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Soll der Bund das Kindergarten-Chaos lösen?

07.10.2012 | 21:53 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Kinder- und Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) über den Pädagogenmangel in der Bundeshauptstadt und wann er bereit dazu wäre, Kompetenzen an den Bund abzugeben.

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Wien. Sie haben die Nase gründlich voll. In orangen Westen mit Protestaufschrift und unter zum Teil ohrenbetäubendem Trillerpfeifenlärm haben Kinder und Betreuer am Samstag gegen die prekären Arbeits- und Betreuungsverhältnisse in Österreichs Kindergärten protestiert. „Die Presse“ hat mit dem in Wien zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) über deren Forderungen gesprochen.


Die Presse: Österreichs Kindergartenpädagogen haben am Samstag wegen untragbarer Arbeitsbedingungen protestiert. Sind diese in Wien tatsächlich so schlimm?

Christian Oxonitsch: Für mich war das keine Demonstration, die sich gegen Wien gerichtet hat. Es ging ja um bundeseinheitliche Rahmenbedingungen. Wenn man sich die Gehaltstabelle ansieht, dann ist uns mit dem Gehaltspaket vor zwei Jahren, als wir mehr als 18 Mio. Euro für die Gehaltssituation in Wien zur Verfügung gestellt haben, ein ganz wichtiger Schritt gelungen. Wien liegt im Bereich der Einstiegs- und Ausstiegsgehälter im Spitzenfeld.

 

Am Samstag wurde auch gegen die Situation in Wiener Kindergärten demonstriert. Außerdem haben die Kindergärtner auch Punkte wie den Betreuungsschlüssel kritisiert. Der liegt in Wien bei eineinhalb Betreuungspersonen für 20 Kinder.

Also ich denke, dass der Betreuungsschlüssel, den wir derzeit haben, und auch die engagierten und gut ausgebildeten Pädagogen eine ganz wesentliche Grundlage dafür darstellen, dass die Eltern zufrieden sind. Aber verbessern kann man immer was.

 

Ausgerechnet die Leute, die die Kinder betreuen, sagen, der Schlüssel sei nicht in Ordnung. Der Kindergarten verkomme zu einer „Aufbewahrungsanstalt“.

Es gibt immer eine Diskussion zwischen den Beschäftigen und den Dienstgebern. Und es ist immer zulässig, dass Beschäftigte für ihre Interessen Demonstrationen abhalten und Forderungen stellen. Für mich ist das aber eine klare Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die hat man immer.

Wenn man sich internationale Standards ansieht, dann kommen etwa in Schweden auf 20 Kinder drei bis vier Erwachsene.

Dass teilweise kleinere Betreuungsgruppen international ein Standard sind, stimmt. Ich glaube trotzdem, man sollte sich die Details dort ansehen. Da geht es um die Gruppengröße und die verfügbaren Räumlichkeiten – und da liegen wir in Wien mit drei Quadratmetern pro Kind bundesweit an der Spitze. Eine Verkleinerung der Gruppenzahl ist automatisch eine Reduktion des Platzangebotes.

 

Sie könnten ja auch einfach mehr Leute einstellen.

Die Diskussion über das Personal ist eine, die wir gern führen können, nur angesichts der Tatsache, dass wir schon jetzt 166 Personen für den jetzigen Betreuungsschlüssel suchen, stellt sich die Frage gar nicht. Wir suchen in ganz Österreich wahrscheinlich an die 500 bis 600 Pädagogen.

Glauben Sie nicht, dass der Pädagogenmangel etwas mit den schlechten Rahmenbedingungen zu tun hat?

Nein. Der Pädagogenmangel hat damit zu tun, dass die Standardausbildung in Österreich – nämlich die fünfjährige Bakip – dorthin führt, wo auch die HTL hinführt: Ein Drittel steigt in den Beruf ein, der Rest studiert weiter. In Wien haben wir deshalb die Ausbildungsmodelle „Change“ und „Pickup“ (beides Kollegs für Elementarpädagogik, Anm.) eingeführt. Die sind überlaufen und die Leute wollen dann auch zu 100 Prozent in den Beruf einsteigen.

 

Wie viele sind das?

Die Ausbildung in Wien bringt uns pro Jahr zirka 140 neue Pädagogen. Heuer haben wir 110 aus der Ausbildung bekommen, nächstes Jahr werden es 140. Wir können davon ausgehen, dass sich die Lücke Ende nächsten Jahres zu schließen beginnt.

 

Was tun Sie eigentlich, wenn Sie jemand einmal persönlich erwischt und sagt: „Herr Stadtrat, ich kann die Kinder in unserem Kindergarten wirklich nicht mehr betreuen?“

Dann muss man sich anschauen, was die Ursachen sind. Wir haben ja angesichts der mobilen Betreuung Zuschaltsysteme, die wir den Pädagogen bei Problemfällen bereitstellen. Da gibt es ja diverse Supportsysteme. Ungeachtet dessen haben wir einen Personalschlüssel, der letztendlich gültig ist.

 

Ein weiterer Kritikpunkt der Kindergärtner ist der gesetzliche „Fleckerlteppich“. Wie weit wären Sie bereit, Kompetenzen abzugeben, damit bundesweite Regelungen geschaffen werden können?

Das ist für mich nicht das große Thema. Wenn sich die Wiener Pädagogen das wünschen, dann können wir jederzeit darüber diskutieren. Nur den Wunsch orte ich nicht. Vor allem, wenn man sich die Standards in anderen Bundesländern ansieht.

 

Also wären Sie prinzipiell bereit, Kompetenzen abzugeben?

Die Frage ist, ob es sinnvoll ist oder nicht. Aber ich bin prinzipiell bereit, darüber zu reden.

Auf einen Blick

Christian Oxonitsch (50) ist seit 2009 amtsführender Stadtrat für Bildung, Jugend, Information und Sport in Wien. Seit Oktober 2011 ist er Bundesvorsitzender der Österreichischen Kinderfreunde. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)

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14 Kommentare

Zahme Kindergartenpädagog(inn)en

Ein Protest an einem Samstag trifft natürlich keinen und erregt nur begrenzt Aufmerksamkeit. Ich möchte mal sehen, wenn die Kindergartenpädagog(inn)en einen oder mehrere Wochentage bestreiken würden - kaum eine Berufsgruppe hätte eine dermaßen starke Streikposition. Traut euch endlich mal was, damit der Ernst der Lage endlich deutlich wird!

Der Wunsch nach Bundeskompetenz

wird nicht geortet? Eigenartig - denn schon Stadrätin Laska und Bürgermsiter Häupl unterstützten die langjährige (seit 1999) Forderung des ÖDKH, der Plattform EduCare und anderen. Unterstützten bis zur Landeshauptleutekonferenz, bei der die anderen Landeshauptleute Einhalt boten...
Sicher ist es für einiges nicht so relevant, wer die Vorgaben und Rahmenbedingungen stellt. Doch die Rahmenbedingungen sind in KEINEM Bundesland dem wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend. Die Potentiale unserer Kinder gehen verloren, weil es zum tollen BUNDESWEITEN BILDUNGSRAHMENPlAN keinen BUNDESWEITEN STRUKTURRAHMENPLAN gibt!
Und weil leider noch immer zu wenig verstanden wird, dass BILDUNG FRÜHER ANFÄNGT (also laaaaange vor der Schule) und deshlab massive Investitionen in die elementare Bildung notwendig ist. Überall in Östererreich, denn jedes Budnesland hat massiven Aufholbedarf!

Gast: na genau!!!!
08.10.2012 15:59
1 0

3 Quadratmeter pro Kind?????

Stimmt,3 Quadratmeter pro Kind-darin includiert sind:Garderobe,Waschraum, die Gänge im Haus, der Vorraum.Ach, und überall stehn noch Möbel!!!!!!!!!!!!Wer spielt in leeren Gängen,...???Wer sollte die Kinder dort denn beaufsichtigen??????Reinste Augenauswischerei!!!!!!!Und das Gehalt und die Arbeitsstunden sind miserabel, nicht umsonst haben etliche Kolleginnen nach NÖ gewechselt!!!!

Re: 3 Quadratmeter pro Kind?????

und NICHTS für die Erwachsenen!! Die können wohl fliegen oder oder...

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die geistige zentralplaner elite oesterreichs bei der arbeit

mfg aus dem zivilisierten ausland

Gast: Es ist egal...
07.10.2012 23:01
3 0

Ob Bund oder Gemeinde, so werden keine Probleme gelöst...

Ob das der Bund übernimmt oder bei den Gemeinden bleibt, das Grundübel es findet sich kein Personal, lieber geht Mensch stempeln, und das trotz eines zwar nicht guten Gehalts, aber jenseits, von Verhungern...

Der Grund ist einfach, passiert etwas klopfet Gericht und Staatsanwaltschaft an der Türe, und Österreich hat hervorragende Urteile, die den Beruf sehr versalzen, wie jenes mit dem Baum.

Eigeniniative Null, sämtliches Spielzeug muß geprüft sein, das Baumhaus in 10 Meter Höhe davon dürfen weder Kinder noch Kindergartenpädagogen träumen, höchstens davon das er abgeschnitten wird, aus Sicherheitsgründen.

Wäre ja nicht so schlimm gäbe da nicht so etwas wie unkonventionelle Kindeserziehung im Elternhaus, erstattet Personal Anzeige klopft sofort der Rechtsanwalt der Familie an der Türe, wird keine Anzeige erstattet, klopft Staatsanwaltschaft und Richter an der Türe.

Urlaub, nix da mir 9 Wochen wie bei den Lehrern, das schon längst kein Grund mehr ist, den Beruf zu wählen, als wäre die Betreuung von Kid's ein klax das Mensch dir nichts mir nichts aus dem Handgelenkt macht, da braucht's nicht mal ein Arbeitsruhe Gesetzt, geht schon 16 Stunden Durcharbeiten damit Herr Papa und Frau Mama bis 22:00 Fetzten verkaufen können...

Wer hier noch von Traumberuf spricht, wir schreiben 2012 und nicht 1975!

Gast: bergziege
07.10.2012 22:51
3 0

Bei Rot

sieht und hört man nichts und kennt nur Ausreden.

Gast: Klimt C
07.10.2012 21:56
5 0

Ausgerechnet die Leute, die die Kinder betreuen, sagen, der Schlüssel sei nicht in Ordnung. Der Kindergarten verkomme zu einer „Aufbewahrungsanstalt“.

Ja zu einer Roten Verdummungsanstalt für zukünftige Urnenproleten.

Warum hat Wien ...

... so einen Kindergärtnermangel? Weil sie einfach zu schlecht zahlen. Wer es irgendwie einrichten kann, geht nach Niederösterreich ...

Antworten Gast: Hampfei
08.10.2012 09:49
0 0

Nö.

Niederösterreich zahlt noch schlechter ...

Das ist nicht das ...

... was ich täglich höre. Die Einstiegsgehälter in NÖ liegen lt. AMS im Durschnitt um ca. 200 € höher. (http://wiev1.orf.at/stories/396956)

Antworten Antworten Antworten Gast: kasperlkrokodil
08.10.2012 11:55
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Re: Das ist nicht das ...

Die 200 Euro sind durch das Pendeln rasch wieder weg, vom Zeitverlust ganz zu schweigen.

Wenn Sie das sagen ...

Ich behaupte, das kommt auf den Wohnort an, auch innerhalb der Stadt gibt es einen Anfahrtsweg, und Pendlerpauschale gibts auch noch ...

Es ist jedenfalls, das kann ich aus meiner Erfahrung sagen, ein reales Problem.

Gast: Wiener Wohnen
07.10.2012 19:31
11 1

Oxonitsch zählt zu jenen Politikern,

bei denen man wirklich ganz vorsichtig sein muss. Ich halte ihn für nicht sehr intelligent.