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Blumau: Hotelier Rogner gegen Spar

19.10.2012 | 18:30 |  MARTINA LEINGRUBER (Die Presse)

Ein Obstvermarkter will einen Glashauskomplex bauen. Die Wärme soll aus der Quelle der Hundertwassertherme kommen. Im Kurort regt sich Widerstand.

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Blumau. „Eingebettet in das wunderschöne Hügelland der oststeirischen Thermenregion liegt die Gemeinde Bad Blumau mit ihrer einzigartigen Hundertwassertherme.“ So charakterisiert sich der Kurort via Homepage. Die Idylle trügt. Der Friede ist durch ein riesiges Glaushausprojekt des Obstvermarkters Frutura gestört.

27 Hektar groß soll jene Fläche sein, auf der ganzjährig Tomaten, Paprika, Gurken angebaut werden. Ökologisch verträglich beheizt über unterirdische Thermalquellen. Eine Thermalquelle, die das Rogner Bad Blumau für ihr von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Thermalbad nutzt. „Dieses Projekt birgt große Gefahren für unser Hotel“, sagt Robert Rogner jun. im Gespräch mit der „Presse“. Er befürchtet Beeinträchtigungen der Quelle. „Unser gesamtes System ist abhängig vom Thermalwasser. Wir heizen auch damit.“ Ende 2011 sei Frutura an ihn herangetreten. Erst sei es um ein vier bis sechs Hektar großes Projekt gegangen, das Restwärme aus der Therme hätte nutzen sollen. Erst seien die Verhandlungen gut gelaufen, dann habe Frutura plötzlich eine andere Richtung eingeschlagen. „Das aktuelle Projekt hat mit unseren ursprünglichen Plänen nichts mehr zu tun. Es ist mit nachhaltigem, sanftem Tourismus nicht vereinbar.“

Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, Familie Rogner ist dabei. „Wir versuchen klar zu machen, was dieser Komplex für Ort und Bevölkerung bedeutet“, sagt Sprecher Bernhard Salomon. Die Initiative hat sich mit einem offenen Brief an Spar-Chef Gerhard Drexel gewendet. Die Lebensmittelkette wäre Hauptabnehmer des Gemüses. Auf Nachfrage der „Presse“ sagt Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar: „Wir halten das für eine gute Idee, aber wir sind weder finanziell beteiligt, noch sind wir Auftraggeber.“

Die Kritiker des Glashausprojekts befürchten, dass die Quelle durch eine weitere Bohrung und industrielle Nutzung versiegt. Und dass die Lebensqualität des Kurortes so sehr eingeschränkt wird, dass das Prädikat „Bad“ verloren geht. „Es gibt Grenzwerte für Lärm und Abgase, wenn diese überschritten werden, verliert Bad Blumau seinen Status als Kurort“, so Rogner jun. Das Kurortegesetz ist im Ressort für Gesundheit und Wissenschaft von Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder angesiedelt. Auf Nachfrage der „Presse“ heißt es: Es müssten gravierende Lärm- sowie Geruchsbelästigungen vorliegen, damit der Status eines Kurortes verloren geht. Das Projekt werde aber geprüft.

 

„Tomaten wachsen leise“

Frutura schätzt die Lage naturgemäß anders ein. Das Projekt sei umweltverträglich und würde die Therme nicht beeinträchtigen. „Rogner entnimmt das Wasser vor uns. Wir entziehen nur die Wärme, jeder Liter wird in den Kreislauf zurückgeführt“, sagt Manfred Hohensinner, Geschäftsführer von Frutura. Außerdem sei der Komplex 4,5 Kilometer von der Therme entfernt. Rogner hätte unerfüllbare Forderungen gestellt.

„Sie versuchen das Projekt zu verhindern, weil sie sich verpokert haben.“ Der Ankauf der Grundstücke läuft. Pikanterweise ist auch Bürgermeister Franz Handler Vertragspartner: „Ja, ich habe 4100 Quadratmeter verkauft. Ich habe mich in dieser Sache befangen erklärt.“ Entscheidungen der Gemeinde in der Sache sollen ohne ihn fallen. Handler: „Aus meiner Sicht wird die Belastung durch Gestank und Lärm nicht besonders groß sein. Tomaten wachsen ja sehr leise.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

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5 Kommentare
Gast: dienstag
23.10.2012 12:02
0 0

weiter denken

Ganzjährige Kulturen in Glashäusern sind ja auch ökologisch zu hinterfragen, es geht ja nicht nur um die geothermische Nutzung der Quelle, man braucht ja auch für eine ganzjahres Nutzung viel Strom da ja in den Wintermonaten auch viel beleuchtet werden muß. Auswirkungen für die heimischen Wildtiere und Pflanzen werden gar nicht angedacht denn 27 ha Glashäuser leuchten sehr weit. Des weiteren werden heimische Gemüsebauern verdrängt, wer kann schon mit so einem Megaprojekt mithalten, aber diese Familienbetriebe pflegen noch so nebenbei kostenlos die Landschaft. Saisonale Ernährung wäre hier viel sinnvoller.

baut die glashäuser

weg mit den satierten dauerquerulanten

zu bedenken

in den glashäusern würden ganzjährig gesunde gemüsesorten gezogen welche mit energie aus dem eigenen land wachsen , ohne die chemieverseuchung der spanischen oder italienischen giftzüchter. man sollte auch die co² belastung betrachten da diese nicht über tausende km herangekarrt werden müßten, zb wie erdäpfel aus israel, ägypten oder paradeiser und paprika aus marokko udgl. und zum schluß bitte zu bedenken, die rognertherme ist eine therme für die besseren und denen ist scheißegal wo der rest vonösterreich sein fressen herbekommt, sie könnten sich ja die höheren preise für bio-früchte oder früchte aus aller herren länder leisten und husten aufs gemeine volk.

Gast: Glashaus
20.10.2012 22:36
2 0

Rogner Millionenförderungen

Wahrscheinlich hat der Rogner dem Bund, Land und Gemeinde bis jetzt mehr gekostet als er gebracht hat.

Gast: beleidigte leberwurst
20.10.2012 16:38
1 0

Landschaft wird immer mehr versaut...

Das ist mehr als eine saublöde Bemerkung: Tomaten wachsen leise!!!
Wird hier in Blumau die Bevölkerung genauso verscheißert, wie in Ebergassing??? Wir sind zwar kein Luftkurort, im Gegenteil, eigentlich eine IGL-Zone, aber trotzdem versucht man uns eine Mega-Logistikzentrum vor die Ortseinfahrt hinzuknallen. Wir wehren uns mit Händen und Füßen!!! Googelt mal nach Bürgerinitiative Ebergassing... Ich versteh die Blumauer!! Wehrt euch, so wie wir uns wehren. Immer mehr Landschaft wird versaut, es zählt nur mehr Wirtschaft, Geld, Macht. Politikverdrossenheit nimmt zu....