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„Fußfessel neu“: Neuer Skandal um Vergabe?

02.10.2012 | 18:16 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Schon das ursprüngliche Vergabeverfahren wurde vom Rechnungshof kritisiert. Eine öffentliche Ausschreibung, bezüglich der Fußfesselftechnik, hält das Justizressort „nicht für erforderlich“.

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Wien. Der Fall des Sextäters, der wegen Vergewaltigung einer Jugendlichen nur sechs Monate unbedingte Haft erhielt und die Strafe zu Hause – überwacht durch eine Fußfessel – absitzen soll, könnte nun zu einer Verschärfung der Hausarrest-Regel führen: Künftig soll es für verurteilte Sextäter schwerer werden, eine Fußfessel zu bekommen. Auch wird die Fußfesseltechnik auf permanente GPS-Überwachung umgestellt. Eine öffentliche Ausschreibung hält das Justizressort „nicht für erforderlich“. Obgleich der Rechnungshof schon an der ursprünglichen Vergabe heftige Kritik übte.

Noch ist offen, ob dem eingangs erwähnten Vergewaltiger das Gefängnis tatsächlich erspart bleibt. Der Verwaltungsgerichtshof wird dies Ende Oktober entscheiden. Fix ist aber, dass sich Justizministerin Beatrix Karl (VP) für eine Aufrüstung der bisher eingesetzten Fußfesseltechnik einsetzt.

Im Frühling 2010 (Amtszeit Claudia Bandion-Ortner, VP) führte die Bundesbeschaffungsagentur (BBG) ein Vergabeverfahren durch. Damals stand die Fußfessel-Einführung (1.September) bevor. Die Zeit drängte. Die Ausschreibung richtete sich an Firmen, die entsprechendes Equipment anboten. Der damalige Auftragswert für eine Vertragsdauer von 36 Monaten laut Amtsblatt der EU: 1,5 Millionen Euro.

Eingesetzt wurde schließlich Radiofrequenz-Technologie, das heißt, der Fesselträger muss sich immer in der Nähe eines Basisgeräts (in der Wohnung oder am Arbeitsplatz) aufhalten. Tut er das nicht, wird Alarm ausgelöst.

Wo sich ein Täter genau aufhält, wenn er die Wohnung verlässt, kann derzeit nicht gesagt werden, da die seit 2010 eingesetzte Technik darauf nicht ausgelegt ist. Künftig sollen Sextäter per GPS permanent überwacht bzw. lokalisierbar werden. Jedoch soll es für die neue Technik keine Ausschreibung geben. Denn: „Der Rechnungshof hat den Vergabeprozess ausdrücklich gelobt und festgestellt, dass der Bestbieter zum Zug kam. Der Vertrag von der BBG und der Firma 3M, von der wir die Fußfesseln beziehen, läuft noch bis Ende 2013, mit Verlängerungsoption um zwei Jahre.“ Das teilt der Sprecher der Justizministerin, Christian Wigand, der „Presse“ mit. Und: „Schon in der damaligen Ausschreibung war die Möglichkeit der technischen Aufrüstung der Geräte (also GPS) ein wesentliches Kriterium.“

Für die Fußfesselauftrags-Vergabe soll es also ausdrückliches Lob des Rechnungshofes (RH) gegeben haben? Im entsprechenden RH-Bericht vom März dieses Jahres liest sich das anders: „Zum Zeitpunkt der Beschaffung der technischen Ausstattung für den elektronisch überwachten Hausarrest bestand keine gesetzliche Grundlage für dessen Anwendung.“ Klar: Als die Ausschreibung lief, war das Fußfesselgesetz noch nicht in Kraft.

 

„Wettbewerb eingeschränkt“

Der RH weiter: „Entgegen dem Vorschlag der BBG ließ das BMJ (Justizministerium, Anm.) statt fünf nur drei Bewerber zur Anbotslegung zu. Dies schränkte den Wettbewerb unnötigerweise ein.“ Und: „Das BMJ und die Vollzugsdirektion dokumentierten ihre Entscheidungen im Vergabeverfahren unzureichend, wodurch eine Nachvollziehbarkeit nicht vollständig gegeben war.“ Hier kritisiert der RH, dass etwa die Zusammensetzung und Tätigkeit des vom BMJ eingerichteten „Lenkungsausschusses“ nicht nachvollziehbar gewesen seien.

Der RH hatte sogar eine Stellungnahme vom Ministerium eingeholt. Diese fiel laut RH selbstkritisch aus: „Laut Stellungnahme des BMJ sei das Projekt zur Einführung des elektronisch überwachten Hausarrests unter einem enormen Zeitdruck gestanden; einige Entscheidungen hätten zur zeitgerechten Abwicklung in rasch einberufenen Besprechungen erfolgen müssen. Unter dem vorhandenen Zeitdruck habe das Erfordernis der Dokumentation in den Hintergrund treten müssen.“

Was sagt die Konkurrenz zum Festhalten des Justizressorts an Produkten von 3M (das Unternehmen hatte übrigens 2006 auf Betreiben des ÖVP-Gesundheitsressorts unter Maria Rauch-Kallat Grippemasken in großer Stückzahl geliefert)? Matthias Wechner, Chef der Österreich-Niederlassung des Sicherheitsunternehmens G4S, sagt: „Ich erwarte mir im Hinblick auf die Einführung dieses in Österreich neuen technischen Standards eine umfassende Neuausschreibung.“ Seine Begründung lautet: „Da bei der Ausschreibung des heute schon praktizierten elektronischen Hausarrests die mögliche GPS-Tauglichkeit nur eine optional zu erbringende war, ist ein neues Vergabeverfahren für GPS-Modelle erforderlich.“

Auf einen Blick

Fußfessel. In der Amtszeit von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP, links im Bild) wurde die Fußfessel-Technik angeschafft, der Rechnungshof kritisierte die Vergabe. Die derzeitige Ressortchefin Beatrix Karl (ÖVP) will eine neue Technik, allerdings soll es keine Neuausschreibung geben. Dies kritisieren Anbieter. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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10 Kommentare
Gast: immergrün72
03.10.2012 15:52
0 0

Bitte um Aufklärung

Es ist sehr eigenartig, wenn die Justiz selbts in den Geruch der Korruption kommt. Wenn so etwas nicht lückenlos aufgeklärt und die Vorwürfe entweder entkräftet werden oder die Beteiligten aus der Justiz zur Verantwortung gezogen werden, dann muss man beginnen sich zu fürchten vor diesem Staat.

Re: Bitte um Aufklärung

Es hätte gewundert, wenn nicht ein Skandal herauskommt, wo ein Beamter die Finger im Spiel hat, gell?

Fußfessel - neuer Skandal?

Tja, da wurden wir schon vor der Einführung dreist belogen.
Pressekonferenz zur Einführung der Fußfessel:
Bundesministerin Claudia Bandion-Ortner am 12.3.2010
„Grundsätzlich soll die Fußfessel möglichst breit angelegt sein, ist allerdings nur für psychisch hinreichend stabile Personen geeignet“, so die Ministerin weiter, Ausgenommen sind etwa Personen im Maßnahmenvollzug oder Sexual-Straftäter. (siehe
http://www.justiz.gv.at/internet/html/default/2c94848525f84a63012752b5475207b6.de.html)
Im Gesetzestext fehlt dieser Zusatz dann allerdings. Falschinformation um das Volk ruhig zu stellen. Ausschreibungs- und Vergabegemauschel um politisches oder auch reales Kleingeld zu machen. Ich hab den Verdacht, das hat System.

österreich die bananenrepubilk!!!

dieser artikel führt einem wirklich vor augen, wie weit es um den rechtstaat österreich gekommen ist!

da bekommt ein vergewaltiger, gerade einmal lächerliche 6 monate UNBEDINGTE haft, die deppen die sich den blödsinn mit der fußfessel einfallen lassen haben, sollen einmal die bedeutung des wortes unbedingt nachlesen, und kann diese dann ganz gemütlich zuhause, vorm fernsehen absitzen, statt in einer kleinen miesen zelle, die ihm gebühren würde.

das nächste ist ja das strafmaß in österreich, ich mein ganz im ernst, 6 monate sind ja wohl ein schlechter scherz, 6 jahre wären wohl angemessener!

nun zu der beschaffung der fußfesseln!

da bin ich mitlerweile der ansicht, dass alle staatlichen aufträge dieser größe außnahmslos auszuschrieben sind, wenn nicht sollte der minister dafür persönlich zur strafrechtlichen verantwortung gezogen werden!

nur mir derart dratitschen maßnahmen kann man dieser freunderlwirtschaft noch einhalt gebieten!

Gast: mir reichts
03.10.2012 05:48
1 0

ich sehe es positiv

da hat der aufschrei der bevölkerung wegen des sextäters was gebracht-

0 0

Korruption frisst sich von Laien praktisch mit Händen greifbar in die Justiz


worauf soll der Staatsbürger eigentlich noch vertrauen?

Außer auf Selbstverteidigung und Bewaffnung?

Gast: Sven
02.10.2012 22:20
0 0

Justiz mitten drin

Mitten drin statt nur dabei im korruptionstheater der Republik. Karl bitte vor den u - Ausschuss:

Sextäter dienen immer nur als Vorwand!

Zuerst wurden wir in unseren Kommunikationsdaten überwacht (Vorwand Sexdelikte), nun folgt die leibliche Überwachung. Täter wie diese sind nur die ersten Testkandidaten, bis alle per GPS überwacht werden!

Antworten Gast: fe
03.10.2012 01:57
0 0

Re: Sextäter dienen immer nur als Vorwand!

Haben sie ein Handy?

Re: Re: Sextäter dienen immer nur als Vorwand!

Seit der VDS nicht mehr!