Parkpickerl auch für Währing? Rot-Grün überlegt

Die SPÖ überlegt, mit den Grünen im Bezirksparlament die ÖVP zu überstimmen. „Die Stimmung im Bezirk ist gekippt.“ Das erklärt der SP-Chef von Wien Währing, Josef Eichinger, im Gespräch mit der "Presse".

Parkpickerl auch fuer Waehring
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Parkpickerl auch fuer Waehring
(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Wien. Eine Protestlawine überrollt die Bezirksvertretung Währing und das Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou. Aberdutzende Mails, Briefe und Anrufe werden registriert. Grund: Seit der Ausweitung des Parkpickerls am 1.Oktober auf Bezirke außerhalb des Gürtels ist das Abstellen von Autos in Währing fast unmöglich. Dort gibt es kein Parkpickerl. Noch nicht? Die SPÖ überlegt jetzt, mit den Grünen einen Beschluss auf „Einführung der Parkraumbewirtschaftung“ im Bezirk herbeizuführen.

„Die Stimmung im Bezirk ist gekippt.“ Das erklärt der SP-Chef von Wien Währing, Josef Eichinger, im Gespräch mit der „Presse“. Deshalb sammelt er im Bezirk Unterschriften für die Pickerleinführung: „Der Unmut ist sehr groß, weil die Überparkung enorm ist. Und es wird nur noch schlimmer.“

Die Grünen beantragen eine Sondersitzung der Bezirksvertretung. Ob dabei die SPÖ ein Parkpickerl beantragen wird? Eichinger: „Dafür ist es zu früh.“ Die SPÖ will noch weiter Unterschriften sammeln. In der Resolution an Bezirksvorsteher Karl Homole (VP) heißt es: „Mehr Autos, mehr Lärm, aber keine Parkplätze – ist das die Zukunft des 18.Bezirks? So kann es nicht weitergehen!“ Das Problem für die SPÖ: Homole hat erst im Frühjahr eine Bürgerbefragung veranstaltet. Ergebnis: 64 Prozent waren gegen ein Parkpickerl. Bezirks-SP-Chef Eichinger: „Viele geben heute zu, dass sie damals gegen das Parkpickerl gestimmt haben, aber die Folgen nicht absehen konnten.“ Die SPÖ hat an 30.000Haushalte Werbematerial verschickt. Eichinger: „Wenn wir mehr als 5000 Unterschriften erreichen, dann kann man verantworten, dass man einen Antrag für ein Parkpickerl einbringt.“ (Das ist jene Summe von Bürgern, die bei der Bezirksbefragung für das Pickerl gestimmt hatten.) Die Zustimmung der Grünen wäre wohl gewiss. Und auch die Mehrheit: Gemeinsam verfügt Rot-Grün im 18. Bezirk über die Mehrheit.

Einigt sich Rot-Grün, wird in Währing das Parkpickerl eingeführt – gegen den Willen von Homole. Denn der Antrag würde direkt an den Magistrat gehen, der Bezirkschef hat in diesem Fall kein Vetorecht. Am Sonntag kommentierte Homole das nur knapp: Wenn Rot-Grün das Pickerl in Währing einführen möchte, könne er das nicht verhindern.

Nicht nur in Währing sorgt das neue Parkpickerl für Ärger, auch im angrenzenden Hernals formiert sich Widerstand in Form einer Bürgerinitiative. „Bürgermeister Häupl hat vor der Einführung saubere Luft, weniger Verkehr und einen Parkplatz vor der Haustüre für alle Wiener propagiert – demnach hört Wien aber hinter der Güpferlingstraße auf“, wird kritisiert. Jenseits der Parkpickerlgrenze müssten die Bewohner mit den Folgen des Verdrängungseffekts leben. Das sei unzumutbar. Konkret fordert die Bürgerinitiative ein neues Verkehrskonzept für die Gegenden jenseits der Pickerlgrenzen.

 

Garagen werden gestürmt

Mit Einführung des Parkpickerls hat die Stadt mit Garagenbetreibern eine Aktion gestartet, bei der Garagenplätze um 30 Prozent verbilligt angeboten werden. Das hat dazu geführt, dass am Sonntag mehrere Garagen in Währing (Sandleitengasse, Meidlinger Markt, Ludo-Hartmann-Platz und Jörgerstraße) völlig ausgebucht waren.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.wien.gv.at/verkehr/parken/garagen/aktion/index.html

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

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