Wien. Im Augarten eskalieren die Konflikte zwischen verantwortungslosen Hundebesitzern und Erholungssuchenden – vor allem jenen mit kleinen Kindern. Denn viele Besitzer scheinen ihre Hunde nicht unter Kontrolle zu haben, die Leinenpflicht wird häufig ignoriert und auch Beißkörbe sind nur selten an den Hunden zu sehen. Dadurch kommt es laut Besuchern immer wieder zu gefährlichen Situationen und Auseinandersetzungen. Zwar hat der Park eine Hundezone, doch dort wollen viele Besitzer ihren Vierbeiner kaum laufen lassen. „Der Park ist größer, außerdem ist die Hundezone durch Hundstrümmerln verunreinigt“, rechtfertigen sich Hundebesitzer oft.
Die mangelnde Disziplin und Uneinsichtigkeit einiger Hundebesitzer sorgt für immer mehr Konflikte und Ärger bei Besuchern. Erst am Mittwochabend wurde ein Vater mit seiner dreijährigen Tochter von einem frei laufenden Hund im Augarten angegriffen. Als der Mann mit seiner Tochter im Rasen saß und spielte, stürmte plötzlich ein unangeleinter Hund auf das Kind zu.
Polizei will stärker kontrollieren
Der Vater konnte den Hund gerade noch abdrängen, als dieser nach dem Kopf des Kindes schnappte. Der Hund verbiss sich in die Jacke, bis der Besitzer kam, dem Tier die Jacke aus dem Maul riss und weiterging. Als er vom Vater zur Rede gestellt wurde, beschimpfte ihn der Hundebesitzer und attackierte den Vater. Zwei Passanten griffen ein, das nützte der Hundebesitzer zur Flucht. Nach diesem Vorfall kündigt die Polizei gegenüber der „Presse“ an, die Hundebesitzer im Augarten nun strenger zu überwachen: „Wir werden die Kontrollen verstärken“, so ein Sprecher. Wie lasch diese Kontrollen sind, zeigt das Online-Forum einer Hundezeitung. Dort wird der Augarten explizit als Hundeparadies gelobt. Es gebe zwar einen Leinenzwang, doch den könne man getrost ignorieren, wird dort den Hundebesitzern von einem User sinngemäß geraten. Denn es gäbe in Wirklichkeit keine Kontrollen.
Doch auch viele Hundebesitzer sind mit der Situation im Augarten mehr als unzufrieden. Eine Wienerin, die mit ihrem kleinen Hund an der Leine dort täglich spazieren geht, berichtet von Angriffen frei laufender Hunde auf angeleinte Hunde. „Da gehört etwas gemacht“, meint sie. Für den Fall, dass sich die Situation nicht bessert, werden nun sogar Stimmen für ein Hundeverbot im Augarten laut – vor allem von Müttern mit kleinen Kindern. Zuständig für den Augarten ist formal die Burghauptmannschaft. Sie will nun auf die direkt zuständigen Bundesgärten einwirken, damit sie Gegenmaßnahmen ergreifen.
Der Augarten ist aber nur ein Hotspot der rund 50.000 Hunde, die in Wien registriert sind (inoffiziell gibt es deutlich mehr). Auch am Donaukanal, in anderen Parks oder am Wienerberg gibt es immer wieder Konflikte mit rücksichtslosen Hundebesitzern, berichten Besucher dieser Gebiete. Wie notwendig strengere Kontrollen sind, zeigen statistische Daten: Rund 600 Menschen werden pro Jahr in Wien von Hunden gebissen. Bei einer „Aktion scharf“ im Frühjahr gab es innerhalb kürzester Zeit fast 600 Beanstandungen durch die Polizei.
Giftköder für Hunde ausgelegt
Indes sorgen auch Meldungen über Giftköder für Aufregung, die ausgelegt wurden, um Hunde zu töten. Die Stadt warnt Hundebesitzer in Meidling und Hietzing, vor allem am Tivoli und am Rosenhügel, vor der präparierten Hundenahrung. Berichte sprechen von „zahlreichen Fällen“, die sich in diesen Gebieten ereignet hätten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)
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