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Vorwurf der Zwangssterilisation: Tirolerin erwägt Klage

01.10.2012 | 18:33 |   (Die Presse)

Eine heute 34-Jährige Tirolerin soll 2009 genötigt worden sein, eine Einverständniserklärung zur Sterilisation zu unterschreiben. Die Lebenshilfe Tirol weist die Vorwürfe zurück.

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Wien/Cim. Fälle wie diese erinnern an die Zeit der NS-Medizin. Und doch dürfte die Sterilisation geistig beeinträchtigter Frauen vor 15 Jahren noch gängig gewesen sein. In Einzelfällen möglicherweise sogar später. Eine 34-jährige Tirolerin wirft ihren Betreuern vor, sie sei im Jahr 2009 zwangssterilisiert worden.

Ihr sei eine Einverständniserklärung vorgelegt worden, die sie nicht lesen habe dürfen. Sie habe gesagt, sie wolle nicht unterschreiben. „Und der Doktor hat gesagt, ich muss unterschreiben, sonst flieg ich von der Lebenshilfe raus“, so die Frau im ORF-Radio. Die Frau, die ohne Schilddrüse geboren wurde und aufgrund traumatischer Erlebnisse in der Kindheit als behindert gilt, erwägt nun, mit Unterstützung ihrer Sachwalterin zu klagen. Da sie und ihr Partner sich ein Kind wünschen, will sie versuchen, die Sterilisation rückgängig machen zu lassen.

Oliver Gosolits, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Tirol, weist die Vorwürfe zurück. Die Frau sei damals nicht besachwaltet gewesen, habe in ihrer eigenen Wohnung gelebt und sei von der Lebenshilfe nur punktuell betreut worden. Aus einem psychiatrischen Gutachten gehe ihr Einverständnis zur Sterilisation hervor. Gosolits erinnert daran, dass sich die Lebenshilfe seit den 1990er-Jahren klar gegen Sterilisationen ausspreche.

 

Sterilisation? „Das liegt alles im Dunklen“

Vor der Gesetzesänderung im Jahr 2001 dürften solche Fälle alltäglich gewesen sein. Zahlen, wie viele Frauen in Österreich von Zwangssterilisationen betroffen sind, liegen nicht vor. „Das liegt alles im Dunklen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2001 bis zu 50 Prozent aller Frauen mit geistiger Behinderung ohne ihr Wissen oder gegen ihren Willen sterilisiert wurden“, sagt der Tiroler Behindertenrechtsexperte Volker Schönwiese. Der Kinderpsychiater Ernst Berger berichtete jüngst etwa von als Blinddarmoperationen getarnten Sterilisationen, zu denen Ärzte und Betreuer Eltern vor 2001 gedrängt hätten. Besonders Andreas Rett, der bekannte Wiener Psychiater, der für die Sterilisation von behinderten Frauen eintrat, soll die generelle Sterilisation von Frauen mit einem Intelligenzquotienten von weniger als 85 Punkten befürwortet haben.

„Früher war das bei Frauen mit Behinderung häufig“, sagt Schönwiese, „heute ist Sterilisation ein Graubereich.“ Gesetzlich ist eine solche bei Jugendlichen so gut wie ausgeschlossen, auch bei Erwachsenen nur mit Zustimmung der Betroffenen möglich. „Möglich ist, das informelle Wege gefunden werden“, sagt Schönwiese. Geschichten wie jene der Tirolerin würden immer wieder kursieren, aber die Frauen seien von Betreuungseinrichtungen abhängig, würden sich nicht trauen, offen zu sprechen. Nach heutigem Recht ist Zwangssterilisation als Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen zu ahnden, es drohen Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Verjährungsfrist: fünf Jahre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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19 Kommentare
Gast: gast0
02.10.2012 12:16
1 0

die Frau

konnte vermutlich die Tragweite des Eingriffs nicht beurteilen. wie weit einem Arzt so ein Vorschlag zusteht, ist Ermessenssache und vermutlich das eigentliche Problem. der genannte Psychiater ging vor 25 Jahren in Pension. die Frau wurde ambulant betreut - also zum Zweck der Hilfe in ihrer Wohnung besucht. sicher haben die BetreuerInnen im Team die Situation besprochen und wohl die Sterilisation für sinnvoll erachtet. Hat jemand dann einen unglücklichen Satz wie "wenn du ein Kind kriegst, können wir dich nicht mehr betreuen (weil du dann mehr Hilfe brauchst)" gesagt? Wie weit ist diese Person nun verantwortlich, eventuell nicht genug auf die Freiheit der Entscheidung hingewiesen zu haben?

Gast: klaus9951
02.10.2012 11:08
3 4

achön langsam

scheint es Methode zu werden, dass "Behinderte" und "andere sogenannte Verfolgte" aus ihrer Vergangenheit Geld und Unterstützung lukrieren wollen! Bald werden Bauernkinder ihre Eltern verklagen, da sie bei der Hofarbeit nicht angemessen entlohnt wurden! Unserer Grünen und Roten Brüder werden schon dafür sorgen!

Antworten Gast: einBeobachter
02.10.2012 15:36
1 3

Re: achön langsam

@klaus9951 - und was hat Feldarbeit mit Zwangssterilisation zu tun ? Bitte um Aufklärung, das wäre ein völlig neuer Aspekt.

Gast: xxxx
02.10.2012 10:23
0 2

Was glauben die Scharzen in Tyrol? Wenn man alle "Anderen" sterilisiert, dann wählt keiner mehr die Blauen?

Dumme Überzeugung von dummen Schluchtenbewohnern.
Ein Beweis mehr, dass Mangel an Sonnenschein in diesen engen Tälern das Hirn schrumpeln lassen!

Gast: Hans im Glück
02.10.2012 09:15
2 0

Verjährungsfrist: fünf Jahre.

Ist das nicht etwas zu kurz bemessen?

Gast: einBeobachter
02.10.2012 08:33
3 5

Da spielten ....

... und spielen manche Doktores ganz offensichtlich Lieber Gott.
Ich frage mich, wie selbstherrlich (oder pervers) man sein muß, um solche Dinge ernsthaft auch nur in Erwägung zu ziehen ! Das gilt auch für Kommentatoren, die diesen unfaßbaren Taten etwas abgewinnen können.
Einen IQ als Maßstab herzunehmen, ist so etwas von ungustiös, daß man wirklich die WKII Zeit als Beispiel bemühen muß. Mir sind manche Leute mit einem "IQ" von 50 lieber als ein "Genie", das behauptet, einen IQ von 120 zu haben. Betonung auf "behauptet" !

Gast: 1Scherge
02.10.2012 08:17
3 6

wie funktionierte das in der Praxis?


Sobald die Unterschrift erschlichen wurde, wurden die Opfer in Zwangsjacken gesteckt und gewaltsam "behandelt"??????

Diese Ärzte gehören sofort wegen Wiederbetätigung angeklagt und verurteilt.

Antworten Gast: einBeobachter
02.10.2012 15:41
1 0

Re: wie funktionierte das in der Praxis?

@1Scherge - keine Zwangsjacken, aber Gehirnwäsche. Es gab bis in die 70er Jahre auch Elektroschockbehandlungen, die eigentlich schon verboten waren. Man "glaubte" damit, die "verwirrte" Persönlichkeit der Patienten auseinandernehmen und neu ("richtig") zusammensetzen zu können. So sagte man zumindest. Ob es Sadismus war, kann man natürlich nicht nachweisen ...

2 1

Wie sehr nähern wir uns da der Rassengenetik des Herren Adolf?

Eine Einrichtung, die eigentlich ohne Wenn und Aber helfen sollte, ein "namhafter" Psychiater, schwingen sich auf dermaßen entscheidende und vor allem irreversible Eingriffe durchzuführen. Und dann wird noch dazu eine auch manchmal kritisierte statische Methode als Kennzahl heran gezogen. Stichwort "Intelligenz ist was der Intelligenztest misst."
Das alles wird aber von der gesetzlichen Regelung noch um Längen geschlagen. Botschaft: machst du's bist du böse aber maximal 5 Jahre Strafandrohung und nach 5 Jahren ist uns das sowie so gleichgültig (5 Jahre kann man das Schule verstecken!) da ist oft noch das selbe Team am Werken damit kann das kein Dritter aufdecken!
Ich zweifle schwer an unseren gesellschaftlichen Kontrollsystemen und an den Interessenlagen der Allgemeinheit! Das Parkpickerl auf Seite eins und "unwertes Leben" und die Richter darüber, vergraben.

Gast: Johan Meltini
02.10.2012 07:55
2 3

das dunkle Gewölbe der Obsorge

'Aus einem psychiatrischen Gutachten gehe ihr Einverständnis zur Sterilisation hervor.'
Sie wird wohl kaum mit dem Wunsch nach Sterilisation von Betreuer zu Psychiater gerannt sein. Woher diese Idee überhaupt?
Perfide, es ist in solchen semitotalitären Institutionen so leicht Menschen in die gewünschte Richtung zu handhaben und anscheinend scheut man nicht, dies nach Belieben zu tun.
2001 gab es noch einen Drang zur Sterilisation. Da drehts einem den Magen um. Offensichtlich sind die 50 Jahre alten Massenvergewaltigungsfälle nur ein Aspekt der Niedertracht, die noch heute alle möglichen nicht genug wehrhaften Menschen erfahren.

Träume ich - bitte sagt mir dass das nicht WAHR ist!

Besonders Andreas Rett, der bekannte Wiener Psychiater, der für die Sterilisation von behinderten Frauen eintrat, soll die generelle Sterilisation von Frauen mit einem Intelligenzquotienten von weniger als 85 Punkten befürwortet haben.

Ergo war die LEBENshilfe ...

... bis 1990 für Sterilisation!!!!!

Gast: ehrlichemeinung
02.10.2012 06:37
6 7

hart aber meine meinung

wenn die kinder zu einer sehr hohen wahrscheinlichkeit auch die beh...besonderheiten (sagt man ja heutzutage so) erben , haben die Ärzte alles richtig gemacht.

Re: hart aber meine meinung

So einfach kann man Behinderten das Recht auf Leben absprechen...

Echt grauslich, wieviel Zustimmung diese Ideologie immer noch bekommt.

Antworten Antworten Gast: ehrlichemeinung
02.10.2012 12:43
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Re: Re: hart aber meine meinung

ich spreche niemanden , das recht zu leben aber , aber sehr wohl jemandem mit vorsatz behinderte kinder in die welt zu setzen , denn DAS ist für mich körperverletzung.
ach und selbst wenn das kind nicht behindert ist , aber die mutter , ist es seelische körperverletzung.
ich leide heute noch psychisch darunter , dass meine mutter aufgrund ihrer langjährigen diabetes ständig im krankenhaus lag und früh verstorben ist. aber soweit denken rosabrillenträger ja leider nicht.

2 4

Re: Re: hart aber meine meinung

Es geht ja nicht um die Behinderten, die bereits leben. Es geht doch darum, dass nicht mutwillig Behinderungen reproduziert werden.

Glauben Sie dass es so erquicklich ist, ein Leben in Abhängigkeit anderer führen zu müssen oder sich selbst nicht zurechtfinden zu können?

Was sagt wohl ein Mensch der mit schwerer Behinderung von klein auf an den Rollstuhl gefesselt ist seinen Eltern, die sich egoistisch einen Kinderwunsch erfüllen wollten, obwohl sie selbst schwer behindert sind. Was sagt so jemand seinen Eltern? Ist er ihnen dankbar dafür?

Es geht ja nicht nur um die Wünsche der Eltern, es geht um deren Kinder. Und wenn die selbst das Glück haben gesund zu sein, dann ist das Risiko für wiederum ihre Kinder höher, wenn das vererblich ist.

Der Sozialstaat und die Medizin machen es möglich, dass Behinderte gut versorgt werden und viele, die wegen irgenwelcher Krankheiten nie ein geschlechtsreifes Alter erleben würden sogar sehr alt werden können.

Das ist freilich gut und wichtig, aber die Folge davon wird sein, dass die Bevölkerung zunehmend krank und behindert sein wird, da es diese von der Natur vorgesehene Auslese nicht gibt.

Ich würde eine solche Entscheidung nicht treffen wollen.

"Was sagt wohl ein Mensch der mit schwerer Behinderung"

Fragen Sie ihn doch am besten selbst, ob er es okay findet, dass Sie gerne seine Mutter sterilisiert hätten.

Scaurus: "Echt grauslich, wieviel Zustimmung diese Ideologie immer noch bekommt."
Fefe: "dass die Bevölkerung zunehmend krank und behindert sein wird"
-> Danke für die Bestätigung

3 1

Re: hart aber meine meinung

Einen IQ von 85 sollen etwa 15% der Bevölkerung haben, das scheint mir doch etwas zu viel zu sein. Besonders intelligente Leute haben aber auch häufiger schwachsinnige Kinder. Man kann ja nicht alle sterilisieren, die nicht Durchschnitt sind.

1 0

Und warum .....

.... wird von den Medien so geheimnisvoll darüber berichtet ?