Salzburg/Wien/KB. Es war der dritte Ausbruch innerhalb von drei Monaten – ein Luchs, der am Sonntag aus dem Salzburger Tiergarten Hellbrunn entkommen konnte. Von „Vivious“ fehlt derzeit nach wie vor jede Spur. Die (harmlose) Raubkatze soll nun mit speziellen Luchsfallen aus Deutschland wieder eingefangen werden. Nach Tagung einer Expertenkommission ist nun auch klar, wie das Tier fliehen konnte: Im Elektrodraht des Geheges befand sich kein Strom.
„In der Nacht auf Sonntag gab es Sturm, dabei brachen Äste von Bäumen und kamen auf dem Elektrodraht zu liegen. Sie haben eine Erdung hergestellt, darum war kein Strom im Draht“, sagt der deutsche Wildtierexperte und Leiter der Kommission, Henning Wiesner. „Der Luchs hat gehört, dass das typische Knistern weg war, und konnte den Zaun hinauflaufen.“
Wiesner spricht von einem „dummen Zufall“: Allerdings sei es ein Versäumnis gewesen, am Morgen nicht zu prüfen, ob im Draht Strom fließe. Als Konsequenz des Vorfalls werden die Stromtaktgeräte am Gehege mit einem System ausgerüstet, das sich bereits bei der Löwenanlage im Zoo bewährt hat: Bei einem Ausfall ergeht eine Mitteilung per SMS an den diensthabenden Tierpfleger.
Ratlos über die Flucht der 50 cm großen und 14 Kilo schweren Raubkatze zeigt sich Zoosprecherin Christine Beck: „So etwas kam hier noch nie vor. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Was genau das Tier erschreckt und dazu veranlasst hat zu fliehen, können wir nicht sagen.“
Um den Luchs einzufangen, wurden am Dienstag zwei spezielle Fallen auf dem Hellbrunner Berg aufgestellt. In die großen Kisten werde Fleisch gelegt, ein Mechanismus sorge dann dafür, dass – wenn das Fleisch angehoben wird – „die Tür hinten zufällt“, erklärt Beck. Sie appelliert an Spaziergänger mit Hunden, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen, damit sie den Köder nicht fressen.
Drei Ausbrüche in drei Monaten
Am 5. Juni waren zwei Geparden aus dem Zoo ausgebrochen. Die Rufe der Mutter – und der Einsatz Dutzender Tierpfleger und Polizisten – hatten die beiden Ausreißer schließlich zur Rückkehr bewegt. Eines der beiden Tiere riss allerdings am 1. Juli neuerlich aus. Nach rund zehn Minuten konnte es wieder ins Gehege zurückgedrängt werden.
Der erste Ausbruch beschäftigt nun auch die Justiz: Gegen Zoodirektorin Sabine Grebner wird wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit ermittelt. Die Polizei hat eine Materialermüdung eines Türschlosses zum Gepardengehege als wahrscheinliche Ursache für den Ausbruch angenommen. Die Zooleitung geht aber davon aus, dass jemand die Raubkatzen befreit haben müsse. Vermutlich habe es sich um eine Mutprobe von Jugendlichen gehandelt. „Dass sich in einem drei Meter hohen Zaun ein exakt ein Meter großes Loch befindet, ist schon etwas merkwürdig“, so Beck.
Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) stellte jedenfalls klar, dass er trotz der „optisch ein bisschen peinlichen Vorfälle“ weiterhin an Grebner festhalten werde. Ihr Vertrag laufe noch zwei Jahre, man soll dann eine Gesamtbewertung vornehmen.
Suche nach Krokodil erfolglos
In Kärnten geht indes die Suche nach dem „Krokodilphantom“ in der Drau bei Sachsenburg weiter. Reptilienexpertin Helga Happ kündigte am Dienstag an, das Ufer zu beobachten. Ab Mittwoch sollen nachts Feuerwehrleute mit Scheinwerfern suchen. Durch die reflektierenden Krokodilsaugen sei eine Suche dann erfolgversprechender. Vergangene Woche hatten zwei Kinder angegeben, ein Krokodil gesehen zu haben und Kleidung mit Bissspuren vorgelegt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)
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