Wien/Eid. Der neue Terminal „Check-In-3“ (der ehemalige Skylink) bleibt eine Großbaustelle. Denn die seit einem Jahr amtierenden Flughafen-Chefs Julian Jäger und Günther Ofner müssen den von ihren Vorgängern initiierten Terminal, der sich zu einem Finanzdebakel entwickelte, nun reparieren. Die Kosten: knapp zehn Mio. Euro.
Zu lange Wege, zu enge Rolltreppen, zu wenige Lifte, mangelhafte Orientierungssysteme, vor allem aber keine behindertengerechte Infrastruktur: Die Liste der von Behindertenverbänden und Passagieren kritisierten Mängel ist lang. „Wir nehmen das alles sehr ernst und versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagte das Vorstandsduo am Mittwoch bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses. Seit Anfang August sei dafür eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet worden.
Die gute Nachricht: Die „Reparaturkosten“ erhöhen die bisher bekannten Gesamtkosten des Skylink nicht. Diese liegen jetzt bei 760 Mio. Euro, was deutlich weniger als die zuletzt veranschlagten 840 Mio. Euro ist. Allerdings müssen dazu noch rund 100 Mio. Euro für sogenannte Schnittstellenprojekte (wie die Gepäcksortierung) dazugerechnet werden. Die Preissenkung resultiert unter anderem aus Schadenersatzansprüchen, die der Flughafen gegenüber beim Skylink tätigen Firmen geltend macht. 21,7 Mio. Euro habe man sich laut Ofner schon zurückgeholt, bei noch anhängigen Verfahren könnten weitere knapp 40 Mio. Euro fließen.
Die schlechte Nachricht: Nicht alle Mängel können behoben werden. Man werde zwar zusätzliche Lifte einbauen (um das Gebäude barrierefrei zu machen) und das Leitsystem sowie die Beschilderung verbessern, sagte Ofner. Aber die Rolltreppen könne man nicht verbreitern – „da müssten wir tragende Wände einreißen“.
„Heute vieles anders machen“
Dass der Skylink nach jahrelanger Verzögerung im Juni unter chaotischen Bedingungen eröffnet worden sei, um den lange geplanten Termin einzuhalten, stellte Jäger jedoch in Abrede. Der Betrieb mit rund 40.000 Passagieren pro Tag funktioniere weitgehend reibungslos. Aber: „Würden wir heute bauen, würden wir vieles anders machen – vor allem würden wir Behindertenverbände schon in die Planung einbeziehen.“
Rasch mit neuen Mietern besetzt werden sollen auch die Geschäfte, die nach der Pleite des Shopbetreibers Rakesh Sardana leer stehen. Die Ansprüche gegen ihn in Höhe von 3,4 Mio. Euro wurden wertberichtigt.
Die nächste Baustelle ist jedenfalls schon eröffnet: Der Terminal1 wird adaptiert und steht ab 2013 Air Berlin und Niki zur Verfügung. Die Entscheidung, was mit dem ältesten Terminal (Check-In-2) passiert – abreißen oder total umbauen –, soll im ersten Quartal 2013 fallen. Erst 2014/15 wird es bei der übernächsten Baustelle, der dritten Piste, ernst. Noch bis Freitag läuft die Einspruchsfrist gegen den positiven UVP-Bescheid. Neun Einsprüche gibt es bis jetzt. Den Bescheid zweiter Instanz erwartet Ofner 2014.
Kostensenkungen, die unter anderem aus dem Abbau von 200 Stellen resultieren, sowie ein im europäischen Vergleich überdurchschnittliches Passagierplus von 7,9Prozent haben dem Flughafen Wien im ersten Halbjahr ein gutes Ergebnis gebracht. Bei einem Umsatzplus von 4,7Prozent auf 293,6 Mio. Euro stieg das Betriebsergebnis um vier Prozent auf 68,7 Mio. Euro. Der Nettogewinn legte um 13,3Prozent auf 49,1 Mio. Euro zu. Die Abschreibungen, Zinskosten und Betriebskosten für den Skylink werden sich jedoch erst im zweiten Halbjahr in der Flughafen-Bilanz niederschlagen. Trotzdem erhöht der Flughafen die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2012 von 55 auf 60 Mio. Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)
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