Der 80-jährige Idris A., der vor über elf Jahren in Wien-Favoriten seine damals 50 Jahre alte Ex-Frau erschossen hatte, ist am Montag im Straflandesgericht wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der im Rollstuhl sitzende, gebrechlich wirkende Mann, der in der Verhandlung betont hatte, in keinem Zusammenhang mit der Bluttat zu stehen, nahm das Urteil überraschenderweise an. Zuvor hatte er darum gebeten, im Fall seiner Verurteilung die Strafe im Irak verbüßen zu dürfen.
Da auch die Staatsanwältin mit dem Strafausmaß einverstanden war, ist das Urteil rechtskräftig. Die Frage, in welche Justizanstalt der 80-Jährige überstellt wird, haben jetzt die Anklagebehörde bzw. das Justizministerium zu entscheiden.
Schuss in die Brust
Der gebürtige Iraker soll vor über elf Jahren der damals 50-Jährigen vor einem Supermarkt in Wien-Favoriten aufgelauert und ihr dreimal in die Brust geschossen haben, weil sie nach der Scheidung nicht zu ihm zurückkehren wollte. Der Angeklagte stellte im Prozess in Abrede, geschossen zu haben: "Ich bin nicht schuldig." Umso überraschender, dass er die Strafe annahm.
Er habe seine Frau nach der Scheidung nie gesehen, behauptete der Angeklagte noch während des Prozesses: "Ich gehe kaum außer Haus. Wenn, dann gehe ich nur in den Supermarkt." Die gegen ihn gerichteten Vorwürfe seien erfunden, er habe mit all dem nichts zu tun: "Das ist gegen mich geplant worden. Ich kann mir nur denken, dass der Freund meiner Tochter dahinter steckt und dass es um Geld geht. Das ist das Einzige, was ihn interessiert."
Virginia A. hatte 1999 die Scheidung eingereicht, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Ehemann regelmäßig mit Prostituierten verkehrte. Da sie seinen Hang zu Gewalttätigkeiten kannte, verheimlichte sie ihm ihre neue Adresse und schärfte auch ihren erwachsenen Kindern - der Ehe entstammten zwei Töchter und ein Sohn - ein, diese nicht bekanntzugeben.
Zwei Jahre später lief sie ihrem Ex-Mann zufällig auf der Straße über den Weg. Idris A. soll sie angefleht haben, zu ihm zurückzukehren und die Ehe wieder aufzunehmen. Sie weigerte sich. Vier Tage später war sie tot.
Drohte Tochter mit dem Tod
Laut Anklage suchte der Mann am 30. April 2001 zunächst unter einem Vorwand seine ältere, damals 27 Jahre alte Tochter auf. Als diese ihn in ihre Wohnung gelassen hatte, zog er eine mit einem Schalldämpfer versehene Pistole und drohte damit, sie umzubringen, wenn sie ihm nicht die Anschrift der Mutter verrate.
Da die Tochter sich nicht anders zu helfen wusste, ging sie mit ihm gegen 14 Uhr in einen Park in der Nähe der gegenständlichen Adresse. Als nach vierstündiger Wartezeit Virginia A. tatsächlich des Weges kam, versuchte die Tochter noch die Mutter zu warnen. Doch Idris A. zog bereits seine Waffe.
Die Tochter wollte die Mutter zu schützen, indem sie sich zwischen die Eltern stellte. Darauf schoss ihr der Vater laut Anklage in den Unterarm, ehe er auf seine Ex-Frau zielte. Die 50-Jährige hatte keine Überlebenschance.
Täter floh in den Irak
Dem Schützen gelang es, sich in weiterer Folge in den Irak abzusetzen, wo er im Norden des Landes unter falschem Namen eine neues Leben begann. Zielfahnder des Bundeskriminalamts machten ihn dort im Jänner 2010 ausfindig. Er wurde auf Basis eines internationalen Haftbefehls in Dohuk festgenommen und am 4. Mai 2012 ausgeliefert, nachdem er zwischenzeitlich gegen Hinterlegung einer Kaution auf freien Fuß gekommen war. Beim Versuch, sich nach Syrien abzusetzen, war er jedoch an der Grenze erwischt worden, worauf neuerlich die Handschellen klickten und dem Auslieferungsbegehren der österreichischen Behörden stattgegeben wurde.
(APA)
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