Wien/cim. Es wird ein harter Tag für wehmütige Seelen. Für jene, die schon am 21. Juni, zur Sommersonnenwende, die Melancholie überkommt, weil die Tage fortan kürzer werden. Denn heute, Dienstag, ist er gekommen, der (natürlich nur mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, aber doch) letzte Sommertag 2012. Die Tageshöchsttemperaturen können noch einmal bis zu 31 Grad erreichen. Am ehesten im südlichen Ober- und Niederösterreich und zwischen Wien und dem Neusiedler See.
Einmal noch an den See fahren, einmal noch Tretboot fahren auf der Alten Donau, ein letztes Mal die Zehen in den Sand stecken und einen letzten Hugo trinken – schmecken solche Sommer-Trendgetränke eigentlich auch indoor? Und, wann startet die Punschsaison – am Donaukanal? Trotz aller Wehmut, es war ein guter Sommer. Zumindest für jene, die Hitze und Sonnenschein lieben. Der Sommer 2012 ist mit einer Abweichung von ein bis zwei Grad vom langjährigen Mittel deutlich zu warm ausgefallen, heißt es vom Wetterdienst Ubimet. In Bad Radkersburg etwa wurden von Anfang Juni bis Ende August 837 Stunden Sonnenschein registriert, im burgenländischen Andau sind die Temperaturen an 39 Tagen auf mehr als 30 Grad gestiegen. Der Hitzepol des Jahres war Hohenau an der March mit 37,9 Grad am 20. August.
Spätsommer am Wochenende
Aber zu viel spätsommerliche Euphorie wäre nicht angebracht, gilt der (ja, man muss es leider so sagen) vergangene Sommer auch als einer der nässesten und unwetterreichsten. Zumindest der Juli. Man denke an die katastrophalen Murenabgänge im Bezirk Liezen am 19. und 20. Juli oder acht Zentimeter große Hagelschloße im Tiroler Unterland am 8. Juli.
Mit Schlechtwetter geht es auch weiter: ein grauer Himmel, Regen, zum Teil auch intensiv, Schnee auf bis zu 1300 Meter Seehöhe – das erwartet uns am Mittwoch. Aber nur kurz, am Wochenende könnten es wieder spätsommerliche 26, 27 Grad werden. Warm genug, um bei einer Herbstwanderung oder einem Glas Wein im Schanigarten die Blätter beim Verfärben zu betrachten. Oder um dort das Schwinden der Sonnenstunden (vier Minuten verlieren wir derzeit jeden Tag, so schnell werden die Tage nur im September kürzer) zu betrauern. Aber keine Sorge, auch die Wintersonnenwende kommt bestimmt.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)
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