesenheit von Kindern in einem an den Gerichtssaal angrenzenden Nebenraum: Es gab erneut – zum bereits dritten Mal! – Probleme mit der Besetzung der Geschworenenbank. „Die Verhandlung steht unter keinem guten Stern“, seufzt Richterin Martina Krainz. Eine Laienrichterin habe ganz kurzfristig wissen lassen, dass sie ihr Amt nicht ausüben könne, da ihre Betreuung für ihr zweijähriges Kind ausgefallen sei. „Doch bevor die Verhandlung platzt, habe ich sie gebeten, mit Kind zu kommen.“

Die Mutter verspricht, dem Ruf der Richterin zu folgen. Gespanntes Warten. Dann erscheint die Frau sogar mit zwei Kindern, die sich ab sofort in besagtem Hinterzimmer bei geöffneten Türen aufhalten. Dass sich die Kleinen dort einigermaßen wohlfühlen, verrät ihr ausgelassenes Lachen.

Kein guter Stern also: Schon der viel beachtete Auftakt des Schwurprozesses um den Vorwurf der nationalsozialistischen Wiederbetätigung gegen Gottfried Küssel (53), Felix B. (35) und Wilhelm A. (40) war ins Wasser gefallen. Mitte Mai waren von 22 geladenen Laienrichtern nur sieben erschienen. Da eine Geschworenenbank aber acht Personen (Laien – diese entscheiden allein über Schuld oder Schuldlosigkeit) umfassen muss, brauchte es einen zweiten Anlauf. Nicht weniger als 39 Personen wurden daraufhin geladen, um ja genug Personalreserve zu haben. Wieder kamen viele nicht, doch für einen – verspäteten – Prozessstart reichte es. Der nächste Eklat folgte. Die Verteidiger verlangten eine Dokumentation über die Auswahl der Geschworenen. Sie wollten wissen, ob die Laien auch gemäß jener Reihenfolge herangezogen wurden, die durch die offizielle Ladungsliste vorgegeben ist. Dies konnte allerdings – zumindest laut den Anwälten – nicht klar unter Beweis gestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, warum das Gericht lieber Kinder ins Beratungszimmer der Geschworenen setzt, als neuerlich alle Beteiligten unverrichteter Dinge weg zu schicken.

Letztlich war also die Verhandlung gerettet: Nun stand die Befragung jenes Abteilungsinspektors vom österreichischen Verfassungsschutz auf dem Programm, der die Einvernahmen von Wilhelm A. geführt hatte. A. wird vorgeworfen, für die „technische Betreuung“ der rechtsextremen Homepage „alpen-donau.info“ verantwortlich gewesen zu sein. B. wiederum soll die „inhaltliche Gestaltung“ vorgenommen haben – während Küssel als „Mastermind“ gilt. Alle drei bekennen sich nicht schuldig.

Da A. zuletzt erklärte, ihm sei ein EDV-Bericht der Polizei nur unvollständig vorgehalten worden, wollte sich der Senat selbst ein Bild von dem Beamten machen. Dieser schilderte, dass gerade die erste Vernehmung – diese dauerte übrigens eine ganze Nacht lang – durch „ausschweifende“ Angaben des Verdächtigen A. gekennzeichnet gewesen sei. Der Beamte: „Er wurde von uns gut serviciert.“ So habe A. etwa „meine halben Zigaretten geraucht“. Das Verhör sei „so entspannt“ gewesen, „wie man sich um ein Adoptivkind bemüht“. Auch verriet der Beamte, dass er von A. offenbar „für dümmer gehalten wurde, als er selbst ist“. Dies sei entschieden von Vorteil gewesen: „Wenn man für dümmer gehalten wird, kann man den Beschuldigten reden lassen.“

 

Urteilsverkündung am 7.November

Auch die Chefin des Beamten, Chefinspektorin Bettina Bogner, wurde als Zeugin gehört. Sie war bei der Vernehmung dabei und sprach nun von einer zumindest anfangs „extrem angespannten“ Gesprächssituation. Dass man damals darauf aus gewesen sei, Küssel selber zu überführen, gestand die Zeugin zu. Wenngleich: „Stimmungsmäßig war es nicht so: Hängt den Küssel am nächsten Baum auf!“ Dies schien dem direkt vor der Beamtin auf der Anklagebank sitzenden Hauptangeklagten ein schwacher Trost zu sein. Doch brach Küssel sein Schweigen, als er den Abteilungsinspektor fragte, ob dieser Zugangsdaten für die gegenständliche Webseite bei ihm, Küssel, gefunden habe. Hier musste der Zeuge passen: „Das ist mir nicht erinnerlich.“ Nächster Verhandlungstag: 17.Oktober. Die Urteile sollen am 7.November gefällt werden.

Auf einen Blick

NS-Wiederbetätigung. Dem Rechtsextremen Gottfried Küssel (53) wird in einem seit Mai laufenden Strafprozess das Einrichten der Neonazi-Homepage „alpen-donau.info“ zur Last gelegt. Die Webseite hatte laut Anklage eine „nationalsozialistische Zielsetzung“. Küssel habe den Vorsatz gehabt, „die Ziele der NSDAP zu fördern“. Küssel, vertreten von Anwalt Michael Dohr (dieser trug am Montag übrigens ein gewagtes Sakko samt Weste und Krawatte: alles in Neonpink) sowie zwei Mitangeklagte bestreiten die Vorwürfe. Erneut bangte das Gericht um die gehörige Besetzung der Geschworenenbank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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26 Kommentare
 
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Gast: Was mich beunruhigt, ist die Tatsache, dass das Internet uns von den wahren Problemen ablenkt!
21.08.2012 15:12
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wenn man in die Bevölkerung reinhört....

.....dann sagen VIELE, besser wäre Schüssel statt Küssel auf der Anklagebank, aber es kann halt nicht sein was nicht sein darf....jedoch wüsste man zumindest die reellen Schäden, welche UNS ÖSTERREICHERN zugefügt wurden, aber was zählt schon die Bevölkerung!

Re: wenn man in die Bevölkerung reinhört....

Wenn schon, dann beide.

sapperlot

hoffentlich wird im fall küssel ,- des brandgefährlichen topterroristen und meinungsmanipulator-, bald ein, für alle ewiggestrigen linksdralligen und wolkenschweber, angenehmes urteil gesprochen. hoffentlich kann dann österreichweit wieder ruhig geschlafen werden da das größte problem der jetztzeit, aus linksaugerlsicht, endlich gelöst wäre.

Was ich einfach nicht verstehe:

Weshalb um alles in der Welt kann man jemanden als Bundeskanzler wollen, der mit Küssel und anderen Neos an Kampftrainings teilgenommen hat?

... an Kampftrainings teilgenommen hat...

Das heißt, jeder der in einem Karateverein war oder mal paintball gespielt hat, darf nie und nimmer Bundeskanzler werden.


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Re: ... Oh, PISA

Schon schlimm, wenn man nur die Hälfte von einem Satz lesen kann.

E K E L H A F T

Ich verstehe nicht wie hier die ganzen I*oten etwas von Schauprozess daherplapern können wenn auf Youtube alles öffentlich einsehbar ist was dieser "Kamerad" so getrieben hat.

Der ist und war ein Terrorist der aus dem Verkehr gezogen gehört bevor etwas passiert. In zweiter Linie ist er Nationalsozialist. Anscheinend entschuldigt das für einige hier den Terrorismus ...

Ich bin fassungslos über so ahnungslose Kommentare hier.

Der Mann...

...wird verurteilt, weil er einer Partei nachhängt, die es seit bald 70 Jahren nicht mehr gibt.

Re: Der Mann...

und über die Landesgrenzen hinweg nach Deutschland eine Untergrundarmee aufbauen möchte.

Sogar bereits militärische Übungen mit deutschen Sympathisanten veranstaltet hat und vor der Kamera bereits gesagt hat er will den Bürgerkrieg um diese Partei wieder auferstehen zu lassen.

Hier kann man nicht mehr nur über Meinungsfreiheit diskutieren da hier deutlich mehr gemacht wurde.

Ekelhaft wie ahnungslos hier so ein stumpfsinniger Schwachsinn abgesondert wird!

Sie können sich auf Youtube gerne anschauen was diese rechte Made so von sich gibt. Hier gibt's nichts zu diskutieren.

Antworten Antworten Gast: 2435
21.08.2012 10:10
3 2

Re: Re: Der Mann...

Eine Untergrundarmee?

Machen Sie sich doch bitte nicht lächerlich, der Verrückte Spinner ist mit max. 20 anderen Verückten Spinnern im Wald herumgehüpft und die ganze Spinnerhorde war immer unter Polizeibeobachtung.

Wenn das eine Untergrundarmee hätte sein sollen welche die Republik gefährdet hätte, na dann gute Nacht Österreich.

Ich habe da mal ein Video gesehen wo der Küssel seine "Armee" abgeschritten hat, war mal so eine Doku, und herumgeschrien hat als würde er zu 10 Divisionen sprechen.

Angst habe ich da keine bekommen, eher Mitleid empfunden für dieses Kasperltheater.

Wie schon erwähnt war der und seine Spinnertruppe von Anfang an am Radar, im Gegensatz zu den Ebergassing Typen.

Re: Re: Re: Der Mann...

Gut so bevor das ausartet. Sympathisanten hat er ja genug.

Wenn man sich anschaut was ein Spinner wie der Breivik alleine so zusammenbringt, dann darf man solche gefährlichen Leute nicht ignoriert.

Spinner hin oder her. Spinner können auch gefährlich sein.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 2435
21.08.2012 11:58
1 1

Re: Re: Re: Re: Der Mann...

Ja das ist richtig, jedoch war ja Küssel und seine Truppe amtsbekannt und unter Beobachtung, was man ja von einem Breivik nicht behaupten kann.

Ich finde halt den Begriff Untergrundarmee sehr sehr übertrieben, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass solch ein Begriff für IRA, ETA, etc. verwendet wird.

Re: Re: Re: Re: Re: Der Mann...

Klingt übertrieben aber deswegen hab ich auch den Konjunktiv verwendet. Das war nun einmal seine Absicht.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 2435
21.08.2012 13:24
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Der Mann...

Wenn man die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten gegenüberstellt kann man sich den Konjunktiv sparen, denn dan kommt eindeutig heraus, dass es unmöglich war.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Der Mann...

Unmöglich nicht. Nur unwahrscheinlich dass mehr als eine gefährliche Terrorgruppe ala RAF rauskommt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 2435
21.08.2012 11:56
0 0

Re: Re: Re: Re: Der Mann...

Ja das ist richtig, jedoch war ja Küssel und seine Truppe amtsbekannt und unter Beobachtung, was man ja von einem Breivik nicht behaupten kann.

Ich finde halt den Begriff Untergrundarmee sehr sehr übertrieben, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass solch ein Begriff für IRA, ETA, etc. verwendet wird.

Die Aufregung über das Urteil Pussy Riot

auch in Österreich wirkt eigenartig. Pussy Riot beging zumindest aktive Religionsstörung, während Küssel & Co. einer angelsächsische Anschauung über Meinungsfreiheit folgten. Das Strafausmaß für Pussy Riot ist überhöht, aber Küssel & Co. droht für ihr Verbrechen ein Vielfaches davon. W.

Antworten Gast: Grauwolf
21.08.2012 07:10
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Re: Die Aufregung über das Urteil Pussy Riot

Auch ich hoffe, dass Küssel ein vielfaches des Strafmasses von Pussy Riot erhält, in einem Straflager!

Re: Re: Die Aufregung über das Urteil Pussy Riot

lol, sie sind wirklich von gestern.

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Re: Re: Re: Die Aufregung über das Urteil Pussy Riot

die grauen Wölfe dulden halt keine Nationalistenkonkurrenz.

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...

ich habe den intelligenztest beim wifi gemacht. wo sie?

Antworten Gast: General Schnitzelsemmel
21.08.2012 09:15
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Re: ...

Staatlich und bei meinem Psychologen, wegen dem überspringen einer Klasse, warum fragen sie?

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Ein Möchtegern-Stalin-Schauprozess

Erschreckend das soetwas in einer "Demokratie" möglich ist und belustigend welche "kompetenten" Beamten hier gehandelt habe - sozusagen ein Alpenstasi-Kabarett. Der Qualtinger hät seine Freud.

Gast: Justizbeobachter
20.08.2012 17:16
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Pussy Riot auf A-stanesisch

Mit der Unterschied, dass Kuessel nicht einmal eine Aktion geliefert hat.
Und der BAWAG-Chef ist unauffindbar, Kuessel jedoch in Haft. Hat halt vergessen, so wie viele der Etablierten, den schwenk von dem einen zum anderen Sozialisssmus zu machen. Wer zu spaet kommt, den betraft die Geschichte.....

Gast: Faru Wieland
20.08.2012 16:44
4 3

Luege, wo bleibt dein sieg?


Gast: Flexibohrer
20.08.2012 13:10
15 7

Da wird wieder einmal etwas zusammengeschustert


Peinlich und korrupt was hier abgeht.

 
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