Der Sonntag früh aus dem Salzburger Tiergarten entkommene Luchs "Vivious" ist weiter auf der Flucht. "Wir konzentrieren uns derzeit auf Spuren am nahen Hellbrunner Berg", betonte Zoosprecherin Christine Beck am Montag. Die Raubkatze soll nun mit speziellen Fallen aus Deutschland wieder eingefangen werden.
Rund 20 bis 25 mit Funkgeräten ausgestattete Helfer standen laut Beck am Vormittag im Einsatz und suchten Fußabdrücke vom Tier. Zootierarzt Jochen Lengger und Betriebsleiter Rupert Eckkramer seien zudem mit Betäubungsgewehren auf der Jagd nach dem Tier. Die Suchaktion wurde später auf ein Minimum zurückgeschraubt: "Wir werden zwar weiter kontrollieren, ob der Luchs nicht irgendwo auftaucht. Aber wir brauchen jetzt einmal Ruhe und warten, bis die Fallen stehen", erklärte der deutsche Wildtierexperte und Leiter der Untersuchungskommission, Henning Wiesner.
Aus dem Nationalpark Bayrischer Wald werden nun zwei Luchsfallen geliehen, die beim Fangen des Tiers helfen sollen und die wahrscheinlich am frühen Dienstagnachmittag einsatzbereit sind. "Wir legen dann Köder aus und hoffen, dass ihn der Hunger in die Falle treibt."
Wiesner, langjähriger Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn, warnte vor einer Dramatisierung des Vorfalls. "Luchse sind harmlose Tiere, die nie einen Menschen oder ein Kind angreifen würden. Anderswo werden sie ausgewildert, um ihren Bestand wieder zu erhöhen." Sollte die eineinhalb Jahr alte Raubkatze nicht mehr zurückkommen oder gefangen werden, "kann man nur hoffen, dass sie Anschluss zu anderen Luchs-Populationen findet", so Wiesner. "Viel wahrscheinlicher ist leider aber, dass ihr Leben auf irgendeiner Autobahn endet."
Kein Strom im Elektrozaun
Nach Tagung einer zoo-internen Expertenkommission ist nun auch klar, wie das Tier fliehen konnte: Im Elektrodraht des Geheges befand sich kein Strom. "In der Nacht von Samstag auf Sonntag gab es Sturm. Dabei brachen Äste von Bäumen und kamen im hinteren Teil des Geheges auf dem Elektrodraht zu liegen. Sie haben eine Erdung hergestellt, darum war kein Strom im Draht", erklärte Wiesner. "Der Luchs hat mit seinem guten Gehör gemerkt, dass kein Saft mehr fließt, das typische Knistern war weg. Darum konnte er den Zaun schließlich hinauflaufen und sich auf der anderen Seite runterfallen lassen."
Auch Geparden konnten schon entkommen
Der aktuelle Vorfall ist nicht der erste im Salzburger Zoo: Zweimal sind in diesem Jahr bereits Raubkatzen aus ihrem Gehege in Hellbrunn ausgebüxt. Am 5. Juni rissen zwei weibliche Geparden aus, verließen das Tiergartengelände und marschierten Richtung Anif. Die Rufe der Mutter - und der Einsatz Dutzender Tierpfleger und Polizisten - hatten die beiden Ausreißer schließlich zur freiwilligen Rückkehr bewegt. Eines der beiden Tiere riss am 1. Juli neuerlich aus. Nach rund zehn Minuten konnte es wieder ins Gehege zurückgedrängt werden. Dieser Vorfall wurde erst zwei Wochen später bekannt. In der Folge wurde beschlossen, den Neubau der Geparden-Anlage vorzuziehen. Die Arbeiten sind inzwischen im Gang und werden voraussichtlich im Oktober abgeschlossen.
Kritik übte am Montag die Bürgerliste Salzburg (Anm.: die Grünen in der Stadt): "Was das Image des Zoos betrifft, ist es nach diesem Zwischenfall fünf nach zwölf. In der jüngsten Aufsichtsratssitzung wurde mir versichert, dass bis auf die Geparden alle Tiere ausreichend gesichert seien", betonte Bürgerlisten-Gemeinderat Bernhard Carl, selbst Mitglied im Aufsichtsrat des Zoos.
(APA)
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