Die einen haben ihn sehnsüchtig erwartet, die anderen würden seinetwegen am liebsten das Land verlassen – am Wochenende ist der Schnee bundesweit bis ins Flachland vorgedrungen. Doch ist das schon der Wintereinbruch? Und können wir die gerade erst ausgepackten Übergangsjacken wieder in den Kasten hängen? „Die Presse“ liefert einen Überblick.
1 Ist Schneefall im Flachland im Oktober normal?
Nein. Als ein „außergewöhnliches Ereignis“ bezeichnet Roland Reiter von der österreichischen Unwetterzentrale (UWZ) des Wetterdienstes Ubimet die bundesweiten Schneefälle am 28. und 29. Oktober im Flachland. Auch dass der Schnee dann liegen bleibe und eine Schneedecke bilde, komme nur alle 30 bis 50 Jahre vor. Schließlich sei der Boden im Oktober noch wärmer als im November oder Dezember. Normalerweise schmilzt der Schnee also schnell wieder. In Wien blieb der Schnee zuletzt am 24. Oktober 2003 liegen. Den ersten Schneefall bis in die Täler brachte der Wintereinbruch am Wochenende natürlich nicht. Am 15. Oktober wurden in den Pinzgauer Tälern bis zu fünf Zentimeter Neuschnee gemessen. Trotzdem kann man nicht von einem „kalten“ Oktober sprechen. Generell lagen die Temperaturen im Oktober in vielen Regionen nämlich über dem langjährigen Schnitt. Föhniger Südwind sorgte vor allem in den Bergen für neue Rekorde: So wurden auf dem Feuerkogel in Oberösterreich erstmals im Oktober 21,6 Grad gemessen.
2 Ist es mit den warmen Temperaturen jetzt endgültig vorbei?
Das kann man so nicht sagen. Zwar wird es heute, Dienstag, noch frostig, zu Allerheiligen steigen aber schon die Temperaturen, mancherorts wird es regnen. Am Wochenende soll es dann überdurchschnittlich warm werden, mit Temperaturen über 15 Grad entlang der Alpennordseite. Und: „Der nächste Kaltlufteinbruch ist noch nicht in Sicht“, sagt Roland Reiter. Was nicht weiter ungewöhnlich ist. Generell sei der November noch von Temperaturschwankungen geprägt. Auch Skifans dürfen sich noch nicht freuen: „Der Schnee in den Bergen, der wird schmelzen.“
3 Bedeutet der frühe Schneefall einen kalten Winter?
Nein. Durch ein einzelnes Ereignis könne nicht auf den ganzen Winter geschlossen werden, sagt Reiter. Generell sei der schwer vorherzusagen. „Es gibt zwar Klimamodelle, aber die sind nicht sehr zuverlässig.“ Nach den derzeitigen Prognosen erwartet Reiter trotzdem einen eher kälteren Winter, mit mehr Schneefällen im Süden Österreichs als im Vorjahr und Trockenheit im Norden des Landes. Allgemein hätten die Schneetage (Tage, an denen in der Früh mindestens ein Zentimeter Schnee gemessen wird) in den Niederungen in den vergangenen Jahren aber abgenommen. Auch sonst wird es über die Jahre gesehen wärmer: „Die Temperaturabweichungen nach oben, die nehmen merkbar zu“, sagt Reiter.
4 Waren die Autofahrer auf den Schnee vorbereitet?
Wieder einmal wurden viele Lenker vom Schnee überrascht. Das berichteten am Montag Polizei und Autofahrerklubs, die hängen gebliebenen Autofahrern helfen mussten. Überraschend klaglos ging der Verkehr in Wien voran. Staus gab es lediglich auf der Tangente. Die witterungsabhängige Winterausrüstungspflicht tritt in Österreich übrigens erst ab kommenden Donnerstag, den 1. November, in Kraft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)
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