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Wien: Die Ringstraße gewinnt den Glamour zurück

14.09.2012 | 18:49 |  KARIN SCHUH (Die Presse)

Vor allem Hotels wie das neue Ritz-Carlton und das geplante Kempinski sorgen für eine Wiederbelebung. Landtmann-Cafetier Berndt Querfeld zeigt am derzeit geschlossenen Café Schottenring Interesse.

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Wien. Die Zeiten, als die Wiener Ringstraße der Treffpunkt der feinen Gesellschaft war, sind zwar vorbei. Ein bisschen von dem Flair, der dort vor mehr als hundert Jahren herrschte, kehrt langsam, aber sicher wieder. „Schuld“ daran sind in erster Linie hochklassige Hotels, wie etwa das kürzlich eröffnete Ritz-Carlton am Schubertring, die durch ihre Präsenz – inklusive der Restaurants, die auch von Wienern frequentiert werden – die Umgebung aufwerten.

„In den letzten Jahren gab es am Ring eine positive Entwicklung. Der Glamour, der schon ein bisschen verlorengegangen ist, kommt jetzt wieder“, sagt dazu Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner. Er geht davon aus, dass das Palais Hansen, in dem im kommenden Frühling das Kempinski-Hotel eröffnen soll, zu einer weiteren Belebung führen wird. Auch der Möbelcluster, der sich zwischen Stubenring und Oper mit verschiedenen Möbelgeschäften gebildet hat, wertet die Straße auf.

 

Grand Cafés dank feiner Damen

Allerdings kann die Ringstraße allein durch die Verkehrssituation und den Fleckerlteppich aus Fuß- und Radwegen nicht mehr so schnell an die einstigen Hochzeiten der Straße anknüpfen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Ringstraße der Treffpunkt der feinen Gesellschaft. Wer etwas auf sich hielt, flanierte hier regelmäßig. Hotspot war das einstige Sirk-Eck beim Bristol, das seinen Namen dem damaligen Lederwarengeschäft Sirk verdankte.

Zu Spitzenzeiten gab es am Ring 27 Cafés, an deren Entstehung die feinen Damen der Gesellschaft nicht ganz unbeteiligt waren. „Die Hochblüte der Cafés war um 1900. Das hat mit dem aufstrebenden Bürgertum zu tun, das sich Palais baute, die es – im Gegensatz zum Adel – noch nicht hatte. Und mit der Öffnung der Gesellschaft“, sagt Berndt Querfeld, Cafetier und Wirtschaftsbund-Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser. Die feinen Damen, die sich in der Gesellschaft zeigten, brauchten also auch angemessene Orte, um dort zu konsumieren. „Das war die wahre Geburtsstunde der Grand Cafés und somit auch der Ringstraßencafés“, so Querfeld. Während in der Zwischenkriegszeit noch der eine oder andere Cafetier in seine Gaststätte investierte, ging es vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg bergab. Statt Cafés, die auch durch die damals angesagten Espressi verdrängt wurden, eröffneten am Ring Autosalons und Banken.

Heute sind nur noch drei Ringstraßencafés über: das Café Landtmann, das Café Schwarzenberg und dass Café Prückel. Das Café Schottenring hat mit Anfang August den Betrieb eingestellt – ob vorübergehend oder nicht, ist noch offen. Bis Anfang 2014 wird das denkmalgeschützte Haus, in dem das 130 Jahre alte Kaffeehaus untergebracht ist, renoviert. Der einstige Pächter Manfred Szabo wird voraussichtlich nicht mehr den Betrieb aufnehmen. Er wurde vom Hauseigentümer abgefunden. „Wir suchen einen neuen Betreiber, das ist aber derzeit nicht so einfach“, sagt dazu Architekt Manfred Schwanzer, der die Hauseigentümer vertritt. Die Erhaltung des Cafés sei ihnen aber ein Anliegen.

 

Café Votivpark sucht Käufer

Nicht ganz uninteressiert zeigt sich zumindest Berndt Querfeld, mit dem Gespräche laufen. „Natürlich würde es zu uns passen, ich wüsste auch, wie es geht. Aber die Frage ist, ob nicht irgendwann genug ist“, sagt Querfeld, der mit seiner Familie neben dem Café Landtmann auch noch die Cafés Museum und Mozart sowie das Parkcafé betreibt. Dass der Standort unattraktiv wäre, glaubt er nicht. „Sonst hätte es nicht mehr als 100 Jahre funktioniert.“ Immerhin gibt es ab 2013 mit dem gegenüberliegenden Hotel Kempinski (potenzielle) Gäste.

Einen neuen Betreiber sucht übrigens auch das ringnahe Cafe Votivpark in der Kolingasse. Im Dezember will die Familie Karrer den Betrieb einstellen – der Sohn, der das Café vom verstorbenen Vater übernommen hat, beginnt dann seinen Zivildienst. Ein Käufer wird gesucht.

Ob der Ring durch die Neuerungen wieder mehr Fußgänger anlockt, wie es sich Kettner wünscht, bleibt offen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)

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24 Kommentare
Gast: toledo
16.09.2012 01:20
0 1

fleckerlteppich?

liebe presse,

schuld ist wohl nicht der radweg oder der gehsteig. der autoverkehr ist schuld daran, dass dort nicht mehr so promeniert wird wie anno 1900.

Gast: Wien - Marseille
15.09.2012 18:20
0 0

Untere Mariahilfer Straße - Canabière

Na hoffentlich macht man nicht den gleichen Fehler wie mit der unteren Mariahilfer Straße und der Canabière in Marseille, deren Untergang eines gemeinsam hat, das verschwinden der Straßenbahn.

Marseille hat die Straßenbahn im übrigen wieder auf der Canabière aufgebaut, es wird dennoch noch etliche Jahre dauern bis daraus wieder das wurde was sie mal war! In Wien wird der Umdenkprozeß noch einige Jahre dauern, hoffentlich nicht so lange bis auch der Wiederaufbau keinen Erfolg mehr bringt!

(Der Zusammenhang zur Straßenbahn ist im übrigen inzwischen durch einige Diplomarbeiten bestätigt, des extremste Beispiel für Wien ist ohnedies die Meidlinger Hauptstraße und deren Niedergang, daran gibt's kaum mehr was zu rütteln, ebensowenig das weder der Bus noch die U-Bahn in Marseille noch in Wien zu einer Erfolgsgeschichte wurde.)

Antworten Gast: toro
15.09.2012 19:12
1 0

Re: Untere Mariahilfer Straße - Canabière

Ich kann nicht den geringsten Zusammnehang zwischen Artikel und Posting erkennen.

Gast: Egon Fl.
15.09.2012 10:57
1 5

Wien

Schön, dass die Presse auch mal was Positives über Wien schreibt, trotz Rot-Grün!
Soo schlecht kann also Rot-Grün dann doch wieder nicht sein... ;-))

Antworten Gast: Ggrufti
15.09.2012 14:30
0 0

Re: Wien

Ironisch gemeint. Wann wird endlich die Ringstrasse ihr verdammt grosstaedtisches Aussehen verlieren und in eine Demonstrationswiese, wie das Muenchner Oktoberfest, verwandelt? Vor dem Rathaus ist es doch schon so weit. Wo sind da die Schwierigkeiten?

was genau...

...hat das erbärmliche rotz-grüne pack von heute, mit den schönen bauten und strassen von 1900 zu tun?


Antworten Antworten Gast: zetto
15.09.2012 19:13
0 0

Re: was genau...

Niemand der heute in Wien lebt, hat etwas mit diesen Bauten zu tun.

Antworten Antworten Gast: Egon Fl.
15.09.2012 14:05
0 0

Re: ganz genau...

Sie - zb376450 - sind mir ein gaaaanz ein Lieber! Rotz-lieb bist du...;-)))) Das hab ich gleich gesehn!!! Gaaaanz lieb hab ich dich.....!!!!!

Antworten Antworten Gast: global2
15.09.2012 13:56
1 0

Gar nichts

Gar nichts meiner Meinung !
Aber " Egon Fl", muß als strammer Rot-Grüner Parteisoldat mit Scheuklappen, Werbung machen für diese links-linken Parteien (bin kein FP Wähler sondern nur ein maßlos enttäuschter ehem. SP Wähler). Schade um diese Volksferne betriebene Politik wo sich ein Kanzler weigert Rede und Antwort zu stehen. Tja, für gelten anscheinend nicht die selben Gesetze und Rechte. Was hat Faymann zu verbergen ? Etwa Machenschaften aus seit seiner Zeit als Wiener Wohnbaustadtrat ???? Was für ein Vorbild für die jüngeren sind Faymann, Pilz und die Langurlauberin Vasi. ??

Antworten Antworten Antworten Gast: Egon Fl.
15.09.2012 14:10
1 0

Re: Vieles

Geirrt, Global2!
Ich bin auch ein bissel ein Ent-Täuschter. Ein ehemaliger ÖVP-ler. Fast schäm ich mich dafür.... Ja, Faymann muss vor den Ausschuss!! Da bin ich ganz bei dir! Ja, was hat er zu verbergen, das frag ich mich auch! Das Kaufen von Medien, ist in der Demokratie schon ganz was Übles. Medien, die die Herrschenden an der Macht halten, erinnern an Nord-Korea oder China oder Pinochet, etc!!

Ach, Wien retro 1900!

Hat nicht kürzlich jemand bemerkt, dass es in Wien bald mehr Hotelbetten, als Touristen geben wird!?

Der Talmi feiert wieder fröhliche Urständ!

Gast: Astrud Gilberto
15.09.2012 10:42
2 1

Verkehrschaos hausgemacht

Mir war schon immer die Verkehrsorganisation am Ring ein Rätsel. Weder Radfahrer selbst noch Fußgänger und Autofahrer wissen, um welchen Laternenmast sich gerade der Radweg schlängelt und wo die Radler nun auftauchen (dürfen).

Wenn in einer der Nebenfahrbahnen eine Seite Parkplätze aufgelassen wird, könnte man eine durchgängige Radspur abtrennen. Man könnte aber auch die Gehsteige weiter verbreitern und dafür die Mittelpromenade ganz den Radfahrern geben. Sie werden eh nur von desorientierten Touristen verwendet.

Weiteres Problem: Die drei Fahrspuren am Ring sind so eng, dass sie den LKW- und Buskriechverkehr schwer verkraften.

Schildbürgerstreich war auch das Auflassen der durchgängigen Ringstraßenbahn. Wenigstens in einer Richtung sollte die wieder eingeführt werden. Die gelben Touri-Abzock-Wagen sind kein Ersatz.

1 1

Ob der Ring durch die Neuerungen wieder mehr Fußgänger anlockt, wie es sich Kettner wünscht, bleibt offen... bei den wucherer preise die er im landtmann verlangt wohl kaum!


Ehrlich? Schon mal um 22:00 auf Champs Elysees gewesen?

Ringstrasse = Tote Hose.

Ehrlich? Schon mal um 22:00 auf Champs Elysees gewesen?

Ringstrasse = Tote Hose.

Antworten Gast: R. Hui
15.09.2012 14:21
0 0

Re: Ehrlich? Schon mal um 24:00 auf dem Sunset Boulevard in Shanghai gewesen?

Champs Elysees = Tote Hose.

Glamour?

Nein! Im ersten Bezirk protzten einst die durch zweifelhafte Methoden an ihr Land gekommenen Adeligen und menschenverachtende Ziegelbarone und die Wette. Die Prunkbauten am Ring waren eine Illusion des Reichtums in einem Meer aus Armut. Diese Zeit mit ihrer Art von hochwohlgeborenen Leuten ist wieder da.

Antworten Gast: Hinsichtlich & Rücksichtlich
15.09.2012 15:08
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Re: Glamour?

Mit dem feinen Unterschied, daß in der Monarchie der Höchststeuersatz 5%(fünf) war und heute ist er 50%. Bei Kapitalgesellschaften bis über 60% !

Re: Re: Glamour?

In der Praxis haben damals wie heute der Mittelstand >50% und die Reichen <5% bezahlt.

Gast: Jonny Walker
15.09.2012 01:09
2 0

Glamour = ....

..... ein besonders prunkvolles oder elegantes Auftreten oder Selbstdarstellen in der Öffentlichkeit, das sich von Alltag und Durchschnitt abhebt!....das heisst übersetzt, hochnäsig und dem Gegenüber ein Theater vorspielend...und wenn der Reichtum ausnahmsweise doch vorhanden ist, dann hängen an Diesen meistens VIELE VIELE VIELE finanzielle Opfer(das Geld ist ja nie weg, es hat nur ein anderer, statt 1000 Menschen hats dann nur Einer)....und sowas braucht die Menschheit???
be.es: es mag vielleicht den Einen oder Anderen Glamourig auftretenden WIRKLICHREICHEN geben, aber 90% die sich den Glamour wirklich leisten könnten, kaufen sich lieber ein halbes Kilo Cafe bei Tchibo um 6 Euro, bevor sie irgendwo einen glamourösen Lametta heraushängen lassen und für eine Tasse Cafe den gleichen Preis bezahlen......90% dieser glamourösen Lamettas sind Blender und Schauspieler und jeder glaubt immer vom anderen, dass er endlich die Partie/Freundschaft des Lebens machen würde....in Wahrheit dienen solche Ringstraßen einzig und allein, dass Menschen ihre Krankheit ausleben können!
Und die 10% die dort den/die König/Königin spielen, geben das Geld genau so aus, WIE sie es "verdienen"!

Gast: kommentar zur situation...
14.09.2012 22:57
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Wien: Die Ringstraße gewinnt den Glamour zurück

na? und was is mit unserer klosterneuburger-straße?

;-)

Gast: checkar
14.09.2012 22:15
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ganz einfach

ganz einfach einfach verkehrsberuhigen und fußgeher und fahrradfahrer besser trennen

man braucht auf der teuersten straße wiens keine gratisparkplätze auf der nebenspur

30er zone und den radweg mal begradigen nicht immer einmal links einmal rechts

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Re: ganz einfach

ach wo, den "Luxus-Radweg" (o-Ton Stenzel) wollen sie noch weiter verbessern? Dann sterben sicher tausende Kinder durch die bösen Radrambos,...

Weshalb es nicht mehr Cafes gibt ist mir Rätselhaft - so ein Ambiente - eine kleine Baumallee, Parkplätze und eine 3-spurige Autobahn - gibt es sonst nur auf den neuen ASFINAG-Rastplätzen, die ja auch super ankommen!

Gast: b745
14.09.2012 20:19
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ein paradies für wirtschaftsverbrecher die sich bekanntlich bei uns sehr wohl fühlen

in tirol gibts einen ganzen ort mit lauter solchen