25.05.2013 15:24 Merkliste 0

Die Stadt Salzburg sucht Paten für "herrenlose" Gräber

01.10.2012 | 08:39 |   (DiePresse.com)

"Herrenlose" Gräber gehen in das Eigentum der Stadt über. Um Erhaltungskosten zu sparen, setzt Salzburg auf ein Patenschaftsmodell.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Immer öfter werden auf heimischen Friedhöfen Gräber aufgelassen. Das stellt die Kommunen mitunter vor Probleme. Denn im Falle einer Auflassung ist der Grabbesitzer verpflichtet, wieder eine freie Fläche zu schaffen. Grabsteine, Kreuze, Figuren und Einfriedungen müssen weg. "Doch wir haben historisch gewachsene Friedhöfe, mit schönen, alten, erhaltungswürdigen Teilen. Diese Friedhofsteile sind wichtig für das Erscheinungsbild. Weil so viele Gräber aufgelassen werden, hätten wir Lücken", so Manfred Obermaier, Leiter der Friedhofsverwaltung der Stadt Salzburg.

"Herrenlose" Gräber gehen darum in das Eigentum der Stadt über, welche damit auch die Kosten für die mitunter aufwendige Pflege und Instandhaltung übernehmen muss. Im Kommunalfriedhof der Stadt Salzburg mit seinen 22.240 Gräbern und den vier kleineren Stadtteil-Friedhöfen in Maxglan, Gnigl, Aigen und Morzg seien derzeit rund 500 Gräber in historischen Friedhofsteilen frei - Tendenz steigend. "Wir wollen dieser Entwicklung gegensteuern. Früher haben Leute zwei, drei Gräber gehabt: Für sich selbst, die Eltern, für Onkeln oder Tanten. Das hat sich geändert", sagte Obermaier.

Deutlicher Rückgang bei Erdbestattungen

"Die junge Generation hat kein Interesse mehr an einem Grab, die wollen damit nichts zu tun haben." Ein Grab braucht Betreuung - so sieht es das Salzburger Leichen- und Bestattungsgesetz vor: "Ich darf es nicht verwildern lassen. Aber viele wollen keinen Aufwand mit der Pflege haben. Ein Blumengrab gehört im Sommer teilweise jeden Tag gegossen." Auch bei anderem Bewuchs müsse man sich ein bis zwei Mal im Monat um ein Grab kümmern.

Zudem könnten sich viele Leute heute ein Grab nicht mehr leisten. "Es geht zwar nur um etwas mehr als 300 Euro alle zehn Jahre. Aber viele sind Mindestrentner, da ist das auf einen Schlag viel Geld." Auch neue Bestattungsformen würden sich stark auf die steigende Zahl aufgelassener Gräber auswirken: "Wir haben einen deutlichen Rückgang bei Erdbestattungen. In Salzburg haben wir heute bereits 70 Prozent Feuerbestattungen: Urnennischen, Baumhain-Bestattungen und anonyme Urnenbestattung liegen im Trend. Da fällt keine Pflege mehr an."

Patenschaftsmodell seit 2008

Bereits im Jahr 2008 hat die Stadt darum das sogenannte Salzburger Patenschaftsmodell eingeführt. "Wir suchen Interessenten, die sich um aufgelassene Gräber kümmern möchten und ein Vorsorgegrab bis zum eigenen Todesfall suchen." Man suche sich ein Grab aus und bekomme die Auflage, das Denkmal zu pflegen und sanieren. "Die Gräber müssen standsicher sein, dürfen also nicht auseinanderfallen. Außerdem müssen Pflanzen und Unkraut entfernt werden. Als Gegenleistung fallen bis zur ersten Beisetzung keine Gebühren an."

Immerhin: Die Zehnjahresgebühr für ein Erd-Familiengrab in der Stadt Salzburg liegt bei mindestens 310 Euro, Arkadengrüfte können auch ein Zehnfaches dieses Betrages kosten. Ein weiterer Anreiz: Auch die Errichtungskosten für das Grab fallen weg. Dem "Kunden" bleibt es übrigens frei, den Name des Vorbesitzers eingraviert zu lassen oder vom alten Grabstein abzuschleifen. "Das ist seine Sache. Das wird nicht vorgeschrieben."

Nur ein Zehntel findet Paten

Als durchschlagender Erfolg hat sich das Salzburger Modell bisher allerdings nicht erwiesen. Laut Obermaier konnten in den vergangenen Jahren von den rund 500 freien Gräbern gerade einmal 50 an den Mann oder die Frau gebracht werden. Nun will die Stadt die Information über das Patenschaftsmodell forcieren.

Und weil Salzburg nicht die einzige Kommune sein dürfte, die mit aufgelassenen Gräber zu kämpfen hat, will Obermaier das Thema bei der Stadtbundtagung am 10. Oktober zur Sprache bringen, wenn in Wien die Fachausschüsse Friedhöfe und Kommunale Bestatter tagen.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

2 Kommentare
Gast: HUBERTUS?
02.10.2012 11:04
0 0

Die Schildbürger schlagen zu..

Herrenlose Gräber sollten aufgelassen werden. Wie kommen die Komunen auf die Idee mit Steuergeldern der Allgemeinheit Grabpflege zu finanzieren. Die Toten juckts eh nicht mehr und da es keine Angehörigen mehr gibt juckts die auch nicht mehr. Alles hat einmal ein Ende, wieso nicht auch die Grundwasserverseuchende Erdbestattung.

Gast: xxxx
01.10.2012 20:18
0 0

Geh bitte! Gebts den Gemeinden doch viel Geld, dafür dass sie nichts hackeln!

Sollens doch einen Gemeindebau draufstellen oder einen Kindergarten.
Ist ja schön grün rundherum!