Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat einen Auslieferungsstopp über seine Grippe-Impfstoffe in Österreich verhängt. Grund ist ein Verdacht des italienischen Gesundheitsministeriums, dass die Mittel möglicherweise schädliche Nebenwirkungen auslösen könnten. In den Spritzen wurden weiße Partikel festgestellt. Die italienischen Behörden stoppten den Verkauf am Mittwoch. Ähnlich reagierte die Schweizer Behörde Swissmedic.
Um die Vorwürfe zu prüfen, stellte Novartis die Auslieferung der Impfstoffe Optaflu und Fluad auch in Österreich ein - eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie das Unternehmen betont. Laut dem Chef der österreichischen Arnzeimittelagentur AGES PharmMed, Marcus Müllner, ist auch der Impfstoff Sandovac betroffen.
Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) empfiehlt, auf Alternativpräparate auszuweichen. "Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, Hinweise auf eine Gefährdung für Patienten liegen derzeit nicht vor. Das BASG hat die Evaluierung der vorliegenden Daten bereits eingeleitet, der Prozess wird jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen."
In Deutschland beriet am Donnerstag das Paul-Ehrlich-Institut. Laut Meldungen der Nachrichtenagenturen sind in Italien knapp 490.000 Impfdosen betroffen, in der Schweiz 160.000.
Fluad, Optaflu, Sandovac
Für die Zeit bis zur Klärung stehen laut BASG in Österreich folgende Alternativpräparate zur Verfügung:
Vaxigrip, Fluarix, Influvac
Teilweise noch nicht ausgeliefert
Müllner erklärt "In Österreich waren Optaflu und Fluad noch nicht ausgeliefert (an Großhandel und Apotheken, Anm.)." Allerdings seien rund 45.000 Dosen Sandovac bereits irgendwo in der Lieferkette (Großhandel, Apotheken). Donnerstag wurde daran gearbeitet, festzustellen, wo sich die Impfstoffe befinden. Von einer Verwendung werde einstweilen abgeraten.
Novartis in Wien betont,, dass sich während des Herstellungsprozesses von Vakzinen solche "small particles" bilden könnten. Sie würden kein Sicherheits- oder Wirksamkeitsproblem darstellen. Allerdings könnte die Frage auftauchen, ob bei der Anwendung betroffener Vakzine die Impflinge dann noch genügend Antigen verabreicht bekommen, die eine schützende Immunreaktion in verursachen. Die Sprecherin von Novartis weiter: "Wir haben in klinischen Studien und im Zuge der bisherigen Anwendung keine unerwarteten Nebenwirkungen registriert."
Gesundheitsministerium prüft
Von Seiten des österreichischen Gesundheitsministeriums sind vorläufig keine ähnlichen Schritte wie in Italien geplant. Auf das von Novartis vorgelegte Gutachten werde man sich aber nicht verlassen, erklärt Sigrid Rosenberger, Pressesprecherin von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), Donnerstagfrüh gegenüber DiePresse.com: "Wir prüfen derzeit, was hinter den Vorwürfen steht." Selbst wenn es gegenüber des Novartis-Impfstoffs Bedenken geben würde, wäre das aber kein Problem für die Impf-Saison. Es gebe genügend Grippeimpfstoffe auf dem Markt. "Außerdem ist die Durchimpfung jetzt nocht nicht aktuell, die meisten Menschen gehen erst im Dezember impfen." Im Laufe des Donnerstags erhofft das Ministerium Ergebnisse der eigenen Untersuchungen.
Laut Novartis seien in diesem Jahr alle für Österreich bestimmten Influenza-Vakzine etwas später verfügbar gewesen. Dies hätte an der Zusammensetzung der Impfstoffe gelegen. Eine Wiener Allgemeinmedizinerin hatte sich schon in den vergangenen Wochen gewundert: "Ich habe noch im September Fluad- und Optaflu bei einem Wiener Apotheker bestellt und bisher keine Impfstoffe bekommen." Informationen über Lieferschwierigkeiten gab es - bis Mittwochabend aus dem Ausland - auch keine. Vergangene Woche hatte es am Rande einer Veranstaltung, an der hunderte im Gesundheitswesen Beschäftigte teilgenommen hatten, sinngemäß von einem Firmenvertreter geheißen: "Jetzt haben wir endlich den Impfstoff."
Das bisherige Glück an der Geschichte: Bisher gibt es noch keine saisonale Influenza in Österreich. Für die Impfungen steht noch genügend Zeit zur Verfügung. Werden allerdings bei den Untersuchungen doch Bedenken laut, fallen die Novartis-Produkte aus. Influenza-Impfstoffe werden jedes Jahr nur über eine gewisse Produktionsperiode hinweg hergestellt. Nachlieferungen im großen Stil sind faktisch zeitgerecht nicht möglich.
(APA/Red.)
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