Ex-Bankräuber bekommt 63.000 Euro der Beute zurück

25.10.2012 | 13:47 |   (DiePresse.com)

Da die Edelmetalle an Wert mit der Zeit gestiegen sind und alle Ansprüche gedeckt sind, weist das Landesgericht die Zahlung an den Räuber an.

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Ein Beteiligter an einem Bankraub wird verurteilt, gibt die Beute zurück, sitzt seine Strafe ab und - bekommt 25 Jahre später rechtlich einwandfrei 63.000 Euro Rest-Beute ausgezahlt. Der Wiener Rechtsanwalt Herbert Eichenseder hat die Geschichte so erlebt. "Das Wiener Landesgericht hat die Sache von Mai bis Oktober dieses Jahres geprüft. Und weil kein Geschädigter mehr da ist, habe ich das Geld an meinen ehemaligen Mandanten weitergeleitet. Was er damit jetzt tut, das weiß ich nicht", kommentierte Herbert Eichenseder am Donnerstag die skurrile Geschichte. Das Landesgericht hatte ihm quasi eine übrig gebliebene Beute - 63.000 Euro - eines ehemaligen Wiener Bankräubers überwiesen.

Mehrere Wiener Zeitungen berichteten am Donnerstag von dem Fall. Der Mann, ehemals ein Bankkassier, hatte vor fast 20 Jahren (1993) zwei Komplizen dazu angestiftet, "seine" Bankfiliale in Wien-Döbling zu überfallen. Erbeutet wurden damals 2,3 Millionen Schilling (heute 167.000 Euro) in Geld, Edelmetallbarren und Goldmünzen. Die Bande flog auf. Der Mann wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, kam nach dreieinhalb Jahren frei. Bei dem Prozess hatte er über seinen Anwalt einen Teil der Beute als Wiedergutmachung bei Gericht deponiert.

Goldwert gestiegen - Schaden gedeckt

Im Frühjahr 2012 erhielt der Rechtsanwalt plötzlich eine Nachricht des Wiener Landesgerichts auf Bekanntgabe der Kontonummer, auf die man quasi einen übrig gebliebenen Beute-Anteil in der Höhe von 63.000 Euro überweisen wolle. Eichenseder prüfte die alten Unterlagen, auch das Landesgericht prüfte. Doch bei der ehemals betroffenen Bank und bei deren Versicherung erklärte man sinngemäß: "Kein Geschädigter mehr vorhanden." Der Wert der ehemals deponierten Edelmetalle hatte sich im Laufe der Jahre so gesteigert, dass eben bei der Verwertung mehr herausgekommen war, als ursprünglicher Schaden entstanden war. Worauf der Anwalt das Geld bekam - und vor kurzem an seinen Ex-Mandanten weiterleitete.

(APA)

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65 Kommentare
 
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Typisch Europa und vor allem Typisch Österreich.

Selbst gerne als Moralapostel aufspielen und über andere Urteilen. Dann so was. Kein Wunder das so viele Europa nicht ernst nehmen können.

Gast: James Laessig
28.10.2012 09:53
0 0

Schlecht geschrieben

Der Artikel ist nicht besonders gut geschrieben. Ich glaube, viele hier haben nicht verstanden, was passiert ist:
- Täter überfällt Bank, wird gefasst.
- Bank kriegt Geld von der Versicherung ausbezahlt, ab da hat sie kein Interesse mehr an dem Fall.
- Versicherung kriegt Geld vom Täter zurück, auch die haben keine offenen Forderungen mehr.
- Beim damaligen Verfahren blieb etwas Geld übrig, weil die gestohlenen Edelmetalle verkauft wurden und der Preis zwischen Raub und Verkauf gestiegen sind. Das überschüssige Geld lag dann 20 Jahre lang beim Gericht.
- Der Anwalt kriegt das Geld überwiesen, weil er damals auch das ursprüngliche Geld für seinen Mandanten überwiesen hat.
- Er fragt überall nach - Bank hat keine offenen Forderungen, Versicherung auch nicht. Ihm gehört's auch nicht. Also gibt er's an den Täter zurück, von dem es ja ursprünglich stammte.

Übrigens wurde das 1997 geändert, siehe § 20 StGB. Das Geld bekommt seitdem der Staat. Ein heutiger Bankräuber würde also nichts mehr bekommen.

Antworten Gast: Land der Hämmer
30.10.2012 08:23
0 0

Re: Schlecht geschrieben

Juristen neigen vielfach dazu, Sachverhalte formal zu beurteilen.
Die Mehrzahl der Diskutanten in diesem Forum (mutmaßlich Nichtjuristen) scheint hingegen der Rechtsauffassung zu sein, daß Straftaten jedenfalls keinen Rechtstitel für den Täter und seinen Rechtsanwalt an den geraubten (gestohlenen, veruntreuten etc.) Objekten begründen können.
Das Gericht hat es offenbar 20 Jahre lang unterlassen, die ihm zur Wiedergutmachung überlassenen Werte den Geschädigten (Bank, Versicherung) zu übertragen und hat das Problem nunmehr auf die schnelle und formal begründete Art (Postbeamten-Handlungsgrundsatz: Empfänger unbekannt, zuück an Absender) aus der Welt zu schaffen versucht, der Rechtsanwalt ebenso.

Gast: Urul Zerlman
27.10.2012 20:56
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Land der Hämmer und Hämmerinnen

Das war wohl die Meldung zum Nationalfeiertag.
Man weiß als Österreicher nicht recht, ob man lachen oder sich genieren soll.

Skurill

Jetzt versteh ich erstmals die soziale Logik, der gemäß im Finanzbereich Gewinne einverleibt werden und nur Verluste sozialisiert.

In diesem Falle wurde einfach die Bankräuber als "Bank" behandelt und folgerichtig abgerechnet.

100.000 Neider hier im Forum. Ich lach mich weg.

Ich werd mit dem Geld auf jeden Fall erstmal in den Urlaub fahren. Ihr Spießer bleibts daham.

Gast: yoshi1
26.10.2012 20:21
3 0

Unverständnis

Das Edelmetall ist im Wert gesteigen, ok. Aber wäre es beim rechtmäßigem Besitzer geblieben hätte dieser den Wertzuwachs in seinem Vermögen gehabt, ergo muss dieser doch sehr wohl einen Schaden darstellen? Selbst wenn die Geschädigten mittlerweile verschieden oder unauffindbar sind müssten die allgemeinen Vorschriften des Erbrechts zur Anwendung kommen - also sind Erben und subsidiär der Staat die Geschädigten.

Wo bitte ist mein Denkfehler?

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Re: Unverständnis

das versteh ich auch nicht. und auch nicht, warum nur einer von drei beteiligten "räubern" da geld zurück(?) bekommt ...

Gast: Lauter VollP.osten (f)
26.10.2012 19:38
0 0

Habt s ein' Dachschaden?


Die Rechtslage in solchen Fällen ist die, dass eventuelle "Guthaben" an den Staat zurückfließen. Alle die sich liebengerne auf diese Art und Weise finanzieren würden- ihr seid 1/10 Jhdt. zu spät dran. :DDD


Gast: ZARA
26.10.2012 18:57
1 5

Waaaaahnsinn! Da springt die rechte Neidgesellschaft wieder hinter ihrem feuchten braunvermoosten Stein hervor und begehrt auf! Dabei hat sie eh selber schon genug weggesteckt!

Diese Dauerhass- und Berufshetzposter gehen uns schon derart auf die Nerven, ich sags Euch!
Wen kratzt es was andere Geld bekommen. Fragt Euch lieber was Ihr für den Staat machen könnt und wie man Euren Verdienst und Euer Vermögen am gerechtesten umverteilen kann. Das ist das wichtigste momentan, solche Lösungen stehen an!

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Bankräuber

Österreich ist echt der größte Trottelstaat. Mir kommt das speibn!!!!!

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Re: Bankräuber

Nein nicht Österreich, nur unsere Justiz

Antworten Gast: "gelernter" österreicher
26.10.2012 22:47
0 0

Re: Bankräuber

na,"normal" sind die pfeifen in unserer "verwaltung" schon lang nimmer...

Gast: bergziege
26.10.2012 17:53
2 1

Man versteht die Welt nicht mehr

Hätte man dieses Geld nicht z.B. dem St. Anna Kinderspital oder einem Hospiz zukommen lassen können? Dem "ehrlichen" Ex-Bankräuber steht es am allerwenigsten zu.

Gast: RB21
26.10.2012 15:54
5 1

An den Staat - was sonst?

Hätte es sich um eine Verlassenschaft gehandelt, bei dem kein Erbe ermittelt werden kann, ginge das Geld an den Staat. Ist das wirklich so schwer zu verstehen? Das wäre doch eine faire Lösung gewesen, immerhin hat der Bankräuber ja eine geraume Zeit auf Staatskosten in Vollpension gewohnt. Man sieht an diesem Beispiel aber sehr schön, wie verkommen unser Rechtssystem bereits ist. Erkennt von den maßgeblichen Stellen in der Justiz niemand die fatale Optik, die da entstanden ist?!

Sympathisch

Also ich gönns ihm. Ich gehe zwar lieber arbeiten für mein Geld, aber hey, kein falscher Neid hier. Und soviel ist das auch wieder nicht. Also ich finde die Geschichte amüsant

lauter Wahnsinnige

Ich gehe jetzt nicht mehr arbeiten, denn ich verdiene bei diesen Trotteligen Gesetzen als Räuber wesentlich mehr !!!

Gast: idefixgota
26.10.2012 12:24
0 0

Hallo?? Ist da jemand??

geht eh nimma! da finanz fließt des gonze jez zua.

Gast: Kleine Bankster Rechenaufgabe für zwischendurch
26.10.2012 12:10
1 0

2,3 Millionen Schilling (heute 167.000 Euro) in Geld, Edelmetallbarren und Goldmünzen

fehlend- dies schmälert ja das Eigenkapital der Banken.

Bei üblicher Bankeneigenkapitalquote in Österreich - wie viel digitales Kreditgeld können die Banken dann basierend auf diese Summe weniger als Anspruch auf gesetzliches Geld (Euro-Scheine, Euro-Münzen in EU-Raum) vergeben und wieviel weniger können Banken somit (den Anspruch auf) die (gesetzliche) Geldmenge im Umlauf erhöhen?

Wie viel weniger Inflationsgefahr schafft ein derartiger Bankraub geschätzt in der EU und global, wenn man davon ausgeht, dass 80-95% des "Geldes" im Umlauf von normalen Banken per Kreditvergabe als Anspruch auf gesetzliches Geld per Fiat Money-Kreditschöpfung aus dem Nichts geschaffen werden, wenn eben Eigenkapital (siehe oben) fehlt?

Hierfür bitte die fehlenden Daten wie die Kreditmenge, die Banken per Fiat Money im EU-Raum oder global schaffen, selbst eruieren mit den gewonnenen Daten gegenrechnen.

Gast: Markus Trullus
26.10.2012 11:43
3 0

so was gibts, was es gar nicht geben dürfte...

Wahrscheinlich ließ unsere perverse Rechtslage nichts anderes zu, und es gibt endlos viel "scheintotes Recht", wo in solchen Fällen dann so ein Korx herauskommt. Dem Richter da Schuld zuzuschieben wäre falsch....

Gast: Safer
26.10.2012 11:34
1 0

Jetzt noch Buch- und (Hollywood^^-)Filmrechte verkaufen

Jetzt noch Buch- und (Hollywood^^-)Filmrechte verkaufen - davor viele Interviews geben, einige große Exklusivinterviews (zB Bild^^-Interview etc) sich bezahlen lassen. Selbes mit TV-Show Auftritten.

Dazu etwas Merchandising und der Typ wird zumindest Millionär auch noch. Mulitimillionär gut machbar.
Womöglich legt er dann auch etwas Geld auf eine Bank ;-)

- den Banken ist eigentlich eh immer egal, woher das Geld kommt (global sowieso- siehe große Investmentbanken mit diversen Kriegsfinanzierungen, Drogengeldwaschen an der Wall Street etc)- diese zocken sich ja auch gegenseitig und die Kunden sowieso immer ab.

Gast: Henry F
26.10.2012 11:09
5 1

Ohne Räuber hätten die Banken das Geld sicher verzockt

Ohne Räuber hätten die Banken das Geld sicher verzockt- so wurde eine temporäre Wertanlage geschaffen, der Schaden beglichen, auch der Räuber hat seinen Bonus bekommen.

Betreff mancher die sich wundern, dass der Fall seltsam, ungerecht, gar unlogisch ist- naja-
da rate ich mal sich mit dem Finanzwesen und dem Geldsystem im Detail zu befassen.

10 0

Was ist mit den Kosten, die der Bankräuber durch seinen Gefängnisaufenthalt dem Staat verursacht hat?


Gast: Haflinger
26.10.2012 10:55
9 0

Schildbürgerstreich

63 000 Euro entsprechen einem durchschnittlichen Jahresgehalt von: 18 000 Euro netto, für dreieinhalb Jahre Strafhaft eines verurteilten Räubers.
Diesen Betrag verdienen viele Menschen in derselben Zeit nicht einmal, wenn sie arbeiten gehen.
So etwas Verrücktes habe ich noch nicht erlebt.

Antworten Gast: Gute Stute
26.10.2012 11:50
3 0

Re: Schildbürgerstreich

Dann haben Sie den ESM, diverse Logiken hinter "Bankenrettungen und Staat nimmt Geld bei Banken auf, um Banken zu retten" wohl verpasst und auch das Fiat Money-Geldsystem noch nie genau im Detail betrachtet, um nur drei Finanzen verbundene Verrücktheiten spontan zu nennen.

KeSt.? od. Spekulationssteuer?..??

..und wir braven Sparer bringen unser Geld ZUR Bank?!..Zahlen dann für die 0.125% Zinsen auch noch KeSt.....wie blöd ist das denn????... kann nur sagen Respekt, Herr Bankräuber, Geld veranlagen obwohl es dir gar nicht gehört und dann noch fett Zinsen bekommen!

 
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