Verkehr - richtig, nicht verkehrt

Stau auf Straßen, überfüllte U-Bahn-Waggons, täglich hunderttausende Pendler, Parkplatznot. Wie die Lösung des Wiener Verkehrsproblem aussehen könnte.

U-Bahn in Wien
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U-Bahn in Wien
U-Bahn in Wien – c APA Herbert Pfarrhofer

Wien. Mehr als 420.000 Fahrzeuge, großteils von Pendlern, überqueren jeden Werktag die Stadtgrenze Wiens. Allein diese Zahl zeigt eindrucksvoll: Die Stadt hat ein Problem. Dabei geht es nicht nur um den täglich Stau auf den Hauptverkehrsrouten. Die Autos müssen auch parken. Gleichzeitig sorgt der Trend zum Fahrrad für Konflikte. Und öffentliche Verkehrsmittel sind oft überlastet – oder fehlen.

• Das Problem mit dem Stau.
Eine Erhebung zeigt: Der größte Verkehrsfluss in die Stadt erfolgt vom Süden aus Richtung Mödling – obwohl dort die öffentlichen Verkehrsmittel (Südbahn) gut ausgebaut sind. Ähnliches gilt für die Strecke nach St. Pölten. Dennoch sind zentrale innerstädtische Verbindungen wie die Südosttangente völlig überlastet. Die Lösung kann nur darin bestehen, Autofahrer auf Strecken mit gut ausgebautem öffentlichen Verkehr zum Umstieg zu motivieren. Hier ist die ÖBB gefordert. Beispielsweise mit dem verstärkten Einsatz von Doppelstockwaggons gegen überfüllte Pendlerzüge, die viele abschrecken. Dazu braucht es auch bessere S-Bahn-Verbindungen mit dem Umland, samt kürzeren Intervallen. Eine weitere Möglichkeit: die Fahrt nach Wien mit dem Auto unattraktiver zu machen – wie es mit der Ausweitung des Parkpickerls praktiziert wird. Die Voraussetzung dafür wäre aber der Bau von Park-and-Ride-Anlagen in Niederösterreich, um Pendlerströme rechtzeitig abzufangen. Wobei auch Park-and-Ride-Anlagen in Wien an Verkehrsknotenpunkten ausgebaut werden müssen. Hier haben Wien und Niederösterreich jahrelang geschlafen, was sich nun mit der Ausweitung des Parkpickerls rächt. Womit wir beim Thema „Parken“ sind.

Parken in Wien. Um Pendler abzuschrecken und Verkehr innerhalb der Stadt zu reduzieren, setzt Wien auf die Ausweitung gebührenpflichtiger Kurzparkzonen. Grundsätzlich ein gangbarer Weg, wenn auch die Umsetzung dilettantisch war. Denn es gibt tatsächlich kaum Menschen, die trotz gut ausgebauter Infrastruktur der Wiener Linien gleichsam gezwungen sind, innerhalb Wiens mit dem Auto zu fahren. Diese Aussage gilt aber nur innerhalb des Gürtels. Gerade in den Flächenbezirken, besonders in den bevölkerungsreichen Stadtteilen jenseits der Donau (Floridsdorf, Donaustadt) fehlen oft Verbindungen oder sind die Linienintervalle unzumutbar.

Insgesamt hat die Parkraumbewirtschaftung in der heutigen Form Schwächen und muss reformiert werden. Es gibt in Wien einen Wildwuchs an unterschiedlichen zeitlichen Regelungen – kaum jemand hat mehr den Überblick. Dazu kommt der von der Politik (auf Landes- und Bezirksebene) offensichtlich völlig unterschätzte Verdrängungseffekt an den Randzonen. Wenn die Stadt schon auf das Pickerl setzt, müssten Zonen so weit ausgeweitet werden, bis Verdrängungseffekte beherrschbar oder vernachlässigbar sind. Im Gegenzug könnte der Preis für das Parkpickerl reduziert werden.

• Ausbau/Reform der U-Bahn. In Spitzenzeiten sind U-Bahnen massiv überfüllt – womit das Auto attraktiver wird. Entlastung würden kürzere Intervalle und der Bau der U5 bringen, die andere U-Bahn-Linien entlastet. Gleichzeitig müsste die U-Bahn weiter verlängert werden, um Pendlern ein attraktives Angebot zum Umsteigen zu machen. Beispielsweise die U4-Verlängerung nach Auhof oder die U6-Verlängerung nach Norden.

•Autofahrer gegen Radfahrer. Ein brennendes Verkehrsthema ist auch der Konflikt zwischen Radfahrern und Autofahrern. Lösung: Es müssten ausreichend Radwege gebaut werden, um Entflechtung zu erreichen. Derzeit enden manche Radwege im Nichts, weshalb viele Radfahrer (verbotenerweise) auf den Gehsteig ausweichen. Radfahrer können die Verkehrssituation entlasten. Als Musterbeispiel gilt Amsterdam.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2012)

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