Heer rüstet sich für Cyber-Krieg

08.11.2012 | 18:35 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Laut Strategen werden Cyber-Kriege immer wahrscheinlicher. Der Inlandsnachrichtendienst des Bundesheeres plant eine 100 Mann starke Einheit, die im Ernstfall Österreich schützen soll.

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Wien. Die einen halten den Begriff „Cyber-Krieg“ für überstrapaziert, meinen, er diene lediglich als Argument für jene, die den Überwachungsstaat weiter hochfahren wollen. Die anderen sehen in konzertierten Angriffen aus dem Internet die „aktuell gefährlichste Bedrohung“ (Zitat: André Blattmann, Armeechef der Schweiz) für moderne Staaten.

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In den vergangenen Jahren widmete sich auch das österreichische Verteidigungsministerium dem Thema. Ein Teil der Arbeit wurde nun bekannt. Das Bundesheer plant, in den nächsten Jahren eine bis zu 100 Personen starke Einheit aufzubauen, die das Land auf Cyber-Angriffe auf den Gesamtstaat vorbereiten, bzw. im Ernstfall die Grundfunktionen der staatlichen Infrastruktur aufrechterhalten soll. Die Pläne für dieses sogenannte milCERT (militärisches Computer Emergency Readiness Team) wurden unter der Federführung des u. a. auf Kommunikationstechnologie spezialisierten Inlandsnachrichtendienstes des Bundesheeres, des Abwehramts, entwickelt. Das Vorhaben ist zwar noch nicht abgeschlossen, steht aber „kurz davor“, wie Projektleiter Christof Tatschl, Oberst des Generalstabes, sagt.

Als zentrale Aufgaben des milCERT sieht das Bundesheer einerseits Prävention, andererseits die Handlungsfähigkeit im Ernstfall. So soll die Einheit künftig die CERTs anderer Einrichtungen (Bundeskanzleramt, große Unternehmen) über aktuelle Bedrohungen informieren, damit sich diese vorbereiten können. Um überhaupt davon zu erfahren, sind sehr enge Kontakte zur Wirtschaft und zu ausländischen Nachrichtendiensten nötig. Betroffene sprechen nämlich nicht gern über erfolgte Angriffe aus dem Internet.

 

„Unmittelbare Gefahr“

Ist ein Staat erst einmal ins Visier geraten (Beispiele: siehe Artikel unten), muss die Politik entscheiden, ob dafür die Polizei oder das Militär zuständig ist. „Um das zu klären, wird es Begleitgesetze zur neuen Sicherheitsstrategie geben müssen“, glaubt Walter Unger, Leiter der Abteilung für IT-Sicherheit im Abwehramt. Hintergrund: Bei konventionellen Kriegen ist in der Regel klar, wer hinter den angreifenden Truppen steht. Bei Attacken aus dem Cyberspace ist es schwer bis unmöglich zu erkennen, ob es sich beim Gegner um einen anderen Staat, Terroristen oder andere Kriminelle handelt.

Jedenfalls wollen die Strategen im Verteidigungsressort nach dem Wegfall des Eisernen Vorhangs und der Einbettung Österreichs in die EU mit dem Cyberspace die erste offene Flanke seit Langem entdeckt haben. In einem Vortrag für den Ministerrat (Mai 2012) heißt es, dass „Attacken aus dem Cyberspace (...) eine unmittelbare Gefahr für unsere Sicherheit sowie das Funktionieren von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft“ darstellen.

Im schlimmsten Fall rechnen die Militärs mit Hacker-Attacken auf mehrere Bereiche gleichzeitig. Wegen der immer stärkeren Vernetzung von Strom- und Telekom-Netz, Banken- und Geldversorgung, Spitälern, Bundesbahnen und Wasserversorgung ist – zumindest theoretisch – bei hochwertig geplanten Angriffen das „Runterfahren“ eines ganzen Landes möglich, ohne auch nur einen einzigen Schuss abzugeben.

Das Abwehrinstrument milCERT könnte innerhalb der nächsten drei Jahre den Grundbetrieb aufnehmen. Dabei ist die Finanzierung der Ausrüstung das geringste Problem. Das Abwehramt schätzt den Investitionsbedarf auf „mehrere hunderttausend Euro“. Schwieriger wird es, Personal zu bekommen. Mehrausgaben sind nach den Vorgaben des Finanzministeriums ausgeschlossen, weshalb aus anderen Einheiten Planstellen umgeschichtet werden müssen. Doch auch das darf das Ressort nicht selbstständig tun. Derzeit gibt es erste Kontakte mit der zuständigen Beamtenministerin.

Schwierig wird auch das Engagement der nötigen IT-Experten aus der Wirtschaft, die im Bundesdienst deutlich schlechter verdienen würden. Dort denkt man derzeit darüber nach, Spitzenleute mit befristeten Verträgen zu locken. Die Überlegung: Ein paar Jahre Arbeit im Umfeld eines Nachrichtendienstes würde deren Marktwert für die spätere Karriere in der Wirtschaft weiter steigern und vorübergehende Gehaltseinbußen im Bundesdienst rechtfertigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2012)

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39 Kommentare
 
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UNSER Heer?

Was schaffen sie sich denn da an, einen C64??

"Ich mach mal einen

download" war der Spruch des Spiess bevor er auf das Klo verschwand. Das war vor fast 20 Jahren. Technikbegeistert war man beim BH immer schon.

keine Scherzartikel bitte

Bitte keine Scherzartikel - Bundesheer und Kampf gegen Cyber - Kriminalität passt halt so gar nicht zusammen - in dieser Form der Personalstruktur wie beim Militär kann das nicht funktionieren - da müssen schon Profis ran !

Was tun?

Computer/kommunikationsnetzwerke stoppen und deinstallieren. Das ist sehr gut fuer den Arbeitsmarkt: Heere (!) von Psychologen muessen dann die Menschen behandeln, die internet- u handysuechtig sind. Sehr gut auch fuer die Wehrdebatte: weg von der Gewalt, hin zum friedlichen Miteinander.

Re: Was tun?

Gute Idee, fange Sie bitte mit Ihrem Anschluss an!

Re: Re: Was tun?

Geht nicht. Der Abbau braucht Leute, die wissen, wie das geht.
Ausserdem hat Ihr Vorschlag einen Bart: (fast) alle Soldaten behaupten, dass sie nur das Volk verteidigen wollen.
Mein Vorschlag: User1 schreibt ein Email weniger als sonst, dann macht User2 das gleiche, ... User5.000.000.000. Dann gehts wieder von vorn los: noch ein Email weniger, ...

brav weiter sparen

beim Heer und bei der Polizei typisch und dann heulen wenn's soweit ist

Der Cyber-Krieg

ist ja nur so eine monströse Bedrohung, weil unsere Führer zielstrebig darauf hingearbeitet haben und noch immer - trotz offensichtlicher Bedrohung - darauf hinarbeiten. Es wird ja bereitwillig ALLES ins Internet gehängt und nur deshalb kann die gesamte Logistik, angefangen von Engerie (die ach so coolen SmartMeter lassen an dieser Stelle recht herzlich grüßen), Kommunikation, Nahrungsverteilung etc) flächendeckend über eben dieses alles durchdringende Netz lahmgelegt werden - mit allen apokalyptischen Folgen.

Das, was die Herrschaften jetzt planen, ist lediglich eine (aussichtslose) Symptombekämpfung, die Ursachen der Gefahr werden dabei nicht einmal ignoriert...

Besitzt unser BH Computer?


Re: Besitzt unser BH Computer?

Haben die Amis 1955 welche dagelassen?

Cyberwar?

Wenn also ein gefinkelter Angriff aus Italien eine große österreichische Bank lahmlegt greift das Heer ein?
Super!
Ich leg' mir schon mal einen Vorrat an Popcorn an. Das zieh ich mir in der ersten Reihe fußfrei rein.

aber nicht rascheln,

Sie Krümelmonster

:-)

100 Mann?

Also 5 Generäle, 10 Oberisten, 30 Vize, 50 Wachtmeister und 5 Chargen von denen 3 Versorgungsposten sind und 2 wissen was sie zu tun haben, während alle anderen irgendwas herumbrüllen, Paraden planen und sich gegenseitig Orden verleihen.

Wäre interessant, was das BH bereit ist, zu zahlen.

Re: 100 Mann?

Nomen est omen

Ich kann nur hoffen,

dass die 100 Soldaten aus dem Reservoir der Berufssoldaten genommen werden! Bei der geringen Beschäftigung wäre es wünschenswert, hier zu sparen und Zusatzausbildung anzubieten!

Re: Ich kann nur hoffen,

Ich hoffe nicht. Die Offiziere und Unteroffizier müssten dazu jahrelang ausgebildet werden. Es ist wesentlich einfacher jungen Absolventen von technischen Schulen oder Unis einen Einsteig in das Berufsleben zu ermöglichen. Diese Computerexperten müssen auch nicht salutieren, exerzieren oder schießen können.

Gerne gebe ich den Experten

des Bundesheeres kostenlos Unterweisungen z.B. in Solitaire, oder für das Online-Schn apsen um meinen Beitrag zur Steigerung der Sicherheit Österreichs zu leisten! Als ehemaliges Mitglied des Miliz-Kaderpersonals kenne ich die Bedürfnisse des Personal bestens !

Re: Gerne gebe ich den Experten

Nachdem sie sich so gut in computergestützer Unterhaltung auskennen, kann ich mir gut vorstellen, was sie den ganzen Tag in ihrem Büro machen. Ich hoffe ihr Boss kommt ihnen auf die Schliche. Arbeiten sie lieber mal was!

wenn das internationale Finanzsystem

zusammenbricht braucht man natürlich einen Bogieman auf den man die Schuld laden kann! - da eignet sich eine künstliche Cyberattacke hervorragend um die Leute in die cashless society zu zwingen!

Klingt für mich irgendwie ...

... nach Krieg der Knöpfe. Oder Zwergenaufstand.

Ob unserer tragenden Rolle in der Weltpolitik muß sich Österreich natürlich sofort wieder wichtigmachen.

Am Besten bitte mit Experten, wie sie bei der BA zum Einsatz kamen...

naja

Das alles beim BH zu verorten ist keine gute Idee - mit dieser Thematik sollten sich schon "erwachsend" Institutionen beschäftigen

Chanche??

Der Staat Österreich glaubt also er könne mit 100 "IT-Experten" sich vor Cyberangriffen schützen.
1. Das PSN wurde gehackt, und Sony hat sicher Zugang zu qualifizierteren Experten
2. Selbst die NASA, das Pentagon und die NSA wurden mit einer leichtigkeit gehackt.
3. Wie glaubt das österreich da eine chanche gegen Cyberkriminelle hat

Re: Chanche??

Es gibt ein paar dieser Nerds, die unsere Systeme wohl alleine ordentlich absichern könnten. Deren Tantiemen sprengt aber wohl das veranschlagte Budget für alle 100 "Experten".

haha

die bereits it-experten sollen "gratis" für den staat arbeiten um dann bessere berufschancen zu haben. soll das ein schlechter scherz sein?

Wurden diese Spezialisten beim Berufsheer schon miteingerechnet?

Mal den Darabos fragen ...

Re: Wurden diese Spezialisten beim Berufsheer schon miteingerechnet?

Nein, das machen die Grundwehrdiener. Besonders intelligenter Kommentar.

 
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