21.05.2013 06:11 Merkliste 0

Alpinunfälle: Bergsport fordert immer mehr Opfer

27.08.2012 | 18:06 |  von Christine Imlinger (Die Presse)

Die Zahl von Unfällen in den Bergen steigt. Zwar sei die Ausrüstung deutlich geworden, doch Bergretter und Alpenverein warnen vor falscher Planung von Touren – und vor einer Überschätzung der eigenen Kräfte.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Ein 20-jähriger Deutscher stürzt Samstagvormittag im Zillertal beim Abseilen aus unbekannter Ursache 15 Meter in eine steile Felsrinne und wird schwer verletzt. Ein 56-jähriger Grazer erleidet in der Wörschach-Klamm einen Herzinfarkt und stirbt. Im Zillertal mussten Bergretter am Sonntag eine achtköpfige Gruppe retten, die trotz Schlechtwetters im Gebiet des Olperers unterwegs war und in Bergnot geriet – das ist allein die Bilanz des vergangenen Wochenendes. Liest man Unfallberichte, weckt das den Eindruck, die Alpen seien nicht Erholungs-, sondern Risikogebiet.

303 Menschen sterben im Schnitt jährlich in den heimischen Bergen. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr sind es etwa 550. 2011 haben sich 7900 Menschen beim Wandern, Bergsteigen oder Klettern in Österreich so schwer verletzt, dass sie im Spital behandelt werden mussten. 304 Menschen sind in der Saison 2010/11 in den heimischen Alpen gestorben. Unfälle und tödliche Vorfälle beim Wandern und Bergsteigen haben 110 Tote gefordert, beim Klettern gab es 24 Tote (doppelt so viele wie in der Saison zuvor), beim Mountainbiken vier. Die übrigen Vorfälle haben sich auf der Skipiste, beim Tourengehen, Langlaufen, Rodeln, beim Wildwassersport, der Jagd, beim Flugsport oder als „atypische Alpinunfälle“, etwa bei Arbeiten, ereignet. Das ergab die „Analyse: Berg“ des Kuratoriums für Alpine Sicherheit.

Die meisten tödlichen Vorfälle ereignen sich mit 30 Prozent beim Wandern, meist sind es interne Notfälle – etwa Herzinfarkte oder Schlaganfälle –, aber auch Stürze. Die Alpinpolizei hat zwischen 1. November 2010 und 31. Oktober 2011 ganze 8287 Unfälle registriert – der höchste Wert seit Beginn der Statistik vor 20 Jahren. In der laufenden Saison ist die Zahl allerdings rückläufig, vor allem im Winter ist die Zahl der Kollisionen auf den Pisten gesunken.

In der laufenden Sommersaison decken sich die Zahlen etwa mit jenen des Vorjahres. „Was jetzt passiert, ist nicht außergewöhnlich“, sagt Michael Larcher, der Leiter des Bergsport-Referates im Alpenverein. Schließlich sind im Juli und August die meisten Menschen in den Bergen unterwegs. Und freilich sorgt der Boom der Outdoor-Sportarten für eine höhere Zahl an Unfällen.

„Der Trend hält an, der Bergsport ist sehr attraktiv“, sagt Larcher. Vor allem Klettersteige locken. „Das ist sehr beliebt, aber gerade dort sind oft eine fehlende Selbsteinschätzung, zu ehrgeizige Ziele und fehlende Planung der Touren ein großes Problem“, warnt Larcher. „Heuer werden wir gehäuft zu Klettersteigen gerufen“, bestätigt Kurt Nairz, der Vizepräsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes. Abgesehen davon sei die Häufung heuer nicht ungewöhnlich, „wenn man sieht, wie viele Leute unterwegs sind.“

Oft sei das Problem, dass ein zu hoher Schwierigkeitsgrad gewählt werde oder die Sportler schlecht vorbereitet seien, sagt Nairz. Zwar sei die Ausrüstung in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden, doch: „Die Leute sind risikofreudiger, sie wollen längere, anspruchsvollere Touren gehen.“

Und brauchen auf diesen Touren immer öfter Hilfe. Diese schlägt bei der ehrenamtlichen Bergrettung mit 38 Euro pro Mann und Stunde zu Buche. Ein Hubschraubereinsatz kann einige Tausend Euro kosten. Bei einem Großeinsatz wächst der Betrag schnell in sechsstellige Höhe. Bergretter und Vereine raten dringend, sich zu versichern.

Disney-Philosophie am Berg

Larcher warnt vor einer „Disney-World-Philosophie“ in den Bergen: Am Fels entstehen Fun-Sport-Anlagen, die fix montierten Stahlseile locken Wanderer, das Klettern zu probieren. Dazu kommt der leichte Zugang, schließlich verkauft jeder Sporthändler billige Klettersteigsets. „Klettern ist ein Sport, den man lernen muss“, sagt Larcher, wie beim Tauchen brauche man einen Kurs. Meist reichen wenige Tage, um sicheres Klettern zu lernen. Larcher warnt besonders, sich von einem Freund das Klettern zeigen zu lassen.

Fehler passieren freilich auch bei Profis. Dass aber das Material versagt, wie im Fall eines 17-jährigen Deutschen, der Anfang August in Walchsee mehr als 100 Meter abgestürzt und gestorben ist, nachdem beide Schlauchbänder des Klettersteigsets gerissen waren, sei äußerst selten, sagt Larcher, der den Fall als Sachverständiger untersucht hat. Gefährlicher sei Unaufmerksamkeit. Wegen ihr kommen am Berg selbst Weltklassekletterer immer wieder zu Tode.

Auf einen Blick
300 Menschen sterben im Schnitt jedes Jahr in den heimischen Bergen. 7900 Österreicher mussten 2011 nach einem Unfall beim Wandern, Bergsteigen oder Klettern im Spital behandelt werden. Bergretter warnen Hobby-Alpinisten vor zu ehrgeizigen Zielen und falscher Selbsteinschätzung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

18 Kommentare

ich sags doch immer und

immer wieder !
wieso verbieten die grünen nicht bergsportarten ? es ist gefährlich, menschen kommen um, sogar kinder,...ausserdem die armen tiere...was die alles aushalten müssen...jeden tag wanderer.
also bitte liebe grüninnen ihr seids doch eh so für verbote...warum handelts da nicht ?????

Gast: nina blum
28.08.2012 14:03
0 0

überhaupt erschreckend ist, dass auf der ganzen Welt immer mehr Menschen sterben!!!!!!!!!

So sterben zum Beispiel in Deutschland seit Christi Geburt viel mehr Menschen.
Ganz schlimm in China und Indien!

Wenn man vergleicht

304 Tote gegen 550 im Straßenverkehr dann wundert es mich, dass noch niemand ein Pickerl für Bergwanderer gefordert hat.

Gast: k.u.k Feldmarschall
27.08.2012 21:45
1 6

Das ist seit dem zeitpunkt wo sichösterreichische Burschen vorm Bundesheer drücken können und sie deswegen nicht für das Überleben in der peinharten erbarmungslosen Natur vorbereitet werden können!!

Jeder der beim Bundesheer für diese gefährlichen Reviere trainiert wurde, der hat kein Problem mit der Dachstein Südwand und rutscht auf dem Hofer-Plastiksackerl durch die Palavitschini-Rinne und jodelt den erzherzog-Johann-Jodler!
Da werden Buben zu Männer gemacht! Da wird der milchflaum zu einem harten Männerbart! Nicht nur im Gesicht, mein lieber Jolly!

Würden auch die Mädels zum Heer eingezogen, dann hätten die sich und ihre Monatsblutung besser unter Kontrolle!

Antworten Gast: Kurt04
28.08.2012 08:55
0 0

Re: Das ist seit dem zeitpunkt wo sichösterreichische Burschen vorm Bundesheer drücken können und sie deswegen nicht für das Überleben in der peinharten erbarmungslosen Natur vorbereitet werden können!!

Ich hoffe einmal, dass dieser Kommentar nur Ihren ausgeprägten Sinn für Ironie zum Ausdruck bringen soll.....

Antworten Antworten Gast: k.u.k Feldmarschall
28.08.2012 09:23
0 0

Re: Re: Das ist seit dem zeitpunkt wo sichösterreichische Burschen vorm Bundesheer drücken können und sie deswegen nicht für das Überleben in der peinharten erbarmungslosen Natur vorbereitet werden können!!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Aber sterben wird sie.

Antworten Antworten Antworten Gast: Kurt04
28.08.2012 13:00
0 0

Re: Re: Re: Das ist seit dem zeitpunkt wo sichösterreichische Burschen vorm Bundesheer drücken können und sie deswegen nicht für das Überleben in der peinharten erbarmungslosen Natur vorbereitet werden können!!

Dann sind Sie wohl einer jener, die sich nach etlichen Jahren noch immer darauf berufen, wie sportlich, exakt, diszipliniert, etc. man noch sei, weil man ja anno dazumals beim Bundesheer war.

Lustigerweise müssen dies gerade die am öftesten und lautesten wiederholen, bei denen man von den "typischen Bundesheereigenschaften" am allerwenigsten merkt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: k.u.k Feldmarschall
28.08.2012 14:36
0 0

Re: Re: Re: Re: Das ist seit dem zeitpunkt wo sichösterreichische Burschen vorm Bundesheer drücken können und sie deswegen nicht für das Überleben in der peinharten erbarmungslosen Natur vorbereitet werden können!!

Na, Sie hätte ich aber gerne in meinem Ausbildungzug gehabt!
Da wären Sie jetzt noch immer frisch wie ein Maiglöckchen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Kurt04
29.08.2012 07:20
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Das ist seit dem zeitpunkt wo sichösterreichische Burschen vorm Bundesheer drücken können und sie deswegen nicht für das Überleben in der peinharten erbarmungslosen Natur vorbereitet werden können!!

Dann wird es Sie verwundern, dass ich trotzdem fit wie ein Maiglöckchen bin; ich bin diszipliniert, hatte noch nie irgendeinen Unfall bei meinen zahlreichen Bergtouren, bin beruflich erfolgreich und vor allem kann ich mein Bett machen und meine Kleider zusammenlegen! Vor allem letzteres ist ein Riesenerfolg, wenn man bedenkt, dass ich nicht Ihre Ausbildung genossen habe...

Gast: Klaus
27.08.2012 20:19
0 0

Unfallversicherung

Leutln, gönnt euch die ca 50,-/Jahr für eine private Unfallversicherung!

Re: Unfallversicherung

geht billiger… naturfreunde.

Antworten Antworten Gast: UKW
27.08.2012 23:05
0 0

Re: Re: Unfallversicherung

42,10 € kostet die Mitgliedschaft beim Sozialistenverein. Eine Bergungskostenversicherung ist außerdem nicht mit den Leistungen einer echten Unfallversicherung vergleichbar. Üblicher Sozischmäh, einer Organisation die mit Steuergeld gefüttert wird.

Antworten Antworten Antworten Gast: zetto
28.08.2012 09:28
0 0

Re: Re: Re: Unfallversicherung

Völliger Unsinn.
Dann gehen Sie eben zum Alpenverein.
Diese Versicherungspakete bieten bei Unfällen in den Bergen genau die optimale Vorsorge - bei den Standardpaketen der Versicherungen schauen Sie hingegen mit Selbstbehalt recht alt aus.

Antworten Antworten Antworten Gast: xxxx
27.08.2012 23:26
0 0

Re: Re: Re: Unfallversicherung

Kloar!
Da ist der schwarze Alpenverein ja viel supererer!
Kostet mehr als die HeiFi-Truppe!

Gast: Blankensteiner Husar
27.08.2012 19:47
0 5

Wenn haut es denn von den schönen Alpen regelmäßig runter? Für wen fliegen die Helis des ÖAMTC rund um die Uhr?

Genau. wegen der patscherten Wiener, Niederösterreicher und Burgenlandler, den Flachlandsalzburgern und die Grazer Kernölprinzen!
Wer in den Alpen aufgewachsen ist, der braucht die schroffen Berge nicht fürchten. Sind doch sein eigen Fleisch und Blut! Kärntner und Steirer sind aus den Alpen gemacht, sie sind mit der alpinen Gefahr eins geworden!
Wiener und Niederösterreicher wixt es samt Halbschuhe schon vom Bisamberg!

Als Rache für die heruntergewixten

Wiener Halbschuhtouristen, überfahren wir die Bayern aus dem Voralpengebiet des Blankensteins in Wien mit dem Fiaker!

Re: Wenn haut es denn von den schönen Alpen regelmäßig runter? Für wen fliegen die Helis des ÖAMTC rund um die Uhr?

das ist genau die art von selbstüberschätzung, die zu den unfällen führt.

Antworten Gast: 0sttirolerin
27.08.2012 20:51
0 1

Re: Wenn haut es denn von den schönen Alpen regelmäßig runter? Für wen fliegen die Helis des ÖAMTC rund um die Uhr?

Wenn ich zurück denke, welche Schulausflüge wir in der HAK gemacht haben ...
und heute müssen diese gestylten Mountain-Feschaks dort überall mit dem ÖAMTC-Hubschrauber rausgeflogen werden ...
lol