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Justiz zu Estibaliz C.: „Schauderhaft“

05.09.2012 | 18:16 |  GEORG RENNER UND MANFRED SEEH (Die Presse)

Die Staatsanwaltschaft legt Meidlinger Eissalonbesitzerin zweifachen Mord zur Last. Sie soll ihre ehemaligen Partner erschossen und zerstückelt haben. Ihr Motiv sei Unzufriedenheit mit ihren Beziehungen gewesen.

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Wien. „Kaltblütig“, „skrupellos“ „schauderhaft“: Die Staatsanwaltschaft Wien greift in ihrer Anklageschrift gegen die Eissalonbesitzerin Estibaliz C., die derzeit in Untersuchungshaft sitzt, tief in den Jargon grauenerregender Krimis. Das 21-seitige Dokument, in dem die Behörde der spanisch-mexikanischen Frau zweifachen Mord vorwirft, überlässt nur wenig der Fantasie.

Detailliert beschreibt die Staatsanwaltschaft da, wie C., die heute ihren 34. Geburtstag feiert, sich im November 2007 von Holger H. scheiden ließ – und wie sie ihn, als er sechs Monate später noch immer keinen neuen Job gefunden hatte und noch immer in der gemeinsamen Wohnung lebte, mit zwei Schüssen in den Hinterkopf getötet haben soll. Wie sie nach der mutmaßlichen Tat „erleichtert“ zur Arbeit in ihren Eissalon ging, wo weder ihre Angestellten noch ihr neuer Lebensgefährte irgendetwas bemerkten.

Genauso erörtert die Behörde im Detail, wie C. 2010 Manfred H. umgebracht haben soll: Dieser, damals ihr Lebensgefährte, soll C., die sich sehnlichst eine stabile Familie wünschte, vor ihren Augen mit mehreren Frauen betrogen haben – was C. „trotz ihrer eigenen sexuellen Kontakte zu anderen Männern“, wie es in der Anklage heißt, verärgerte.

So sehr, dass sie H. im November 2010 im Schlaf erschossen haben soll – nur wenige Stunden, nachdem das Paar noch „in entspannter Atmosphäre“ zusammen mit einem Freund bei einer Punschhütte gestanden war.

Am grausigsten wird die Schilderung des Tathergangs jedoch bei der Beschreibung, wie Estibaliz C. mutmaßlich die Leichen ihrer Verflossenen verschwinden lassen wollte: Fast eine Woche lang soll die Leiche des ersten Opfers in C.s Wohnung gelegen haben, als sie sich mit einer neu gekauften Kettensäge daranmachte, sie zu zerlegen – um die Teile dann über mehrere Tage verteilt in Wannen und einer Tiefkühltruhe im Keller unter ihrem Eissalon in Wien-Meidling einzubetonieren. Ähnlich soll C. bei der zweiten Leiche vorgegangen sein – nur dass sie diesmal „aufgrund der Erfahrungen mit dem ersten Leichnam“, so die Anklage, schon vorbereitet war: Zum Beispiel soll sich C. im Vorfeld ihrer Tat im Baustoffhandel ausführlich über die Eigenschaften verschiedener Betonarten informiert haben.

Einbetoniert in dem Keller wurden die Leichenteile im Vorjahr bei Bauarbeiten gefunden. C. flüchtete in der Folge nach Italien, wo sie festgenommen wurde und die Taten gestand. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

 

Gestört, aber zurechnungsfähig

Als Motiv macht die Staatsanwaltschaft einerseits die Unzufriedenheit C.s mit ihren Beziehungen zu den Opfern aus. Andererseits lege das Verhalten C.s nahe, dass ihr „Motiv bei beiden Morden zumindest auch finanzielle Aspekte umfasste“, so die Anklageschrift.

Zusätzlich zu einer Haft wegen zweifachen Mordes beantragt die Staatsanwaltschaft auch die Einweisung C.s in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Denn einem Gutachten von Psychologin Adelheid Kastner zufolge liege bei der 33-Jährigen eine „ausgeprägte Persönlichkeitsstörung“ vor, die keine Unzurechnungsfähigkeit bedinge, aber die Gefahr weiterer Straftaten aufwerfe, wenn C. wieder auf freien Fuß komme.

Konkret heißt es in der Anklage, in C.s „Persönlichkeitsstruktur zentral ist die fehlende innere Stabilität, der fehlende innere Halt, der die Wertigkeit ihrer Person ausschließlich an [. . .] Bestätigung anderer festmacht, und der [. . .] ein Durchsetzen eigener Wünsche gegen eine nahe Bezugsperson als derart bedrohlich erscheinen lässt, dass die Tötung eines anderen die weniger ängstigende Lösung darstellt“.

Seit März ist C. (Verteidiger: Rudolf Mayer) wieder in einer Partnerschaft: Sie hat während ihrer U-Haft den Vater ihres ebenfalls in Haft geborenen Kindes – sie war bei ihrer Festnahme im zweiten Monat schwanger – geheiratet. Ihr Sohn Roland, geboren am 11. Jänner, lebt derzeit bei C.s Eltern in Barcelona.

Der Prozess vor einem Geschworenengericht, den Richterin Susanne Lehr leiten wird, dürfte bereits im kommenden November stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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10 Kommentare
Gast: albeit
07.09.2012 19:23
0 0

grausig ?

grausig ist was Mediziner ein halbes Jahr lang im großen Sezierkurs machen

das ist so grausig dass zu überlegen ist, ob Ärzte für den psychischen Bereich die Ausbildung so auch machen sollen


0 0

...

das macht der staat pro tag 10x da kuemmert es keinen udn die taeter prahlem im tv, also was solls..

Gast: Antiradler
06.09.2012 12:55
1 0

Besserer Umgang mit Mördern

Unbedingt notwendig wäre ein Kuraufenthalt in Bayern und eine monatliche Rente von 20000 Euro, damit die Frau für sich und ihr Kind ein entsprechendes Einkommen hat.

Es ist wirklich nicht einzusehen, warum man Täter einsperren sollte. Nein, sperrt doch die Opfer weg, sind diese tot, dann eben die nächsten Angehörigen.

Ich kann einfach nicht verstehen, warum man so viel Aufhebens um Mörder und Vergewaltiger macht. Steht die Tat zweifelsfrei fest und wurde diese nicht unter irgend einem äußeren Einfluß (Notwehr, z.B.) begangen, so ist es Perlen vor die Säue zu werfen, x- Gutachten zu erstellen.

Das Geld wäre für Opfer und Prävention besser angelegt.

Re: Besserer Umgang mit Mördern

Ich wäre sogar noch für drakonischere Strafen: Fußfessel und/oder kratzende Wollsocken! Im Handumdrehen werden wir ob dieser Strafandrohungen, vor der ein Delinquent zittert wie der Teufel vor dem Weihwasser, keine Verbrecher mehr haben.

Antworten Gast: regah
06.09.2012 15:11
0 0

Re: Besserer Umgang mit Mördern

Ich stimme Ihnen zu aber wir leben in einem Rechtsstaat! Es gilt solange die Unschuldsvermutung bis sie bewiesen ist und dazu gehören nochmal Gutachten....

3 0

wozu?

der Balken im Gesicht?
Wo doch heutige Tageszeitungen die ganze Fratze zeigen.

Gast: Vohs Z
06.09.2012 09:32
2 0

„Kaltblütig“, „skrupellos“ „schauderhaft"

Dabei haben sie die Gratisblattln "Heute" und "Österreich" monatelang als "Eis-Lady"bezeichnet.

Gast: lesi
06.09.2012 05:26
7 0

staun - balken vorm gesicht

nachdem die dame wochenlang in allen zeitungen in großformat abgebildet war....?!

Gast: albeit
06.09.2012 03:16
4 4

ausgeprägte Persönlichkeitsstörung


jeder Mörder ist krank

braucht es dazu noch viele Gutachten ?

das Geld dafür kann man doch eigentlich sparen


Re: ausgeprägte Persönlichkeitsstörung

"....die keine Unzurechnungsfähigkeit bedinge, aber die Gefahr weiterer Straftaten aufwerfe"
ich hab zuerst dacht, die schreiben über unsere Politiker...