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"Wunderheiler": Behörden analysieren "Allheilmittel"

05.09.2012 | 15:16 |   (DiePresse.com)

Die Wirksamkeit von Schöllkraut ist nicht belegt. Eine Frau musste nach der Einnahme von "Ukrain" reanimiert werden.

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Nach der Festnahme eines "Wunderheilers" am Dienstag in Wien, der ein nicht zugelassenes Arzneimittel hergestellt haben soll, werden die beschlagnahmten Produkte nun im österreichischen Arzneimittelkontrolllabor (OMCL) des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) analysiert. Insgesamt 200.000 Ampullen des Präparats Ukrain waren sichergestellt worden.

"Es wird derzeit gegen mehr als 20 Beschuldigte ermittelt", sagte Erich Mayer, der Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), am Mittwoch. Neben dem 75 Jahre alten Betreiber des Pharmaunternehmens Nowicky Pharma mit Sitz in Wien-Wieden wurde eine 40 Jahre alte Frau wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs festgenommen. Insgesamt waren 26 Hausdurchsuchungen durchgeführt worden.

Verkauf und Herstellung verboten

Ukrain ist ein Arzneimittel aus Schöllkrautextrakten, das ohne aufrechte Zulassung in der EU als alternatives Krebstherapeutikum beworben wurde. Das illegal verkaufte und angewendete Mittel darf zum Schutze der Patienten in Österreich weder hergestellt noch verkauft werden. Darüber hinaus untersagt ein Erlass des Gesundheitsministeriums die Einfuhr im Einzelfall nach Österreich und die Anwendung außerhalb von klinischen Prüfungen.

2003 soll eine Frau wegen des Mittel einen anaphylaktischen Schock erlitten haben. "Die Patientin musste damals reanimiert werden", sagte Marcus Müllner von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Verfahrensleiter im BASG der Austria Presse Agentur.

Die behördliche Zulassung des Arzneimittels Ukrain wurde sowohl durch das Gesundheitsministerium als auch durch die Europäische Kommission (Arzneimittel für seltene Leiden) abgelehnt. Die Zulassung durch das Gesundheitsministerium scheiterte insbesondere daran, dass die Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit des Arzneimittels Ukrain nicht nachgewiesen werden konnte.

Pflanze, die überall wächst

Laut Hersteller ist Ukrain ein halbsynthetisches Arzneimittel, das aus Schöllkrautextrakten (Chelidonium-Alkaloiden) und Thiotepa hergestellt wird. Schöllkraut ist Mohngewächs, das einen orange-roten Milchsaft bildet, der Benzylisochinolinalkaloide und andere Substanzen wie Pflanzensäuren, Zimtsäurederivate, Saponine und Flavonoide enthält, heißt es in einer Mitteilung des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).

"Es handelt sich dabei um eine heimische Pflanze, die überall wächst und die fast jeder kennt", sagte Reinhard Länger, Abteilungsleiter Pflanzliche Arzneimittel & Homöopathika der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Wirksamkeit nicht belegt

Wie zahlreiche andere gelb blühende Pflanzen wurde Schöllkraut in der Volksmedizin vor allem bei Leber- und Gallenbeschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit von Schöllkrautextrakten konnte in kontrollierten klinischen Prüfungen nicht belegt werden. Hingegen ist das hohe Risiko schwerer Lebernebenwirkungen nach innerlicher Anwendung von Schöllkraut durch eine große Zahl an Fallberichten belegt.

In Österreich ist laut Länger lediglich ein pflanzliches Arzneimittel, das geringe Mengen Schöllkraut enthält, zugelassen. "Damit ist allerdings keine Risiko verbunden, es gibt keine toxikologischen Bedenken", sagte der Experte.

Insgesamt wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis für Schöllkraut negativ bewertet, eine medizinische Anwendung kann nicht empfohlen werden, so das BASG. In der Volksmedizin ist Schöllkraut auch als Warzenkraut bekannt. Die traditionelle Verwendung des frischen Milchsafts gegen Warzen ist ebenfalls nicht wissenschaftlich belegt, sagte Länger.

 

(APA)

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14 Kommentare
0 1

ehrlich ein Bild über Ukrain machen möchte...

hast du eben "ehrlich" über Ukrain geschrieben?

also jetzt mal ehrlich!!
das glaubst ja selber nicht!!

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Insgesamt 200.000 Ampullen des Präparats Ukrain waren sichergestellt worden

habe gehört
für eine Ampulle muss 70 Euro berappt werden!

Gast: Tacitus1963
05.09.2012 22:40
1 3

Chemo

"Ukrain" ist sicher wirkungslos, Schöllkraut eben. Aber wer verhaftet Personen, die eine Chemotherapie durchführen? Die nachweislich das Leben verkürzt und den gesamten Organismus schwerst schädigt? Wie man sieht, wieder einmal, kommt es eben allein auf Macht, Geld und Lobbyismus an. Sonst wären nicht nur "Wunderheiler" im Visier, sondern auch die Schulmedizin, die wesentlich mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat als alle "Wunderheiler" zusammen ...

Gast: wiengastl
05.09.2012 18:21
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Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betrugs?

Sorry, das Mittelchen existiert seit mindestens 20 Jahren, das Internet ist seit Jahren voll von Warnungen. Wer's trotzdem kauft ist wohl sicher nicht betrogen worden!


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ZDF Mona Lisa Doku

Wer sich ehrlich ein Bild über Ukrain machen möchte, sieht sich diese 10-minütige Doku an: http://bit.ly/Nc7BbL

Antworten Gast: so schaut's aus
05.09.2012 18:46
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Re: ZDF Mona Lisa Doku

Danke für den link.

Antworten Antworten Gast: nano tesla
05.09.2012 21:32
1 0

Re: Re: ZDF Mona Lisa Doku

guter beitrag danke.

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Pharmaunternehmens Nowicky Pharma mit Sitz in Wien-Wieden

da kann ich nur an
Margaretenst. 7 denken

Krebskranke greifen in ihrer Verzweiflung
nach einen Grashalm
und ich hab gar keine Ahnung
was "diese" Ukrainer
für dieses Saftl dafür abcashen !!

unter den Motto:
wir wollen nur gutes tun :(

Gast: vito c
05.09.2012 17:14
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lange brauchst

das sog. ukrainische krebsinstitut in der margaretenstrasse, der sitz des netten alten herrn Dr., dem ich oft auf der straße begegnete, gibt es mindestens seit 1996, wenn nicht gar länger. was haben wir jetzt? 2012?

Antworten Gast: Zufall
05.09.2012 18:23
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Re: lange brauchst


Erst kürzlich habe ich beim Ausräumen eines Schrankes eine Mappe gefunden mit Unterlagen über Ukrain - keine Ahnung, wer das gesammelt hatte. Es handelt sich um Ausschnitte aus medizinischen Zeitschriften, und Fallberichte von verschiedenen Ärzten, die über erstaunliche Ergebnisse mit Ukrain berichten.
Datum 1983 und 1984!!!!

Die Berichterstattung ist fragwürdig: Eine Frau musste nach der Einnahme von "Ukrain" reanimiert werden.
2003 soll eine Frau wegen des Mittel einen anaphylaktischen Schock erlitten haben.

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netten alten herrn Dr

gehört inzwischen auch schon
das (inzwischen renovierte) Gebäude!!

Geschäfte scheinen gut zu laufen!!

Gast: Ich weiß es nicht.
05.09.2012 16:51
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Ein Skandal?


http://www.ukrin.com/

Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, ist die Verhaftung skandalös-

Eine fundierte Recherche wäre eigentlich die Aufgabe von Journalisten. Die Rolle der Behörden ist mehr als fragwürdig.

Re: Ein Skandal?

Hat bei WOT die schlechtestmögliche Bewertung ...

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Anaphylaktischen Schock

EIN anaphylaktischen Schock im Jahr 2003? Also bei Impfungen und sonstigen Therapeutika geht man davon aus, dass sowas passieren kann...