Blumau. „Eingebettet in das wunderschöne Hügelland der oststeirischen Thermenregion liegt die Gemeinde Bad Blumau mit ihrer einzigartigen Hundertwassertherme.“ So charakterisiert sich der Kurort via Homepage. Die Idylle trügt. Der Friede ist durch ein riesiges Glaushausprojekt des Obstvermarkters Frutura gestört.
27 Hektar groß soll jene Fläche sein, auf der ganzjährig Tomaten, Paprika, Gurken angebaut werden. Ökologisch verträglich beheizt über unterirdische Thermalquellen. Eine Thermalquelle, die das Rogner Bad Blumau für ihr von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Thermalbad nutzt. „Dieses Projekt birgt große Gefahren für unser Hotel“, sagt Robert Rogner jun. im Gespräch mit der „Presse“. Er befürchtet Beeinträchtigungen der Quelle. „Unser gesamtes System ist abhängig vom Thermalwasser. Wir heizen auch damit.“ Ende 2011 sei Frutura an ihn herangetreten. Erst sei es um ein vier bis sechs Hektar großes Projekt gegangen, das Restwärme aus der Therme hätte nutzen sollen. Erst seien die Verhandlungen gut gelaufen, dann habe Frutura plötzlich eine andere Richtung eingeschlagen. „Das aktuelle Projekt hat mit unseren ursprünglichen Plänen nichts mehr zu tun. Es ist mit nachhaltigem, sanftem Tourismus nicht vereinbar.“
Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, Familie Rogner ist dabei. „Wir versuchen klar zu machen, was dieser Komplex für Ort und Bevölkerung bedeutet“, sagt Sprecher Bernhard Salomon. Die Initiative hat sich mit einem offenen Brief an Spar-Chef Gerhard Drexel gewendet. Die Lebensmittelkette wäre Hauptabnehmer des Gemüses. Auf Nachfrage der „Presse“ sagt Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar: „Wir halten das für eine gute Idee, aber wir sind weder finanziell beteiligt, noch sind wir Auftraggeber.“
Die Kritiker des Glashausprojekts befürchten, dass die Quelle durch eine weitere Bohrung und industrielle Nutzung versiegt. Und dass die Lebensqualität des Kurortes so sehr eingeschränkt wird, dass das Prädikat „Bad“ verloren geht. „Es gibt Grenzwerte für Lärm und Abgase, wenn diese überschritten werden, verliert Bad Blumau seinen Status als Kurort“, so Rogner jun. Das Kurortegesetz ist im Ressort für Gesundheit und Wissenschaft von Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder angesiedelt. Auf Nachfrage der „Presse“ heißt es: Es müssten gravierende Lärm- sowie Geruchsbelästigungen vorliegen, damit der Status eines Kurortes verloren geht. Das Projekt werde aber geprüft.
„Tomaten wachsen leise“
Frutura schätzt die Lage naturgemäß anders ein. Das Projekt sei umweltverträglich und würde die Therme nicht beeinträchtigen. „Rogner entnimmt das Wasser vor uns. Wir entziehen nur die Wärme, jeder Liter wird in den Kreislauf zurückgeführt“, sagt Manfred Hohensinner, Geschäftsführer von Frutura. Außerdem sei der Komplex 4,5 Kilometer von der Therme entfernt. Rogner hätte unerfüllbare Forderungen gestellt.
„Sie versuchen das Projekt zu verhindern, weil sie sich verpokert haben.“ Der Ankauf der Grundstücke läuft. Pikanterweise ist auch Bürgermeister Franz Handler Vertragspartner: „Ja, ich habe 4100 Quadratmeter verkauft. Ich habe mich in dieser Sache befangen erklärt.“ Entscheidungen der Gemeinde in der Sache sollen ohne ihn fallen. Handler: „Aus meiner Sicht wird die Belastung durch Gestank und Lärm nicht besonders groß sein. Tomaten wachsen ja sehr leise.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)
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