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Strafvollzug: GPS-Sender für Fußfessel

18.09.2012 | 18:07 |   (Die Presse)

Die Vergabekriterien für Fußfesseln an Sexualstraftäter werden jetzt verschärft. Bei der Vergabe dürfen zukünftig auch Opfer mitreden. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) präsentierte das Maßnahmenpaket.

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Wien/Red./Apa. Die Auflagen für die Vergabe von Fußfesseln für Sexualstraftäter sollen verschärft werden. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) präsentierte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien ein Gesamtpaket, das unter anderem vorsieht, dass Fußfesseln von Sexualstraftätern künftig mit einem GPS-Sender ausgestattet werden sollen.

Außerdem kann ein Antrag auf den elektronisch überwachten Hausarrest erst beantragt werden, wenn zumindest die Hälfte der Strafe verbüßt worden ist. Kein Verurteilter könne sich dadurch mehr „eine Gefängnisstrafe ersparen“, so Karl.

Insgesamt beinhaltet das Maßnahmenpaket, an dem auch Opferschutzverbände mitgewirkt haben, vier Punkte zur Verschärfung der Vergabekriterien für Fußfesseln an Sexualstraftäter. Bei schweren Sexualdelikten wie Vergewaltigung, geschlechtlicher Nötigung, Missbrauch oder Kinderpornografie muss der Täter künftig auf jeden Fall ins Gefängnis. Karl: „Ein solcher Täter kann frühestens zur Hälfte der verhängten Freiheitsstrafe um eine Fußfessel ansuchen.“

 

Rund-um-die-Uhr-Überwachung

Zudem muss sichergestellt werden, dass der Verurteilte den elektronisch überwachten Hausarrest nicht missbraucht. Auch bei weniger schweren Sexualdelikten – wie beispielsweise einvernehmlichem Sex von Erwachsenen in der Öffentlichkeit – soll eine Fußfessel nur zum Einsatz kommen, wenn garantiert ist, dass der Verurteilte nicht gegen die Auflagen verstößt.

Um die Täter besser kontrollieren zu können, sollen die Fußfesseln für Sexualstraftäter künftig mit einem GPS-Sender ausgestattet werden. So kann man den Verurteilten nicht nur rund um die Uhr überwachen, sondern auch gewisse Gegenden – wie etwa den Wohnort oder den Arbeitsplatz des Opfers – generell sperren. Zudem können für den Träger Auflagen bestehen: „Etwa das Besuchen einer Therapie oder ein Alkoholverbot“, sagt Karl.

Außerdem könnten künftig auch die Opfer, sofern sie es wünschen, in die Vergabe von Fußfesseln eingebunden werden. „Ich werde vorschlagen, sämtlichen Opfern von Sexualdelikten und sexuell motivierten Gewaltdelikten ein Äußerungsrecht einzuräumen“, so die Justizministerin.

 

„Reintegration kontrollieren“

Sexualstraftätern generell den Zugang zu Fußfesseln zu verwehren, hält Karl nicht für zweckmäßig. „Es hat Sinn, den Täter am Ende seiner Haftstrafe bei der Reintegration zu kontrollieren“, meinte die Ministerin. Außerdem könne man den elektronisch überwachten Hausarrest mit Auflagen verbinden, die bei einer einfachen Entlassung nach Abbüßen der Freiheitsstrafe nicht verhängt werden können. Karl will das Paket nun dem Parlament vorlegen.

Chronologie

15.September2010: In Salzburg wird der erste Häftling Österreichs mit einer elektronischen Fußfessel entlassen.

5.November2010: Der ehemalige Konsum-Generaldirektor Hermann Gerharter wird zum ersten prominenten Fußfesselträger. Der Antrag des 71-Jährigen, der im Bawag-Prozess in der sogenannten Plastiksackerlaffäre zu zwei Jahren Haft, davon sechs Monate unbedingt, verurteilt wurde, wurde bewilligt.

28.Dezember2010: Erstmals wird ein Zwischenfall mit der neuen Vollzugsform bekannt. Ein 27 Jahre alter Häftling, der mit einer Fußfessel in Hausarrest entlassen worden war, soll in der Nacht auf den 26.Dezember in Hohenems (Bezirk Dornbirn) seine Frau zu Hause schwer misshandelt haben.

31.Oktober2011: Aufregung um eine Fußfessel für einen Sexualverbrecher in Wien: Laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ wird ein 45-jähriger Mann, der sich jahrelang an seiner kleinen Tochter vergangen hat, ab November in den elektronisch überwachten Hausarrest entlassen.

23.August2012: Trotz der Skepsis der Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter (BEST) tritt ein 55-jähriger Wiener HTL-Lehrer, der seine Tochter missbraucht hat, den elektronisch überwachten Hausarrest an.

12.September2012: Das Europaparlament beschließt, dass in der EU künftig das Opfer informiert werden muss, falls ein Sexualstraftäter mit einer Fußfessel entlassen wird.

18.September2012: Justizministerin Beatrix Karl präsentiert ihr Paket zur Verschärfung der Fußfesselvergabe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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19 Kommentare

-

Vielleicht wäre ein GPS-Empfänger etwas praktischer ;)

Gast: sid
19.09.2012 07:20
1 0

ich halte da gar nichts davon

1. sitzt der pädophile Vergewaltiger mit der selben Fussfessel zu Hause vorm Fernseher, wie ein Ladendieb (ich will den Dieb nicht verteidigen, das Strafmaß sollte jedoch schon ein anderes sein)

2. wenn ich den Sender des Täters für den Wohnraum und Arbeitsplatz des Opfers sperre, kann sich das Opfer auch NUR dort wirklich sicher fühlen. WER IST DANN IN SEINER BEWEGUNG EINGESCHRÄNKT?? WER TRÄGT DANN EIGENTLICH DIE FUSSFESSEL??

3. Ein traumatisiertes, eingeschüchtertes Opfer in die Entscheidung mit einzubinden...da fehlen mir die Worte. Wozu hab ich die Justiz, Gesetze, Richter?

Gast: Fenstergucker
19.09.2012 05:45
1 0

Bevor man

Begriffe wie "GPS-Sender" verwendet, sollte man wissen, was das eigentlich ist. Es ist ein Satellit, der sich mit vielen gleichartigen auf einer 12h Erdumlaufbahn befindet und er wiegt sicher mehr als 500kg.

Re: Bevor man

Von daher ist der Vorschlag durchaus begrüßenswert!

Antworten Antworten Gast: Fenstergucker
19.09.2012 09:04
0 0

Re: Re: Bevor man

Nur wirds am Geld mangeln, um den Delinquenten da rauf zu bekommen! :)

Gast: Finsy
18.09.2012 23:29
1 0

Fussfessel ....

und auch keine Fussfessel für verurteilte politiker - im falle, dass einmal einer von der justiz bestraft werden sollte. erst geld veruntreuen, damit vielleicht noch penthäuser kaufen und dann dort hausarrest haben - gehört sich auch nicht.

und sexualdelikte sind natürlich um vieles schlimmer als korrupte politiker, will da nichts relativieren.

Gast: Werden diese Fußfesseln eine Art Vorteilscard für Politiker, statt Vollzug im Nullzug???
18.09.2012 22:49
1 0

Ich weiß nicht....

...mir wird in der letzten Zeit zuviel über diese Fußfessel gesprochen, STATT den richtigen Vollzug........kann es sein, dass man da für die FÄLLE IN DEN EIGENEN REIHEN, den Vollzug auf Nullzug umstellt???
be.es: unsere Nachfahren werden sich biegen vor lauter lachen, oder auch nicht...manche werden auch weinen, über unsere Dummheit!

Spätestens beim Lesen von...

..."einvernehmlichem Sex von Erwachsenen in der Öffentlichkeit", wie es im Bericht heißt, müsste doch den meisten Menschen klar sein, dass sie bisher gar nicht wussten, wovon sie überhaupt sprechen. Davon kann aber gar keine Rede sein, wenn man die Beiträge hier so liest. Ich will auf keinen Fall Straftraten relativieren, aber ungewollt über das Ziel hinausschießen sollte man auch nicht. Das wäre auch den Gewaltopfern gegenüber ziemlich zynisch, wenn z.B. bei einer anzüglichen Bemerkung der selbe Maßstab angelegt wird wie bei einer Vergewaltigung.

Re: Spätestens beim Lesen von...

Der Unterschied bezüglich Strafe wird wohl sein, dass beim einvernehmlichen Sex beide Beteiligten eine Fußfessel verpasst bekommen, und bei Mehrfachvergewaltigungen bisher nur einer.

In der Österreichischen Gesetzgebung und Justiz ist nicht mehr nur die Optik schief...

Gast: Dr. Eisendraht
18.09.2012 20:12
0 1

Einfaches Rezept

Vorschlag: Die Eisenkette mit der 5Kilo-Kugel um 40 cm verkürzen, sodaß der Fußgefesselte die Kugel nicht mehr tragen kann, sonder mühsam am Boden mitschleifen muß. Das verlängert den Weg ins Stammbeisl ungemein

Gast: Gast Kommentar
18.09.2012 19:26
3 1

elektron. Fußfesseln inakzeptabel

Dass die Opfer mitentscheiden sollen über die elektron. Fußfessel ist völlig inakzeptabel. Die Justiz hat jedenfalls und ausnahmslos bei Sexualdelikten elektron. Fußfesseln abzulehnen und zu verbieten. Wieso sollen nun die Opfer persönlich nun auch noch damit belastet werden, welche Strafen der Täter bekommt.
Sexualdelikte sind massive Verbrechen. Eine Bagatellisierung dieser Verbrechen durch elektron. Fußfesseln ist skandalös.

Re: elektron. Fußfesseln inakzeptabel

Naja aber es sind meiner Meinung auch andere Delikte (z.B. jemanden fast totprügeln) massive Verbrechen, und da regen sich weit weniger Leute drüber auf, dass diese Täter Fußfesseln kriegen...die Gesetze müssen halt auch irgendwie Maß und Ziel haben, von daher finde ich die Maßnahmen gar nicht so schlecht, vor allem die GPS-Fessel...das ist schon mal ein deutlicher Fortschritt gegenüber der jetzigen Regelung...aber ich würde mir auch wünschen, dass bei uneinsichtigen Tätern (egal ob Sexual- oder "normaler" Gewaltverbrecher), die sowieso glauben, Recht zu haben, keine Fußfessel bewilligt wird...

weltfremdes Mädchen

so alt und noch nix dazugelernt im Leben ...

Re: weltfremdes Mädchen

Da bekommt der Spruch "sich eine(n) Karl machen" eine ganz neue Dimension...

Ein Plädoyer für die Fußfessel!

Natürlich sollten alle Sexualstraftäter, vor allem Pädophile, Fußfesseln erhalten. Aber ohne technischen Schnick-Schnack, sondern solide aus Edelstahl mit einer Kette die an einer Zellenwand befestigt ist!

Re: Ein Plädoyer für die Fußfessel!

Und bei Wasser und Brot !

2 0

zur Verschärfung von Sex in der Öffentlichkeit..

fällt mir gleich aus nicht allzu langer Vergangenheit ein;

"Ganz Österreich rätselt derzeit, welcher Politiker da beim Sex im Wald gefilmt wurde. Das Hoppala passierte jetzt schon zum zweiten Mal. Treiben´s unsere Politiker denn alle im Wald?"

http://www.heute.at/news/oesterreich/art23655,727036

, d.h. wenns nach der Frau Ministerin geht, dann haben wir bald eine Menge Sexualstraftäter und Innen.

Waidmanns Heil Frau Karl

Gast: aragorn38
18.09.2012 16:52
3 0

Aha

und was bleibt von der vollmundigen Ankündigung, dass man Sexualstraftäter mit einem entsprechendem Gesetz auch von der Fußfessel ausnehmen kann übrig?

NICHTS!!!!!

Eine 2/3 Mehrheit für dieses Gesetz hätte kein Problem sein sollen.

Wer hätte sich dagegengestellt, dass solche Verbrecher einen Anspruch auf die Fessel haben?

Aber nein, da machen wir lieber so eine wischiwaschi huschpfusch Österreich Lösung, welche demnächst wahrscheinlich ein Sextäter beim Vfgh anprangert und dann ist sie schon beim Teufel.

Den Beweis, dass Sextäter die volle Schlagkraft der Justiz zu spüren bekommen bleibt diese Ministerin wiedermal schuldig.

Typisch, Peinlich, Lachhaft!

anlassbezogene Gesetzgebung ist schwer in Ordnung

danke