20.05.2013 01:13 Merkliste 0

Frauenhaus: Bedarf nach Platz steigt

19.09.2012 | 18:16 |   (Die Presse)

Eines der vier Wiener Frauenhäuser ist umgezogen. Die Nachfrage nach Platz und Betreuung steigt weiterhin. Betroffen sind oft Frauen mit Migrationshintergrund.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Duö. Ein Fünf-Sterne-Hotel sei das neue Haus zwar nicht, aber eine im Vergleich zum alten Haus komfortable Einrichtung: Eines der insgesamt vier Wiener Frauenhäuser ist im Sommer in ein neues Gebäude übersiedelt, wie die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Mittwoch bekannt gab. Somit stehen in Wien 175 Plätze für Frauen in Not zur Verfügung – das sind um neun Plätze mehr als zuvor.

Der Umzug wird zunächst damit begründet, dass das alte Haus alt und sanierungsbedürftig war. In den neuen Räumlichkeiten haben die Frauen mit ihren Kindern eigene Wohnbereiche sowie eine Gemeinschaftsküche in jedem Stockwerk. Die Adresse bleibt – wie auch bei den anderen Häusern – zum Schutz der Frauen geheim.

Die Nachfrage nach einem Platz im Frauenhaus sei jedenfalls vorhanden, vor dem Umzug stand auch die Überlegung im Raum, ein fünftes Haus zu eröffnen, sagt die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem: „Wir sind hoch ausgelastet.“ Mit den nun vorhandenen Plätzen komme man zwar zurecht, längerfristig werde man allerdings schauen, „ob wir nicht mehr Platz brauchen.“ Weggeschickt wird aber keine Frau: Wenn sie einen Platz brauchen, bekommen sie ihn auch, so Brem. In Wien ist jede fünfte Frau von Gewalt betroffen, wie Frauenberger sagt.

Die Frauenhäuser verwalten auch Wohnungen für 52Familien. Im vergangenen Jahr haben 112 Frauen in diesen Räumen gewohnt. Insgesamt hatten die Wiener Frauenhäuser 2011 etwa 9000 Kontakte, 1300 davon persönlich. Betreut wurden rund 650 Frauen und 630 Kinder. Über die Hälfte der Kontakte – 63 Prozent – wurden durch Behörden oder andere soziale Einrichtungen vermittelt.

 

Scheidung, Trennung, Unterhalt

Die vier Häuser werden zu Hundert Prozent von der Stadt Wien finanziert. In diesem Zusammenhang betonte Frauenberger, dass Geld für den Gewaltschutz „gut investiertes Geld“ sei.

Sie nahm damit auch Bezug auf die Aussagen der Amstettner FPÖ-Stadträtin Brigitte Kashofer, die im Juli meinte, dass Frauenhäuser „an der nachhaltigen Zerstörung von Ehen und Partnerschaften maßgeblich beteiligt“ seien. Für Frauenberger eine „frauenfeindliche“ Einstellung. Eine breit angelegte Informationskampagne im Frühjahr habe die Bedeutung der Frauenhäuser dargelegt: Die Anrufe in der Beratungsstelle sind um ein Viertel gestiegen, so Frauenberger.

Bei den meisten Kontakten wurden die Themenbereiche Scheidung, Trennung, Unterhalt, Obsorge sowie Besuchsrecht besprochen. Grundsätzlich sind alle Frauen, die in den Häusern Zuflucht suchen, von Gewalt betroffen, so Geschäftsführerin Andrea Brehm. Diese müsse nicht körperlich sein, oft würden die Betroffenen von sexueller und psychischer Gewalt berichten, dürften beispielsweise nicht über ihr selbstverdientes Geld verfügen, würden oft beschimpft, gedemütigt und abgewertet.

Das Ziel nach einem Aufenthalt in den Frauenhäusern sei es, so die Vorsitzende der Wiener Frauenhäuser, Martina Ludwig-Faymann, dass die Frauen (ökonomisch) unabhängig leben können. Betroffen von Gewalt sind Frauen aus allen Gesellschaftsschichten, wie die Kontakte bei der Beratungsstelle zeigen, so Ludwig-Faymann. Nicht die Mehrheit, aber doch sehr viele Frauen, die um Schutz ansuchen, haben einen Migrationshintergrund, bestätigt hingegen Brem. Betroffen sind vor allem jene, die noch nicht lange in Österreich leben und sich auch nicht an Freunde oder Verwandte wenden können, da keine sozialen Netzwerke vorhanden sind.

Oft sind die Frauen auch vom Aufenthaltstitel ihrer Ehemänner abhängig, was eine Trennung oder Scheidung erschwere. Wobei, so Brem, die Frauen grundsätzlich nicht in die Häuser flüchten, um sich scheiden zu lassen, sondern weil sie wollen, „dass die Gewalt aufhört.“ Das erste Wiener Frauenhaus wurde 1978 eröffnet. Heute sind rund 100 Mitarbeiter – etwa Psychologen und Sozialarbeiter – in den vier Häusern beschäftigt.

Auf einen Blick

In Wien gibt es insgesamt vier Frauenhäuser. Eine der Einrichtungen ist kürzlich in ein neues Haus übersiedelt – die ehemalige Unterkunft war alt und sanierungsbedürftig.
Im vergangenen Jahr hatte die Beratungsstelle insgesamt rund 9000 Kontakte. In den Frauenhäusern wurden 650 Frauen und 630 Kinder betreut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

12 Kommentare
Gast: jack reacher
21.09.2012 17:58
2 0

Frauen sind undankbar

Zuerst sekkieren sie, dass Frauenhaeuser gebaut werden und dann muessen wir sie pruegeln damit sie hineingehen!

Fuer alle Berufsbetroffenen: das war ironisch gemeint!

Gast: Wasserlaeufer
20.09.2012 15:27
0 3

So ist´s nun mal im Leben

Unterwelt
von Heinrich Heine

Blieb ich doch ein Junggeselle! -
Seufzet Pluto tausendmal -
Jetzt, in meiner Eh’ standsqual,
Merk ich, früher ohne Weib
War die Hölle keine Hölle.

Blieb ich doch ein Jungsgeselle!
Seit ich Proserpinen hab
Wünsch ich täglich mich ins Grab!
Wenn sie keift, so hör ich kaum
Meines Cerberus Gebelle.

Stets vergeblich, stets nach Frieden
Ring ich. Hier im Schattenreich
Kein Verdammter ist mir gleich!
Ich beneide Sisiphus
Und die edlen Danaiden.

Auf goldenem Stuhl, im Reiche der Schatten,
Zur Seite des königlichen Gatten,
Sitzt Proserpine
Mit finstrer Miene,
Und im Herzen seufzet sie traurig:

Ich lechze nach Rosen, nach Sangesergüssen
Der Nachtigall, nach Sonnenküssen -
Und hier unten bleichen
Lemuren und Leichen
Mein junges Leben vertraur’ ich!

Bin festgeschmiedet am Ehejoche,
In diesem verwünschten Rattenloche!

“Zuweilen dünkt es mich, als trübe
Geheime Sehnsucht deinen Blick -
Ich kenn es wohl, dein Mißgeschick:
Verfehltes Leben, verfehlte Liebe!

Du nickst so traurig! Wiedergeben
Kann ich dir nicht die Jugendzeit -
Unheilbar ist dein Herzeleid:
Verfehlte Liebe, verfehltes Leben!”

Gast: ZARA
20.09.2012 12:04
0 4

Wenn man bedenkt wie die Blauen so den ganzen Tag dahinwinseln...

da wird auch für die FPÖler ein Frauenhaus fällig!

LOL!

mir grausts von den kommentaren hier

mehr ist dem nicht hinzuzufügen

von Gewalt betroffen

sind Männer weltweit. und das mit überwältigender Mehrheit

Antworten Gast: liturgy
20.09.2012 08:21
0 12

Re: von Gewalt betroffen

Wie man sich bettet, so liegt man.

Antworten Antworten Gast: Problem erkannt
20.09.2012 09:28
9 0

Re: Re: von Gewalt betroffen

genau das ist das Problem, daß viele Frauen am liebsten mit den stärksten und gewalttätigsten Männern ins Bett steigen und Kinder zeugen, die dann wiederum auf die friedfertigeren Männer losgehen - und das soll jetzt die Schuld der friedfertigen Gewaltopfer sein, oder was?

Scherzkeksin

Und wieder wird unwidersprochen gelogen, dass sich die Balken biegen

Angeblich ist "jede 5. Frau" von Gewalt betroffen.

Und dann werden 650 Frauen betreut? (von denen über die Hälfte von Einrichtungen "vermittelt" werden, die von hohen "Opfer-"Zahlen leben)

Also entweder gibt es eine Dunkelziffer von 99,9999%, oder hier wird geflunkert.

Antworten Gast: Karriereundkinderundhaushalt
20.09.2012 11:37
1 5

Es muss eben nicht jede betroffene Frau dort betreut werden.

Und es wendet sich auch nicht jede dorthin. Sich an eine solche Einrichtung zu wenden, ist wohl der letzte Schritt, wenn man niemanden hat, der einen untersützt und keinen anderen Ausweg mehr sieht. Seien Sie doch froh, dass nicht mehr Frauen darauf angewiesen sind.

Re: Und wieder wird unwidersprochen gelogen, dass sich die Balken biegen

Vermutlich ist damit gemeint, dass jede 5. Frau mal von Gewalt betroffen war - anders kann ichs mir nicht vorstellen

Antworten Antworten Gast: Melanchthon
20.09.2012 09:41
10 0

Re: Re: Und wieder wird unwidersprochen gelogen, dass sich die Balken biegen

Hängt wahrscheinlich auch vom Gewaltbegriff ab.

"Diese müsse nicht körperlich sein, oft würden die Betroffenen von sexueller und psychischer Gewalt berichten, dürften beispielsweise nicht über ihr selbstverdientes Geld verfügen, würden oft beschimpft, gedemütigt und abgewertet."

Wenn beschimpfen als Gewalt gilt, wäre ja jeder Beziehungskrach eine Gewalttat (wobei hier auch die Männer oft einstecken dürfen).

Da werden wieder hohe Opferzahlen konstruiert, wobei ich jeder Frau eines prügelnden Mannes eine sichere Bleibe vergönne. Wenn mann aber (wahrscheinlich aus politischen Gründen) den Opferbegriff derart verwässert, wird das Ganze zur Farce.

Antworten Antworten Gast: ungleichgerechtigt
20.09.2012 09:26
6 0

Re: Re: Und wieder wird unwidersprochen gelogen, dass sich die Balken biegen

und jeder einzelne Mann war mal von Gewalt betroffen

wo bleibt der Aufschrei, wo die Steuermilliarden?

ach so, wir haben ja keinen Minister, der sich für Männerbelange einsetzt, nur eine Ministerin, die sich *gegen* Männerbelange einsetzt