Im vergangenen Jahr sind in Österreich durch Obduktion belegt 177 Menschen an Suchtgift-Überdosierungen gestorben. Das sind um sieben weniger als im Jahr davor. Keine Obduktionsberichte gab es vergangenes Jahr bei zusätzlich 24 wahrscheinlichen "suchtgiftbezogenen" Todesfällen (2010: 17), was die Zahl der Opfer auf 201 steigen lassen könnte (2010 wären es dann 187 gewesen). Dies geht aus dem aktuellen Bericht hervor, den das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheit im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellt hat.
Wesentliche neue Trends sind laut dem Report nicht erkennbar. Allerdings macht den Experten der Rückgang der Obduktionsraten Sorgen: "Es gilt, dem Trend sinkender Obduktionsraten bei Verdacht auf einen suchtgiftbezogenen Todesfall entgegenzuwirken." Diese Problematik gilt allerdings eigentlich für alle Todesursachen in Österreich.
In 95 Prozent der Fälle waren im Jahr 2011 Opiate am Versterben der Drogenkonsumenten beteiligt. Dieser Anteil schwankte zwischen 2007 und 2010 jeweils zwischen 97 und hundert Prozent. Alle diese Zahlen unterliegen im Laufe der Jahre gewissen Veränderungen.
Mischkonsum als Hauptproblem
Weiterhin am tödlichsten ist der Mischkonsum verschiedener Suchtgifte. Hier sind Opiate plus Medikamente und Alkohol die größte Gefahr. Im Jahr 2011 galt das für 151 der insgesamt 170 Drogentoten, bei denen spezielle toxikologische Untersuchungen durchgeführt wurden (89 Prozent; 2010: 92 Prozent). Das altbekannte Drogenersatzmittel Methadon wurde in 30 Fällen nachgewiesen, andere Opiate wie Codein oder Bupremophin in 39 Fällen. Bei sechs Verstorbenen wurden Designer-Drogen (vor allem Cathinonderivate) nachgewiesen.
Der Drogentod ist in Österreich "männlich". "24 Prozent der Verstorbenen (verifizierte Fälle) sind weiblich, 32 Prozent waren zum Zeitpunkt des Todes unter 25 Jahre alt", schrieb das Autorenteam des Berichts unter Charlotte Wirl.
Wien vor westlichen Bundesländern
Unter den Bundesländern liegt bei der Häufigkeit von tödlichen Überdosierungen pro 100.000 Einwohnern im Alter zwischen 15 und 64 Jahren im Jahr 2011 die Bundeshauptstadt Wien mit knapp unter sieben (inklusive Nichtobduzierte Verdachtsfälle: etwas über acht) an der Spitze. Dann folgen Tirol mit knapp unter fünf Opfern pro 100.00 Einwohner und Vorarlberg (statistisch etwas mehr als drei pro 100.000).
Ein Problem akuter Drogenüberdosierungen liegt auch darin, dass sie oft im privaten Bereich erfolgen und - aus Angst vor Polizei etc. - medizinische Hilfe zu spät gerufen wird. 2011 wurden 79 Prozent der Todesfälle in Wohnungen registriert. 2010 waren es 73 Prozent gewesen. Eine allfällige Verdrängung Drogenkranker aus der Öffentlichkeit könnte demnach für die Risikogruppen negative Folgen haben.
(APA)
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