Wien. Mittlerweile sollte aus den Räumen im Wiener Gasometer längst Musik dringen. Doch anstelle von Gitarrenklängen, Gesängen und Schlagzeugrhythmen ist nur der Lärm von Bohrern und ein bisschen Hämmern zu hören. Hinter einer Absperrung liegen Paletten mit Spanplatten. Lose Kabel hängen von den Wänden. Alles in allem eine einzige Baustelle. Trotzdem: Die Wiener Pop-Akademie hat seit September geöffnet.
Was wie ein schlechter Scherz mitten im Oktober klingt, ist das Produkt einer missverständlichen Kommunikation auf der Homepage und einem zu späten Baubeginn, der die rechtzeitige Fertigstellung der Pop-Akademie im September (und damit rechtzeitig zu Semesterbeginn) verzögert hat.
„Wir haben den Betrieb schon aufgenommen, müssen aber auf Räume der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule in der Erdbergstraße und des Evangelischen Gymnasiums in der Donaustadt ausweichen“, sagt Hanns Stekel, Direktor der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule (JSBM), zu der die Pop-Akademie gehört.
Stadt zahlt 1,2 Mio. Euro
Schuld daran sei die zu späte Entscheidung für den Bau der Schule gewesen. Das Projekt wird mit 1,2 Millionen Euro von der Stadt Wien finanziert. „Bis Anfang des Semesters sind wir jetzt nicht fertig geworden“, sagt er.
Eine Situation, die ihn nicht glücklich macht. „Für uns ist das natürlich schwer“, sagt Stekel. Weil die Räumlichkeiten fehlen, konnte nur ein Teil des regulären Schulbetriebs aufgenommen werden. Kurse wie Songwriting, Gesang oder E-Gitarre, die keine spezielle Infrastruktur brauchen. „Das Tonstudio fehlt“, sagt Stekel. Auch die geplante Kleinbühne – der „Cube“ – ist noch nicht fertig. Das erste Konzert der Pop-Akademie fand daher in der Evangelischen Schule am Karlsplatz statt. Abgesehen vom regulären Betrieb gibt es auch die Workshops, die sonst laufend angeboten werden sollen, noch nicht. Es gibt einfach keinen Platz.
Die Eröffnung der Pop-Akademie verschieben wollten Stekel und die Stadt Wien (zuständig ist Stadtrat Christian Oxonitsch) aber auch nicht. „Wenn man die Schüler nicht gleich am Semesteranfang bekommt, dann bekommt man sie gar nicht“, sagt Stekel.
Trotzdem erklärt das nicht, warum auf der Homepage nicht klar ersichtlich ist, dass die Schule noch quasi im Notbetrieb funktioniert. „Die Pop-Akademie hat im September 2012 im Gasometer ihre Pforten geöffnet“, steht dort geschrieben. Unter „Kontakt“ ist die „Guglgasse 8, Gasometer B“ angegeben. Die Anfahrt erfolgt über die U3-Station Gasometer.
„Die Ausweichräume liegen ja praktisch neben dem Gasometer“, sagt Stekel. Das stimmt bei den Kursen in der Erdbergstraße, ist wohl aber ein bisschen hochgegriffen, wenn man weiß, dass das Evangelische Gymnasium im 22. Bezirk liegt.
Dennoch dürfte die Pop-Akademie aber trotzdem gut gestartet sein. Anstatt der geplanten 120 hat die Akademie 140 Schüler aufgenommen. Die Hälfte Mädchen, die Hälfte Buben, im Durchschnitt sind sie 17 Jahre alt. Besonders bei Gesang sei der Zulauf sehr groß gewesen, „da haben wir einige ablehnen müssen“, sagt Stekel. Voll seien außerdem noch der E-Gitarre-Kurs, freie Plätze gibt es im Saxofon-Unterricht.
Am 15. November sollen die Räume im Gasometer dann bezugsfertig sein. Anfang Dezember wird die Schule wohl einziehen. Die Pop-Akademie wird dann ein maßgeblicher Teil eines neuen Bespielungskonzepts für den Turm B im Gasometer sein: die „Music City“. Abgesehen von der Pop-Akademie wird auch noch das „Jam-Music-Lab“, eine Musikhochschule für Jazz und Popmusik, eröffnen. Zielgruppe: Musikbegeisterte ab 18 Jahren. Dann gibt es noch die „Electronic Music School“ für elektronische Musik, das Gitarren-Geschäft „Vienna Guitars“, in dem nicht nur Instrumente gebaut, sondern auch Gitarrenunterricht gegeben wird. Außerdem eröffnet mit dem Cube die hauseigene Kleinbühne. Zusammen mit dem bereits bestehenden Musikgeschäft Klangfarbe und der Bank Austria Halle ergibt das 8200 Quadratmeter Musikschwerpunkt.
Die Pop-Akademie Wien ist seit September in Betrieb. Weil zu spät mit dem Bau begonnen wurde, stehen den Schülern derzeit jedoch weder Bühne noch Studio zur Verfügung.Verantwortlich für den Aufbau und den Betrieb ist die Johann-Sebastian-Bach-Musikschule der Diakonie. Die Stadt Wien finanziert das Projekt mit 1,2 Millionen Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2012)
Buntes Treiben ''andersrum''
Rad-PicknickFaltrad-Rennen wie in Le Mans
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle