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Spendenskandale: Ein WikiLeaks für Spendengeld

02.09.2012 | 18:23 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Ein Teil der Millionen Euro, die als Hilfsgeld ins Ausland fließen, verschwindet. Wo, das sollen ehrliche Insider an zentraler Stelle melden. Seit einer Woche gibt es in Österreich eine Art WikiLeaks für Spendengeld.

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Wien. Eigentlich sollten die Spenden für das in Österreich tätige Kinderhilfswerk „Tesfaye“ fast ausschließlich Patenkindern in Äthiopien zugutekommen. Das Magazin „News“ schrieb vergangene Woche, dass mehr als ein Drittel auf dem Weg dorthin in fremden Taschen gelandet war. Jetzt prüft der Staatsanwalt. Für gemeinnützige, von Spenden abhängige Organisationen ist der gute Ruf das wichtigste Kapital. Das gilt im Besonderen für Vereine, die im Ausland in der Entwicklungshilfe tätig sind. Um diesen Ruf auch langfristig zu wahren, bemühen sich die Entwicklungshilfe des Außenministeriums (Austrian Development Agency, kurz ADA) und ihre Partnerorganisationen schon seit einiger Zeit um Programme für Korruptionsprävention. Nun ist der nächste Schritt getan.

Seit genau einer Woche gibt es in Österreich eine Art WikiLeaks für Spendengeld. Die ADA selbst betreibt nun eine Stelle, an die sich ehrliche Insider, sogenannte Whistleblower, wenden können, wenn sie verdächtige Aktivitäten in ihrem Umfeld bzw. in ihrer Organisation wahrnehmen. Ein eigens geschultes Team von Mitarbeitern soll die Hinweise – zunächst nur intern – prüfen. Bestätigt sich der Verdacht, werden entsprechende Schritte eingeleitet. Bis hin zur (Selbst-)Anzeige beim Staatsanwalt. Die ADA hat sich jedoch dazu entschlossen, nur Hinweise entgegenzunehmen, die von Personen stammen, die sich eindeutig identifizieren lassen. Anonymen Informanten will man hingegen nicht zuhören. Warum?

„Weil wir ernste Bedenken hatten, dass die neue Meldestelle für Korruption als Instrument für Mobbing, Missgunst und Neid missbraucht werden könnte“, sagt Georg Huber-Grabenwarter, Leiter der Stabsstelle Organisationsentwicklung in der ADA. Deshalb habe man sich dazu entschieden, zumindest vorerst anonyme Whistleblower nicht zuzulassen.

Seit einigen Jahren schon führt man in Expertenkreisen eine Debatte darüber, wie denn nun Meldestellen für Korruption im Idealfall auszusehen hätten. Die NGO Transparency International empfiehlt jedenfalls, diese Postkästen möglichst unabhängig von der betroffenen Organisation zu stellen und den Informanten höchstmöglichen Schutz zu gewähren. Beides ist im ADA-Projekt nur sehr rudimentär ausgeprägt.

 

Wunder Punkt Glaubwürdigkeit

Ebendort begegnet man der Kritik mit dem Hinweis, dass mehrere Wege zum Ziel führten könnten. „Ja“, sagt Huber-Grabenwarter, „die Glaubwürdigkeit gegenüber potenziellen Informanten ist unser wunder Punkt.“ Trotzdem müssten sich diese keine Sorgen machen. Jeder Eingang werde absolut vertraulich behandelt – egal, ob an der Sache nun etwas dran sei oder nicht.

Nun hofft er, dass sich die Partnerorganisationen rege an der Bekanntmachung der Meldestelle (www.entwicklung.at, integritaet@ada.gv.at oder 01/90399-2250) beteiligen. Immerhin handelt es sich dabei um einige hundert Organisationen, die praktisch auf dem gesamten Erdball tätig sind. Dabei setzt man sich offenbar ganz bewusst einem gewissen Druck aus. Werden Meldungen nur unzureichend bearbeitet oder gar vertuscht, ist es für Informanten ein Leichtes, ihr Wissen an Medien weiterzugeben. Sollte sich herausstellen, dass die Vorwürfe stimmen, wäre der Schaden in Sachen Glaubwürdigkeit erheblich größer.

Da ein Großteil der Entwicklungszusammenarbeit jedoch nicht in Österreich, sondern in für Korruption noch anfälligeren Ländern stattfindet, gehen viele Organisationen sogar einen Schritt weiter. Die Kindernothilfe, sagt deren Mitarbeiter Gottfried Mernyi, lässt sich von den Projektpartnern vor Ort in den Verträgen sogenannte Korruptionsklauseln unterschreiben, die schon vor dem Anlassfall etwaige Konsequenzen bis zur Beendigung des Projekts verbindlich regeln.

 

20 bis 40 Prozent versickern

Alles in allem spenden die Österreicher im Jahr etwa 400 Mio. Euro. Laut einer Berechnung der Weltbank „verschwinden“ davon zwischen 20 und 40 Prozent in dunklen Kanälen.

Auf einen Blick

Ehrliche Insider, sogenannte Whistleblower, können sich seit einer Woche an eine Stelle der Austrian Development Agency des Außenministeriums wenden, wenn sie verdächtige Aktivitäten in ihrem Umfeld wahrnehmen. Geschulte Mitarbeiter sollen diesen dann nachgehen. Anonymen Informanten will man aber nicht zuhören. Das soll verhindern, dass die Meldestelle als Mobbing-Instrument missbraucht wird. Vertraulichkeit sei aber garantiert, heißt es.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)

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25 Kommentare
 
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spenden

alles bestärkt mich in meiner Meinung, keine Spenden an Organisationen zu leisten!
Beispiel: Karlheinz Böhm erzählte uns einst, einen Brunnen in Afrika zu bohren kostet $ 3.000,-
gerechnet auf die bisher eingegangen Spenden müsste es schon zigtausend Brunnen geben!
Gibt es die.
Also!

Gast: Gast394
03.09.2012 14:15
9 0

Erinnerung an den SPÖ-Volkshilfe-Skandal!

Mehr als 90 Prozent wurden für die SPÖ-Bonzen verbraucht und weniger als 10 Prozent sind angekommen!

da tesfaye erwähnt wurde

eine halbe stunde hätte genügt, um sich über die homepage des vereins ein besseres bild zu verschaffen, als einen "news" artikel.
ich halte zwar nicht viel von diesen patenschaften, aber dieser verein hat zumindest sein problem mit dem äthiopischen partnerverein veröffentlicht, ebenso seine jahresberichte mit finanzgebarung.
(verwaltungskosten ca. 12 %).
da gibt es unzählige hilfsvereine jeder art, die von transparenz wenig halten.
wer es daran fehlen lässt, sollte keine spenden lukrieren.
aber spender sind wie wähler:
viele sind zu naiv und vertrauen gerade jenen, bei denen grösste vorsicht geboten wäre.
einzugehen wäre auch auf die tatsächliche "qualität" des spendengütesiegels.
eigentlich nur ein unterstützungsbeitrag für steuerberater (wegen steuerlicher absetzbarkeit) ohne jede hintergrundinfo.

4 0

zwischen 20 und 40 Prozent versickern in dunklen Kanälen

Sehen sich die Hilfsorganisationen (richtigerweise) selbst als "dunkle Kanäle" oder muss man das was bei diesen versickert dann noch dazurechnen?

zwischen 20 und 40 Prozent versickern in dunklen Kanälen

Gibt es dazu nähere Informationen? Welche Bereiche betrifft es?

Ich denke, die Entwicklungshilfe ist ein besonderer Problembereich, zumal in den südlichen Ländern die Korruption blüht und Entwicklungshilfevereine vielerorts überhaupt nur tätig werden dürfen, wenn sie einen Teil der Hilfesgelder an lokale Machtträger abgeben.

0 0

http://www.entwicklung.at/index.php?id=1912


Gast: Gruftmaus
02.09.2012 22:00
1 1

Eine Art

Eine Art von Wiki leaks soll...dieses und jenes.
Und eine Art von Medien dient ihren Herren.
Ihr habt nicht mal ansatzweise verstanden, was Wiki leaks ist.

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Re: Eine Art

da kann man nicht wirklich helfen ... die medien waren wohl voll damit ... ;-(

Re: Eine Art

Und Sie? Was ist denn ein "Wiki leaks"? Sie geben vor, sich auszukennen, können es aber nicht einmal richtig buchstabieren.

Antworten Antworten Gast: uibel
03.09.2012 09:54
0 2

Re: Re: Eine Art

Die Volksschule sollte wieder begonnen haben.
Langweilen sie bitte Kinder und nicht Erwachsene.

Gast: Geneppter
02.09.2012 21:32
10 0

lächerliche Verschleierungen


eine richtige Buchhaltung und Kostenrechnung wären effizienter. Keinen Cent für solche Organisationen !

3 18

spenden

ein grund mehr weiterhin nur für tierschutzorganisationen zu spenden!

Antworten Gast: grandmaster flash
03.09.2012 10:26
4 2

Re: spenden

Ja, eh, alles seriöser Vereine. So wie der, für den Maggie E. in der Krone gefakte Tierfotos aus der Ukraine zeigt.

Solche Leute verdienen unser aller Vertrauen.....

Antworten Gast: Gast4711
03.09.2012 02:17
9 3

Re: spenden

Sie haben anscheinend nicht wirklich kapiert worum es hier geht. Sinnerfassendes Lesen ist anscheinend nicht Ihre Stärke. Glauben Sie allen Ernstes, dass es bei Tierschutzorganisationen anders ist?

Re: Re: spenden

Sie scheinbar auch nicht, weil es offenbar nur um Spenden im Zusammenhang mit Entwicklungshilfe geht. Was mich - ehrlich gesagt - nur wenig überrascht.

http://www.entwicklung.at/index.php?id=1912

Antworten Antworten Gast: Altkater1
03.09.2012 08:56
6 1

Re: Re: spenden

Wenn ich unserem Tierheim öfters etliche Dosen Katzen- u Hundefutter zukommen laß, weiß ich, daß das richtig ankommt!

Wenn das mehrere so machen würden (ist weder viel Zeit- noch Geldaufwand), wär denen schon viel geholfen!

25 1

wieviel kommt da überhaupt an???

20-40% versickern, weitere mindestens 20-30% gehen in die Administration, wenns eine straff geführte Organisation ist. Wenn man sich die Werbung ansieht die gefahren wird (Rote Nasen etc) dann würde mich wundern, wenn beim Bedürftigen mehr als 10% ankommen. Es muss ein ein sehr profitables Geschäft sein, das Spendensammeln - zumindest für die Sammler

Antworten Gast: asd
03.09.2012 02:01
8 1

Re: wieviel kommt da überhaupt an???

90% gehn in die korruption, 10% die werbung

7 0

wieviel kommt da überhaupt an???


Gast: xxxx
02.09.2012 19:32
1 5

Meine Güte! Der Staat nimmt mehr als 30%!

Ist der jetzt auch kriminell?

Antworten Gast: ökono-mist
02.09.2012 21:19
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Re: "Meine Güte! Der Staat nimmt mehr als 30%!"

Antwort: Nein, ist er nicht!

Wenn z. B. ein Staatsanwalt in der (B. Stöckl'schen) "Millionenshow" 30.000 Euro gewinnt, ist das ja auch nicht kriminell. Nicht einmal dann, wenn ihn "Bekannte ohne sein Wissen zur Teilnahme an der Show angemeldet" haben sollten. Das wurde doch alles schon vor langer Zeit ausjudiziert. Oder etwa nicht?

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Re: Meine Güte! Der Staat nimmt mehr als 30%!

Der Staat liefert zumindest was dafür, wie zB Infrastruktur, dumme Politiker mit Unterhaltungswert etc..... Was aber liefern die Spendensammler, ausser vielleicht ein gutes Gewissen für den Spender??

Antworten Antworten Gast: TheDude
03.09.2012 15:17
0 0

Re: Re: Meine Güte! Der Staat nimmt mehr als 30%!

Sie liefern, dass das Geld in den eigenen Taschen endet. So wie bei dem Verwaltungsapparat in Österreich. Von daher ein passender Vergleich ;-)

Gast: phj
02.09.2012 19:32
8 0

Was hat die Redaktion der Presse

im Fall Stöckl recherchiert ?

Antworten Gast: Joooohann
02.09.2012 20:08
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Re: Was hat die Redaktion der Presse

Auf welcher Seite von "News" die Enthüllungen stehen.

 
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