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Wehsely: „Ich habe eine private Zusatzversicherung"

11.09.2012 | 15:53 |  von Köksal Baltaci (DiePresse.com)

Die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely erklärt im Interview, warum sie eine private Zusatzversicherung für nicht notwendig erachtet. Sie selbst hat dennoch eine.

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Die Presse: Haben Sie eigentlich eine private Zusatzversicherung?
Sonja Wehsely: Ja, ich habe sie abgeschlossen, als ich Gesundheitsstadträtin wurde. Ich will im Krankheitsfall in einem Zweibettzimmer liegen und mir nicht nachsagen lassen, dass ich das meinem Amt zu verdanken habe.

Nur aus diesem Grund?
Nur deswegen. Denn grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man in Wien und Österreich keine Privatversicherung braucht.

Aber Sie könnten ja eine bevorzugte Behandlung einfach ablehnen, sollte Ihnen eine angeboten werden.
Wenn ich nach einem Unfall bewusstlos eingeliefert werde, werde ich sicher nicht gefragt.

In einem solchen Fall würde Ihnen auch niemand ein Zweibettzimmer missgönnen.
Na ja, der Neid ist ein Luder. Jedenfalls möchte ich mich nie mit so einer Kritik konfrontiert sehen. Mir geht es auch um den Anschein.

Können Sie nachvollziehen, warum Menschen private Zusatzversicherungen abschließen? Österreichweit sind es immerhin eine Million.
Ich war jahrelang Versicherungsangestellte und hätte unter günstigen Konditionen Privatversicherungen abschließen können, habe es aber nicht getan, weil ich damals wie heute davon überzeugt bin, dass in Österreich jeder dieselbe medizinische Versorgung bekommt. Aus meiner Sicht braucht es keine Zusatzversicherungen.

Dennoch haben Sie eine und im Ernstfall somit die Möglichkeit, nicht in einem Sechsbettzimmer mit anderen schwer kranken Patienten zu liegen, die vor Schmerzen winseln, schnarchen oder ständig Besuch bekommen. Jemand ohne Privatversicherung kann sich das nicht aussuchen. Inwiefern ist das keine Zweiklassenmedizin?
Insofern, als in Österreich die medizinische Versorgung nicht davon abhängig ist, ob sie jemand bezahlen kann oder nicht. Zuerst die Kreditkarte, dann die Behandlung, wie in den USA - das bedeutet für mich Zweiklassenmedizin.

Das ist die krasseste Form davon. Eine etwas mildere Form ist die Unterbringung in einem Einzelzimmer mit Hotelstandard anstatt in einem Sechsbettzimmer eines Gemeindespitals.
Was die Mehrbettzimmer angeht, gebe ich Ihnen recht. Daher werden die Wiener Gemeindespitäler im Rahmen des Spitalskonzepts 2030 schrittweise so umgebaut, dass darin Ein- und Zweibettzimmer zum Standard werden.

Dann räumen Sie den Klassenunterschied in diesem Punkt ein?
Ja, aber wir müssen berücksichtigen, dass die Wiener Gemeindespitäler - abgesehen vom AKH, der Rudolfstiftung und dem Donauspital - durchschnittlich 80 Jahre alt sind. Diese Spitäler wurden unter anderen Vorzeichen gebaut. Das Spitalskonzept 2030 sieht vor, sie umzustrukturieren. Die Ansprüche haben sich verändert. Menschen sind verschieden, manche haben besondere Bedürfnisse und wollen den Luxus mehr als andere.

Eltern, die nicht zusatzversichert sind, können nicht bei ihren Kindern im Krankenzimmer übernachten. Sonderklassepatienten schon. Bei seinem schwer kranken Kind bleiben zu wollen ist doch kein Luxus.
Auch Eltern ohne Zusatzversicherung können bei ihrem Kind übernachten. Nur müssen sie dafür einen Beitrag leisten, der deutlich geringer ist als die Zusatzversicherung. Das ist eine wirtschaftliche Rechnung. Was ist günstiger? Ich habe mein Kind in einem Gemeindespital zur Welt gebracht und lag in einem Vierbettzimmer. Für mich war das in Ordnung.

Wer also mehr Geld hat, kann bei seinem Kind übernachten. Wer noch mehr Geld hat, kann seinen Arzt zu sich holen und bei sich übernachten lassen.
Ja. In einem freien Land kann sich jeder selbst entscheiden. Als politisch Verantwortliche muss ich zur Kenntnis nehmen, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben und manche Leute viel Geld in die Hand nehmen, um in ihrem Krankenzimmer schönere Vorhänge zu haben. Und wenn Menschen das wollen, müssen wir ihnen ein Angebot schaffen. Derzeit liegt der Anteil an Privatpatienten in den Wiener Gemeindespitälern bei fünf Prozent. Das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. An diesen privaten Mitteln sollte die öffentliche Hand auch einen Anteil haben. Sonst wäre das eine Privatisierung der Gewinne und eine Sozialisierung der Kosten.

Mit Ihrem Spitalskonzept 2030 wollen Sie Privatpatienten mit Ein- und Zweibettzimmern in die Gemeindespitäler locken. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) fordert zudem Anreize für Ärzte. Etwa die Senkung des Infrastrukturbeitrags von zwölf auf acht Prozent.
Eine Senkung ist kein Thema, nach unten sehe ich keinerlei Spielraum.

Was ist mit dem Verteilungsschlüssel? Wenn ein Arzt in einem Gemeindespital einen Sonderklassepatienten operiert, darf er nicht mehr als 60 Prozent des Honorars behalten, der Rest wird unter der restlichen Belegschaft aufgeteilt. KAV-Direktor Wilhelm Marhold fordert eine Aufteilung von 80 zu 20 Prozent, damit Ärzte nicht in Privatkliniken ausweichen. Auch die Ärztekammer kann diesem Vorschlag viel abgewinnen.
Wenn mir die Ärztekammer versichert, damit einverstanden zu sein, wird die Realisierung nicht an mir scheitern.

An den Ärzten dürfte diese Forderung auch nicht scheitern. Michael Gnant, Spitzenchirurg im Wiener AKH, hat gegenüber dem „Kurier" gesagt, dass Ärzte am liebsten dort operieren, wo sie am besten bezahlt werden.
Das kann auch nur von einem Bediensteten der Republik Österreich kommen, ein Gemeindebediensteter würde das nicht so ohne Weiteres sagen. So zu denken, obwohl er seinen ganzen Ruhm dem AKH und der Medizinischen Universität zu verdanken hat, halte ich in meiner Wertehaltung für problematisch und sogar für unmoralisch.

Die Presse, Print-Ausgabe, 12.09.2012

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55 Kommentare
 
12
Gast: offenleger vom dienst
14.09.2012 08:45
1 0

Um den background der so starken Pilz-Aussagen erst richtig zu deuten beantrage ich die OFFENLEGUNG DES PIlZ-GEHALTES !!! Dann wird einiges klarer werden . . . .


Gast: medikus ttz
14.09.2012 06:09
6 0

Die Aussagen von Frau Pilz sind ein Skandal!


Die Sonderklassepatienten sind in den nicht privaten (Gemeinde-)Krankenanstalten die einzigen Patienten, zu denen der Steuerzahler nicht dazuzahlen muss. Ihre Versicherung zahlt das, was es kostet, also den vollen Preis.

Dass auch Privatkliniken, deren Ausstattung vielleicht einen Deut besser ist und deren Personal einen Deut motivierter ist als jenes der Gemeindespitaeler (ja, ich weiss, wovon ich spreche), da den Patienten ein Angebot legen, ist klar. Schliesslich wird niemand in ein bestimmtes Spital gezwungen.

Die Privatpatienten sind besondere Patienten, aber anders als Frau Pilz es darstellt. Jeder andere Patient liegt dem Steuerzahler auf der Tasche, weil ihre Krankenkasse keinen kostendeckenden Tarif bezahlt. Das ist gesellschaftlich so gewollt, ja, und ich finde es auch ganz in Ordnung. Niemand will, dass notwendige Behandlungen unterbleiben, weil der betreffende Patient kein Geld aufbringen kann.

Andererseits ist das Klassepatienten-Bashing sowie das absurde Schlechtmachen der Privateinrichtungen, das PolitikerInnInnen wie Frau Pilz betreiben ganz klar nur ideologisch motiviert. Sonst nichts. Die einzigen, die Geld bringen, werden von ihr beschimpft, und das seit Jahren. Vernunft kann da nicht mitspielen. Und so eine Frau ist ausgerechnet Gesundheitsstadtrat. Es ist wirklich ein Skandal.

Antworten Gast: medikus ttz
14.09.2012 08:19
1 0

Re: Die Aussagen von Frau Pilz sind ein Skandal!

. . . . pardon, nicht Stadtrat, sondern Patientenanwalt, was fast noch schlimmer ist, weil ein Stadtrat irgendwem verantwortlich ist, der Patientenanwalt aber fuhrwerken kann, wie er will. Skandal, was sie da sagt (und tut).

privatpatienten subventionieren sogar die kassenpatienten!!! ich zahle also mit meiner prämie für die allgemeinheit mit!!!


na sagen wir mal so

da gibt´s doch Geriatriespitäler, wenn sie dort "angenehm" versterben wollen, kostet sie dass zwischen € 5000,-/7000,- per Monat
die GKK bezahlt das nicht
folglich gibt´s auch keine 2 Klassenmedizin oder Privatkrankenhäuser
als armer Schlucker mit 45 Zwangsbeitragsjahren haben´s halt Pech g´habt und werden niederg´spritzt - ruhigg´stellt
sparen hätt man können müssen, wer zu blöd für einen politischen Posten in A ist
soll nicht maulen
sondern das System ändern oder mitmachen/mitschneiden
fröhliches Sterben allerseits - das einzig gerechte noch im Leben - lol.....

Ich lade sie ein, zur Objektivität und Würde des Amtes zurückzukehren.

frau pilz kann -wie im persönlichen kontakt auch feststellbar-ärzte nicht ausstehen un haut ihnen auf die rübe, wo sie nur kann. leider keine gute voraussetzung, um als patientenanwältin tätig zu sein (ist es übrigens wahr, dass die dame euro 18000 im monat behebt für das betonieren von ärzten?).
auf der anderen seite wird die nase von herrn hadschieff sicher schon schwarz nach diesem interview.
und die frau wehsely soll mal schauen, dass nicht für 30 patienten nur ein häusel und eine brause da sind im öffentlichen spital. wo übrigens trotzdembei weitem die besten medizinischen leistungen erbracht werden.

Gast: Walther G.-
13.09.2012 22:35
2 2

Auf Grund mehrfacher ...

Auf Grund mehrfacher Erfahrungen in meinem unmittelbaren persönlichen Umfeld sowohl im Bereich von Privat- als auch öffentlichen Spitälern muss ich leider bestätigen, dass die Ansichten von Fr. S. Pilz durchaus nicht aus der Luft gegriffen sind. Belegärzte sind ja nicht immer anwesend und beim Auftreten unvorhergesehener, schwerer Komplikationen kann es trotz Notdienst rasch zu gefährlichen Situationen kommen. Ein Notdienst in Privatspitälern ist auch nicht so schnell in der Lage, überraschend notwendig werdende Notoperationen auszuführen. Wenn dann noch eine Intensivstation fehlt wird es endgültig eng. Alles schon erlebt.
Hr. Julian Hadschieff sollte daher mit seiner 'Empörung' etwas vorsichtiger sein.

genu desshalb suche ich mir als privatpatient die klinik aus. zb bei einer knie op nicht döbling sonden speise


...sondern speising, aber sicher nicht akh...


Antworten Gast: A di Positas
13.09.2012 23:26
0 3

Re: Auf Grund mehrfacher ...

Ich denke, man sollte nicht zu sehr polemisieren -. und diese debatte wird ja fast klassenkämpferisch geführt.
Faktum ist, daß Sie in einem wiener Gemeindespital im Fallle des Falles FachärztInnen aller disziplinen rund um die Uhr im dienst haben - und in der privatklinik ein praktischer Arzt ( ev. mit Notarztdipolm ) anwesend ist.

daher hat frau Pilz natürlich recht, daß die fachärztliche Versorgung im AKH oder KAv - spital ungleich besser organisiert ist als in der Privatklinik. Das weiß auch Herr Hadschieff - und fürchtet nichts mehr, als daß die Ärztelkammer in den nächsten verhandlungen ein Splitting der Tarife anstreben wird - und das völlig zu recht.

Das Motto der Zulkunft lautet . Die Versorgung mit Fachärzten aller disziplinen rund um die Uhr muss extra honoroert werden !

Re: Re: Auf Grund mehrfacher ...

man darf nur nicht vergessen, dass das Akh eher an Sonderfällen interessiert ist und dazu neigt vorallem diese besonders gut zu behandeln. Routine schätzen die weniger und da wird alles schleppend gemacht, daher würde ich das nicht als gesichert ansehen.

10 0

Wehsely ist der Meinung, dass es in Österreich keine Zusatzversicherung braucht. Sie selbst hat dennoch eine.

Typisch SPÖ.
Wasser predigen und Wein trinken.

Re: Wehsely ist der Meinung, dass es in Österreich keine Zusatzversicherung braucht. Sie selbst hat dennoch eine.

...es braucht...
...wir nehmen das sehr ernst...
...am ende des tages...
thats it.

Gast: Privatpatient
13.09.2012 20:42
3 2

an der Beobachtung ist etwas dran


Wenn der Operateur nach hause gegangen ist, fühlt man sich in den Privatspitälern etwas vernachlässigt. Gut, die Ausgabe des Abendessens und der Medikamente funktioniert - aber die Einsamkeit danach ist etwas unheimlich.

Re: an der Beobachtung ist etwas dran

aber auch im öffentlichen Krankenhaus geht der Operateur schon am frühen Nachmittag aus dem Haus, dann kommt sofort das Nachmittagabendessen und dann ist eigentlich auch Ruhe und Einsamkeit. es hat alles vor und Nachteile. Man muss nur ein bisschen unterscheiden für was man wo hingeht und sich auch die Ärzte ein bisschen ansehen. wir hatten alle noch nie ein Problem in Privatspitälern, auch nicht bei Komplikationen.

Antworten Gast: UKW
13.09.2012 21:46
3 1

Re: an der Beobachtung ist etwas dran

Irgendwie verständlich, dass der Operateur früh nach Hause muss, er muss ja am nächsten Tag kurz im öffentlichen Krankenhaus vorbeischaun. Das ist schließlich sein Hauptjob und leicht verdientes Geld. Der Steuerzahler darf blechen.

Re: Re: an der Beobachtung ist etwas dran

na klar, im öffentlichen krankenhaus schaut er kurz 72 wochenstunden vorbei und kassiert sein leicht verdientes geld (stundenlohn so ca 8-12 euro).
noch immer so neidig?

Antworten Antworten Antworten Gast: UKW
13.09.2012 23:30
0 4

Re: Re: Re: an der Beobachtung ist etwas dran

Märchenstunde ist von 18:00 Uhr bis 18:15 Uhr. Bitte um Einhaltung der Uhrzeiten. Danke.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: medicus sciens
14.09.2012 08:30
3 0

Re: Re: Re: Re: an der Beobachtung ist etwas dran

Zuerst informieren, dann polemisieren! Die Aussagen von normalistdasnicht sind korrekt. Ergänzen sollte man noch, dass der durchschnittliche Stundenlohn auch Nacht- und Wochenendstunden inkludiert...

zunächst ist zu sagen dass es in den grossen Spitälern

es zu wesentlich häufigeren Infektionen nach OP durch den gefürchteten Krankenhauskeim kommt.
In den kleineren Privatkliniken sind die Hygiene-massnahmen besser kontrollierbar da die Fluktuation nicht so groß ist.

Gast: Papa Schlumpf
12.09.2012 22:36
4 0

Aha? Im Privatsanatorium Döbling gibt es Schlafsäle????

Glaubt denn wirklich einer, dass die sich bei einer Grippe ins AKH legt?
Oder ist es nicht eher so, dass man als höhere BeamtIn zufällig einen Schnupperaufenthalt in einer Luxusprivatklinik angeboten bekommt und es aus Anstand nicht abschlagen darf?

15 0

Und was ist mit der Volksnähe?

Eigentlich müsste sie als Sozialistin aufgrund der permanent propagierten Volksnähe den Schlafsaal doch bevorzugen, oder?

Aber unsere Österreichischen selbstgerechten Linken (ist ja auch eine Form der Gerechtigkeit), meinen es nur mit sich selbst gut.

Würde nur noch fehlen, dass die Partei die Versicherungsprämien begleicht.

Re: Und was ist mit der Volksnähe?

Ja genau, ab ins Gemeindespital mit ihr...! Sie muss ja volksnah bleiben, sonst verliert sie noch die letzte Glaubwürdigkeit (hat ja eh fast keine...!)

Ich will im Krankheitsfall in einem Zweibettzimmer liegen und mir nicht nachsagen lassen, dass ich das meinem Amt zu verdanken habe.

also wirklich, das ist der echte Sozialdemokrat: "primus inter pares"..
vor allesm die Argumentation ist für mich sehr naiv und erschreckend.. Die Überheblichkeit ist galoppierend in Wien...

Re: Ich will im Krankheitsfall in einem Zweibettzimmer liegen und mir nicht nachsagen lassen, dass ich das meinem Amt zu verdanken habe/nachgedacht

Gut, dann denken's halt einmal nach:

was spräche dagegen, wenn sie ihren Beitrag zur Privatversicherung genau so leistet, wie jeder andere auch? Oder wollen Sie ihr das - auch - verbieten, nur weil sie "Bolüdigerin" ist?

Re: Re: Ich will im Krankheitsfall in einem Zweibettzimmer liegen und mir nicht nachsagen lassen, dass ich das meinem Amt zu verdanken habe/nachgedacht

nein, will ich nicht. Sie kann sich bei 100 Versicherungen privat versichern, sofern das Geld dafür aus ihrer eigenen Tasche stammt.
Was ich anprangere ist dann ihr vehementer Eintritt gegen die Zweiklassenmedizin

 
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