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Nummernschild für Polizisten?

16.09.2012 | 18:23 |  von KLAUS STÖGER (Die Presse)

Misstrauen gegenüber eigenen Beamten oder Serviceleistung für Bürger? Gewerkschaften laufen gegen Identifizierung bei Demonstrationen Sturm. Jeder Polizist ist verpflichtet seine Dienstnummer bekannt zu geben.

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Wien. Sollen Polizisten, die bei Demonstrationen im Einsatz stehen, durch eine offen zur Schau getragene Dienstnummer oder ein Namensschild für jedermann identifizierbar sein? Diese Diskussion lebt seit dem Vorfall Ende August, bei dem in der Wiener City Polizisten bei einer antisemitischen Beschimpfung eines Rabbiners nicht eingeschritten sein sollen, wieder auf. In der Wiener Polizei heißt es kryptisch: Es gebe dazu mehrere Vorschläge, Überlegungen seien im Gang.

Das Thema scheint intern aber heikel zu sein: Auf Anfrage der „Presse“ wollte sich ein Polizeisprecher nicht dazu äußern, von wem der Vorstoß zu den öffentlichen Dienstnummern gekommen sei. Der Widerstand in der Exekutive gegen eine derartige Einführung ist enorm. Derzeit wird sie vor allem in der Wiener Polizei diskutiert, eine mögliche Einführung müsste dann aber vom Innenministerium erlassen werden.

Gewerkschaften und Personalvertreter sind sich über Parteigrenzen in der Ablehnung einer Kennzeichnung einig: „Das ist eine Geringschätzung der Bediensteten“, wie FP-Nationalrat Werner Herbert – er ist selbst Polizist – formuliert. SP-Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger meint ebenfalls: „Eine persönliche Kennzeichnung jedes Polizisten kommt sicher nicht infrage.“ Der Denunziation von Beamten werde dadurch Tür und Tor geöffnet.

 

„Einladung zur Beschwerde“

Die jetzigen Regelungen seien vollkommen ausreichend, argumentiert Herbert. „Die öffentlich zur Schau gestellte persönliche Dienstnummer des Exekutivbeamten lädt ja förmlich zu einer falschen und unrichtigen Beschwerde ein“, empört sich der FP-Gewerkschafter.

Per Gesetz ist jeder Polizist verpflichtet, seine Dienstnummer bekannt zu geben. So steht es in der „Richtlinienverordnung“ des Innenministeriums, die das Einschreiten der Polizei regelt.

Allerdings gilt die Pflicht nur dann, wenn dadurch nicht „die Erfüllung der Aufgabe gefährdet“ ist. Das ist ein wichtiger Zusatz, denn bei Demonstrationen oder Ausschreitungen steht der Beamte unter besonderem Druck, trägt Vollmontur und könnte beispielsweise beim Hantieren auf der Suche nach der Visitenkarte den Eigenschutz vernachlässigen. Daher gibt es in der Regelung einen Zusatz: Befindet sich der betreffende Polizist in einer geschlossenen Einheit, „kann die Auskunft auch der Kommandant erteilen“.

 

Ziffern, Buchstaben auf Helmen

Ein erfahrener Einsatzoffizier der Wiener Polizei berichtet der „Presse“, dass dies bei Demonstrationen in den meisten Fällen auch so gehandhabt wird. Er weist auch darauf hin, dass Polizisten von Einsatzeinheiten Ziffern und/oder Buchstaben auf ihren Helmen tragen und somit intern leicht identifizierbar sind.

In anderen Ländern sind ähnliche Diskussionen im Gang, in manchen Staaten sind Namensschilder oder öffentlich getragene Identifikationsnummern für Polizisten Pflicht. In Deutschland gibt es für die Polizeien in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen. Amnesty International macht sich dort seit Jahren für eine persönliche Kennzeichnung durch das sichtbare Tragen des Namens oder einer Nummer stark.

In Berlin, wo die Exekutive bei Demonstrationen häufig mit Gewalt konfrontiert ist, müssen Mitglieder von Einsatzeinheiten seit September 2011 ein Schild mit der Dienstnummer auf ihren Jacken tragen. Skurriles Detail: Bei warmem Wetter gilt diese Pflicht nicht, denn da werden die Jacken nicht benutzt – und auf den Shirts gebe es keine Möglichkeit, das Schild zu befestigen. In anderen deutschen Bundesländern gibt es nur teilweise Verpflichtungen für Polizisten, sich durch ein Schild zu identifizieren, etwa bei Kontrollen im Verkehrsdienst.

 

Namensschilder in den USA

Verpflichtend sind Namensschilder unter anderem bei der Polizei in Belgien, Polen, Litauen, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und den USA. Identifikationsnummern tragen hingegen Polizisten in Spanien und Italien.

Auf einen Blick

Die Diskussion um eine öffentliche Kennzeichnung von Polizisten bei Demos entzündete sich nach einem Einsatz, bei dem Fußballfans einen Rabbiner verbal rassistisch attackierten. Die Polizei sei nicht eingeschritten. Erst nach mehreren Tagen konnten einige Polizisten ausgeforscht werden. Einer hatte nachweislich Kontakt mit dem Rabbiner. Der Beamte schilderte den Vorfall aber anders.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

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123 Kommentare
 
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Gast: Ausguck
18.09.2012 19:31
0 2

Nr oder Namesschild

schön und gut - dann aber auch für die Demonstranten! Jeder Demonstrant ohne Nr oder Namesschild wird automatisch zu einer ordentlichen Geldstrafe verdonnert.

Jede Demo muss ohnehin angemeldet und genehmigt werden, dann kann der Veranstalter auch seinen Beitrag zur Sicherheit leisten, nur fordern ist zu billig.

Gast: Bürger fdffsds
18.09.2012 08:52
1 1

Ok, aber...

Eine Dienstnummer ist auch ein gegenseitiger Schutz. Er kann helfen Mißbrauch zu verhindern, und jene schwarzen Schafe die es in jeder Berufsbranche gibt, aus dem Verkehr ziehen.

Dienstnummern solle es daher nicht nur bei der Polizei geben, sondern in allen mit Macht ausgestatteten Bediensteten in allen Ämtern/Behörden und Einrichtungen.


Bis in die 60ziger Jahre

hatte jeder uniformierte Sicherheitswachebeamte in Wien auf der Brusttasche einen Wappenschild mit aufgeprägter Dienstnummer.
Warum das abgeschafft wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber was sollte einer Wiedereinführung entgegenstehen?

Wieso bekommt der Souverän nie das, was er will?

Die Presse-Umfrage zeigt ja deutlich, dass es eine klare Mehrheit zu diesem Thema gibt.

Trotzdem schaffen es meistens kleine Lobbies, Änderungen zu verhindern.

Das schreit nach mehr direkter Demokratie.

Gast: Lingus
17.09.2012 19:21
4 1

Nr. Taferl ja bitte

für KFZ längst selbstverständlich, es gibt also keinen Grund warum Radler und Polizisten kein Taferl bekommen sollten.

Im Falle der Polizei, kann man dann auch leichter Auzeichnungen vergeben!

2 1

radfahrer sollen

nummertafeln tragen - warum sollte es bei der polizei nicht auch genacht werden? wer sich ordentlich verhält, hat ja nix zu befürchten, hört man ja immer wieder!

Gast: tsaG
17.09.2012 18:34
2 2

Mindeste

Das ist echt das Mindeste was der Staat tun kann, um seine Bürger vor Übergriffen und Machtmissbrauch zu schützen.

Aber bevor SOWAS in Ö umgesetzt wird, haben wir Bürger eher alle unsre Rad, Handy und Tschicknummerntaferl...

die beste idee seit langem!!!

!!

Re: die beste idee seit langem!!!

ich bin für eine Personalisierung der Polizisten, denn dann Benehmen sie sich nicht mehr wie irre Sheriffs!
Gesetze gelten dann auch wieder für sie, wenn sie zur Rechenschaft gezogen werden können!

Gast: Tja.......
17.09.2012 16:03
5 2

rgefkj

"Der Denunziation von Beamten werde dadurch Tür und Tor geöffnet." -

Ja was soll das denn heißen? Entweder man macht was falsch, dann ist es aber nicht Denunziation (sondern eher bürgerpflicht)..... oder der betreffende Polizist macht nichts falsch und verhält sich 100% korrekt, DANN ist es aber auch egal wenn die ganze Welt seine Dienstnummer (oder Namenschild) sieht.....

ein wirklich komische Auffassung vom herrn der gewerkschaft

Re: rgefkj

Beamtenkaiser, kuk Mentalität!

Gast: RA
17.09.2012 15:06
2 2

Wer von den Bürgern kennt schon die RLV ?

und somit das Recht auf Beganntgabe der Dienstnummer.

siehe § 9 RLV

http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10005857&FassungVom=2012-09-17

Antworten Gast: nureiner
17.09.2012 15:16
3 0

Re: Wer von den Bürgern kennt schon die RLV ?

Die Dienstnummer 4711 wird recht gerne angegeben.

Re: Re: Wer von den Bürgern kennt schon die RLV ?

Die Angabe dieser Dienstnummer führte früher zu Diszi !

Re: Re: Re: Wer von den Bürgern kennt schon die RLV ?

"Früher"...
Wenn er ermittelt wurde.

4 3

in der Schweiz

übergibt der Polizist ganz selbstverständlich seine Visitenkarte, sogar mit Privatadresse.

Er weiß aber auch wie man sich benimmt, ist freundlich und bestimmt.

Das sucht man in Österreich. Anpöbeln ist die Regeln, jeder ist verdächtig, die Obrigkeit wird herausgestellt. Bisch ja nur ein Hascherl, wer a Uniform anhatt ist bei uns besser dran.

Wenns gut hinkommt entsprechen 20% der Polizisten dem notwendigen Anforderungsprofil an an diesen herausfordernden Beruf.

Schon mal ein Protokoll gelesen. Ich habe in der ersten Klasse VS nicht so fiele Veler gemacht.

Antworten Gast: Ottokar von B.
17.09.2012 15:08
3 0

Re: in der Schweiz

Deutsch ist aber auch wirklich nicht leicht. Und außerdem will die Mikl-Leitner keine Elite bei der Polizei und nimmt lieber welche mit Schwächen, auch bei den Deutschkentnissen.

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Definitiv Name oder Nummernschild

2 Vorkommnisse
1) Vor einiger Zeit wurde eine meiner Freundinnen in einer Seitengasse im 14. Bezirk von einem Mann auf einem Fahrrad verfolgt und belästigt. Daraufhin wandten wir uns an das Kommissariat in der Hütteldorferstrasse um eine Anzeige zu erstatten. Der diensthabende Beamte fragte was wir gegen den Übergriff unternommen hätten, worauf meine Freundin schilderte, dass sie mit Ihrer Handtasche auf den Täter einschlug. Der Beamte meinte lapidar, dass wir nun nur hoffen könnten, dass der Täter nicht verletzt sei. Er nahm keine Anzeige auf.

2) Ein Freund hatte sich beim Motorradfahren verletzt, weil auf der Fahrbahn im Hochsommer Rollsplit verstreut lag und er darauf mit seinem Motorrad zu Sturz kam. Dabei zog er sich u.a. einen Lungenriß zu. Die zum Unfallort gekommene Polizei wollte nun, anstelle der Erstversorgung und Absicherung der Unfallstelle, einen Alkoholtest durchführen. Herbeigeeilte Passanten mussten die Polizisten darauf aufmerksam machen, dass wohl zunächst die Versorgung des Unfallopfers im Vordergrund stünde. Wie sich im Krankenhaus dann herausstellte, hätte der Alkoholtest im Schnellverfahren (Atemluft in die Röhre blasen), den Tod meines Freundes verursachen können, da durch den Sturz ein traumatischer Pneumothorax entstanden ist. Mein Appell: lasst solche Leute nicht in den Polizeidienst, die haben dort nichts zu suchen. Solche Ausrutscher kann sich die Polizei auf Dauer nicht leisten. Weg mit der Anonymität und den Polizistenurteilen durch Namen/Nrn.

2 1

Misstrauen gegenüber eigenen Beamten oder Serviceleistung für Bürger? Gewerkschaften laufen gegen Identifizierung bei Demonstrationen Sturm.

ich bin dafür das Executivbeamte mit Namen oder Dienstnummer ausgewiesen werden, da wie mir selbst einmal passiert, man (von einem Vegabeamten) aufgrund einer eifersüchtigen Frau eine verpasst bekam und nichts dagegen unternehmen konnte !

Warum sollen und müssen sich allein nur Bürger überall ausweisen müssen, Organe der öffentlichen Sicherheit jedoch nicht ?!

vorschlag:so wie radfahrer neuerdings nr-tafeln "sommer2012loch"tragen,könnten ja aufschläger freiwillig "4711" tragen...(bezüglich der kreuzzungsblockierenden rotfahre:vielleicht sollte man nummerntafeln ganz abschaffen-selbst wenn pol.zusieht,versuchen sie nicht mal,die zu erwischen-einem radler setzen sie ev.nach,aber nummer?aufschreiben?mit den vielen buchstaben können wir uns das nicht merken(o-ton)...


vorschlag:so wie radfahrer neuerdings nr-tafeln "sommer2012loch"tragen,könnten ja aufschläger freiwillig "4711" tragen...(bezüglich der kreuzzungsblockierenden rotfahre:vielleicht sollte man nummerntafeln ganz abschaffen-selbst wenn pol.zusieht,versuchen sie nicht mal,die zu erwischen-einem radler setzen sie ev.nach,aber nummer?aufschreiben?mit den vielen buchstaben können wir uns das nicht merken(o-ton)...


Gast: i__halt
17.09.2012 12:13
3 3

So ist es auch wieder nicht...

Auf jeder Anzeige, jedem Vernehmungsprotokoll, jeder Anzeigenbestätigung, etc. steht der Name des Beamten / der Beamtin. Jedes Organmandat das kassiert wird ist eindeutig einen Beamten zuordenbar. Zusätzlich hat jeder der von einer Amtshandlung betroffener, das Recht die Dienstnummer zu erfragen. Und aus meinen Erfahrungen wird dies auch meist erfüllt.

Nur: Meinen immer wieder ein paar Schaulustige und Besserwisser sie müssen sich in Amtshandlung einmischen und sich über den Beamten beschweren. Diese Personen haben natürlich kein Anrecht auf die Dienstnummer... Und genau solchen Subjekten wird es ermöglicht sich über den Beamten zu beschweren, obwohl sie von der Amsthandlung nicht betroffen sind und vielleicht sogar nur die Hälfte mitbekommen hat.

Jeder Bürger hat mehrfach Möglichkeiten die Dienstnummer eines Beamten zu erfragen. Nur hat die Polizei leider auch mit gewisser Kundschaft zu tun, bei denen es besser ist, dass sie nicht wissen wie der Beamte heißt...

Re: So ist es auch wieder nicht...

sie können nur leider nicth kontrollieren ob die dienstnummer die sie bekommen die richtige ist. und viel spaß wenn sie mit einem schlecht gelaunten polizisten (ohne zeugen) diskutieren wollen....

zu ihrem zweiten absatz: soviele menschen hätte ich noch nicht gesehen, die sich in amtshandlungen einmischen...abgesehen davon sollten "einmischende" fragen nach der dienstnummer dann auch der vergangenheit angehören, das sollte (ihrer logik nach) dann ja auch im sinne der polizisten sein....

zu ihrem letzten satz: es geht um eine dienstNUMMER! nicht um den namen...soweit sollte man differenzieren können

Gast: John Smith
17.09.2012 11:50
3 0

Geht's doch mit der Zeit. Jedem einen NFC Chip einsetzen. ;-)


Gast: SV33
17.09.2012 11:11
7 0

Wenn es in allen anderen Ländern Westeuropas geht,

geht es auch bei uns.

Gast: pagina
17.09.2012 11:04
4 0

ist doch durch einen kompromiss lösbar!

nummern - ja. und um denunziationen zu vermeiden wechselt die nummer monatlich. intern wird eine liste geführt welcher polizist in welchem monat welche nummer getragen hat. damit sind beschwerden intern leicht zuzuordnen und der einzelne beamte braucht sich um stalker usw. nicht sorgen.

 
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