Lobautunnel: Buhlen um die Anrainer

15.11.2012 | 19:52 |   (Die Presse)

Autobahnprojekt: In der heißen Phase der Umweltprüfung bezweifeln Kritiker die Richtigkeit der Asfinag-Berechnungen. Die wirbt mit Verkehrsentlastungen bei Anrainern für das Projekt.

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[Wien/awe] Am Montag wird es ernst. Dann beginnt die öffentliche Verhandlung über die neu zu bauende Autobahn zwischen Schwechat und Süßenbrunn. Der Abschnitt ist zentraler Teil des sogenannten Regionenrings um Wien. Weil von der Verhandlung abhängt, ob der 19 Kilometer lange Abschnitt, der mit einem acht Kilometer langen Tunnel die Donau unterquert (Lobautunnel) überhaupt gebaut wird, geraten vor dem Schlagabtausch der Errichter Asfinag sowie Umweltschützer bereits jetzt in aller Öffentlichkeit aneinander. Es wirkt fast so, als buhlten beide um die Gunst der Anrainer.

Vereinfacht gesagt verlaufen die Argumente so. Eine Gruppe aus Aktivisten, Bürgerinitiativen und Wissenschaftlern behauptet, dass die in bis zu 60 Meter Tiefe verlegten Betonröhren das Grundwasser in der Region rund um den Nationalpark Donauauen derart verändern könnten, dass auch Anrainer dadurch Schaden erleiden. Der Schnellstraßenbetreiber und -errichter Asfinag wirbt insbesondere damit, dass die (jetzt) schon unter dem starken Straßenverkehr in der Region leidenden Anrainergemeinden durch den Bau der S1-Verlängerung deutlich entlastet würden. Wer hat nun recht?

Letztendlich entscheiden wird das die für Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) zuständige Behörde im Verkehrsministerium, die momentan die 9000 Seiten an Unterlagen und Berechnungen, die die Ingenieure der Asfinag vorgelegt haben, prüft. Alle Beteiligten rechnen damit, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate einen Bescheid geben wird. Einstweilen läuft ein Wettstreit um die öffentliche Meinung.
Asfinag-Vorstand Alois Schedl, der das von der Politik beschlossene Vorhaben umsetzen muss, sieht in dem 1,8 Milliarden Euro teuren Projekt nur Vorteile – insbesondere für Bewohner der angrenzenden Gemeinden. Ob Wien, Eßling, Raasdorf, Deutsch-Wagram oder Strasshof: Die Verlängerung der S1 werde laut seinen eigenen Berechnungen eine Verkehrsreduktion von bis zu 30 Prozent bringen.

Falsche Voraussetzungen?

Auf den ersten Blick fast schon rosige Aussichten, die in der Region – zumindest abseits des Einflussbereichs der Kritiker – auf Zustimmung stoßen. Bevor es nämlich am Montag in die finale Phase des UVP-Verfahrens geht, sind bei der zuständigen Behörde lediglich 100 Stellungnahmen eingelangt. Obwohl entsprechende Eingaben auch positive Meinungen zum verhandelten Projekt transportieren können, sind es in aller Regel stets kritische. Und im Vergleich zu ähnlichen Infrastrukturprojekten sind es dieses Mal besonders wenig. Zum Vergleich: Im Verfahren zum Linzer Westring (A26) machten mehr als 1000 Berechtigte ihrem Ärger Luft.

Aus Sicht der Kritiker sind die Argumente jedoch trügerisch. Die Gruppe, bestehend aus der Bürgerinitiative „Rettet die Lobau“ sowie der Umweltschutzorganisation „Virus“, behauptet nämlich, dass die Berechnungen der Asfinag falsch sind. Dafür hat sie sich Unterstützung von prominenten Experten gesichert. Mit dabei sind u. a. der explizit automobilkritische Hermann Knoflacher sowie Josef Lueger, ein Experte für Geologie und Hydrologie, der bereits mit seinen kritischen Gutachten zum ÖBB-Eisenbahntunnel unter dem Lainzer Tiergarten für Aufsehen gesorgt hatte. Auf das Wesentliche reduziert sagen sie, dass die Asfinag-Ingenieure bei Grundwasserberechnungen falsche Ausgangswerte verwendeten und bei der Vorschau für die Verkehrsbelastung den Trend zu öffentlichen Verkehrsmitteln völlig unberücksichtigt ließen.

Tunnel bis 2025

Argumente, die die Asfinag damit entkräften will, dass die beauftragten Ingenieurbüros zu den besten in Europa gehören. „Und diese haften mit ihrem Firmenstempel für die Richtigkeit der Berechnungen“, sagt Asfinag-Baumanagement-Geschäftsführer Alexander Walcher. Gibt das Ministerium im Zuge des UVP-Verfahrens tatsächlich grünes Licht, werden die ersten Bagger 2014 auffahren. Bis 2016 soll der oberirdische Abschnitt zwischen Maria Enzersdorf und Süßenbrunn errichtet werden und in Betrieb gehen (Kosten: 400 Mio. Euro). Das Kernbauwerk, der Tunnel durch den Nationalpark, wird frühestens 2018 entstehen. Momentan rechnet man mit einer Bauzeit von mindestens sieben Jahren. Kosten: 1,4 Mrd. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2012)

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22 Kommentare

Egal was kommt

Bezahlen wird wie immer alles der Steuerzahler,also wählt zwischen Pest oder Cholera.

obsolet

das heutige geseiere ist doch obsolet, die besagte umfahrung kommt fast 25 jahre zu spät. spätestens mit der ostgrenzöffnung hätte die wienumfahrung mit hochdruck vorangetrieben werden müssen. heut mit den überlasteten desolaten brücken auch noch lange über eine tunnelvariante zu brüten oder die billigere brückenvariante anzugehen, kann man bereits mehr als fahrlässig im sinne der verkehrsteilnehmer, seien sie gewerblich, beruflich oder privat ansehen.

Nach New Orleans für etwa 20 km eine Autobahn

auf Stelzen durch die Sümpfe.

Wir können nicht einmal 1,5 km Autobahn sicher über die Donau bauen???*
Da stimmt doch etwas nicht!

Die Tunnellobby witter wieder einmal ein gutes Geschäft.

*Was in der Erde möglich ist kann doch oberhalb nicht schlecht sein. Ein nach "oben offener Tunnel" mit Ölfänger und Regenwasserableitung zu beiden Seiten.

maria...

was soll ich davon halten, wenn in dem artikel nicht einmal die trasse der autobahn stimmt.
es wär GROSS enzersdorf, nicht MARIA enzersdorf...

Re: maria...

Gott sei Dank, sie haen einen Fehler entdeckt.
Was sagen Sie sonst zu dem Thema?

Ein geschlossener Autobahnring macht sich sicher gut auf der Landkarte

Zumindest, wenn man es bei der Asfinag mal auf die Reihe kriegt, die Verkehrsflächen richtig zu benenen. Derzeit werden ja Teile der Aussenringautobahn fälschlicherweise als Schnellstraße bezeichnet und dadurch auf manchen Landkarten auch falsch eingezeichnet. Davon abgesehen, weis ich aber nicht, wozu der Tunnel gut sein soll. Soviele Leute wollen nicht von Schwechat in den Osten des 22. das sich dafür ein Tunnel lohnen würde und füh fast alle anderen donauüberquerenden Routen eignet sich die Südostantente besser. Auch inernationaler Verkehr ist im Tunnel nicht zu erwarten, weil es ohnedies eine Autobahn von Pressburg nach Prag gibt. Für den Verkehr wäre der Tunnel fast sinnlos und solange man die Aussenringautobehn falsch benennt, gibt sie auch mal für viele Straßenkarten nichts her.

wozu der Tunnel gut sein soll

Ich bin bei diesem Thema leidenschaftslos, da ich kein Autofahrer bin.

Allerdings diese neue Autobahn sollte eigentlich schon fertig sein. Denn in absehbarer Zeit droht eine Sperre der Tangente, da eine Brücke erneuert werden soll. Ob die Umfahrung der Baustelle, die da hingestellt wird, den anfallenden Verkehr in der Stoßzeit meistern kann ist mehr als fraglich! Da ist ja jetzt schon Stau genug!
Durch diese neue Autobahn wäre sicherlich eine Entlastung der Tangente gegeben!

Re: wozu der Tunnel gut sein soll

....Durch diese neue Autobahn wäre sicherlich eine Entlastung der Tangente gegeben! ....

Klar, weil die Lobau-Autobahn ja nach Schwechat führt, entlastet sie die Tangente ?? So ein Blödsinn.
Das behauptet zwar die ASFINAG in Ihren Werbe-Inseraten.

In Wahrheit ( und das steht in den Projekt-Unterlagen ) erwartet die ASFINAG lediglich 5% !!! Entlastung.

Und dafür zahlen wir 3 Milliarden EUR ???

Zusätzlich zu den 12 Milliarden EUR Schulden, die die ASFINAG jetzt schon hat !

Noch ein Wort zum Stau :
Jeder der sich über den Stau beschwert, sollte darüber nachdenken, daß er nicht "im Stau steht" sondern selbst " der Stau ist "

In jedem dieser Stau-Fahrzeuge sitzt im Schnitt 1,1 Personen . Das soll vernünftig sien ?

Re: wozu der Tunnel gut sein soll

und nach der sanierung schütten wir den tunnel wieder zu?
1.ersatz:U2
2.ersatz:ostbahn(zusätzliche züge zur U2+3)
3.brücke fischamend-schneller,viel billiger und echter nutzen f.region-einziger nachteil:
die würde nicht wien für nö zahlen...

und nach der sanierung schütten wir den tunnel wieder zu?

Warum dieser Scherz?

Ich kann mich noch gut erinnern als auf der Tangente ein LKW mit irgend einer gefährlichen Ladung einen Unfall hatte und die Tangente deshalb sicherheitshalber gesperrt wurde.
Auf dem Praterstern war die Hölle los. Das Verkehrschaos war perfekt! Ich kann mich noch gut an eine junge Polizistin erinnern die mitten im Auspuffgestank stand und verzweifelt versuchte den Verkehr zu regeln. Das war allerdings ein aussichtsloses Bemühen, denn da ging stundenlang nichts weiter.
Ich für meinen Teil wünsche das den Pendlern, den Polizisten und den Berufschauffeuren nicht, daß es nochmals zu solchen Zuständen kommt

Re: und nach der sanierung schütten wir den tunnel wieder zu?

ein netter scherz wäre auch der selbe unfall IM tunnel-direkt vor ihnen...
Wieviele unfälle gibts' täglich auf der südost?
Wollen sie die (verkehrs)probleme durch selection löse?

Re: und nach der sanierung schütten wir den tunnel wieder zu?

ein netter scherz wäre auch der selbe unfall IM tunnel-direkt vor ihnen...
Wieviele unfälle gibts' täglich auf der südost?
Wollen sie die (verkehrs)probleme durch selection löse?

Re: und nach der sanierung schütten wir den tunnel wieder zu?

Dann sollen die guten Leute eben mit den ÖFFIS fahren, statt mit dem Auto !

Tut der Umwelt gut ..
Tut der Brieftasche gut ...
Tut den Menschen gut ...

Statistikfälscher unter sich

Das wird sicher so ausgehen, wie es sich die Auftraggeber wünschen, egal ob die errechneten Prognosen stimmen oder nicht.

Typisch...

Anstatt dieses Projekt zu fördern und dafür zu sorgen, dass es Leute gibt die einer Beschäftigung nachgehen; anstatt dafür zu sorgen, dass Wien für die nächsten Jahre verkehrstechnisch gut aufgestellt ist; anstatt dafür zu sorgen, die Tangente tatsächlich zu entlasten kommen in Österreich wieder die zu Wort, welche keine Ahnung haben.

Diese Diskussion zu führen ist bereits eine Frechheit.

Anstatt solche Projekte zu verhindern, sollten sich sämtliche Umweltaktivisten umorientieren und zum Beispiel verhindern, dass uns die Lebensmittelindustrie weiterhin vergiftet! Auch gesunde Menschen sind wichtig für die Umwelt!

Re: Typisch...

Lieber Herr MES ...

Anstatt zu Dingen Stellung zu nehmen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man sich VORHER informieren, ehe man eine Stellungnahme abgibt.

Mit diesem Projekt wird Wien verkehrspolitisch zum zweiten Brennerautobahn-Knoten für den Transit aus dem Osten.
Die Wiener haben außer den Kosten und dem Dreck nichts davon ...

Die Tangente wird dadurch kaum ( ca. 5% ) entlastet, was durch erhöhtes Transitaufkommen binnen eines Jahres "aufgefressen" wird ...

Die Lobau-Autobahn ist ( nach eigener Aussage der ASFINAG ) eine TRANSIT-Autobahn und hilft den Pendlern in KEINER WEISE, im Gegenteil .. Autobahnen ziehen zusätzlichen Vekehr an !
Diese Diskussion zu führen ist keineswegs eine Frechheit, sondern eine Notwendgkeit.
Beschäftigt werden außer Großmaschinen nur sehr wenige Menschen, nur die Banken und die Bau-Mafia verdient sich dabei krumm und dämlich ..

Und BEZAHLEN müssen wir das aus UNSEREN Steuermitteln !

GESUNDE MENSCHEN sind für unsere Zukunft extrem wichtig, mit solchen Projekten vergiften wir aber die Umwelt, und dann ADE mit gesunden Menschen ..
Also ... mal darüber nachdenken Herr MES !

Aktivisten und Bürger behaupten...

kurz: Leute, die von der Materie keine Ahnung haben, blockieren....

Re: Aktivisten und Bürger behaupten...

sie haben die wissenschaftler vergessen!

Re: Re: Aktivisten und Bürger behaupten...

welcher Art? Bauingenieur, Geologen oder doch genderwissenschafter?

Re: Aktivisten und Bürger behaupten...

ganz irrer meinung:
die wienumfahrung muss einfach durch wien führen;dass der tunnel bereits in den planungen ca.12x teurer als die brückenlösung(fischament)ist darf kein argument sein!
Wir brauche mehr lkw in wien-ich sage nur:verkehrs-sicherheit und -beruhigung!
Daher eine bitte an alle neander:stimmt für den tunnel!
(damit wird auch endlich der weg frei-für neue steuern!!

Re: Re: Aktivisten und Bürger behaupten...

Traurig ...

Nicht mal der deutschen Sprache mächtig, aber Kommentare schreiben .

Ob die Politik und Parteien

schon gelernt hat und mit den Schmiergeldzahlungen vorsichtiger umgehen wird, wage ich zu bezweifeln.

In 5 Jahren werden wir mehr wissen.

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