Wien/Duö. Es gibt tatsächlich ein Thema, bei dem sich alle Wiener einig sind: Der Schwedenplatz ist kein schöner Ort. Ein verschwommener Platz, gehörig in die Jahre gekommen. Und selbst seine Dekoration (Donaukanal und Dönerstände) ändert nichts an der (architektonischen) Tristesse.
Das soll sich, wie bereits berichtet, ändern. Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) hat im Sommer die Bürger aufgefordert, ihre Ideen für die Umgestaltung des Schwedenplatzes in ein Online-Diskussionsforum zu stellen. Die Befragung ist mittlerweile abgeschlossen, mehr als 1100 Vorschläge wurden gesammelt. Ab Montag folgt der nächste Schritt: Die Bürger können über die verschiedenen Modelle abstimmen (www.schwedenplatz.wien.gv.at).
Dafür wurden die gesammelten Ideen in vier Plätze unterteilt: Morzinplatz bis Rotenturmstraße, Schwedenplatz zentral, Schwedenplatz-Hotelvorplatz (vor dem Hotel „Capricorno“) und Franz-Josefs-Kai. Für jeden dieser Plätze wurden mehrere Vorschläge zusammengetragen, nun können die Bürger Punkte – maximal zehn – für ihre favorisierten Modelle vergeben. Die Website wird am Montag ab sieben Uhr online gehen, das Voting findet bis 23.September statt. Bis Ende des Jahres werden dann die Ideen zusammengetragen und Ende Jänner in einem „Leitbild“ veröffentlicht. Anschließend wird Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben, sagt Andrea Kreppenhofer, die Leiterin des Projektes Neugestaltung Schwedenplatz–Morzinplatz.
Zwei Tage Bürgerdienstbus
Die meisten Bürgervorschläge betreffen den zentralen Schwedenplatz, so Kreppenhofer. Zum Thema Radverkehr seien ebenfalls viele Meldungen eingetroffen („keine Überquerung möglich“), aber auch Fußgänger würden sich eine geregelte (Fußgänger-)Zone wünschen. Die Nachfrage nach einem Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus sei ebenfalls groß, wie Kreppenhofer sagt: „Das ist den Leuten wichtig.“
Heute erinnert auf dem Morzinplatz ein Stein mit Inschrift an die Opfer der Gestapo. Gegenüber befand sich das Hotel Métropole, das nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland die Gestapo-Leitstelle wurde. Das im Krieg beschädigte Gebäude wurde später abgerissen. Ein Holocaust-Mahnmal auf dem Schwedenplatz wurde zwar immer wieder diskutiert, aber nie realisiert. Nun kann eben auch darüber abgestimmt werden. Die Wahl kann übrigens auch persönlich erfolgen: Dafür wird am Donnerstag- und Freitagnachmittag zwischen Rotenturmstraße und Ruprechtsplatz ein „Bürgerdienstbus“ stehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?