Salzburg. Mit der Aufführung von „Das Bourne Vermächtnis“ ging am Sonntagabend in Salzburg eine Ära zu Ende. Unternehmer Ferdinand Morawetz sperrte sein Elmo-Kino, seit 65 Jahren in Familienbesitz, zu. Das Haus an der Lehener Brücke war einst mit einem Saal für bis zu 1000 Besucher das größte Lichtspielhaus der Stadt.
Stars wie Romy Schneider, Theo Lingen, Hans Moser, Sophie Marceau, Helmut Berger oder Klaus Maria Brandauer waren zu Gast in dem traditionsreichen Kino, um ihre Filme zu präsentieren. Nach einem Umbau auf vier Säle war das Elmo in den 1980er-Jahren das erste Multiplex-Kino an der Salzach. Während das damals sehr moderne Elmo beim Kinopublikum viel Zuspruch fand, mussten andere Häuser – wie das Stadtkino, das Central oder das Mirabellkino – zusperren. Doch die wachsende Konkurrenz der Großkinos am Stadtrand hatte letztlich auch dem in die Jahre gekommenen Elmo stark zugesetzt. Um im Wettbewerb zu punkten, wären hohe Investitionen notwendig gewesen.
Dass das Programmkino „Das Kino“ ins Elmo übersiedeln könnte, gilt als wenig wahrscheinlich. „Ich schließe es nicht völlig aus, aber der Standort ist für uns nicht optimal“, sagte Michael Bilic, Geschäftsführer von „Das Kino“. Er geht davon aus, dass sein Haus bei einer Übersiedlung an die Lehener Brücke 20 bis 30 Prozent der Stammgäste verlieren würde.
Priorität hat für Bilic deshalb ein anderes Projekt: In der Altstadt wird derzeit auf dem Gelände des ehemaligen Priesterhausgartens eine Bebauung geplant. Neben 45 Wohnungen soll dort auch Platz für ein erweitertes „Das Kino“ sein und eine Tiefgarage entstehen. Im Frühsommer wurden die Pläne präsentiert, seither ist es ruhig geworden um das Projekt. „Das wäre für uns eine sehr interessante Variante“, sagte Bilic. Für den Kino-Chef besteht jedenfalls kein Zeitdruck. Der jetzige Standort am Giselakai sei optimal, das Haus mit zwei Kinosälen in einem guten Zustand. Langfristig seien für Alternativkinos drei bis fünf Säle wirtschaftlich sinnvoll, begründete Bilic sein Interesse an einer Erweiterung. Doch er bleibt realistisch: „Jede Erweiterung kostet auch viel Geld. Das muss man sich sehr genau ansehen.“
Mozartkino überlebt in der Nische
Um zu überleben, hat sich das Salzburger Mozartkino – mit 108 Jahren immerhin das älteste noch existierende Lichtspielhaus in Europa – eine Nische gesucht. Besitzerin Eva Giebisch betreibt ein Hotel und führt dazu mit dem „Mozart“ ein Hauskino. Neben aktuellen Filmen bietet sie ihren Gästen auch filmische Stadtführungen und passende Packages an – beispielsweise mit Übernachtung in jenem Zimmer, in dem schon Romy Schneider bei einem Salzburg-Besuch geschlafen hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2012)
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