Wien/Stu. Beim Hauptbahnhof, dem derzeitig größten Prestigeprojekt der Stadt Wien, läuft nicht alles glatt. Auch abgesehen von den Kosten, die sich mehr als verdoppelt haben (s. Seite 1), ist die Liste der Pannen lang.
•U1 nicht angebunden. Mit dem neuen Hauptbahnhof hatte Wien die Jahrhundertchance, eine der gravierendsten Fehlplanungen der Stadt zu beheben: Aus unerfindlichen Gründen verhungerte die U1 hunderte Meter vor dem Südbahnhof. Daher war der erste Plan, die U1-Station endlich in das Bahnhofsgebäude zu integrieren – damit Reisende ihre Koffer nicht hunderte Meter von der U-Bahn bis zum Bahnhof schleppen müssen. Aus diesem Plan wurde nichts. Die U1 wird zwar näher als bisher beim Hauptbahnhof sein – ihn aber weiter nicht erreichen. Argumentiert wird dieser Umstand seitens der ÖBB und der Stadt Wien damit, dass das technisch nicht möglich sei.
•Cable Liner. Um die U1 doch noch näher an den Hauptbahnhof zu rücken, wurde 2009 eine Lösung vorgestellt: Eine Standseilbahn („Cable Liner“) sollte Passagiere zwischen Bahnhof und U-Bahn führen. Allein, die prognostizierten Kosten von 30 Millionen Euro explodierten in der Planungsphase auf mehr als 50 Millionen Euro – womit dieses Projekt gestorben war. Es blieben Planungskosten in der Höhe von mehr als 200.000 Euro.
•U2 verfehlt den Bahnhof. Die Verlängerung der U2 vom Karlsplatz in Richtung Süden wäre die ideale Gelegenheit, den Bahnhof direkt an die U-Bahn anzubinden. Doch der damalige Planungsstadtrat Rudolf Schicker brachte dieses Vorhaben zu Fall. Es würden die angrenzenden Stadtentwicklungsgebiete an die U2 angebunden, weshalb es nicht möglich sei, den Hauptbahnhof zu erreichen. Völlig anders sehen es die unabhängigen Prüfer des Rechnungshofs. Ihr Bericht kam einer Vernichtung der planerischen Kompetenz der Stadt gleich. Dort wurde trocken festgehalten: Der Hauptbahnhof verfügt über keinen U-Bahn-Anschluss – was bei einem Neubau völlig unverständlich sei.
•Panne bei Ausschreibung. Im August 2009 wurde die Ausschreibung der Bahnhofshalle von den ÖBB wieder aufgehoben. Als Grund wurde kolportiert, dass die ÖBB die Angebote der Baufirmen als „wirtschaftlich nicht nachvollziehbar“ zurückgewiesen haben. Probleme gab es auch mit dem damals geplanten ÖBB-Hauptquartier auf dem Areal beim Zentralbahnhof. Im März 2008 hat das Bundesvergabeamt den Wettbewerb für die Bahnhof-City kurz vor der Juryentscheidung gekippt – weil es keine EU-weite Ausschreibung gab. Nebenbei wurde bekannt, dass die Bahnhofs-City nicht 2013, sondern erst 2016 vollendet werden kann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)
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