[GRAZ/KLAGENFURT/STÖG] Bei zwei ungeklärten Kriminalfällen, die die Ermittler seit 2005 und 2008 beschäftigen, gibt es nun Teilerfolge: Der Polizei gelang es, die Identität der beiden ermordeten Frauen (sie wurden polizeiintern in Anspielung auf die Fundorte als Frauenleichen von der Südautobahn bezeichnet) zu ermitteln. Bei der im Jänner 2005 bei Pirka nahe Graz aufgefundenen Toten handelt es sich um eine damals 23-jährige Ukrainerin. Ein Fingerabdruck brachte jetzt den entscheidenden Hinweise. Jene Leiche, die im Oktober 2008 bei Völkermarkt (Kärnten) gefunden wurde, wurde als eine 49-jährige Italienerin identifiziert. Die beiden Mordopfer waren niemandem abgegangen.
Die Hintergründe der Ermordung der beiden Frauen, sind aber weiter unklar. Fest steht: Die Spuren führen nach Italien, denn die 23-jährige Frau aus der Ukraine soll dort mehrere Jahre - laut Polizeirecherchen in Venedig - gelebt haben. Der oder die Täter hatten im Jänner 2005 nahe der Südautobahn (A2) die Leiche der jungen Frau verbrannt. Spurenauswertungen ergaben, dass nahe der Feuerstelle eine Person stand. Der Fundort an der A2 war aber nicht der Tatort. Die Ukrainerin starb an einem unbekannten Ort an schweren Kopfverletzungen: Ihr war – vermutlich mit einem Holzprügel – die Schädeldecke eingeschlagen worden.
Jahrelang keine Hinweise
Wenige Monate nach der Auffindung wurden einige Leichenteile an die Uni Freiburg (D) geschickt. Dort fertigte die Wissenschaftlerin Ursula Wittwer-Backofen eine Gesichtsrekonstruktion an. Schon damals stellte sie fest: Die Frau müsse beim Zeitpunkt ihrer Ermordung 23 bis 28 Jahre alt gewesen sein. Mit dem Bild ging die Polizei schließlich in die TV-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Entscheidende Hinweise zur Identität kamen aber keine. Später erfolgte dann noch eine weitere Schädelrekonstruktion. Auch sie brachte keine zielführenden Fahndungsergebnisse. Im Sommer 2012 nahm das Bundeskriminalamt erneut Recherchen auf, die nach Rom und Bratislava führten. Und es gab einen Treffer: Durch einen Fingerabdruck gelang es, die 1982 Geborene als Olha T. zu identifizieren.
Bei jener am 4. Oktober 2008 in Kärnten – ebenfalls nahe der A2 aufgefundenen Toten – handelt es sich um Anna T. aus Italien. Sie war erschossen worden, der oder die Täter versuchten auch hier das Opfer zu verbrennen. Der starke Regen verhinderte das aber. Zu diesem Fall wollen die Kärntner Kriminalisten vorerst aber keine weiteren Angaben machen. „Internationale Ermittlungen laufen“, hieß es am Mittwoch nur.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)
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