Wien/Sal/Apa. Der typische Spielsüchtige ist männlich, jung und hat Migrationshintergrund. Das sagt die klinische Psychologin Malgorzata Zanki, die auf Suchtprävention und -beratung spezialisiert ist.
Insgesamt ist der Anteil männlicher Spielsüchtiger in Österreich zwar gering – lediglich 0,9 Prozent sind laut einer Studie aus dem Jahr 2011 von einer pathologischen Spielsucht betroffen. Doch ist er hierzulande höher als etwa in Deutschland oder den USA – hier liegt der Anteil bei 0,6 bzw. 0,7 Prozent. Allerdings, so die Expertin: Heute finde eine Feminisierung des Glücksspiels statt – es gebe immer mehr weibliche Spielerinnen.
Am häufigsten gespielt wird in Casinos – hier werden 42 Prozent der Spieleinsätze getätigt. 26 Prozent der Einsätze landen in Automaten, 16 Prozent in Online-Spielen und zehn Prozent bei Lotteriespielen.
Allerdings, kritisierten Experten bei einem Symposium zum Glücksspiel, das am Donnerstag in Wien stattfand, habe man nach wie vor zu wenig verlässliche Daten. Das Forschungsmaterial, das in Österreich zur Spielsucht bislang erhoben wurde, sei nicht ausreichend. Und noch mehr – die Forschungsergebnisse zum Thema Glücksspiel seien nicht nur unzureichend, sondern sogar häufig manipuliert, sagt Zanki im Rahmen der Veranstaltung. Ähnlich argumentiert auch der Mediziner Manfred Maier vom Zentrum für Public Health – es gebe keine verlässlichen Daten zum Krankheitsbild der pathologischen Spielsucht.
Finanzielles Kalkül
Umgekehrt müssen sich aber auch die Forscher Vorwürfe gefallen lassen. So kritisiert etwa der Wirtschaftsexperte Andreas Kreutzer, dass sich die Wissenschaft vorrangig aus finanziellem Kalkül nun der Suchtspieltherapie widmet: „Offensichtlich lässt sich mit Alkohol- und Drogensucht nicht mehr genug verdienen.“
Pathologisches Spielen wird derzeit (nach dem internationalen Krankheitsregister ICD-10) noch als Störung der Impulskontrolle gesehen, in der Zukunft aber auch als Verhaltenssucht diagnostiziert werden. Die diagnostischen Kriterien ähneln jenen von Substanzsüchten: Kranke Spieler verspüren eine starke Eingenommenheit vom Glücksspiel, sie leiden an Kontrollverlust, haben Entzugserscheinungen, rutschen in Beschaffungskriminalität ab und gefährden ihre Beziehungen zu anderen.
Maßnahmen gegen die Spielsucht gibt es mittlerweile einige, so wurde etwa vor rund einem Jahr eine eigene Stabstelle im Finanzministerium für Spielerschutz eingerichtet. Und die zur Finanzpolizei gehörige Soko Glücksspiel hat in den vergangenen Jahren zahlreiche illegal aufgestellte Automaten beschlagnahmt. Doch letztlich führten diese Maßnahmen lediglich zu einer Verlagerung des Spielverhaltens. Die Automaten verloren, die Lotterien, Spielbanken und Online-Spiele legten zu.
Vor allem der Internetkonsum von Jugendlichen beunruhigt Ulla Konrad, Präsidentin des Bundesverbandes für Psychologen. „Der 14-jährige Sohn einer Bekannten hat bei einem Onlinespiel eine immens hohe Summe gewonnen“, berichtet sie. Möglich sei dies, weil im Web Alterskontrollen fehlen.
Einen möglichen Weg im Kampf gegen Spielsucht sehen manche in Verboten – so will die Sektion 8 der SP-Alsergrund beim Bundesparteitag am 13.Oktober einen Antrag zum Verbot des kleinen Glücksspiels vorlegen. Andreas Kreutzer ist dagegen: „Ein Automatenverbot treibt junge Menschen ins Internet oder in die Illegalität. Außerdem greift es verzerrend in den Wettbewerb ein.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)
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