Lift, Lage, Luxus: Der Zulagendschungel bei Mieten

16.11.2012 | 10:42 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Das Gesetz sieht zahlreiche, zum Teil skurrile Zu- und Abschläge bei den Richtwertmieten vor. Regelung zeigt, wie umfangreich, teilweise unklar und skurril das Mietgesetz bei den Zuschlägen ist.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Nutzen Sie Ihre Wohnung auch als Hochzeitsplanerbüro? Dann haben Sie Pech. In diesem Fall darf der Vermieter 4,8 Prozent auf die Richtwertmiete draufschlagen. Diese Regelung zeigt, wie umfangreich, teilweise unklar und skurril das Mietgesetz bei den Zuschlägen ist.

Grundsätzlich: Rund 960.000 Wohnungen existieren in Wien. Davon sind 78 Prozent Mietwohnungen. Auf dem privaten Markt ist die Richtwertmiete am weitesten verbreitet (rund 220.000 Wohnungen). Der Richtwert orientiert sich dabei an einer Normwohnung. Abweichungen werden in Zu- und Abschlägen ausgedrückt. Ein kleiner Auszug:

Besitzen Sie ein Badezimmer? Dann darf der Vermieter einen Aufschlag verlangen. Ebenso bei Parkettböden und Anschlussmöglichkeiten für Geschirrspüler und Waschmaschine. Doch der wichtigste Aufschlag, den Vermieter gern verrechnen, ist der Lagezuschlag. Er beträgt bis zu 20 Prozent vom Richtwert in einer Grün- und Ruhelage. Auch wer die Wohnung beruflich nutzt, zahlt einen Aufschlag – ebenso, wenn das Haus eine Garage, einen Lift, einen Fahrrad- oder Hobbyraum oder eine „modern ausgestattete“ Waschküche besitzt. Ist der Zustand des Hauses gut (z. B. Wärmedämmfassaden) kommt der nächste Zuschlag dazu. Das gilt auch für Mieter, die mindestens im 2. Stock wohnen. Verfügt das Haus noch über elegante Ausstattung – etwa mit geätzten Mustern versehene Glasflächen (!) –, bringt das dem Vermieter weitere zehn Prozent.

 

Abstriche von der Miete

Das Gesetz hält auch fest, in welchen Fällen Abschläge von der Richtwertmiete fällig sind. Eine Kategorie-B-Wohnung mindert den Richtwertmietpreis um 25 Prozent, eine Kategorie-C-Wohnung um 50 Prozent. Dazu kommen Abschläge für fehlende Dachbodenmitbenützung oder Verkehrslärm.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

14 Kommentare

Lagezuschlag

Habe auch einen "Lagezuschlag" wegen grüner Lage (Praternähe). Genau so gut könnte man hier aber einen Abschlag anwenden, wegen Lärmbelästigung durch Freier in dieser Rotlichtgegend.
Interessant ist, dass Waschmaschinenanschluss und Badezimmer NICHT zu einer Normwohnung gehören - offenbar ein Luxus!

Re: Lagezuschlag

Das Badezimmer ist Kategoriemerkmal. Dass es dafür einen Zuschlag gibt, ist völliger Schwachfug.
Übrigens - was wohl wichtiger ist: gibt es kein Kellerabteil, dann 25% Abschlag; werte PRESSE (Dachbodenmitbenützung ist wohl nciht mehr sehr aktuell...)

die Griechen und die Wirtschaft

wie unfähig die Griechen im eigenen Land sind, sehen wir jeden Tag.
Warum sollen sie es in Wien besser können?
Frau Vasilaku ins Stammbuch:
für eine ca. 100m2 große Wohnung in sehr guter Lage in einem Top-Haus werden aktuell 500 EUR mtl. Bertriebskosten und Reparaturrücklage bezahlt.
Sie will, dass so eine Wohnung um maximal 700.- mtl. inkl. Beztriebskosten vermietet werden muss.
Kein Wiener wird so einen Huscher haben, dass er das tut ...

Re: die Griechen und die Wirtschaft

1. wenn die whg weitervermietet wird zahlt der mieter die bks und nicht der eigentümer
2. 500 euro? 1 euro repfonds pro m2 pro monat ist ok, das wären dann 400 euro bks? nicht bös sein, aber da kann was nicht stimmen, wie mans auch rechnet, da solltest du mit deiner hv ein ernstes wörtchen reden

7 euro max sind aber ganz einfach verbl.d.t, da ansonsten eine 100m2 wohnung zb in döbling in grün und ruhelage 700 kostet und eine gleiche wohnung im 16. am gürtel detto (was sie momentan zt eh schon kostet)...? wie soll das funktionieren?

völlig planlos, grün halt

Re: Re: die Griechen und die Wirtschaft

1) ein Haus in den Jahren braucht mehr Reparaturen und mehr Rücklagen
3) ein Haus über Standard (Garten, Aufzug...) hat natürlich auch mehr Betriebskosten.
3) Die Griechin will ja in den 7/m2 die Betriebkosten inkludiert haben - oder habe ich da was falsch verstanden?
4) Aber das Unsinnigste an der griechischen ohnungspolitik ist ja, dass sie alles reglementieren will - ohne Unterschied auf Qualität, Ausstattung oder Lage, Lage, Lage ...
So ein Denken kann man nur von der DDR-SED ("Einheits"partei!) gelernt haben...

Und wieder ein Beweis für das

Versagen der Politik.
Eingriffe in den Markt haben immer unbeabsichtigte Folgen…

das ist das skurille in österreich, orrrrrdnung kommt schon von oben verschrieben, der gesetzgeber MUSS ÜBERALL eingreifen!!! anders es geeeeeht nicht!!! wo samma denn!!! da könnte ja jeder kommen!!! und bla bla bla


Re: das ist das skurille in österreich, orrrrrdnung kommt schon von oben verschrieben, der gesetzgeber MUSS ÜBERALL eingreifen!!! anders es geeeeeht nicht!!! wo samma denn!!! da könnte ja jeder kommen!!! und bla bla bla

achtung, fuer NEOLIBERALES GEDANKENGUT gibts hier rote stricherl
;-)

Re: Re: das ist das skurille in österreich, orrrrrdnung kommt schon von oben verschrieben, der gesetzgeber MUSS ÜBERALL eingreifen!!! anders es geeeeeht nicht!!! wo samma denn!!! da könnte ja jeder kommen!!! und bla bla bla

Grazer Vorstadtkritik

Ist nur eine Frage: Was meinen Sie mit Neoliberal? Nicht etwa die pekuniär permanente Ausbeutung der Unterschichten? Werter Poster, die unhygienische Hausherrenabzocke aus dem privaten Bereich, hat schon viel Unglück über Mieter die in die (gestellte) Falle tappten, gebracht. Die finanziell Ausgelaugten stehen Schlange. Oder gucken Sie einmal über unsere Westgrenzen. In München, dort wo der SPDler Ude sein Zepter schwingt, ist schon längst eine nicht einmal mehr verheimlichte Wohnungsnot ausgebrochen. Da lob ich mir einmal die Wiener SPÖ. Der von den Sozis gesteuerte Wiener Wohnungsmarkt, rettet mit Sicherheit viele Menschen (wenn sie nur halbwegs vernünftig mit ihren finanziellen Ressourcen umgehen können?!?) vor der Obdachlosigkeit. Merke: Wohnrecht ist eine Grundrecht-für alle. Und wenn die privaten Hausherren (in ihrem überproportionalen Gewinnstreben) zu Aasgeiern werden, muss ihnen Väterchen Staat aufzeigen, wo es langgeht. Wien ist dafür ein relativ gutes Beispiel

Re: Re: das ist das skurille in österreich, orrrrrdnung kommt schon von oben verschrieben, der gesetzgeber MUSS ÜBERALL eingreifen!!! anders es geeeeeht nicht!!! wo samma denn!!! da könnte ja jeder kommen!!! und bla bla bla


In Kenntnis Ihres Zynismus': Wer schert sich schon um die Strichelungen? Man kann nicht Jedem alles recht machen, Und wer will das schon?

Zusätzlich: Wenn wer genau das Gegenteil meiner Meinung schreibt, und das halbwegs gut argumentiert, hab ich was gelernt. Und ein grünes Stricherl von mir ist sicher.

je mehr der gesetzgeber in den markt eingreift

desto komplizierter wirds mit der zeit. fuer den gesetzgeber, fuer anwaelte, beamten ist das natuerlich kein problem, die leben von dem theather. die gegaengelte wirtschaft erfindet immer neue ausweichsmoeglichkeiten und schlupfloecher (wie man sieht), und der konsument ist der dodel. anderswo gibts keine kategorien und keine abloesen und der markt pendelt sich locker auf das aktuelle immobilienniveau ein. ein paar grundsaetzliche mieterschutz-und verpflichtungen, und schon passts ... (kopfschuettel*

Anderswo, also in allen europäischen Hauptstädten, ...

... hat sich das Mietniveau deutlich höher als in Wien "eingependelt". Seit Böhmdorfers Mietrechtsreform galoppieren auch die Wiener Preise Richtung ungezügelt in die Höhe. Wie da Familien mit Kindern mithalten sollen, deren Einkommen in den vergangenen 10 Jahren nur mäßig angepasst wurden, ist mir schleierhaft.

Deiner Expertise nach, wird sich wohl auch die Obdachlosenquote auf internationalem Niveau einpendeln...

Überraschung

Welch Überraschung, dass die Vermieter da bei den ZUschlägen sehr großzügig sind und sie SICH genehmigen, hingegen bei den ABschlägen eher knausrig....

Re: Wieso Überraschung

wo es 'richtwerte' gibt, wird man versuchen, diese dem markt anzupassen.

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    12:00
    Wien
    10°
    Steiermark
    11°
    Oberösterreich
    11°
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    10°
    Kärnten
    11°
    Vorarlberg
    11°
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden